Wolken ziehen vorüber
Kauas pilvet karkaavat (1996), FI Laufzeit 96 Minuten, FSK 12, Drama, Komödie, Kinostart 30.05.1996
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1 Kommentare
Keine
von Aki Kaurismäki, mit Kati Outinen und Kari Väänänen
Das “Dubrovnik” ist eines der letzten traditionellen Tanzlokale in Helsinki und auch für seine ausgezeichnete Küche bekannt, obwohl es schon bessere Tage gesehen hat. Seine etwas angestaubte Atmosphäre und sein ergrautes Publikum lassen das Restaurant wie ein Relikt aus einer anderen, besseren Zeit erscheinen. Ilona ist Oberkellnerin im “Dubrovnik”. Zusammen mit ihrem Mann Lauri, der als Straßenbahnfahrer arbeitet, wohnt sie in einem billigen Appartementhaus in Helsinki. Die finanzielle Lage der beiden kann man ohne Übertreibung als desolat bezeichnen. Die Wohnungseinrichtung und der neue Fernseher sind auf Raten gekauft. Trotzdem können sich Ilona und Lauri ganz gut über Wasser halten, was vor allem an der resoluten Ilona liegt, die das Leben realistischer sieht als Lauri, der gelegentlich zur Selbstüberschätzung neigt. Dazu ist Lauri auch noch der Typ des “ewigen Verlierers”. Als die Gesellschaft, für die er arbeitet, Stellen kürzt, lässt der Schichtführer durch Los entscheiden, wer seinen Job verliert. Natürlich trifft es Lauri. Da er schon Ende 40 ist, sieht seine Zukunft auf dem Arbeitsmarkt alles andere als rosig aus, was er nur unwillig zur Kenntnis nimmt. Er weigert sich, Arbeitslosengeld zu beantragen und ist davon überzeugt, umgehend wieder einen Job zu finden. Ilona belastet diese Situation sehr. Doch es kommt noch schlimmer: Das “Dubrovnik” wird an eine Restaurantkette verkauft, da Frau Sjöholm keine Möglichkeit mehr sieht, den Betrieb rentabel aufrecht zu erhalten. Von den Mitarbeitern will der neue Inhaber niemanden übernehmen. Ilona, den Türsteher Melartin und Lajunen, den Koch, trifft es besonders hart, denn alle drei sind für den Arbeitsmarkt zu alt. Für Ilona beginnt eine Odyssee durch die Restaurants von Helsinki, doch überall bekommt sie Absagen.
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Cast & Crew
- Genre
- Sozialdrama, Drama, Komödie
- Handlung
- Kellnerin, Restaurant
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Kommentar — Film: Wolken ziehen vorüber
ElMagico Sun, 13 Nov 2011 10:17:46 -0000
Kommentar löschenAls ob es Aki Kaurismäki selbst unheimlich wurde, dass seine vorherigen Filme einen doch recht positiven Grundton inne hatten. In "Kauas pilvet karkaavat" verzichtet fast komplett auf verschönernde Elemente, lässt auch seinen zurückhaltenden Humor diesmal nur selten aufblitzen, kann letztendlich dann aber doch nicht sein humanistisches Wesen verbergen.
Am Rande der Gesellschaft bewegte sich Kaurismäki schon immer, doch wo man sonst immer wieder ein kleines Lächeln geschenkt bekam, wo die skurrilen Figuren doch immer die seltsamen Helden ihrer Geschichten waren, da serviert Kaurismäki in "Kauas pilvet karkaavat" doch eine deftige Portion Hoffnungslosigkeit, Leere und dunkler Tristesse. Die Helden des Films rutschen langsam, aber unaufhaltsam, immer weiter ab. Hoffnungsschimmer erweisen sich meist nur als die nächsten Schicksalsschläge und als Zuschauer will man mehr als einmal in den Film springen um Illona und Lauri irgendwie zu schützen, sie zumindest zu warnen. Denn oft hat es schon etwas Schmerzvolles der Werdegang der beiden zu verfolgen. Das ist dann schon manchmal Gesellschaftskritischer-Torture-Porn, wenn man den nächsten Schlag schon kommen sieht, die beiden sich in ihrem Gemisch aus Verzweiflung und Naivität an jeden Strohhalm klammern. Und diesmal schaffen es die Helden eben lange nicht sich einen Schutzwall gegen das Kalte zu errichten, diesmal greift der sozial Abstieg auch direkt ins Leben ein: die Beziehung leidet unter all dem und auch die Protagonisten verlieren sich selbst aus den Augen.
Natürlich ist "Kauas pilvet karkaavat" irgendwo ein Worst-Case-Scenario, aber selbst die gibt es ja tatsächlich und in diesem Rahmen ist der Film ein äusserst realistischer, nüchterner und lange auch bedrückender Beitrag. Da aber auch auf jegliche plakative Dramatik oder Sozial-Romantik verzichtet wurde, ist "Kauas pilvet karkaavat" ein überzeugendes Zeitdokument, welches eine Gesellschaft zeigt die sich nach einem warmen Nest sehnt, aber kaltherzig agieren müsste, um sich dieses überhaupt leisten zu können. Ein Film über Gewinner und Verlierer, übers fressen und gefressen werden. Kein Film über dem man danach sagt, dass er schön war. Aber ein Film der mit seiner realistischen Geschichte, seinen echten Bildern und seiner meist unausgesprochenen Verzweiflung oft weh tut.
Das Kaurismäki die Kälte aber nicht gewinnen lassen kann, spricht nur für ihn.
"Irgendjemand muss doch erzählen, in welchem Schlamassel die Menschen stecken und wie sie dennoch ihre Würde wahren. Ich komme selbst aus armen Verhältnissen und weiß, wie die Gesellschaft mit diesen Leuten umspringt. Warum sollte ich denn einen Film über verwöhnte Muttersöhnchen drehen, die nur ein Problem plagt: das richtige Outfit zum Angeben zu finden" (Aki Kaurismäki)
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Mimuschka Wed, 02 May 2012 12:51:17 -0000
Antwort löschen"Gesellschaftskritischer-Torture-Porn" triff es ziemlich gut, haha. mensch, wie ich mich gewunden habe vor dem bildschirm, das war schon schlimm. vor allem hat mich beeindruck dass ich aufgrund 80 minuten leidens dann am ende durch so etwas extrem simples wie einem gast der ins restaurant kommt, fast du tränen gerührt war.
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Demine Sat, 20 Apr 2013 13:32:30 -0000
Antwort löschenSehr schöner Kommentar zu einem ebenso guten Film :)
ElMagico Sat, 20 Apr 2013 14:49:05 -0000
Antwort löschenDanke schön :)