Meine glorreichen Sieben

7 Filme, die Constanze die Filmbranche erklären

Achteinhalb, Tropic Thunder und The Artist
© Kinowelt/Paramount/Delphi/moviepilot
Achteinhalb, Tropic Thunder und The Artist

Im Kino könnt ihr momentan mit Woody Allen: A Documentary in die Welt des gleichnamigen Schauspielers und Kult-Regisseurs abtauchen und hinter die Kulissen blicken. Ich habe mich davon inspirieren lassen und eine Bestenliste mit Filmen über das Filmemachen aufgestellt. Allerdings geht es mir dabei nur um Spielfilme, nicht um Dokumentationen oder Biografien. Ausgesucht habe ich für meine Top 7 jene Filme, in denen der kreative Schaffensprozess beim Entstehen eines Films im Mittelpunkt der Handlung steht und mir außerdem ein bestimmtes (Zeit-)Bild der jeweiligen Filmbranche präsentiert wird – egal, ob das auf ernsthafte, surreale oder parodistische Weise geschieht.

Barton Fink – Hollywood als Höhle des Löwen
Dank Joel Coen und Ethan Coen reisen wir zurück in die 1940er-Jahre und erleben mit, wie der idealistische Theaterautor Barton Fink das Drehbuch zu einer uninspirierten Ringer-Geschichte abliefern soll. Der Einstieg ins Filmbusiness beginnt für ihn aber erstmal mit einer Schreibblockade und die Skrupellosigkeit seiner Auftraggeber macht ihm zu schaffen. Der Film liefert dabei einen herrlich zynischen Blick auf Hollywood und seine Strippenzieher, und gepaart mit dem unbeholfenen Naivling Barton Fink (John Turturro) ist das mehr als sehenswert.

Sunset Boulevard – Wenn ein Star fallen gelassen wird
Das Drama Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung vom legendären Billy Wilder befasst sich auf sehr düstere Weise mit den Gesetzen der Traumfabrik und zeigt durch die Diva Norma Desmond (Gloria Swanson), wie schnell es mit der Schauspielkarriere wieder vorbei sein kann. Es geht um die Zeit nach dem Ende des Stummfilms, aber auch das Altern eines weiblichen Stars wird hier in den Fokus gerückt. Ein finanziell abgebrannter Drehbuchautor (William Holden) kommt der Dame gerade recht, um wieder ins Filmgeschäft einzusteigen – doch die Studios haben sich längst nach anderem Material umgesehen. Ein hervorragend gespielter Film, der ein persönliches Schicksal mit dem berechnenden Hollywoodgeschäft verbindet und den markanten Satz hervorbrachte: Ich bin groß – es sind die Filme, die klein geworden sind!

Singin’ in the Rain – Perfekt choreografierte Filmhistorie
Wer würde nicht dahinschmelzen, wenn vor ihm Gene Kelly tanzen würde? In dem Musical Du sollst mein Glücksstern sein wird der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm ironisch gebrochen und auf unterhaltsame Weise gelöst: Die Schauspielerin Lina Lamont (Jean Hagen), deren Stimme nicht einmal halb so gut ist wie ihr Aussehen, muss sich nämlich von der zarten Kathy Selden (Debbie Reynolds) synchronisieren lassen. Doch das führt auf Dauer zu Problemen, denn da gibt es ja auch noch Linas Vorzeigepartner Don Lockwood (Gene Kelly), der bald nicht mehr nur geschäftlich an ihr interessiert ist.

Adaptation – Wie ein Film entsteht, während wir ihn sehen
Der Drehbuchautor Charlie Kaufman sollte den Roman The Orchid Thief adaptieren, er geriet dabei allerdings in eine Schaffenskrise und machte sie schließlich zum zentralen Element von Adaption. Wir erfahren durch den Protagonisten und Erzähler Charlie Kaufman (Nicolas Cage) auch, nach welchem Schema ein kommerziell erfolgreicher Film konzipiert sein muss – da bleibt allerdings kaum Platz für kreative Experimente. Adaption selbst widersetzt sich diesen Regeln jedoch meisterhaft, denn es scheint, als würde sich der Film erst durch die Erinnerungen und Gedanken der Charlie Kaufman-Figur entwickeln. Der Film vollzieht somit den Adaptions-Prozess beider Charlie Kaufmans nach, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen dabei zunehmend.

Achteinhalb – Filmische Selbsttherapie
Und noch ein autobiographisch geprägter Film: In Achteinhalb verarbeitet Regisseur Federico Fellini ebenfalls eine Schaffenskrise und lässt seinen Protagonisten Guido Anselmi (Marcello Mastroianni) als eine Art Alter Ego für sich selbst auftreten: Der Regisseur Anselmi hat nämlich wie Fellini Schwierigkeiten damit, eine laufende Filmproduktion zu beenden. Er zieht sich deshalb in einen Kurort zurück, wo er vor seinen Problemen allerdings nicht wirklich fliehen kann. Statt uns allerdings eine strukturierte Rahmenhandlung zu liefern, entsteht Achteinhalb ähnlich wie Adaption erst nach und nach, Wirklichkeit und Fantasie gehen wieder fließend ineinander über. Dass der Film dabei aber eine gewisse Leichtigkeit behält, macht das Ganze noch um Einiges interessanter und zugänglicher.

Tropic Thunder – Parodistische Abrechnung mit Hollywood
Besonders unterhaltsam an der Action-Parodie Tropic Thunder ist die offensive Ironisierung des Starsystems von Hollywood und der alljährlichen Oscarverleihungen. Ben Stiller und Robert Downey Jr. als die Schauspieler Tugg Speedman und Kirk Lazarus (der übrigens einen eigenen Internetauftritt hat), die das Vietnamepos Tropic Thunder drehen sollen, bringen zum Beispiel unterhaltsam auf den Punkt, mit welchen Rollen sich ein Preis ergattern lässt. Der Film bewegt sich aber auch insgesamt auf einer Meta-Ebene, die bereits durch die am Anfang des Films gezeigten Fake-Trailer deutlich wird. Wo fängt hier die reale Person an und wo hört die Leinwandfigur auf?

The Artist – Hommage an eine vergangene Ära
Ja, schon wieder ein Film über das Ende der Stummfilmzeit – aber diese Zeit wurde einfach in zu vielen guten Produktionen eingefangen. The Artist von Michel Hazanavicius ist außerdem tatsächlich stumm und durchbricht diese Stille nur für wenige Schlüsselmomente, die mir ganz besonders im Kopf geblieben sind. Jean Dujardin als gefallener Stern George Valentin lässt uns den Wechsel zum Tonfilm noch einmal neu durchleben und auch, wenn die Thematik schon bekannt ist: Die Inszenierung ist unvergleichlich. Ich sage nur: Uggie (Jack) for President!

Welche Filme gehören für euch in eine Top-Liste der ‘Filme übers Filmemachen’?

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