Es - Die wichtigsten Unterschiede zwischen Buch und Film

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Redakteur bei Moviepilot. Glaubt, dass Netflix sich irgendwann noch durchsetzen wird und schreibt deshalb hauptsächlich über VOD und Streaming. Schöner als Sport sind nur Filme darüber.

Mit Es wurde einer der wichtigsten Horror-Romane der amerikanischen Literaturgeschichte für eine Kinoauswertung verfilmt. Der erste Versuch einer Adaption galt dem Fernsehen und mündete in einem Zweiteiler, der zwar einen festen Platz in der Popkulturgeschichte eingenommen hat, aber nicht unumstritten geblieben ist. 27 Jahre später kommt an diesem Wochenende ein neuer Es-Film ins Kino, der in den USA weithin als bestmögliche filmische Interpretation des Stoffes angesehen wird.

Das liegt auch an seinem behutsamen und an vielen Stellen mutigen Umgang mit dem viel gelesenen Buch. Die Neuverfilmung von Andy Muschietti, darin sind sich die meisten Leser einig, bleibt der Vorlage treu und hebt sich doch deutlich vom Roman ab. Hier und da werden Wesenszüge beschnitten, dort ergänzt, woanders wird getauscht oder umgeformt. Von den meisten Anpassungen im Vergleich zum Buch - da wiederum sind sich die Kritiker einig - profitiert der Film. Einige Änderungen sind der Zeit geschuldet, andere einer flüssigeren Erzählung und wieder andere dem gesunden Menschenverstand. Die wichtigsten Abweichungen haben wir hier - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - zusammengefasst.

Es folgen nun Spoiler zu Es, dem Buch, und Es, dem Film.

Die Montage des Romans…

… wurde für den neuen Film aufgelöst. Stephen King ließ in dem Buch die Zeitstränge des jungen Losers' Clubs und der erwachsenen Rückkehrer parallel nebeneinander herlaufen. Ausschnitte aus dem Erwachsenenleben wechseln sich mit der ersten Begegnung der Kinder mit Es und den daraus folgenden Ereignissen ab. Das Buch zeigt zwei Kriege gleichzeitig, der Film zunächst nur einen.

Im Film folgen wir so ausschließlich den Erlebnissen der Kinder und ihrem Kampf gegen Es. Die Rückkehr von Es, weitere 27 Jahre später, wird im nächsten Film, Es - Teil 2, gezeigt. Die Änderung der Romanstruktur lässt eine geordnetere Herangehensweise an die Geschichte zu. Der Film erzählt eine runde, in sich geschlossene Geschichte. Einige direkte psychologische Effekte, die sich durch die parallele Behandlung der Ereignisse im Buch gut darstellen lassen, gehen allerdings verloren. Womöglich findet der zweite Teil aber einen Weg, diese Einbuße zu kompensieren.

Damit einher geht die Verschiebung der Zeitebenen.

Der Roman Es spielt in den Jahren 1958 (Kinder) und 1984 (Erwachsene). Der Film Es verlegt die Handlung um knapp dreißig Jahre in die Zukunft. Wir erleben die Stadt Derry über die komplette Laufzeit im Jahr 1989, der Blütezeit von New Kids on the Block, was wichtig ist. Irgendwie. Der zweite Teil wird dann (vermutlich) im Jahr 2016 angesiedelt sein.

Zeittypische Gesellschaftskrankheiten werden ausgespart

Der Roman Es ist gleichzeitig Gesellschaftsporträt und Horrorgeschichte. Der Film Es behandelt ebenfalls harte Themen wie Mobbing, Ausgrenzung, Gewalt und deutet auch sexuellen Missbrauch in Familienverhältnissen an. Er geht dabei in der Darstellung aber längst nicht so weit wie das Buch. Auf den im Roman sehr präsenten Rassismus gegen Afroamerikaner, von dem vor allem Mike Hanlon (Chosen Jacobs) betroffen ist, geht der Film ebenfalls nicht ein. Rassismus gegen die schwarze Bevölkerung der USA war in vielen Landesteilen in den 1950ern gesellschaftlich akzeptiert. Schulrowdy Henry Bowers (im Buch der Sohn eines Farmers, im Film Polizistensohn) terrorisiert Mike mit rassistischen Beleidigungen. Rassismus spielt im Film-Derry der 1980er aber schlicht keine Rolle. Mike Hanlons Ausgrenzung folgt einem viel profaneren Grund: Er wird zu Hause unterrichtet.

Ebenso wie Rassismus gehört auch Homophobie zu den Krankheiten Derrys. Schilderungen homophober Handlungen nehmen viel Platz ein in Kings Roman. Der Film lässt diese aus.

Die Sexszene in der Kanalisation

Literaturwissenschaftler zerbrechen sich nach wie vor den Kopf über eine Szene in Kings Buch, die genauso bizarr wie erzählerisch sinnlos und heikel ist. Nachdem der Loser's Club das Wesen Es erstmals besiegt, finden die Freunde nicht mehr aus dem Kanalisationssystem heraus. Beverly (Sophia Lillis), das einzige Mädchen in der Gruppe, hat daraufhin mit jedem der Jungs aufeinanderfolgend Sex. Die Szene schaffte es weder in den ersten Film noch in die Adaption, die jetzt in den Kinos läuft.

Eifersucht, Streit und Liebe

Wo wir bei der Liebe sind: Ben Hanscoms Liebe zu Beverly wird im Film lediglich angeschnitten. Tatsächlich ist sie eines seiner tiefgreifendsten Motive. Der Film zeigt einen schwärmenden Ben, der seine Liebe im Laufe des Films zu vergessen scheint, als Beverly sich mehr und mehr Bill Denbrough (Jaeden Lieberher) zuwendet. Gut möglich, dass der zweite Teil diesen Konflikt noch aufgreift. Im Film ist stattdessen eine ausgewachsene Handgreiflichkeit zwischen Bill und Richie Tozier (Finn Wolfhard) zu sehen, die es so im Buch nicht gibt.

Georgies Tod: Gewiss oder ungewiss?

Das ist wohl die wichtigste Änderung im Vergleich zwischen Buch und Film. Der Roman beginnt, ebenso wie der Film, mit dem Angriff des Clowns Pennywise auf Bills Bruder Georgie. Die von Bill gebastelte MS Georgie stürzt an einem Regentag in einen Abfluss, in dem Pennywise den naiven Georgie überrascht und in die Falle lockt. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber in beiden Versionen, Film wie Buch, darf der Leser/Zuschauer vom sicheren Tod Georg Denbroughs ausgehen. Doch im Unterschied zum Buch, ist der Tod Georgies im Film keine Gewissheit, da die Leiche nie geborgen werden kann. Der Film lässt Bill also im Unklaren über das Verbleiben seines geliebten kleinen Bruders. Im Buch wird der tote Georgie nahe des Tatortes aufgefunden. Während der Buch-Bill also vor allem trauert, ist der Film-Bill irgendwie auch auf der Suche. Er hofft noch.

Das Hauptquartier von Es

Der Film verlegt den Hauptsitz von Es weiter ins Stadtzentrum hinein, worunter Es in der feuchten Dunkelheit der Kanalisation lebt. Der Zugang dazu jedoch befindet sich unter einem verfallenen Haus, an dem einige der Kinder täglich angstvoll vorüberziehen. Der Film spielt deshalb auch eher in der Stadt als in der wilden und grünen Landschaft Maines, die Stephen King in seinem Buch beschreibt.

Die verschiedenen Gestalten von Es

Es' Erscheinungsform ist flexibel. Es kann jeweils die Gestalt dessen annehmen, vor dem sich sein Betrachter am meisten fürchtet. Der Film nimmt hier nachvollziehbare Änderungen vor, denn in den 1980ern fürchteten sich Kinder vor anderen Dingen als in den 1950ern. Im Buch verwandelt sich Es in klassische Horrorfilmfiguren wie Frankensteins Monster, einen Werwolf und eine Mumie. Im neuen Film nimmt Es zeitgeistgerecht etwa die Form eines Zombies an. Ein besonderer Coup des Regisseurs ist die Frau mit der Flöte, vor der sich selbst Stephen King gefürchtet haben soll. Ja, die Frau mit der Flöte wird euch im Kino die Schuhe ausziehen. Die ist vollkommen irre. Eure größte Angst, dass Es lediglich als Clown auftritt, kann ich also beschwichtigen, wenngleich die Clown-Erscheinung schon sehr prominent eingesetzt wird und ihre Ausgestaltung die größte Hingabe erfuhr.

(Quelle: Slash Film)

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