4 Dinge, die in King of Queens einfach nicht mehr lustig sind

King of Queens - Staffel 1-9 Fan Trailer (Deutsch)
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Auch heute noch gehört King of Queens zu einer der beliebtesten Sitcoms der 90er
19.07.2021 - 11:00 UhrVor 1 Tag aktualisiert
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9 Staffeln lang haben wir mit Kevin James und seiner Serienfamilie gelacht und gelitten. Leider hat King of Queens das gleiche Problem wie viele andere Kult-Sitcoms aus den 90ern: Es ist stellenweise nur noch schwer zu ertragen.

Wenn es um Sitcoms geht, haben uns die 90er eine Menge Highlights beschert. Einer der Nostalgie-Dauerbrenner, den ihr aktuell bei Amazon Prime*  und TVNOW*  streamen könnt: King of Queens. Die Kultserie über das dysfunktionale aber liebenswerte Zusammenleben von Kurierfahrer Doug Heffernan (Kevin James), seiner Frau Carrie (Leah Remini) und deren Vater Arthur Spooner (Jerry Stiller) lief über 9 Staffeln und machte dabei einiges richtig. Schon allein die Tatsache, dass Doug und Carrie lange bewusst keine Kinder wollten und beide berufstätig sind, kann man in den USA der 90er als beinahe revolutionär bezeichnen.

Trotzdem teilt King of Queens das Schicksal vieler Sitcoms, die vor 20 Jahren über die Fernsehbildschirme liefen: Sie ist stellenweise nicht sonderlich gut gealtert. Hier kommen 4 Dinge, die heute einfach nicht mehr lustig sind – so sehr wir Doug und seine Chaosfamilie auch lieben.

1. Sexistische Geschlechterklischees

Doug Heffernan hat das Herz am rechten Fleck – und den geistigen Entwicklungsstand eines 5-Jährigen. So versucht er nicht nur jeden Konflikt zu vermeiden, indem er seine Frau Carrie ständig belügt, sondern mag auch Furzwitze und die Looney Tunes. Kombiniert mit seiner kräftigen Statur ergibt das den typischen Sitcom-Mann. Ob in Roseanne, in Still Standing oder in Immer wieder Jim: Beleibte Kerle, die auf Bier stehen, ständig heimlich irgendeinen Mist bauen und dabei mit jeder Menge Machismo um sich werfen, gehören zu den wichtigsten Stereotypen der Sitcom-Welt.

Klar ist natürlich auch: Ohne Trottel-Doug wäre King of Queens nicht so erfolgreich geworden

King of Queens - Doug rennt zum Telefon Clip (Englisch)
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Wo es ein Riesenbaby gibt, ist die nörgelnde Ehefrau meist nicht weit. Dass Carrie sich von ihrem unreifen Ehemann nicht auf der Nase herumtanzen lässt, ist natürlich erstmal positiv. Ziemlich ärgerlich ist allerdings, wie Carrie in der Serie dafür abgestraft wird. Den Gipfel der Geschmacklosigkeit erreicht die Serie diesbezüglich in der Folge "Happy Hour", in der Doug und Arthur Carrie allabendlich mit Cocktails abfüllen, um sie besser ertragen zu können.

Klar, am Ende des Tages wird klar, dass die Beiden sich lieben. Trotzdem wird Carrie immer wieder als nervige Klischee-Ehefrau stilisiert, die niemandem Spaß gönnt. Doug hingegen wird oft als trotteliger Gegenpol dargestellt, der sich bloß nicht streiten möchte. Dabei ist er meistens der Grund dafür, dass es überhaupt zu Problemen kommt. Ziemlich unfair für beide Seiten, eigentlich, und Symptom einer Zeit, in der noch deutlich lauter über das "Frauen sind nervig, Männer wollen in Ruhe Bier trinken und sich bemuttern lassen"-Klischee gelacht wurde.

2. Mal mehr, mal weniger offene Homophobie

Auch homofeindliche Sprüche gehörten in den 90ern zum Standardrepertoire der Fernsehunterhaltung. Ein Junge möchte sich als Prinzessin verkleiden? Schwul! Ein Mann geht in der Beziehung mit seiner Frau Kompromisse ein? Schwul! Auf die Ehepartnerin hören, Ballett gut finden, klassische Musik mögen: alles schwul. Auch King of Queens schlägt voll in diese Kerbe. Und was damals schon nicht witzig war, wird im Jahr 2021 auch nicht besser.

Ob nun Deacon (Victor Williams), der sich immer wieder darum sorgt, dass sein Sohn Kirby homosexuell sein könnte oder Danny (Gary Valentine) und Spence (Patton Oswalt), die sich aufgrund ihrer Männer-WG immer wieder unterschwellig anhören dürfen, sie seien schwul: Das Schlimmste im King of Queens-Universum scheint die Vorstellung zu sein, als Mann andere Männer zu lieben. Als Indiz dafür wird alles betrachtet, was nicht absurden Männlichkeitsklischees entspricht.

Vor allem Spence wird in der Serie immer wieder zur Witzfigur erkoren, weil er auch mal emotional sein kann, im Fernsehen nicht ausschließlich Football-Übertragungen schauen möchte und sich für Kunst und Kultur interessiert. Seine größte Sorge in der Folge "Der Grabscher": dass sein digitaler Videorecorder ihn für schwul halten könnte, weil das Gerät automatisch Eiskunstläufe und andere vermeintlich homosexuelle Sendungen für ihn aufzeichnet. Heute würde eine Serie bei so einem Umgang mit dem Thema Homosexualität krachend scheitern. Und zwar völlig zurecht.

3. Witze über Mehrgewichtige

Auch Dougs Figur steht immer wieder im Gag-Zentrum der Serie, ob er nun als “Fettsack mit Schmierfingern”, als “Heffertonne” und “Enormo, der Clown” bezeichnet wird, oder ob Carrie ihn das “Fettzigste” nennt, was sie je gesehen hat. Immer wieder hackt sein Umfeld auf der Tatsache herum, dass Doug ein paar zusätzliche Kilos auf den Rippen hat – mal mehr, mal weniger freundlich.

Auch wenn die Sticheleien oft beiläufig passieren: Dougs Gewicht ist immer wieder Thema

King of Queens - Das letzte Stück Pizza Clip (Deutsch)
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"Fatty-Gets-a-Family formula" hat die Autorin Gillian Flynn (u.a. Gone Girl - Das perfekte Opfer, Sharp Objects) die Form des Sitcom-Humors genannt, bei der viele Witze darauf aufgebaut sind, dass eine vermeintlich wenig attraktive dicke Person mit jemandem verheiratet ist, der oder die optisch viele Ligen über ihr spielt.

Doch nicht nur Doug ist Bodyshaming ausgesetzt, er diskriminiert auch andere wegen ihrer Figur. Seinen traurigen Höhepunkt erreicht das schon in der 2. Folge von Staffel 1, "Das Fett muss weg". Doug findet ein Foto seiner kräftigen Schwiegermutter und hat solche Angst davor, dass auch Carrie dick werden könnte, dass er versucht, sie zum Abnehmen zu bewegen. Natürlich möglichst unauffällig, damit es keinen Ärger gibt. Denn wir haben ja gelernt: Wenn jemand im Heffernan-Haushalt Stress macht, dann die unentspannte Ehefrau.

4. Die Darstellung von Arthur als seniler Rentner

Carries Vater Arthur Spooner hat viele charmante Seiten, daran besteht kein Zweifel. Im Fokus von King of Queens stehen aber meist seine anstrengenden Charakterzüge, wie sein Jähzorn, seine sporadische Verwirrung und seine exzentrischen Eigenheiten. Manchmal funktioniert dieser Humor, weil man mit Arthur lacht, nicht über ihn. Meistens geht die stereotypische Darstellung eines senilen alten Mannes aber nach hinten los.

Das Thema Entmündigung beschäftigt viele ältere Menschen. Ob Oma und Opa über Arthur Spooners mittellose Lebenssituation im Keller seiner Tochter und seines Schwiegersohns lachen können? Ob es hilft, dass sich die Autor:innen der Sitcom ständig über Arthurs Schrullen erheben und den Eindruck erwecken, als hätten die kinderlosen Doug und Carrie irgendwie doch einen Dreijährigen zuhause, nur eben anders? Ob der Gedanke, in ein Altenheim umziehen zu müssen, für ältere Menschen wirklich Sitcom-Material ist?

Es ist ein schmaler Grad zwischen der liebenswerten Darstellung eines Menschen, der unter Alterserscheinungen leidet, und dem Lustig machen über Begleiterscheinungen eines Lebensabschnitts, den der Großteil von uns irgendwann einmal erreichen wird. King of Queens haut hier zwar nicht ganz so daneben wie Til Schweiger mit Honig im Kopf – ein bisschen weniger Rentner-Bashing hätte der Serie aber trotzdem gut getan.

Garantiert ohne homophobe Witze: Unser Podcast zu Schitt's Creek, der besten queeren Comedy-Serie

In dieser Folge unseres Formats Streamgestöber: The Queer Cut sprechen Andrea und Max über die Comedy-Serie Schitt's Creek.

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In Kanada und den USA wird die 2020 beendete Serie gefeiert. In Deutschland kennt sie aber kaum jemand. Das wollen wir ändern. Denn Schitt's Creek hat mit seinen liebevollen, witzigen Figuren und einer großen Portion Queerness Max' Serien-Herz erobert.

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Über was könnt ihr in King of Queens auch heute noch lachen?

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