Das Zimmer im Spiegel

Das Zimmer im Spiegel (2009), DE
Laufzeit 108 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 07.01.2010

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Das Zimmer im Spiegel - Bild 1617253
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von Rudi Gaul, mit Kirstin Fischer und Eva Wittenzellner

Die Jüdin Luisa wird während des 2. Weltkriegs von ihrem deutschen Ehemann in einer leerstehenden Münchner Dachgeschosswohnung vor dem nationalsozialistischen Terror versteckt. Ausgegrenzt von der Gesellschaft, eingeschlossen auf engstem Raum, wird nach dem Verschwinden von Luisas Mann die Schauspielerin und Widerstandskämpferin Judith bald zu ihrem einzigen menschlichen Kontakt. Sie begleitet Luisa auf eine geheimnisvolle Reise aus der brutalen Wirklichkeit in eine poetische Welt der Sehnsüchte und Abenteuer…

HandlungIm München der 40er Jahre wird die Jüdin Luisa (Kirstin Fischer) von ihrem deutschen Ehemann Karl (Maximilian Berger) in der leerstehenden Dachgeschosswohnung eines Mietshauses vor den Nationalsozialisten versteckt. Das verlassene Zimmer wird von kaum mehr geschmückt als einem großen goldenen Spiegel, der verloren im Raum steht. Darüber hinaus bietet es nur das notwendigste zum Überleben. Die vier Wände sollen Luisa Sicherheit und Schutz vor dem Terror bieten, der den Alltag bestimmt. Die unsichtbaren Stimmen der Außenwelt, die aus dem Treppenhaus und von der Straße an Luisas Ohr dringen, dürfen von ihrer Existenz nichts erfahren.

Ausgegrenzt von der Gesellschaft, eingeschlossen auf engstem Raum, flüchtet sich Luisa in die Welt der Literatur: Karl versorgt sie bei seinen seltenen Besuchen mit im Dritten Reich verbotenen Schriften, die er über eine Schauspielerin und Widerstandskämpferin namens Judith (Eva Wittenzellner) bezieht. Auch die Musik spendet Luisa Trost und erleichtert ihr das Leben in einer klaustrophobischen Welt, die nach eigenen Regeln funktioniert: Nur wenn die Grammophonklänge aus der Wohnung unter ihr laut genug durch die Decke dringen, kann sie die Toilettenspülung betätigen oder sich waschen ohne Angst, gehört zu werden.

Während die Nazis mit Hausdurchsuchungen beginnen und den jüdischen Musikliebhaber aus der Wohnung unter ihr drangsalieren, muss Luisa erkennen, dass auch die meisten Nachbarn eine Gefahr für sie darstellen. Ihre Lage wird immer hoffnungsloser – vor allem weil Karl ihrem Versteck plötzlich aus ungeklärten Gründen fern bleibt. Gerade als die unerträgliche Einsamkeit Zweifel an seiner Wiederkehr weckt, sucht jene geheimnisvolle Judith Zuflucht in Luisas Versteck.

Die Schauspielerin bedeutet für Luisa einen neuen Hoffnungsschimmer: Sie behauptet, das Geheimnis
der Freiheit zu kennen. Aber das Aufbegehrende, das Judith in sich trägt, birgt auch Gefahren, denn Luisas Furcht, entdeckt zu werden, kennt Judith nicht. Von ihrem Kampfeswillen und ihrer Leidenschaft angezogen, bemerkt Luisa, dass sich nicht nur ihr trostloses Leben zu verändern beginnt, sondern auch dass das bis dahin tote Zimmer ein Eigenleben bekommt: Der kaum beachtete Spiegel scheint einen bisher unbekannten Ausweg zu bieten, der geradewegs in eine Welt führt fern der brutalen Wirklichkeit…

Die beiden Frauen kämpfen ums Überleben mit der einzigen Waffe, die ihnen nicht genommen werden kann:dem menschlichen Geist.

QuellePressematerial der MFA

Weiterführende Informationen
Das Zimmer im Spiegel – Filmkritik auf KultHit.de
Das Zimmer im Spiegel Pressespiegel auf film-zeit.de
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Kritiken (5) — Film: Das Zimmer im Spiegel

Ciprian David: NEGATIV

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5.5Geht so

...Aufwendig und dennoch karg wird die Welt der Protagonistin gestaltet, zunächst in einem Noir-Look, der durch seine Beleuchtung an 80 Jahre alte Aufnahmen erinnert, der sich aber nach und nach ihrer Welt anpasst, und sich immer expressionistischer und inkohärenter zeigt. Herausfordernd reihen sich immer mehr stilistisch geladene Bilder aneinander, immer sichtlicher bemüht, mit der sich in perpetueller Transformation befindenden Welt der Protagonistin mitzuhalten. Der alles andere als sparsame Umgang mit extravaganten Einstellungen verlagert somit leider die Aufmerksamkeit vom Kern des Films auf die visuelle, oftmals zu plastisch wirkende Oberfläche, sodass nicht selten die einzige Konstante im Film zwei Packungen Zigaretten zu sein scheint, die nie leer werden....

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Tim Geyer: critic.de

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Zu oft fühlt man sich als Zuschauer auf dem Balanceakt zwischen Realität und Traum ungewollt an die Hand genommen. Wie in einem Kaufhaus der Emotionen möchte der Film für jedes Gefühl das passende Bild anbieten. [...] Was als Denkschrift vielversprechend klingt, weckt Erwartungen, die der Film am Ende nur enttäuschen kann. Der unbescheidene Anspruch, den deutschen Film zu revolutionieren, lastet letztlich zu schwer auf dem zerbrechlichen Gerüst von Das Zimmer im Spiegel.

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7.0Sehenswert

Freimütig bedient sich Rudi Gaul in der Literatur- und Filmgeschichte: Ein weißes Kaninchen hoppelt mit Luisa den Weg zurück aus dem Jazzkeller durch den Spiegel - es hat auch Alice den Weg ins Wunderland gewiesen, in der Fortsetzung fand sich dann "Alice hinter den Spiegeln". Melodram, Film Noir, Stummfilmästhetik, expressionistischer Film und Theater fügen sich zu einem klaustrophobischen Kammerspiel, aber auch zu einem Plädoyer für die Kraft der Imagination.

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8.0Ausgezeichnet

"Das Zimmer im Spiegel" ist ein besonderer Film, der aus kleinen Mitteln großes Kino schafft. [...] Der Surrealismus, keine Frage, ist der wahre Realismus. Dennoch hat der Film in seinen weniger fantastischen Passagen seine stärksten Momente. Als Luisa macht Kirstin Fischer, ganz auf sich allein gestellt, die Ausgrenzungspolitik der Nazis mit jeder Faser körperlich spürbar. Lebende werden zu Gespenstern. Die Furcht vor dem kleinsten Geräusch, der Zwang zur Unsichtbarkeit – das ist der eigentliche Alptraum. Dass diese Geschichte noch keineswegs auserzählt ist, hat Rudi Gaul mit einem neuartigen Film aus alten Formen eindrucksvoll bewiesen.

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8.0Ausgezeichnet

Rudi Gaul wirft einen ungewohnten Blick auf ein Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus. Er verzichtet auf die Darstellung historischer Fakten, bietet dafür aber intime Einsichten in das Seelenleben einer Frau, deren Überlebenskampf er als minimalistisches, bizarres Kammerspiel inszeniert, bei dem die Grenze zwischen Realität und Traumwelt zunehmend verwischt. Die Einsamkeit verformt die phantastischen Gedankenbilder der Heldin zu wahnhaften Gebilden. Die bedrückende Atmosphäre vermittelt sich besonders über den klaustrophobisch engen Schauplatz, den die Kamera nie verlässt, und über die sensible, hörspielartige Tonspur. Auf ihr nehmen Stimmen, Treppenhausgeräusche aus dem Off und Grammophonklänge aus der Nachbarwohnung größeren Raum ein als die sparsam eingesetzten Dialoge.

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Kommentare (0) — Film: Das Zimmer im Spiegel

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