Smoover

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Smoover aus Sh ist 28 Jahre alt. Er hat sich auf moviepilot angemeldet und hat schon unglaubliche 3256 Filme bewertet und legendäre 727 Kommentare geschrieben. Mehr


Gästebuch

Solveig

Das kenne ich auch irgendwoher, gerade wenn man noch viele Filme liegen hat, die einen interessieren und man keine Zeit verlieren will. Bei mir ist es so, dass wenn ich Phasen habe, wo ich mich schlecht konzentrieren kann oder generell nicht so viel Zeit habe, ich entweder Filme schaue, an die ich nur mittelmäßige Erwartungen habe (vielleicht überrascht dann aber auch mal einer), oder aber Filme, die ich schon kenne, da ich da schon weiß, was auf mich zukommt.

Solveig

*Prient = Orient

Solveig

Zweitsichtungen sind dafür immer gut. :)
"Die Katze auf dem heißen Blechdach" habe ich nach einer Zweitsichtung übrigens auch von 8 auf 9 Punkte gehoben. Wirklich ein besonders toller Klassiker, auch wenn ich Paul Newman die Rolle, einen Menschen mit Alkoholproblemen zu spielen, nicht so ganz abnehme, aber dafür hat das Kammerspiel so viele andere sympathische Gedanken.
Ohnehin habe ich ja mein Bewertungssystem jetzt etwas geändert, da vorallem alles zwischen 8 und 9,5 Punkten bei mir vorher fast immer reine Bachentscheidungen waren. Ab jetzt kan man sich bei mir einfach vorstellen, dass ich mit allen 8-Punkte-Filmen sehr zufrieden bin und eigentlich nichts an ihnen auszusetzen habe. Filme, die noch mehr Punkte bekommen, sind dann jetzt die, die ich besonders gern weiterempfehlen möchte, und die aus meiner Sicht etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
Und durch den Prient wollte ich auch noch filmisch mehr reisen. Abseits von Kiarostami gibt es sicher noch mehr tolle Regisseure dort.

Solveig

Ich dachte mir jetzt, dass der nächste Gästebucheintrag bestimmt von Dir sein wird. :)
Bin auch sehr froh, denn auf diesen Film habe ich mich schon monatelang gefreut und gehofft, dass er mir gefallen wird, weil ich zum einen die Inhaltsbeschreibung und den Filmtitel so ansprechend fand und mich zum anderen der Orient überhaupt sehr reizt ("Drachenläufer" hatte mich da leider bisschen enttäuscht - da merkte ich doch etwas zu sehr, dass eine amerikanische Sichtweise dahinter steht). Aber ein wirklich sehr eindringlich geschildertes Frauenporträt. Die anfangs dargestellten Unruhen sind sehr wuchtig, und dann wird der Film so intim, dass es etwas schmerzhaft zu bohren anfängt. Auch da hoffe ich, zu dem Film irgendwann noch einen Kommentar zu finden, aber erstmal muss ich ihn verdauen. Der ist ja auch recht vielschichtig.

Solveig

Ach ja, und Lars von Trier habe ich auch noch nicht aufgegeben. "Dancer in the Dark" liegt bei mir übrigens noch herum und zumindest seine früheren Filme will ich mir auch gern anschauen. Da ist er für mich noch ein ganz unbeschriebenes Blatt. Ob ich mir allerdings Nymphomaniac anschaue, kann ich nicht versprechen.

Solveig

Das freut mich zu hören. :)
Nun ja, Irreversibel zu bewerten, fand ich auch etwas schwierig und die vier Punkte richten sich da tatsächlich auch mehr nach dem Prädikat 'uninteressant', obwohl ich hier im Stillen inzwischen unabhängig davon auch ein eigenes Bewertungsraster gefunden habe.
Der Film war mir aber tatsächlich viel zu aufdringlich, um beeindrucken zu können. Fängt schon damit an, dass er gleich an so einem klischeehaft "bösen" Ort spielt und sofort der "och nö"-Gedanke bei mir aufkam. Ich habe mir auch mal die Positivkommentare durchgelesen, die die Machart des Film verteidigen und finde auch, dass da für meinen Geschmack vieles zu konstruiert ist. Weniger plakativ und subtiler wäre Irreversibel für mich bestimmt auch ein toller Film - oder wenn er ein Kurzfilm von 10 bis max. 15 min. wäre, könnte ich über seine Schwächen auch noch hinwegsehen und ihn mindestens mit 7 Punkten bewerten. Aber so suhlt sich mir der Film auch viel zu sehr in den Momenten, die eben unbedingt provozierend sein wollen, und das finde ich immer ziemlich ermüdend und ... eben 'uninteressant'.

Solveig

Ach Smoover, sehe gerade, dass Du Funny Games auch so bewertet hast wie ich den Film am liebsten werten würde.

haturast

Stimmt schon, zumal ich wahrlich kein Freund von sozialen Netzwerken bin. Insofern bildet Moviepilot, was ich stets nie als soziales Netzwerk bezeichnen wollte, da schon eine positive Ausnahme.

haturast

Merci Smoover :)
Schön hier so freundlich wieder aufgenommen zu werden. Hatte fast damit gerechnet, dass ich mir von allen Seiten anhören darf, wie launenhaft ich doch manchmal sein kann :D

Liebe Grüße :)

BaltiCineManiac

Das Problem ist einfach, dass viele überhaupt nicht wissen, wie der Begriff Bollywood zu definieren ist. ;) Denn hiermit wird ja kein Genre oder ein bestimmter Filmstil umrissen, sondern eine sich an der verwendeten Sprache und am hinter dem Filmprojekt stehenden kommerziellen Gedanken orientierende Filmindustrie (die seit mehr als 70 Jahren existiert). Da aber die meisten, naja, eigentlich so ziemlich alle Länder eben nur eine davon haben und nicht mehrere wie Indien (= 12), fällt es den Leuten so unsagbar schwer, dies in ihre Denkmuster zu integrieren.

Du schreibst von „Pyaasa“ auch, als sei es kein Bollywoodfilm. „Pyaasa“wurde in der Sprache Hindi gedreht, ist also dem Hindi Cinema zuzurechnen, ist eine mit Stars und recht großem Budget realisierte, kassenorientierte Mainstreamproduktion des Kassenhitgaranten Guru Dutt, gespickt mit den üblichen Musical-Song-Tanz-Nummern, ist also ganz klar ein Bollywoodfilm! Aufgrund seiner zurückliegenden Kassenerfolge hatte Guru Dutt hierbei die absolute künstlerische Freiheit und konnte erstmals seine Vorstellungen vom Filmemachen komplett umsetzen, was man auch sieht. „Pyaasa“ war nach „Mother India“ und „Naya Daur“ der dritterfolgreichte Hindi-Film des Jahres 1957. Bollywood ist ja nur eine Spracheingrenzung und kein starres Konstrukt, das immer so aussah wie um die Jahrtausendwende (RTL2-Filme), und noch nicht einmal da einheitlich war, sondern in sich noch vielerlei Stile und Genres vereint und sich über die Jahrzehnte immer neu erfand.

Die 50er im indischen Film waren geprägt von der Aufbruchstimmung, der Unabhängigkeit Indiens, man wollte durchaus auch mit kassenorientierten Mainstreamprojekten künstlerisch etwas schaffen, das Kino war immer noch geprägt von der Düsternis des deutschen Stummfilmexpressionismus (die expressiven Elemente halten sich ja bis heute), den z.B. die beiden deutschen Mitbegründer des ersten Bollywoodstudios überhaupt, Regisseur Franz Osten und Kameramann Josef Wirsching mit seinen Bildern, mitbrachten. Ferner gab es ganz klare Einflüsse des Sowjetfilms (Eisensteinvisualität/ etliche Co-Produktionen zwischen Indien und der Sowjetunion), des italienischen Neorealismus (der ja wiederum eigentlich daraus entstanden sein soll, dass der neorealistische Grundelemente verwendende indische Heiligenfilm „Saint Tukaram“ 1936 bei den Filmfestspielen von Venedig gezeigt wurde), des poetischen Realismus aus Frankreich und ganz stark des Film noir (Guru Dutts Debütfilm „Baazi“ ist ein waschechter Noir mit Musicalnummern, auch in „Pyaasa“ sieht man die Noir-Einflüsse, genauso wie in jedem anderen seiner Filme, bis auf das etwas missglückte Piratenabenteuer „Baaz“).

Das Bollywoodkino der 50er ist einfach nur großartig, mehrheitlich Schwarz-weiß, künstlerisch ambitioniert und in seiner oftmaligen Düsternis teilweise kaum vergleichbar mit der eskapistisch-bonbonbunten Massenbespaßung der 90er für die sehnsuchtsvolle junge Generation, die gerade zu diesem Zeitpunkt Indiens wirtschaftlichen Fortschritt in Gang brachte und kurz vor dem Millennium von großen Schlössern, Reichtum und dicken Flitzern träumte, ein Traum vom Glück, umgesetzt als filmisches Erfolgskonzept, das sehr oft kopiert wurde und Anklang fand (RTL2-Filme, aber das ist ja mittlerweile auch schon wieder vorbei). Trotzdem entwickelte sich in den 50ern ganz langsam (die Hochphase kam erst später) auch das als Antithese zum Kommerz entworfene indische Independent-Kino, das sogenannte Parallel Cinema. Begründer war Ritwik Ghatak, mit seinem 1952er Film „Der Bürger“, danach erst kam Satyajit Ray. Wichtigstes Merkmal des Parallel Cinema zunächst, Abwendung von den choreografierten Musical-Song-Tanz-Nummern („Pyaasa“ hat welche), anderer Einsatz der in Indien allgegenwärtigen Musik (eher realistisch und/oder im Hintergrund). Zumindest Ritwik Ghatak hält sich nicht lange daran und benutzt in seinen Filmen bald wieder Musical-Nummern, was aber der Qualität und dem Indie-Charakter seiner Flüchtlings-Trilogie beispielsweise keinen Abbruch tut. Starre Definitionsmuster gibt es auch hier (zum Glück) nicht. Ja, „Pyaasa“ war nicht seiner Zeit voraus, sondern IST seine Zeit, die absolute Quintessenz und der künstlerische Höhepunkt (so weit ich das bisher beurteilen kann) des indischen, hindisprachigen 50er-Jahre-Mainstream-Kinos, auch damals schon Bollywood. Ich liebe diese Epoche! Hoffentlich kriegt MP bald wieder das Mitmachformular in Gang. So viel von mir dazu (bin leider schon wieder ins monumental lange Schwafeln geraten, sorry). ;)


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