Apocalypse Now

Apocalypse Now (1979), US Laufzeit 153 Minuten, FSK 16, Drama, Actionfilm, Kinostart 18.10.2001


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von Francis Ford Coppola, mit Martin Sheen und Robert Duvall

Der von Francis Ford Coppola unter wahnwitzigen Bedingungen gedrehte Apocalypse Now! gilt als einer der größten Klassiker des Anti-Kriegs-Films und zeigt Martin Sheen in einem psychedelischen Vietnam-Albtraum.

Auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges erhält der Militärpolizist Captain Willard (Martin Sheen) einen waghalsigen Auftrag. Gemeinsam mit einer kleinen Truppe Soldaten (u.a Laurence Fishburne) begibt er sich in Richtung kambodschanische Grenze, um einen hochrangigen US-Militär, Colonel Kurtz (Marlon Brando), zu liquidieren. Kurtz, der sich mit einer folgsamen Einheit im Dschungel verschanzt hat, gehorcht keinerlei Militärbefehlen mehr und sorgt für Angst und Schrecken. Dem soll Captain Willard nun ein Ende bereiten. Auf ihrem Kanonenboot dringen sie immer Tiefer in den düsteren Albtraum des vietnamesischen Dschungels ein.

Hintergrund & Infos zu Apocalypse Now!
Regie-Ikone Francis Ford Coppola ging für die Dreharbeiten zu Apocalypse Now an seine geistigen und finanziellen Grenzen. Taifune am Set, ein störrischer Marlon Brando und ein Herzinfarkt Martin Sheens brachten das Projekt beinahe zum erliegen. Totzdem hielt Coppola an Apocalypse Now fest und stellte so ein Meisterwerk fertig, dass allerdings bei den Oscarverleihungen 1980 nicht als solches erkannt wurde. Dort wurde Apocalypse Now zwar für alle wichtigen Kategorien nominiert, erhielt jedoch nur den Oscar für die beste Kamera und den besten Ton. Über die zahlreichen Zwischenfälle am Set und die künstlerischen Selbstzeifel Koppolas informiert die Dokumentation Reise ins Herz der Finsternis, die auf Videomaterial beruht, welches seine Ehefrau während der Dreharbeiten anfertigte.

Von Apocalypse Now! existieren sowohl eine Kino-Fassung, als auch eine längere Fassung unter dem Titel Apocalypse Now! Redux. In dieser längeren Fassung sind im Original nicht verwendete Kapitel enthalten, welche etwa die gespenstische Kolonie französischer Großgrundbesitzer und eine Szene in einem Versorgungslager zeigen.

Apocalypse Now basiert lose auf dem Buch ‘Herz der Finsternis’ von Joseph Conrad. Coppola verlegte für Apocalypse Now die Handlung vom kolonialen Afrika des 19. Jahrhunderts in den vietnamesischen Dschungel. (ST)

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Apocalypse Now
Genre
Anti-Kriegsfilm, Militärfilm, Drama
Zeit
1969, Vietnamkrieg
Ort
Kambodscha, Laos, Vietnam
Handlung
Alptraum, Anführer, Angriff, Angst vor dem Tod, Armee-Einheit, Auftrag, Bedrohung, Befehl, Bombardement, Boot, Brutalität, Delirium, Dschungel, Einheit, Eliteeinheit, Feuer, Fluss, GI, Gefahr, Guerilla, Helikopter, Helikopterabsturz, Kameradschaft, Kampf auf Leben und Tod, Kampfeinsatz, Klassiker, Krieg, Kriegsverbrechen, Kultfilm, Luftangriff, Luftwaffe, Marine Corps, Maschinengewehr, Massaker, Massenmord, Menschlichkeit, Militär, Mission, Napalm, Odyssee, Oscargewinner, Patrouille, Pazifismus, Psychopath, Reise, Schlacht, Schrecken, Schusswechsel, Soldat, Spezialeinheit, Surfbrett, Surfen, Surfer, Tod, Trauma, Töten, Veterane des Vietnamkrieges, Vietcong, Wahnvorstellung
Stimmung
Aufregend, Berührend, Ernst, Geistreich, Hart, Spannend, Verstörend
Zielgruppe
Männerfilm
Tag
AFI Top 100, BFI 50 Greatest Films of All Time, Klassiker, Kultfilm, New Hollywood, Oscargewinner
Verleiher
Kinowelt
Produktionsfirma
Zoetrope Studios

Kommentare (233) — Film: Apocalypse Now


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craax

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Apocalpse Now Redux

„Antikriegsfilm“? Das erste Mal, 1982, war ich damit beschäftigt, dem Film diese ihm umgehängte vorauseilende Kuhglocke zu entfernen, und beim zweiten Mal, vor fünf Jahren, den Abhänge-Fakt zu bestätigen. Erst jetzt, beim Dritten Mal, komme ich unabgelenkt dazu, den Film für das zu nehmen, was er fürchte ist. „Antikriegsfilm“?- er ist viel mehr, viel schrecklicher als das. Er ist das Ende allen leichtfertigen Glaubens, allen Schönredens. Apocalypse? -richtet sich gegen mehr als nur einen Teilaspekt der Zivilisation, die sich seit Jahrhunderten, immer schon, in ewig ausbrechenden und wiederholenden Kriegen äußert. Im Saigoner Hotelzimmer – eine der brachial porentief wirkenden Szenen der Filmgeschichte - zertrümmert Martin Sheen – übrigens spontan, und verletzte die Hand wirklich - sein Spiegelbild. So ist dieser Film : versumpfend eingetigert laufen wir=das was zusieht, am Spiegel dieses Films vorbei, und spontan kracht eine Faust und das Bild zerfällt, zersplittert, in DutzendHundert zackige und scharfkantige, verwirrende Teil-Siegel -:Nase, Ohren, Kußmund, Hände, Seele – und die Faust langte nicht aus uns, sondern aus dem Film, und was zerfällt, ist unser im Ganzen intaktes Bild von uns – unser Selbstverständnis, das in Teile zerspringt, und untersucht : und nicht zu „unserem“ Vorteil prognoszitiert wird. Der Film i s t (Amerikas) Saigon, Vietnam (-Trauma). Er ist keine erlebte oder erlebbare – außer im Original – Situation oder Hergang. Er ist ein Delirium, anschließend nachgefiebert, ein kaltes schweißgebadetes tropfendes Fieber, eingeschlossen in einem gefangenen Vorstellungsraum. Er ist ein PingPongBall machtlos umherspringender, ermüdeter, erschöpfter Laisionen und Rückversetzungen. Er ist ein hilfloses um sich schlagendes Resümee voller Gewalt. Er hat keine Erlösung. Es ist nicht einmal in ein kongruentes Beieinander,- Hintereinander, ein schein- schlüssiges Gesamtbild, zu zerbringen. Er ist der Versuch, allein, und damit meine ich wirklich allein, in einem gottverdammten verlassenen, vom Staat ?-was immer das ist?- im Auftrag bezahltes Hotelzimmer irgendwo an einer gottverlassenen Rektum-Ecke eines im Ar*** der Welt befindlichen Planeten,- zersprungenes Spiegelbild wieder mit Tesafilm im betäubten Dämmerzustand zusammenzukleben, das es einen Sinn ergibt oder ergeben möge. Es ist tatsächlich Apokalypse – das Ende nicht etwa eines Krieges, einer Zivilisation, sondern des angekündigten Zerfalls der Welt, zumindest unseres geborstenen, verfugten, mit Tesafilm blutstropfig überquerten Bildes von uns in ihr...? Etwas Zuviel, des angekündigten Guten? Ok, reißen wir uns noch einmal zusammen, kalte Dusche, und beginnen, ganz mit einfachen Gedanken, und Worten, von vorn, diesem erratischen Findlings-Block großer Bild-Darstellungsgewalt, uns zu nähern. Aber ich warne Sie. Es ist eine apokalyptische Reise, übrigens ohne oder nur scheinbarer Wiederkehr, ins Herz der Finsternis, ins Auge des Sturms. Und Marlon Brando, zu dem ja wohl nicht nötig ist etwas zu sagen, i s t - wie in Wahrheit – Col. Kurtz. Er hat, auf seiner Pazifik-Insel-, beim verlorenen Häufchen eines Indigenen-Aufstands-, lange daran redlich gemühwerkelt. Schließlich funktionierte alles wie man 's sieht. Also von vorn?

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Seit Urzeiten bestehen und bestreiten sich zwei Auffassungen, auch der Kunst : die eine sieht den Sinn der Malerei – z.B. - in möglichst abbildungsgetreuer Wiedergabe des Ersichtlichen -, nicht von Wirklichkeit, die stets Interpretation wäre. Solche Menschen hängen sich Hirschgeweihe, Seestücke und Alpen-und Sonnenuntergangspanoramen an die Wand. Sie überlegen, ob im Grunde die Geschichte der Malerei nicht mit Erfindung des Photoapparates erledigbar ist. Solche Auffassung zu widerlegen,- könnte man ihnen Apocalypse Now entgegenhalten.

Gemäß der Geschichte des Individuums im Krieg zerfällt auch Apocalpyse Now in zwei sehr konträre Blick-Fluchtpunkte- oder-Pole : ein schein-konkreter, umschränkter, fassbarer - „realistischer“- etwa in dem Figurenbeschreibenhandeln dessen, was 'auf dem Boot' abstrus vernünftig und, wenn schon grenzwertig, so doch immer noch irgendwie scheinbar „nachvollziehbar“ vorgeht – und der zunehmend surrealistischen zooleologischen Umgebung von Begegnissen, durch die es schifft, ständig von seltsam leuchtenden farbigen irrealen Nebeln umwabbert, die stets irgendwo quellen und markieren : hier geht es um mehr als sichtliche Realität. Die Decke zum Wahnsinn ist extrem dünn, und als Cpt. Wilard zur Auftragsentgegennahme aus dem Hotelzimmer eskortiert wird, ist er schon diffus schuldfertig („Wie lautet die Anklage...?“) nah am Wahnsinn gekratzt – aber noch nicht obsolet verabschiedet (phantastisch, wie in der Hotelzimmerszene das kraftlose sinnlose Suppen-Rühren der schlappen Zimmer-Ventilatorschlegel in das hyperventillierende Luftpeitschen der Helikopterskalpelle aus einer andersparalellen Dimension übergeht). Noch vermag sich Cpt. Wilard innerlich wieder zusammenflick-reissen, hilft eine kalte Dusche – später, wie er sagt, nachdem er nie wieder weitere Aufträge anzunehmen gewillt ist – wird die Erinnerung, des Einsicht-Trips aus der/in die Hölle – nie wieder abzuwaschen, tilgbar, entrinnbar, auslöschbar sein.

Jede Einzelheit/Szene in diesem Film atmet Wahnsinn. Geordneten, offensichtlichen, blöden, amtierenden, oder ausgebrochenen 'wahnsinnig' um sich schlagenden, heillosen, explodierenden, furiosen Wahnsinn. Die Porzellan-Glastürvitrine und die gehäkelten Gardinen im Generalquartiers-Befehlsausgabecontainer, die scheinbar vernünftigen Worte der instruierenden Offiziere (samt CIA-Schnürling) stehen im krassen Gegensatz zu dem, wovon sie berichten, und was sie scheinbar in eine vernünftige Fassung bringen wollen: ein Aufbäumen der Zivilisation, ein verzweifeltes Klammern an den behaupteten lückenlosen Umfassungsbereich ihrer Grenzen. Jedoch schon die übergriffige Wahl Kambodschas in die man einen Auftragsmörder schickt : als Rückzugareal des >wahnsinnigen< Col. Kurtz, eines extraordinären Elite-Offiziers, befähigungs-gleichrangig ebenbürtig ihres eigenen Führungsanspruchs' – ein >neutral< exterritoriales Gelände des „Konfliktbereichs“,- als Ziel ihrer entschönten Operationswillkür lehrt und überführt sie eines anderen – als Behaupteten. Entgegen allem Fadenschein zersplittert Anspruch von Regelnormalität endgültig, wenn der Geheimdienstler das Tonband abspielt, und Col. Kurtz Stimme erklingt, der von über Rasierklingen gleitenden Schnecken erzählt – gefährlich, eindrucksvoll, hypnotisch. Trotzdem : der Anspruch des Menschen, eine vernünftige, umgrenzte, einheggbare Lebenswelt zu bewohnen, funktioniert nirgendwo den ganzen Film über so noch einmal, wie in dieser letzten Bastion der Zivilisation : einem europäischen Wohncontainer-Standard, womöglich mit Gartenzwergen im angegliederten Vorgarten, - mitten am Rande eines subtropischen tigerbergenden Dschungels, außer zentimeterdicken Wänden. Benjamin Willard akzeptiert, aus schlupfloch-alternativloser gewohnter Fatalität. Er wird im Sinne der Zivilisation losziehen, auf sich zurückgeworfen gestellt, Col. Kurtz finden – und „Schluss machen“. Ein Patrouillenboot, der „Schlagader des Krieges“ mitten durch das zerborstene Land nachspürend, soll ihn hinbringen.

Was folgt, ist eine fatale Odyssee, ins Nichts, deren zunehmend absurder werdende Entwicklungsphasen des Wahnsinns wir nicht verraten wollen – dazu ist der Film da. Er findet Bildausdrücke ohnegleichen.. R. Duvall spielt einen Husarenoberst, dessen Performance für künftige Zeiten legendär werden dürfte – und nur e i n Ausdruck, des >'helden'mütigen< Wahnsinns,- eine von dutzenden weiteren Varianten. Wagners Walkürenritt mischt sich mit den Endzeit-Klängen der Doors – mindestens ebenso ruinös wie in Oliver Stones Film, der sich wahrscheinlich gegen die lauteren Absichten von Coppola unter demselben Substanzen-Einfluss geschlagen geben muss. So ist Gen. Lt. Kilgore siegreich und unverwundet hervorgegangen, während sich Stones Doors-Film den Topf-Deckel auf die Eingeweide presst, dafür aber würdig aus des Generals Feldflasche persönlich zu belohnungs-naschen bekommt. Auch Cpt. Willard entkommt - seinem inneren Auftrag entgegen, sogar samt einer düpierenden Trophäe, um die allein wiederzubeschaffen Kilgore vermutlich ein widergespenstigeres Land wie solches >Vietnam< in Stücke sprengen, hauen, sengen, würgen, racheengeln, verkohlen, entlauben, vergewaltigen, raubmorden würde.
Apropos rauben, morden : bemerkenswert, wie wenig Hintergrundanalyse Coppola darauf verwendet, irgendwelche moralischen Ansprüche darzulegen,- um sie zu widerlegen : nicht eine Minute verschwendet er an fadenscheinige Beweisführungen. Eine schlagkräftige (amerikanische) hochtechnisierte Armee, zahllose jungmännliche 'Soldaten' sind einfach da und zerlegen praktisch ein Land ; die Bilder sprechen für sich. Eine friedliche Dorflandschaft in der Morgensonne – Bauern, Feldbestellung, ein Schulplatz, Ordnung, Kinderschar – dann bricht die Hölle herein und los. „Charlie“ genügt als Begründung für jegliches Tun. Ein Dschunke auf dem Fluss wird kontrolliert : es ist wie ein Tiger, der unversehens aus dem Busch bricht. Es ist eine Hinrichtung. Es gibt keine Gründe, keine Herleitung, keine Konsequenzen; es gibt, was passiert, diesen Augenblicks, im nächsten ist er vorüber. Man ist am falschen Moment zur falschen Zeit – einen richtigen gibt es nicht. Er ist so unauffindbar wie den ganzen Film über die vergebliche Frage nach dem >diensthabenden Offizier< ("ich dachte, das sind S i e- "?!). Auch ihn, den Befehlshabenden, gibt es längst nicht mehr. Vielleicht ist er vor Wochen, vor Monaten verschwunden, auf eine Mine getreten – die Maschine läuft längst selbstvollkommen, auf Volldampf im Schlamm gestellt steckend, Amok, oder was auch immer – einige Male kommen Lyndon B. Johnson oder Nixon ins Spielgerede-– sie sind fern, ungreifbar, irrelevant – niemand selber Puppen ahnt, was vorgeht, keiner der Beteiligten hat Einfluss oder Eigenverständnis, Richtung oder Ziel – die Maschine läuft, und sie wird laufen, bis sie sich totgelaufen hat, beiläufig. So gelingen phantastische Bilder des „Ewigen Krieges“, des MenschengeSchlechts, des Politischen, die Brücke bei Do Lung - „Jede Nacht zerstören die Viets sie, jeden Tag bauen wir sie auf, damit die Generäle behaupten können, sie sei frei passierbar“ ...im endlosen Kreislauf der Zerstörung ; das betrifft (wie jeder gesprochene Satz hier) weit mehr als nur solchen einen Ort : der Ort ist die militärische Geschichte /ja die der Zivilisation, seit Ausgrabe-Begebung des Bronzeschwerts.

So könnte man sagen :von der Kolonisten-Bewirtungsgesellschaft, an der das (fast) allein am Tisch verbliebene militarfanatisierte französische Familienoberhaupt (offiziell „half“ Amerika nur im antikommunistischen Selbst-„Verteidigungskampf“ der halbabgenabelten französischen Ex-Kolonie),- wie dieses urabkömmliche Kolonistenhaupt, ohne jeglichen Widerspruch zu bemerken, auf die aufgelöste, widersprüchlich zerfallene und zurückgezogene Tafelrunde weist : „Das, was diese Familie zusammenhält...“ - kann man eigentlich noch tiefer eine absurde, entsetzliche gottmenschverlassene Situation erschaffen als in diesen unablässigen Bildern? - der Hohlheit und Widerlegung aller behaupteten Kultur, die durch Taten, durch ALLES und jedes Detail widersprochen, ins Gegenteil verkehrt wird, wie in der schlammigen Bunny-Szene (nicht der der Bühne), sondern im trockengelaufenen Helikopter, wo für ein wenig (übrigens ö l igen!) Betriebsstoff vergeblich alles Ideal geschundener Liebesträume verflüchtigt, verraten, umso schmerzlicher entbehrt wird, je mehr die Zitzen-Bratwurst vor der Nase, unerreichbar, baumelt+zurechtgerückt wird, dem Ertrinkenden ein Strohhalm, dem meerwasser-Verdurstenden eine vorgegaukelte Fata Morgana, zur Steigerung jeglicher Entbehrungs-Qual, im Vollzug des Aktes zugleich vor Augen geführt/ vorent-halten wird? Ist ein Überstieg solcher Liebesunfähigkeits-Desillusions-Entbehrung im "Nächsten" vorstellbar? - Wenn endlich Col. Kurtz sich aus dem Halbschatten erhebt, als haltloser Gott, als jemand, der der Absurdität des verrotteten, verkommenen, wahnsinnig gewordenen Werte-Kanons modern-westlicher „Kultur“ sich für immer überhoben und entbunden hat wie Nietzsches Übermensch,- dann ist gar nicht mehr zu wissen, w e n man eigentlich vor sich hat – den Propheten? die Zukunft? Hitler? Pol Pot? die Vergangenheit? den Urmenschen? eine Kannibalen-Idi Amin- Vision? Satan persönlich? Baal? die Negation des Nihilismus? Wischnu, den 'heiligbejahten' „Blauen Zerstörer-Verneiner- Gott“? den Übermenschen? Zarathustra? - nicht umsonst kamen Rimbaud /Baudelaires >Blumen des Bösen< unter.

Apocalypse Now ist kein „Antikriegs“film (sowenig oder viel zu wenig wie 'ein Kriegsfilm). Er ist mehr als das : er zielt ins Innere unseres Herzens, der Zivilisation. Krieg ist für ihn nur der Höchste Ausdruck dessen, was wir als Inbegriff auf diesem Menschenplaneten seit fünftausend Jahren sterben lassen. „Antikriegsfilm“ würde voraussetzen, dass das Anti eines („sinnvolleren“, verletzlichen) Gegenpols bedarf. Der Antikriegsfilm ist eine Negierung von etwas Positiven. Hier jedoch : ist kongruent Positives oder auch nur in sich-Stimmiges für immer aus dem Horizont getilgt, fragwürdig entzaubert, in Schlamm+Dreck versunken+verschwunden. Vielleicht noch die Französin? Ist das, was von Liebe noch möglich ist? Eine Opiumpfeife zu entzünden? Ist „Liebe Opium für das Individuum“, ein fader schöner verflüchtigender, schemenhaft vorüberhuschender und bereits wieder aufgelöster Traum verlockend verborgen hinter Netzen,- ein Schemen, eine schöne Augenblicks-Vorspiegelung, unwißbar, ob real – oder in einem Rausch vorüber-hergeträumt gewesen?-?...

Hier ist n i c h t s mehr übrig. Die >Realität< ist, wie echt, etwas, das bis zehn Metern vor Armlänge-Ausgreifweite real, und halbwegs noch nachvollziehbar erscheint. Auf größere Distanz verwischt sich alle Kontur und wird unfassbar, uneinschätzbar – wie zwei entgegenkommende („eigen-zugehörige“) Kanonenboote auf spielerischem Kollisionskurs, die mal übermütig grölend high eine Brandgranate auf der Oberdeckplane platzieren. Wer „befreundet“ ist? Wer oder was 'feind-lich'? WAS das überhaupt bedeute? - das Eigene Fremde -? müssen die Bunnies nicht vor ihrem wildgeworden austickenden 'Zielpublikum', dem sie die Erfüllung ihrer aufgeheizten Phantasien besser schuldig bleiben müssen - alles ist möglich- , sich nicht letzten Augenblicks in die rettende Luft sich entziehn? Womit bleiben die dann zurück? Und womit w o h i n weiter, als nächstes? 'Rettet' der Gen.Lnt. nicht ein versehrtes Vietcong-Baby, samt zugehöriger Mutterschaft, ohne einen Moment Differenzierung (nachdem vorher das er die Wunde verursachte („wir zerschiessen ein Land mit MG-Garben in zwei Hälften und legen ihm anschließend einen Verband um...“),- ist noch irgend klar, wer warum auf wen schießt, ins Dunkle oder den Dschungel hinaus, hinein,- bis Willard endlich im Baumbuskäfig des Dschungelherrensitzes, machtlos, entwaffnet, gefangengesetzt, ganz nackt bei sich selbst, in seinem Innersten, was nicht Heiligstes ist, reduziert anlangt?

Für diesen Dschungelthronsaal: wie eines perversen gescheiterten Alexanders (>...Exterminate them all < ... ) : gibt es kaum Wörter, nur halluzinogene Äquivalente, Derivate, Fetzen, Bruchstücke einer Genese. Willard ist im Herzen der Finsternis, im Herzen der Wahrheit, über sich, über uns, über Kurtz angekommen. Es ist dunkel, blutig, wahnsinnig : so blutig, wahnsinnig, entfremdet, wie das Herz unserer Zivilisation, wie sie existiert, ist.
Sie ist kein Konzertsaal, kein Plenum, schöner Töne, und Erklärungen von Menschenrechten. Sie ist ein Stall, ein Beinhaus, ein rituelles bebeiltes Schlachthaus, ein Purgatorium mit einem gegenstandslosen photoapparatumhängten wirren Berichterstatter in ihm, irrlichternden Halbschatten, erdfarb verdreckt-beschmierten Tarn-entleibten-Gesichten und Inkarnationen, Götter-Versteinertes aus mörtelverfugten Quadern, lianenhängend überwuchert und in den Dschungel lepragefressen, kaum noch irdisch' humanen' Antlitzes, im brackwassern flammenzüngelndem Widerschein von Feuer- und Fackelhuschen, von treibenden Dunstfetzen verborgen oder augenblicksweise schrillkreischend enthüllt /aufdringlich, gefährlich, menschenfressend vorgewiesen, und entlassen, in ihm und in ihn.

Der Mann, nackten verkörperten Leibes, entkleidet, schweißtriefend, versengt, reflex-ölig rückschimmernd, zumeist schweigend, sieht sich der massig gedrungenen, unbesiegbar aufwachsenden Übermensch-Vernichtungsgestalt von Col. Kurtz gegenüber, der für sein >Volk< ein Gott ist. Das ist, wie in Fight Club, das Herz des wahren 'Faschismus', einer Wahnidee, einer hinter sich zerlassenen zivilisatorischen Schranke, - eines Faschismus, wie er enthalten, unentrinnbar im Kern der heutigen, kriegswirtschaftenden Gesellschaftsrealität >eines Welt-Westens< immer, knapp(er) unter der Tünche wohlmeinend gewollter Kultur steckt. >„Antikriegsfilm“<? Apocalypse Now? - i s t k e i n Antikriegs-Film. Er zielt auf das Zentrum des widerlegten, ad absurdum geführten, ungeschönten brachgelegten aufgebrochenen, innerste Herz des Welt-Westens, unserer moralischen Gesamtverfassung. Die Erfahrung Vietnam ist an Apocalypse Now nicht vorübergegangen, sie ist nicht repatriiert, geheilt, gesundet, gesprächstherapiert, enttraumata-lokalisiert worden. Sie i s t (eingegangen in dieses jetzt-mythische) 'Vietnam'. S i e i s t V i e t n a m . Sie ist der nicht wiedergutzumachende, offenlegende Bruch in der Zivilisationsgeschichte,
aktuell vermöglicher Selbsterkenntnis. Dem ist nichts mehr zuzufügen oder entgegenzusetzen. Sie ist eine Analyse, und diskutiert nicht : denn sie ist nicht nur ein Argument : sie ist das Vorweisen dessen, wie was so erlebt wurde : war: gewesen ist : ist. Sie ist nun das gültige Fazit, für den Rest. Niemand wird es bestreiten können. Man kann nur abtauchen, wegschauen, und muss – und will - doch wiederauftauchen, um zum Ende zu kommen. Auch Col: Kurtz : gewaltsames Ende : wird solches nie mehr aus der Welt schaffen, und schon gar nicht heilen. Col Kurtz lebt und ist unsterblich. Das ist die bittere Lektion, die Cpt. Willard in Zukunft davon abhält, weitere Aufträge zu übernehmen. Was wird das nützen? Es wird andere geben – andere, wie Col. Kurtz, und andere Willards. Es braucht diesen einen, speziellen Cpt. Willard nicht mehr. Danach kommt nichts mehr – weiteres anderes. Nur eine endlose wiederhervorgeholte Kette von exhumierlichen ....Kurtz' und Willards, Kurtz & Willards.... Das heißt Geschichte. Das ist Apocalypse Now. Es spart sich die Spekulationen. Das ist drin in dieser Verpackung : und nichts weiter : und sonst nichts. Im Herzen, im Auge des Finsternis : und immer wieder : Willards Auge, das nur sieht, und sieht, & sieht, & . Und immer seltener redet : verstummt : nur hinschaut, und sieht, was wir, durch ihn, ebenfalls sehen – oder sehen könnten – wenn es erträglich wäre?
Und deswegen, deswegen hat es v i e l l e i c h t (die Wirkung eines) Antikriegsfilms -:weil es nur, und nichts weiter, zeigt, was ist, und was immer war, so wie es ist : nicht, wie es aussieht, aber so, w i e e s s i c h a n f ü h lt : von innen heraus.

Die Leute, mit den Hirschgeweihen und Alpenstücken an den Wänden : werden vielleicht, weil es in Apocalypse Now a u c h Schauwerte gibt,- dieses statt eines Deliriums vielleicht eine gewohnte Weile identifizieren und auf ihren raisonablen, wiedererkennbaren Inhalt hin verwechseln "sieh mal, ein Zwölfender! - und das ist ein Fels, vor Tanne, auf dem er steht !" - Es ist jedoch keine "Realität" : er ist, von Anfang bis Ende, eine leibhaftige Vision, aus dem aufgestobenen Siebten Kreis der Hölle, seinen markerschütternden Reitern, allein innen erschauerlich fühlbar, und aufrührbar. Manchmal fetzen Bilder, galoppierende + überschlagende Erinnerungsbruchstücke aus Realitäten (wie Apache-Hubschrauberkavalkaden) darein und peitschen auf; aber das ist ein ablenkendes Zitat und Zierat, welches von der Selbst-Erzählung, der Reflexion, kreisend in einem geschlossenen inneren Selbst wie einer Krankenstation, einer Psyche, -nicht einer -Physis, abschweift :
wie gebrochenes Wellenglitzern vor der Sonne. Und Kurtz ist nur ein Aufblinken-schimmern, eines tausendfach gespiegelten Sonnendolches : und es geht nicht um das untertauchende Verglimmen eines Blinkreflexes, sondern die unbarmherzig lautlos brennende, überm Horizont stehende (und lautlos sich absenkende) Sonne -
d a h i n t e r , von der her auch ein Kurtz nur sein eindrücklich vorüberhuschendes Aufschimmern und Daseinsmoment teilt. Was nicht leiht, sondern ver-leiht, das ist der über dem Augenblick stehende Glutball. Und das hat die Augen von Apocalypse Now, wie die für weiteren Einsatz untauglichen', von Willard ' für immer verbrannt + geblendet.

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Deathpool

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Bewertung9.0Herausragend

https://www.youtube.com/watch?v=AVvXyUvgcCc

Schmerzverzerrt stand ich vor den Ruinen einer Gesellschaft
Über mir stach die blutrote Sonne in das Meer
Ruhig gleichförmig strömten die Wellen und legten sich auf den Sand
In der Zeit verloren
Nur zögerlich legte ich meine Waffe nieder
Befreite mich vom Dienst
Mein Hemd blutgetränkte Wahrheit
Der Stahlhelm verwahrlost und Zeuge schrecklicher Gewalt
Ich lausche der Natur
Diese Stille wirkt so kostbar
Der Augenblick wo man sterben möchte
In Frieden
In Reinheit mit sich selbst
Ohne Krankheit
Ohne die Gedanken an Taten die niemand versteht
Ihre Schreie will ich vergessen
Das war nicht mein Krieg
Hier lebt nicht meine Heimat
Ein fremder Soldat legt sich nieder
Denkt an Mutter und ihren Garten
An Vater der friedlich schläft
An seinen Bruder.....
Seine letzten Worte....
Sein röcheln nach Lebendigkeit
Er wollte sprechen doch der Tod nahm ihn fort
Brachte ihn in die Heimat
Ich kann dich hören
Endlich Frieden!

Fernab strebt die Jugend
Zerfressen vom Napalm
Ihre Körper ruhen am Strand
Das hohe Alter
Die Erkenntnis wurde ihnen nie gewährt

Es bleibt nur die Hoffnung
Das irgendetwas aus ihnen brach
Etwas menschliches das man nicht sehen kann
Denn sehe ich die Leichen bricht mein Glaube
Niemand kann es verstehen
Viele werden nicht mal begraben
Sie starben für keine Freiheit
Sie quälten ihr Fleisch
Ein Todeskampf

Das Meer tröstet meine Wunden
Ich verspüre keine Reue
Keine Liebe
Ich werde an diesem Ort verweilen

Niemals werde ich wieder im Gleichschritt marschieren
Niemals werde ich wieder jemanden gehorchen
Niemals werde ich wieder eine Waffe tragen
Niemals werde ich wieder töten

Meine Freiheit ist nicht gebunden
Sie gehört mir
Sie gehört in mein Herz
Sie ist mein Feuer
Sie ist Seele und Glaube in einer Form die mir niemand nehmen kann

Ich sehe Hände
Verfault beugen sie sich über eine Kugel
An den Fingerspitzen baumeln Seile
In der Ferne spielen Kinder
Auf der anderen Seite sterben sie
In der Mitte sind sie glücklich
Aber die Seile reißen
Waren sie einst Ferne strecken sie sich zur Mitte

Ewig
Ohne Zukunft
Nur Gegenwart
Die Zeit

Lass mich gehen
Tauche ins Meer
In die neue Welt
Am Seil gespannt

Süßer Tod im Alptraum Vietnam

bedenklich? 15 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten

JackoXL

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War so ein Pseudo-Poet mit einem grässlichen Filmgeschmack, wird niemand vermissen. Ganz im Gegenteil zu dir, neuer Freund. ;) Schöner Text.


Deathpool

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@Jacko: Pseudo-Poet und grässlicher Filmgeschmack, das klingt ja schrecklich!
Was für ein Spacken und Weichspüler muss das wohl gewesen sein.Bäh!

Na dann auf gute Freundschaft ;)


Berlin42

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Alter Verwalter, das nenne ich mal einen abgedrehten Film. Was Copolla hier geschaffen hat, ist nur in zweiter Linie ein gigantischer Antikriegsfilm, wenn es den überhaupt einer sein soll. Das brachiale Werk von dreieinhalb Stunden Spieldauer (Redux - Version) ist allem voran eine Studie über die Abgründe der Menschheit. Realistisch ist der Film eher nicht, zu wirr sind dafür oftmals die Ereignisse. Hin und wieder scheint Coppola hier eher einen ausgiebigen Drogentrip auf die Leinwand gebracht zu haben. Die Story ist wirklich stark, aber sie wird mit der Zeit nebensächlich. Trotzdem war ich über die volle Spieldauer gefesselt, die Spannung war unglaublich hoch, sie mündet letzten Endes in ein surrealistisches Finale, was für mich irgendwie dann doch zu viel des Guten war, wenn ich ehrlich bin. Die schauspielerischen Leistungen kann man nur als durchweg exzellent bezeichnen. Egal, ob Larry Fishburn, Robert Duvall oder nicht zuletzt der zu jeder Zeit glaubwürdige Martin Sheen. Ich freue mich jetzt erstmal auf das von Coppolas Frau während der spektakulären Dreharbeiten erschaffene Making Of, "Reise ins Herz der Finsternis", vielleicht hilft mir das ja bei der Verarbeitung der Eindrücke...

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MaceWindu1998

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Toller Kommentar zu einem tollen Film!


Berlin42

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Herzlichen Dank :)


georg1993

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ist das noch Film, oder sprengt er schon die Grenzen des (filmisch) möglichen?

Hasst man oder liebt man, meiner Meinung nach, und wenn dann geht der nur in der Redux- Version die sich Gefühlte 10000 Stunden zieht, wobei aber keine Szene überflüssig, sondern immens wichtig ist.

Ein irres, faszinierendes Meisterwerk,was mich seit der ersten Sichtung nie mehr vollständig losgelassen hat.

Mein lieber Francis, sie sind wahrlich ein Meister ihres Fachs.

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dominik.weiss.509

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Bewertung3.5Schwach

Schade! Ich bin mit großen Erwartungen an den Film herangegangen, da ich mich schnell von Kriegsfilmen bzw. Antikriegsfilmen fesseln lasse.
Apocalypse Now konnte mich nicht eine Sekunde lang fesseln.
Die Punkte gibts für ordentliche Effekte (die nur selten auftauchen).
Ich bin generell kein Fan von Ami-Kriegsfilmen. Nach Full-Metal-Jacket der zumindest am Anfang toll ist, bin ich von Apocalypse Now redlich enttäuscht.

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Chrisbee

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Bewertung0.5Schmerzhaft

Drei mal gesehen, beim ersten mal nach ner halben stunde eingepennt, ein 2. Und 3.mal gab es nur wegen den super Bewertungen hier... Aber wie soll ich sagen, ich musste die beiden letzten Versuche auch nach einiger zeit abbrechen da es einfach einer der langweiligsten und ereignislosesten filme aller Zeiten ist -.- Noch einen Versuch wirds nicht geben ...

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peteblueeyes

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Schade. Aber wenn es auch beim dritten Versuch nicht zündet, dann magst du ihn wohl echt nicht.


BlueSquirrel

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Es ist etwas merkwürdig einen Film voll zu bepunkten. Erstmal glaube ich sowieso nicht an den Sinn davon, weil ich nicht versuche, ein persönliches Archiv auf einer Webseite zu kreieren. Ich glaube wirklich nur an den Austausch von Empfehlungen. Ich glaube nicht nur daran, ich weiß sogar aus Erfahrung, dass das ganz prächtig funktioniert. Aber die Originalversion von "Apocalypse Now" ist für mich ein nahezu perfekter Film. Das ist nicht so, weil ich Krieg im Film besonders viel Bedeutung beimesse. Es ist eher der Fall, dass Filmemacher selbst Krieg im Film besonders viel Bedeutung beimessen. Der emotionale Aufwand erscheint gigantisch, gemessen an einem anderen Genre. Gerade der romantische Liebesfilm ist überraschend schlecht repräsentiert, was mich ehrlich gesagt immer wieder vollkommen verdutzt. Kommt es zu so einem Film, wird meistens eine negative Komponente eingewoben (Eifersucht; Vergänglichkeit; Illusion), anstatt einen ursprünglichen Gefühlszustand zu beschreiben. (Bin sehr offen für Feedback). "Apocalypse Now" hat begrenzt mit dem Vietnamkrieg zu tun und er ist auch kein Anti-Dings. "Apocalypse Now" ist ein Film, der von absurden Realitätszuständen handelt, ohne auch nur ansatzweise realistisch zu sein. Die ganze Geschichte ist offensichtlich unglaubwürdig in ihrer Länge. Es ist die oft verkannte Idee, die innere Welt anschaulich zu machen. Coppola hat wahrscheinlich wenig Ahnung vom Vietnamkrieg. Es ist eine Vision, die vielleicht Soldaten teilen können, aber die mehr mit der Vorstellung von Joseph Conrad zu tun hat, als mit der Erfahrung von Leuten, die da gewesen sind. Was soll uns das jetzt interessieren, könnte man fragen? Keine Ahnung. Vielleicht habe ich noch nie geglaubt, dass Filme Dokumentationen sein müssten. Keine menschliche Misere kann mit der Überwachung einer Kamera vermittelt werden. Und vielleicht ist die Geschichte von Captain Willard überhaupt keine Misere. Vielleicht ist das alles ein LSD-Trip, der aufregend ist. Vielleicht ist der "Zauber" auch schon weg, wenn man hier rumstochert. Der Punkt ist, dass die Bilder kombiniert mit den Dialogen Sinn ergeben. Der Film gibt sich kaum eine Blöße. Ihr habt hier viel mehr Realität, als ihr Realität bei z.B. Soderbergh hattet, denn über den Vietnamkrieg wisst "Ihr" so oder so nichts. Warum nicht einen der besten Thriller überhaupt schauen? Überschaubare Philosophie gibt's Gratis.

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Prototyp

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Interesanter comment BlueSquirrel , welche version bevorzugst du eigentlich ? Siehst du auch das in der Redux Version unnötige bzw. "minderwertigere inhalte" wie die franz. Plantage enthalten sind.Bei mir hat er übrigens auch die 10.Was auch die absolute Ausnahme bleiben sollte, aber er hat es verdient.


BlueSquirrel

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Die Originalversion. Ich finde die Redux-Inhalte zwar nicht unbedingt schlecht, aber der Film ist aus meiner Sicht so zu lang. Die Plantage erfordert außerdem etwas historisches Wissen und zerrt etwas an der Allgemeingültigkeit des Szenarios.


martin.za2

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Absoluter Fav was Anti-Kriegsfilme angeht. Keine Ahnung, ich könnte hier einen Roman verfassen ,warum der Film absolut sehenswert ist, aber ich lasse es :-D. Aber bestimmt auch wegen seiner langen Spielzeit nicht für jeden was. Also ich habe den Film schon zich mal gesehen und jedes mal fesselt mich der Dschungel, die Stimmung und das Mysterium Colonel Kurtz aufs neue . Entweder man lässt sich von dem Film hypnotisieren, oder man hält ihn für einen langatmigen Film, über n paar GIs auf einem Boot. Für mich gilt das erste .

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Niho

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Bewertung7.5Sehenswert

"Apocalypse Now" ist ein bombastisch inszenierter (Anti-)Kriegsfilm, dessen größte Stärke einfach in den Bildern und der Inszenierung liegt. Manche Szenen werden mir persönlich wahrscheinlich noch lange im Gedächtnis bleiben, weil sie einfach Kult Status haben und teilweise stark schockieren. Allerdings gibt es meiner Meinung nach einen, wenn auch schwerwiegenden, Kritikpunkt: Oftmals kommt Langeweile auf und der Film schleppt so ein bisschen vor sich hin, kommt dabei nicht wirklich voran. Allerdings lag das nicht nur an den Szenen, die in der Redux Fassung enthalten sind, die ich gesehen habe. Im Anschluss an den Film habe ich extra noch einmal nachgeschaut, welche Szenen, denn nur in der längeren Fassung sind und diese waren es jedenfalls nicht (nur), die den Film die Luft herausnahmen.

Fazit: Nicht so herausragend, wie ich erwartet habe, aber auch keinesfalls schlecht: "Apocalypse Now" ist zurecht Kult.

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Dady

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Gleich vorne weg ich habe die Redux-Version gesehen. Kenne die ursprüngliche Fassung auch gar nicht bin wohl noch zu jung.
Apocalypse Now ist ein Meiterwerk und Meilenstein der Filmgeschichte. Ich weiß gar nicht womit ich anfangen soll. Schon allein die Eröffnungsszene ist das Eintrittsgeld wert. Dann ist die Besetzung einfach nur einmalig. Martin Sheen, Robert Duvall, Harrison Ford, Dennis Hopper und der blutjunge Laurence Fishburne. Dazu kommt Marlon Brando der zwar nur etwa ein viertelstunde zu sehen ist aber fast die ganze Zeit wie ein Geist über den Film schwebt. Das nächste sind die Action und die einmaligen Bilder. Bestes Beispiel dafür ist der Hubschrauberangriff der Luftkavallerie. Der grandios mit Wagner's Walkürenritt unterlegt ist und mir jedesmal eine Gänsehaut verpasst. Der nächste optische Knaller ist der Napalmangriff auf ein ungünstig stehende Baumreihe welcher mich einfach nur zum staunen bringt. Ich sag nur "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen". Der Film wird auch von seinen fesselnden Dialogen und Captain Willard's Gedanken getragen. Für manche wirkten sie auf Dauer vielleicht etwas langweilig doch ich war wie gespannt. Was Francis Ford Coppola Kriegsepos wohl auch besonders macht sind die schwierigen und fast schon legendären Dreharbeiten. Die mal locker einen Zeitraum von 16 Monaten in Anspruch nahmen. Was unter anderen an dem erlitten Herzinfarkt von Sheen lag aber auch an Marlon Brando der einige Auseinandersetzungen mit Coppola hatte. Dazu wurde das Filmset von einem Sturm fast vollständig zerstört.
Apocalypse Now ist einfach ganz großes Kino und für mich der beste Antikriegsfilm aller Zeiten. Diese Bildgewalt, das physische Grauen, der Soundtrack und die einmaligen Dialoge machen dieses Werk zur wohl eindrucksvollsten Kritik am Vietnamkrieg und am Vorzeigestaat USA.

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Dady

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Von Drogen am Set weiß ich nur von "the Doors" . Da soll Oliver Stone wohl Val Kilmer förmlich dazu genötigt haben welche zu nehmen.


Berlin42

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Also ich hab mir gerade die Making Of-Doku von Coppolas Frau angesehen und dort erzählt Sam Bottoms ausgiebig von seinem Drogenkonsum während der Dreharbeiten von Apocalypse Now.


Altai

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Bewertung9.0Herausragend

Ein Meisterwerk den ich nun auch gesehen habe, mit einem Martin Sheen der am Rande des Wahnsinns oder der Schneide steht so wie Cornoel Kurtz es so grausig ausdrückt. Ein cooler Duvall, ein junger Morpheus, ein durchgekanllter Dennis Hopper und ein tiefgründiger revolutionärer Marlon Brando der wohl einen der größten Kultfiguren des Kinofilms geschaffen hat. Der Film kommt einem vor wie ein schlechter LSD trip mit einer von Malaria geschwängerten Luft des Vietkong.Die grüne Hölle auf Erden. Noch heute ist es mir rätselhaft warum die Amis unbedient ga einmarschieren mussten. Naja dieser Film ist jedoch grandios, kein Wunder das Copolla pleite ging nach dem Film. Der Aufwand den er hierfür gebracht hat ist unglaublich, manchmal denkt man das es echte Kriegsszenen sind.

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Altai

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Alles klar werde mich mal umschauen wo ich den finde. Danke für den Tipp. ^^


Altai

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Stimmt echt peinlich den Namen eines Meister Regisseurs falsch zu schreiben. xD


movie.max

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Lieblingsfilm aller Zeiten.
In diesem Leben hatte ich nun doch noch das Vergnügen, Coppolas Meisterwerk auf der großen Leinwand zu sehen. Arthaus und LiWu Rostock machens möglich: 'Apocalypse Now Redux' mit seinen stolzen 202 Minuten OmU auf Leinwand!
Fiebertraum, Drogenexzess, Wesensfrage. 'Apocalypse Now' ist ein Kriegsfilm, ein Musikclip, eine Odyssee. Zwischen grausamen Sarkasmen und schockierender Brutalität erwächst ein niemals prätentiös wirkender Fragenkatalog zum Menschenwesen, der nicht nach Antworten zu suchen scheint, sondern sich in diffusem, traumartigem Bild- und Klangerlebnis ergießt.
Vielleicht der beste Film aller Zeiten.

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BreakingDad

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In wenigen Zeilen alles auf den Punkt gebracht. Toll!!!


Bleecher

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Bewertung9.0Herausragend

Dieser Film ruft einen Zwiespalt in mir hervor. Wenn ich ihn aus dem Regal hole, um ihn wieder man anzusehen, muß ich mich jedes mal mental darauf vorbereiten. Vorbereiten nicht nur auf die Gewaltszenen, sonder auch auf den psychischen Terror dieses Films. "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen"
Dieser Film zieht mich in etwas hinein, was ich als beängstigend finde. Und trotzdem liebe ich diese Ode an die Hoffnungslosigkeit, den Stumpfsinn des Krieges und das rohe Ende.
Fazit: Dieser Film ist nichts für Zartbesaitete und schwache Nerven.
Nichtsdestotrotz ist er ein Klassiker der Filmgeschichte.

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Lydia Huxley

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Bewertung9.5Herausragend

"In diesem Krieg verwirren sich da draußen ein bisschen die Dinge - Macht, Ideale, die alte Moral und praktische militärische Notwendigkeit. Aber da draußen unter den Eingeborenen ist es bestimmt eine große Versuchung, Gott zu werden. Weil es in jeder menschlichen Seele einen Konflikt gibt, zwischen Vernunft und Unvernunft, zwischen Gut und Böse. Und das Gute triumphiert nicht immer."

Der Konflikt der menschlichen Seele, er ist der Ursprung unserer Zwiespältigkeit. Wir wissen, was richtig ist und tun das Falsche. Handeln zu oft entgegen unserem Gewissen. Wir wissen, wo wir das Licht finden und begeben uns doch auf die Suche nach den Grenzen zur Dunkelheit. Was bei alltäglichen Nichtigkeiten anfängt, trägt sich bis hin zu den grausamsten Taten in unserer Geschichte. Der Kampf zwischen Gut und Böse war nie ein Kampf zwischen vielen sondern immer nur der eines einzigen, mit sich selbst.
"Apocalypse Now" ist die Verbildlichung genau dieses Dilemmas, die Zerrissenheit im Inneren. Er steht nicht nur für die Ereignisse im Vietnam-Krieg, vielmehr für jeden Krieg, die großen und die kleinen, der Krieg um uns und der in uns.

"In dir wohnen zwei Seelen, weißt du das. Eine, die tötet, und eine, die liebt!"

Wo es um die menschliche Psyche geht, entstehen viele Fragen und im Verlauf des Films häufen sie sich. Beantworten kann er sie nicht, will er nicht. Antworten finden wir nur in uns selbst, in Betrachtung unseres eigenen existentiellen Zerwürfnisses. Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando) hat das Grauen gesehen und es hat sich in ihm festgesetzt, sich verbreitet wie ein Virus, ihn eingenommen. Er ist die personifizierte Parabel für alle, in denen das Gute nicht triumphieren konnte.

"Sie haben das Recht mich zu töten. Sie haben ein Recht, das zu tun. Aber sie haben kein Recht, über mich ein Urteil zu fällen."

Ein Zitat, so essentiell für die Intention des Films wie auch für das Leben. Wir können zwar ein System erschaffen, um Menschen für ihre Taten zu bestrafen, aber wir werden nie genau wissen können, warum es dazu kam. Wir können einfach nicht in die Seele eines anderen Menschen hineinblicken. Mehr als angebliche Motive oder Vermutungen wird es nie geben. Wissen wir doch selbst oft nicht, warum wir so handel, wie wir handeln. Nur eines ist sicher, wenn die Finsternis sich einmal um einen hüllt, ist jedes Licht kostbar.

Licht und Schatten, das ist es auch, was "Apocalypse Now" optisch bestimmt. Ein ruhiger Moment und ein Sonnenstrahl, der durch den dichten Dschungel scheint, wie ein Hoffnungsschimmer, wie ein Silberstreif am Horizont. Und dann ein spärlich beleuchtetes Gesicht, meist nur ein Profil, dass immer wieder in der Dunkelheit verschwindet. Oft kann man die Blicke nur erahnen, aber man spürt sie deutlich. Bilder und Musik bilden eine stimmige Komposition, die eine sehr dichte, unbehagliche Atmosphäre schafft. Wie auch bei der Szene an der Brücke, nahe der kambodschanischen Grenze. Es ist so finster, wie es nur sein kann. Überall dröhnen Schüsse und Schreie durchhallen die Nacht. Über der Brücke hängen Lichterketten. Es wirkt beinah romantisch. Es erklingt zirkushafte Musik, verzerrt, wie in einer Geisterbahn. Eine kurze, sehr beklemmende Szene, die mich in ihrer inszenatorischen Gesamtheit einfach beeindruckt hat. Dazu kommen faszinierende Einstellungen vom philippinischen Dschungel und von gewaltigen Explosionen, die sich durch die Palmenreihen fressen, alles durchzogenen von einem einnehmenden Soundtrack.
Ich habe die Redux-Version geschaut und muss sagen, dass sie keine Minute zu lang war. Ich hätte keine Szene missen wollen. Kein Bild, kein Wort, keine Note war zu viel.
Der Cast ist traumhaft besetzt und spielt einfach hervorragend. Die vielen Totalen, die uns ihre Gesichter ganz nah bringen, zeigen jede Gefühlsregung - Zweifel, Wahnsinn, Angst, Resignation. Ständig sind sie eingehüllt in Dunst, quellenden Nebelschwaden, bunten Signalfeuern und beißenden Rauch. Das macht die Kulissen oft so undurchsichtig, wie die Menschen selbst.

"Ich dachte immer, wenn ich an einem Ort des Bösen sterben würde, dann würde meine Seele nicht in den Himmel kommen. Aber jetzt? Meine Fresse... Mir ist egal, wo sie hinkommt, wenn es nur nicht hier ist!"

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Val Vega

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Ein ganz ganz ganz großer Kommentar zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. hab jetzt schon wieder bock mir den Shit zu gönnen :D Ganz großes Lob Lydi ;)


Lydia Huxley

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Vielen Dank, Val :) Ich könnte ihn mir auch schon wieder ankucken^^


MaceWindu1998

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Apocalypse Now ist ein weiteres Paradebeispiel für einen Film mit grandioser erster Hälfte und einem unglaublich abfallenden zweiten Part. Wenn Vietnam bombardiert wird, unterlegt mit Richard Wagner fühle ich mich sofort an Kubricks goldene Filme erinnert!
Doch die Redux-Fassung ist definitiv zu lang die OV reicht völlig aus.
Technisch kann man dem Film nichts vorwerfen. FFC gelingt ein Film mit einer wahnsinnig guten Bild- und Tonqualität (für 1979) und wüsste ich nicht, das der Film schon über 30 Jahre alt ist, ich hätte das Alter des Films auf höchtens 10 Jahre geschätzt.
Kommt nicht an die ersten beiden Pate-Filme ran, aber hat seinen Kult-Status trotzdem vollkommen verdient.

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Berlin42

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Na da geb ich das Kompliment doch gleich mal zurück, toller Kommentar! Dass die zweite Hälfte oder vielleicht auch das letzte Drittel eher schwächelt, ist wohl wahr. Irgendwie dachte ich nach ner Stunde "...ui das könnte MEIN Film werden", aber die leicht nervige Sequenz auf der französischen Plantage und dieses utopische Finale haben mir dann doch nicht so richtig zugesagt. Hatte nur noch wenig mit der bis dahin wunderbar zur Schau gestellten Antikriegsthematik zu tun, finde ich.


MaceWindu1998

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Nach einer Stunde dachte ich, nachdem ich die Walkürenritt-Szene gesehen hatte dasselbe wie du! :D


Hereisjohnny

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Bewertung9.5Herausragend

“My film is not a movie. My film is not about Vietnam. It is Vietnam. It’s what it was really like. It was crazy. And the way we made it was very much like the way the Americans were in Vietnam. We were in the jungle. There were too many of us. We had access to too much money, too much equipment, and little by little, we went insane.” - Francis Ford Coppol

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Val Vega

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Bewertung10.0Herausragend

„Apocalypse Now“ ist kein Kriegsfilm, sondern ein Film über den Krieg. Aber auch ein Film über den Menschen. Ein Film darüber, was Menschlichkeit ausmacht und ob Dinge wie Tod, Leiden und Verderben nicht auch zur Menschlichkeit gehören. Ob diese Dinge nicht urmenschlich sind. Und schließlich sagt uns der Film ganz und gar, dass man einen Krieg nicht gewinnen kann. Oder dass man nur dann gewinnt, wenn man gar nicht erst zu kämpfen beginnt? Oder ist es wie Brecht sagte, dass man verlieren kann, wenn man kämpft, man aber schon verloren hat, wenn man den Kampf nicht aufnimmt?

Doch das ist ja das so faszinierende und berauschende an diesem Film. Der Krieg geschieht meistens nur um uns herum. Nur in den wenigsten Szenen sehen wir wirklich wie Menschen gegeneinander kämpfen und sich ermorden. Es sterben viele Menschen im Laufe der Geschichte, doch der Krieg geschieht immer Off-Screen. Wir sehen unsere Charaktere zwar schießen und hier und da auch das Mündungsfeuer des „Feindes“, aber im Prinzip geht es Coppola um die Menschen.
„Apocalypse Now“ ist in seiner Grausamkeit und Brutalität immer noch ein äußerst humanes Filmerlebnis.
Ein Film, der sich seinen Charakteren annimmt. Während der Film schon eine Charakterstudie an sich ist und er den Charakterwandel seiner kleinen Gruppe von Menschen beleuchtet, geschieht innerhalb der vom Film erzählten Geschichte eine weitere Charakterstudie. Es ist die von Willard an Kurtz. Er informiert sich über dieses Wesen, dass dort irgendwo im Dunkel des Dschungels – ja im „Herz der Finsternis“ hockt und beginnt zu hinterfragen.
Wieso?
Was treibt diesen Menschen an?
Weshalb handelt Kurtz so, wie er handelt?
Der Grund der Kurtz bewegt, das was Willard führt und begleitet, das ist der Krieg.

Weswegen dieser Film, den ich nach der zweiten Sichtung in mein Herz geschlossen habe, so wertvoll ist, ist weil er nicht unterscheidet. Er unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Er gibt niemandem die Schuld. Legitimiert nicht. Er zeigt auf. Er zeigt, dass menschliche Verderben, sucht nach einem Grund für das, was im Krieg geschieht, wenn jede Form der Menschenwürde, all die Schönheit des Lebens, mit Füßen getreten wird.

„We went into a camp to inoculate some children. We left the camp after we had inoculated the children for polio, and this old man came running after us and he was crying. He couldn't see. We went back there, and they had come and hacked off every inoculated arm. There they were in a pile. A pile of little arms. And I remember... I... I... I cried, I wept like some grandmother.“

Aber er kritisiert oder regt zumindest den Zuschauer dazu an nachzudenken. Eine der wohl legendärsten Filmfiguren aller Zeiten, Bill Kilgore, gespielt von dem grandiosen, absolut meisterhaften Robert Duvall, tritt auf. Ein wahnsinniger wie er im Buche steht. Doch er ist ein Wahnsinniger, der das tut was man von ihm verlangt, obgleich er auch dies nur tut um seinen perversen Vergnügen zu frönen.

Und dann kommt später im Film eine ganz besondere Szene. Vielleicht die wichtigste Szene von allen. Es ist die brutale und ungeschönte Darstellung eines Verbrechens an der Menschlichkeit. Eines Massenmordes, begannen von jungen Männern, die Angst haben. Männer, die in der Situation stecken:
Wir oder die?
Doch tat der Bursche das Richtige oder das Falsche? Kann man dies überhaupt als Kriegsverbrechen werten? Ist es nicht das wahre Verbrechen Krieg zu führen? Denn der Krieg ist es, der den Menschen dazu anhält diese Gräuel zu tun.

„Apocalypse Now“ ist ähnlich wie „Der große Diktator“ nicht nur einer der besten Filme aller Zeiten, sondern auch einer der WICHTIGSTEN Filme aller Zeiten. Dieser Film sollte von jedem Menschen gesehen werden und Pflicht in der Schule sein. Die Schauspieler agieren allesamt auf höchstem Niveau. Martin Sheen ist als Cpt. Willard ohnehin grandios, wird allerdings noch einmal von seinen beiden Kollegen Duvall und Brando, zwei der aller, aller größten Schauspieler aller Zeiten. Gerade sie machen „Apocalypse Now“ zu dem surrealistischen und psychedelischen Albtraum, der er ist.

Film in seiner Perfektion, einer Perfektion, die bedeutet, dass ein Film mehr als ein Film ist, bedeutender als das Medium an sich, dann ist ein Film etwas ganz besonderes. Etwas großes! So ein Film in reinster Vollkommenheit ist „Apocalypse Now“.

“The movie is not about Vietnam. It is Vietnam. We were in the jungle. There were too many of us. We had access to too much money, too much equipment – and little by little, we went insane.”

„Nur die Toten haben das Ende des Kriegs gesehen.“
- Plato

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dopodynamite

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Gnädige 8.0 Punkte für die Redux-Fassung, welche mit einer Laufzeit von 202 Minuten definitiv zu lang geraten ist. Über große Strecken ist man der Meinung den besten (Anti-)Kriegsfilm aller Zeiten zu sehen, jedoch dann wieder phasenweise bemüht nicht einzuschlafen. Habe einen derartig krassen Kontrast noch nie bei einem Film erlebt, daher folgt ein ausführlicherer Kommentar nach Sichtung der ursprünglichen Fassung.

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Civil War

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Die Reduxfassung finde ich auch schwächer und zu lang. Die normale Fassung hingegen ist perfekt.


ironspidey

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Bewertung9.0Herausragend

Brauch ich nicht mehr viel zu sagen - genial verstörend mit einem brillianten Marlon Brando.

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Grimalkin

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Bewertung9.0Herausragend

- Die große Moviepilot Oster-Wichtelaktion 2014 -
Bevor ich mich gleich zur Verwandschaft zum traditionellen Osterfrühstück aufmache: Dieser Kommentar ist für den User Big_Kahuna und handelt von einem Film mit beeindruckender Überlänge, der gemeinhin als "Apocalypse Now" bekannt ist. Gesehen habe ich die Redux-Version und... the horror, the horror!

Krieg. Ein einsilbiger Begriff für einen wiederkehrenden, alles verzehrenden Zustand, der die Überschreitung von Grenzen beschreibt, Grenzen der Natur, der Gesellschaft, der Welt, ja, des Menschen selbst. Francis Ford Coppola nahm sich dieses hässlichen Zustands an und hielt ihn meisterhaft auf Zelluloid fest. Zweihundert Minuten lang zeigt er uns kraftvolle Bilder, die sich nicht nur in die Netzhaut brennen, sondern bis in die Seele vordringen.
Sein Film ergründet zunächst vordergründig die physische Ebene des Grauens, indem er die Amerikaner eine Arie der Zerstörung spielen lässt. Wie eine Naturgewalt fegen sie über die Vietnamesen hinweg und hinterlassen einen Pfad der Vernichtung. "I love the smell of napalm in the morning", gibt Kilgore lächelnd zu verstehen. Doch weder beginnt, noch endet der Krieg mit Bomben und Maschinengewehren.
Wenn sich die psychologische Ebene mehr und mehr entfaltet, durch psychedelische und surreal anmutende Sequenzen überlagerter Bilder unterstützt wird und schließlich in ein existenzialistisches Schlusskapitel mündet, das nicht weniger als das Handeln des Menschen in Frage stellt, dann, ja dann erreicht die Wahrheit von der Obszönität, der Perversion und des reinen Wahnsinns des Krieges endgültig unseren Verstand. In diesem Moment erhält das Genre des Antikriegsfilms seine Definition.
Ist der abtrünnige, von der Army für verrückt erklärte, Kurtz eine mystische Figur, ein Prophet oder gar ein Gott? Seine Person und alles, was er verkörpert, ist jenseits solcher Kategorien zu begreifen. Bewegt er sich auf rationalem Terrain oder ist sein Geist unwiderruflich verloren? Ironischer Gedanke, bedenkt man, dass der Krieg jegliche Rationalität ohnehin nur wie eine Maske trägt und bereits von Beginn an von Verlorenen geführt wird. Coppola verleiht hier seinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck, indem er das, wofür einem angesichts der unmenschlichen Wirklichkeit die Worte fehlen, in das bewegte Bild überträgt. Und dies ist gleichermaßen ehrfurchtgebietend wie beängstigend. Denn der Krieg ist ein Alptraum, der aus uns selbst erwächst, sich im Denken einnistet und den Leib kontrolliert, um fern von Würde und Moral über Leben und Tod anderer zu bestimmen.
"Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,", so einst Friedrich Nietzsche, "blickt der Abgrund auch in dich hinein."
Mit "Apocalypse Now" verhält es sich ganz genauso.

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Lydia Huxley

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Sehr gut geschrieben und so wahr! Das Zitat von Nietzsche gefällt mir richtig gut :)


jacker

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Ganz groß!
Ist einer dieser Filme, in denen ich so viele Ebenen und Inhalte erahne (bzw. einfach fühle), dass ich bis jetzt immer gescheut habe was zu schreien. Du triffst super den Kern!



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