Captain Marvel - Der Übergang zu Avengers 4: Endgame ist eine Katastrophe

Captain Marvel
© Disney
Captain Marvel
Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Achtung, Spoiler zu Captain Marvel und allen vorherigen MCU-Filmen: Was war das für ein Ende, als Thanos in den letzten Atemzügen von Infinity War mit dem Finger schnippte und das halbe Universum ausradierte! Kein Moment hat das letzte Kinojahr dermaßen geprägt, wie der Cliffhanger des 3. Avengers-Films, der uns niedergeschmettert zurückließ und unzählige Diskussionen entfachte. (Außerdem: MCU-Chef erklärt jetzt das größte Avengers-Logikloch.)

Nur die gelungene Post-Credit-Szene sorgte in dieser düsteren Stunde für Hoffnung: Irgendwo da draußen im Universum kämpft Captain Marvel (Brie Larson) den Kampf der Gerechten und kommt nun auch zur Erde, um den dezimierten Avengers zu helfen. Spannung war ebenso geboten, denn jeder wollte wissen, wie die Antwort auf das von Nick Fury (Samuel L. Jackson) gesendete Signal ausfällt. Das hat Infinity War natürlich nicht verraten.

Avengers 4: Endgame wird Captain Marvel zum Verhängnis

An diesem Punkt kommt Captain Marvel ins Spiel, der letzte Film vor dem großen Phase 3-Finale Avengers 4: Endgame. Die Origin-Story der mächtigen Superheldin grenzt sich durchs 1990er Jahre-Setting vom übrigen MCU-Geschehen ab. In den letzten Minuten will der Film trotzdem die Brücke zu Endgame schlagen, wählt dafür jedoch einen Weg, der alles andere als Begeisterung hervorruft.

Was folgt, ist die unglücklichste Szene des gesamten Films: Kurz nach dem Einsetzen des Abspanns finden wir uns im Hauptquartier der Avengers wieder und erhalten ein Update bezüglich Nick Furys Pager, der sich plötzlich in Schweigen übt. Was für panische Blicke seitens Steve Rogers (Chris Evans), Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) und Co. sorgt, wird wenige Sekunden später mit Captain Marvels Ankunft aufgelöst.

Ein erschreckend unspektakulärer Augenblick, der gleich aus mehreren Gründen völlig deplatziert am Ende von Captain Marvel wirkt und vor allem die Spannung im Hinblick auf Avengers 4: Endgame eliminiert. Es entsteht der Eindruck, als wäre das MCU in Eile und habe jegliches Gefühl dafür verloren, die entscheidenden Momente angemessen auszuleben. Ein effektiver Teaser ist das zumindest nicht.

Aus der holprigen Post-Credit-Szene entstehen drei Probleme:

  • Captain Marvel wird um ihr eigenes Ende gebracht.
  • Der Cliffhanger von Avengers 3: Infinity War verblasst.
  • Avengers 4: Endgame büßt an Spannung ein.

Captain Marvel darf ihren eigenen Triumph nicht auskosten

Im Gegensatz zu Black Panthers erstem Solofilm beschäftigt sich Captain Marvel sehr ausführlich mit den Ursprüngen seiner Titelheldin und nutzt ihre Suche nach einer eigenen Identität als roten Faden für das wilde Treiben im Universum. Wir lernen Carol Danvers als Superheldin kennen, die hin- und hergerissen ist zwischen zwei Welten und sich nur bruchstückhaft an ihr Leben von vor sechs Jahren erinnern kann.

Erst, wenn sie entgegen ihren Kräften die eigenen Schwächen zulässt und damit ihre Menschlichkeit entdeckt, findet sie zu sich und verwandelt sich in jene Captain Marvel, die unbesiegbar durch den Weltraum fliegt. Der gesamte Film läuft auf diesen starken Augenblick hinaus und sollte dementsprechend mit seiner Heldin enden, die im Himmel verschwindet, ähnlich wie sich Tony Stark seinerzeit der Welt als Iron Man offenbarte.

Der Schatten von Avengers 4: Endgame raubt Captain Marvel allerdings ihren großen Moment, denn kaum macht sich diese auf den Weg zu den Sternen, wird sie von den Avengers erdrückt und muss sich gleich dem nächsten Franchise-Segment unterordnen.

Nachdem der Film über zwei Stunden lang von Carols Suche nach ihrer Identität berichtete, untergräbt er das Erreichen dieses Ziels dadurch, dass er sie ins Endgame-Korsett zwängt.

Captain Marvel darf ihren Triumph nicht genießen, sondern muss sich gleich den Anforderungen einer fremden Storyline ergeben. Sorgfältig aufgenommen wird sie zumindest nicht, selbst wenn die Szene in Avengers 4: Endgame immer noch in einen anderen Kontext gesetzt werden kann.

Vorerst wirkt es aber so, als wäre da wieder jemand, der Carol gegen die Wand drückt, während er die beste Version ihrer selbst einfordert. Dabei hatte sie genau diese Fremdbestimmung mit Jude Laws Bösewicht abgeschüttelt.

Zudem schwächt ihr liebloses Auftauchen in den Hallen der Avengers das Ende von Infinity War. Fragen, die uns fast ein Jahr lang beschäftigt haben, werden im Bruchteil einer Sekunde mit der denkbar einfallslosesten Lösung beantwortet, das hat selbst Ant-Man and the Wasp geschickter hingekriegt.

Das Gewicht des Infinity War-Cliffhangers droht, zu verschwinden

Wenngleich die Post Credit-Szene der Ant-Man-Fortsetzung nicht den elegantesten Weg wählte, um uns über das Verschwinden eines Großteils der Figuren aufzuklären, lässt uns Captain Marvel mit diesem lustlosen Übergang ratlos Avengers 4: Endgame entgegenblicken. Was wäre das für ein aufregender erster Akt geworden, in dem sich Captain Marvel den Avengers in der hoffnungslosen Stunde präsentiert. Die Überraschung funktioniert definitiv nicht mehr.

Oder was wäre gewesen, wenn die Avengers herausgefunden hätten, dass auf Nick Furys Notruf deshalb niemand reagiert, weil die Person am anderen Ende der Leitung der Dezimierung zum Opfer gefallen ist? Die Suspense ist komplett verschwunden, während die erste Begegnung zwischen dem Anführer der ersten Avengers-Generation und seiner potentiellen Nachfolgerin vor dem Hintergrund einer der trostlosesten MCU-Kulissen überhaupt stattfindet.

Wenn Thanos' Fingerschnipp mit einer vergleichbar gleichgültigen Geste in Avengers 4: Endgame umgekehrt wird, dann würde das (vermeintliche) Gewicht des Infinity War-Cliffhangers endgültig auf ein Minimum reduziert werden. Captain Marvels vorweggenommene Ankunft ist zumindest kein gutes Zeichen - und das, wo in diesem Fall wirklich alles möglich gewesen wäre.

Dabei ist das Timing eigentlich perfekt: Mit nur wenigen Wochen Abstand kommen Captain Marvel und Avengers 4: Endgame in die Kinos. Wie fließend der Übergang zwischen einem Solofilm und einem Ensemblefilm im MCU sein kann, das haben letztes Jahr Black Panther und Infinity War eindrucksvoll bewiesen. All die Verbindungen des Franchise wirken nun aber hölzern und forciert.

Captain Marvel hat eine bessere Avengers-Ankunft verdient

Genauso wie seine Protagonistin ist der Film in seinen letzten Minuten hin- und hergerrissen zwischen seiner Aufgabe, die Origin-Story abzuschließen und den Endkampf gegen Thanos vorzubereiten. Die ursprüngliche Stärke des MCU, einzelne Filme gekonnt in einem epischen Event (wie etwa dem Drehkreuz The First Avenger: Civil War) zusammenlaufen zu lassen, wird hier schmerzlich vermisst.

So endet Captain Marvel abrupt und mit einem merkwürdigen Gefühl, weshalb die zuvor angestaute Energie völlig verpufft. Brie Larsons Superheldenwerdung darf nicht nachhallen, sondern wird direkt von den Avengers erstickt. Solche wichtigen Szenen wurden im MCU schon deutlich besser orchestriert.

Wie hat euch Captain Marvels Ankunft bei den Avengers gefallen?

Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.
Deine Meinung zum Artikel Captain Marvel - Der Übergang zu Avengers 4: Endgame ist eine Katastrophe
5c7fa13450334e64ab128f6a35b23efd