Lenin in Paris

Ленин в Париже (1981),
Laufzeit 106 Minuten, Drama, Historienfilm

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von Sergej Jutkewitsch, mit Claude Jade und Valentina Svetlova

1910 kommt der junge Arbeiter Sascha Trofimoff (Vladimir Antonik) nach Paris. Er verliebt sich in Inessa Armand (Claude Jade), die Wegbegleiterin Lenins (Juri Kajurov). Wissenschaftlich-utopischer Film mit Zeitreisen und Stilmitteln des Stummfilms und des Splapstick. Auf Druck der Zensur wurde aus Lenins Geliebter Inessa der Schwarm des fiktiven Trofimoff.

In Paris lernen sich 1910 Lenin (Juri Kajurow) und die junge Revolutionärin Inès Armand (Claude Jade) kennen. Die aus der Verbannung nach Paris geflohene “Inessa” gründet mit Lenin die Parteischule von Longjumeau. Der Film, der Vergangenheit und Gegenwart verwebt, deutet die wahre Liebesgeschichte zwischen Lenin und Inessa in einigen Szenen nur an – auf Druck der Zensoren verliebt sich der fiktive Bolschewik Sascha Trofimow (Wladimir Antonik) in die Revolutionärin. So gibt es jene Szene, in der Lenin, Inessa, Trofimow und Lenins Frau Nadeshda Krupskaja ein Konzert von Montégus besuchen und Inessa dolmetscht. Hier bemerkt Krupskaja die bewundernden und verliebten Blicke des jungen Mannes, der Inessa zuraunt: “Noch schöner als das Morgenrot, als Sonn’ und Mond bist du…”

Der Film beginnt mit der Ankuft Alexander Trofimows (Vladimir Antonik) in Paris. In der Rue Marie-Rose will er Lenin treffen. Stattdessen begegnet ihm dort Inessa Armand (Claude Jade). Bei einem Spaziergang werden Trofimow und Inessa Zeugen einer Schießerei. Inessa bringt Trofimow ins “Hotel Mimi”, wo der junge Bolschewik Quartier findet. Eines Tages, Inessa bringt Trofimow französische Vokabeln bei, verkauft eine alte Frau rote Nelken. Einige davon sind weiß. Trofimow erleidet einen Schwächeanfall. Inessa versorgt ihn in seinem Hotelzimmer. Auch Lenin (Juri Kajurow) besucht den Kranken. Trofimow, Inessa, Lenin und dessen Frau Nadeschda Krupskaja (Walentina Swetlowa) besuchen ein Konzert von Montéhus und stimmen in den Gesang ein. Die vier begleiten anschließend das soeben verstorbene Selbstmörderpaar Paul und Laura Lafargue auf dem Friedhof Père Lachaise zu deren Beerdigung. Am Ende gesteht Trofimow Inessa seine Liebe. Sie schenkt ihm einen Scherenschnitt von ihrem Profil. Im Off-Kommentar wird erzählt, dass Trofimow später gefallen ist.

Der Experimentalfilm, der Epochen ebenso verbindet wie diverse Stilmittel (u.a. Stummfilmsequenzen, Slapstick-Elemente), ist das letzte Werk des russischen Meisterregisseurs Sergej Jutkewitsch.


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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Der Titel mag Propaganda suggerieren, das Kunstwerk selbst ist pure Poesie, philosophisch aber religons- und ideologiefrei. Der frankophile Cannes-Preisträger Sergej Jutkewitsch mixt in seinem Testament mit beträchtlicher Stilsicherheit Elemente des Stummfilms, des Slapstick, des Melodrams und des Cinéma vérité zu einem wissenschaftlich-utopischen Film mit einer Romanze als Leitmotiv.

Titelheld Lenin wird zur verbindenden Randfigur, die mit Krupskaya und Inessa Armand ein Konzert von Montéhus besucht oder zu Karl Marx' Tochter Laura Lafargue radelt, bevor diese mit Gatte Paul den Freitod wählt. Held ist der junge Arbeiter Trofimoff, von dessen Tod in Kronstadt wir in einem off-Monolog von Heldin Inessa erfahren. Tot? Er reist doch durch die Zeit, streitet sich mit Linksextremisten der ausgehenden 70er Jahre in Paris, besucht in einem Fiebertraum auf Inessas Bett die Pariser Kommunarden und will vor allem eines: dass Inessa, mit der er hinter Plakaten von Jean Cocteau einen Bankraub durch Anarchisten der Bonnot-Bande beobachtet, ihn liebt. Doch Inessa, die ihn bei sich aufnimmt und ihm Lenin vorstellt, drängt auf Askese.

Von der sowjetischen Zensur gezwungen, die schon damals bekannte Liebe zwischen Inessa und Lenin zu streichen, ist die Romanze zwischen der berühmten Revolutionärin Inès Armand (1874-1920) und dem fiktiven "Sascha" Trofimoff Leitfaden eines launig-beschwingten Abenteuers für Philosophen und Cinephile.
Jutkewitsch lässt Claude Jade in einer Szene, in der sie Vladimir Antonik* in französischer Sprache unterrichtet, aus einem Strauß vieler roter Nelken eine einzige weiße ziehen (für Truffaut/Doinel-Kenner ist das immer die, die "ihre ursprüngliche Farbe behält"). Und das alles swingt traurig und burlesk zur Musik von Grigori Frid.

* Heute synchronisiert Antonik Arnold Schwarzenegger und auch Pierce Brosnans James Bond.

ps: Claude Jade, die damals wie Marina Vlady (die "blonde Hexe" spielte in Jutkewitschs "Sujet für eine Kurzgeschichte") in Moskau lebte, spricht hier übrigens ein exzellentes Russisch. [Habe den Film als 11jähriger allerdings auf deutsch und erst jetzt auf russisch gesehen.]

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