Sequel-Terror

Geldscheffeln auf niedrigem Niveau mit dem 4. Teil

Der vierte Teil der Horror-Actionfilm-Reihe: Resident Evil: Afterlife
© Constantin Film Verleih
Der vierte Teil der Horror-Actionfilm-Reihe: Resident Evil: Afterlife

Wir kennen das gängige Prozedere in Hollywood bestens und es ist längst nichts Besonderes mehr: Ein erfolgreicher Film findet in einem Sequel seine Fortsetzung. Dass es dabei nicht nur bei einem nachfolgenden Film bleibt, sondern im Anschluss noch weitere folgen, ist ebenfalls gang und gäbe. Die Filmwelt ist überflutet mit Zweiteilern, Trilogien, Quadrilogien oder gar Dekadologien – wobei letztere wohl eher selten anzutreffen sind, aber von Filmreihen wie Freitag der 13. oder Star Trek längst erreicht wurden.

Kassenerfolge trotz qualitativer Mängel
Das ist aber auch alles kein Wunder, denn der Herr Hollywood-Produzent ist auch nicht auf den Kopf gefallen und hält sich an folgende Regel: Wo das Geld einmal hingeflossen ist, fließt es auch wieder hin. Daran gibt es aus rein geschäftlicher Sichtweise auch überhaupt nichts auszusetzen. Die Frage der Qualität ist wiederum eine andere Sache. Resident Evil: Afterlife ist mittlerweile der 4. Film seiner Reihe und nach wie vor kommerziell erfolgreich. Das bestätigen die Einspielergebnisse in den USA, die die Action-Heldin Milla Jovovich auf den ersten Platz der Kino-Charts hievten – unabhängig von den vernichtenden Kritikerstimmen, die dem Film jegliches qualitatives Niveau absprechen. So wirft Phelim O’Neill vom Guardian den Machern das Fehlen von sämtlicher Originalität und Fantasie vor. Ein solches Urteil verwundert allerdings nicht, denn die Möglichkeiten, um aus der Geschichte noch etwas Brauchbares herauszuholen, verringern sich von Film zu Film.

Sequelwahn mit ungeahnten Ausmaßen
Mit ähnlichen Vorwürfen sahen sich auch andere Sequels bekannter Filmerfolge konfrontiert, wie Saw IV, Final Destination 4 oder Scary Movie 4. Auch hier störte sich das Massenpublikum überhaupt nicht an den warnenden Kritikerstimmen und bescherte den Machern mit zahlreichen Kinobesuchen einen beachtlichen Batzen Geld. Kein Wunder, dass Saw mittlerweile die gefühlte 20. Fortsetzung erfahren hat oder alle Jahre wieder eine neue Scary Movie-Brut erscheint. Das Gleiche geschah auch bei Filmen wie Police Academy 4 – Und jetzt geht’s rund, bei denen die Macher aber anscheinend den Gong nicht gehört haben, denn die Sequels waren allesamt grauenvoll, vom 2. über den 4. bis zum letzten Film. Anders sieht es da bei den bekannten Horrorreihen um Freitag der 13., Nightmare – Mörderische Träume und Halloween – Die Nacht des Grauens aus. Hier stand jeweils ein Genremeilenstein am Anfang, der eine große Fanbasis um sich scharen konnte, die auch die Nachfolger größtenteils zu schätzen wusste – egal wie schrecklich die ausfielen. Freitag, der 13. Teil 4 – Das letzte Kapitel wird von vielen als solider Abschluss der Reihe betrachtet, die dann allerdings doch wieder weitergeführt wurde. Warum wohl?

Cast und Crew alles andere als unentbehrlich
Immer wieder dürfen wir erfahren, dass die Grundpfeiler aus dem Originalfilm, die diesen ja zum Erfolg verhalfen, für die Sequels nicht wirklich von Bedeutung sind. Das bezieht sich nicht nur auf die Handlung, sondern auch auf die Hauptdarsteller. Diese sind zwar Identifikationsfiguren, aber absolut austauschbar, wenn es ums Geld verdienen geht, wie bei Terminator: Die Erlösung, Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile., Hannibal Rising – Wie alles begann, American Pie präsentiert: Die nächste Generation oder Der weiße Hai 4 – Die Abrechnung gesehen. Ebenso nebensächlich ist der Regisseur, wie beispielsweise die Alien-Reihe und speziell Alien – Die Wiedergeburt gezeigt hat. Jean-Pierre Jeunet brachte eine völlig andere Herangehensweise an den vierten Teil mit und stieß mit seinem Film auf heftigen Gegenwind aus dem Fanlager der Reihe und bei den Kritikern.

Aus erfolgreicher Trilogie wird ein vierter Teil
In den letzten Jahren entwickelte sich zudem ein gängiger Trend, der da lautete: Wir nehmen eine erfolgreiche Filmtrilogie vergangener Tage, entstauben das alte Gerümpel und machen einen modernen vierten Teil, mit dem wir noch einmal richtig Geld machen können. So geschehen bei Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels und Stirb langsam 4.0, bei denen dem gängigen Helden jeweils noch ein junger Kompanion an die Seite gestellt wurde, der die Franchise weiterhin tragen könnte – im Erfolgsfall, der sich ja auch erwartungsgemäß einstellte oder wahrscheinlich einstellen wird, wenn Tom Cruise mit Jeremy Renner wieder Mission: Impossible – Phantom Protokoll spielen. Auch Sylvester Stallone widmete sich nach Jahrzehnten mit John Rambo dem vierten Teil über seine angestaubte Figur, weil er der Reihe angeblich einen würdigen Abschluss verpassen wollte. Wer’s glaubt, Sly. Deinem Bankkonto hat es bestimmt auch gut getan.

Dann gab es da ja auch noch den guten George Lucas, der sich nach langer Zeit mal wieder entschloss, an den Erfolg der Star Wars-Trilogie aus den 1970ern anzuknüpfen und mit dem 4. Teil Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung ein enttäuschendes Prequel hinzulegen, dem er zwei nicht minder zweifelhafte Filme folgen ließ. Aber auch hier hat es sich wieder einmal gelohnt, denn das Merchandising allein stopfte George Lucas erneut die Taschen voll.

Aussichtslos: Wir können das Grauen nicht aufhalten
Was ist das allgemeine Fazit aus der ganzen Chose: Wo ein einst erfolgreicher Name draufsteht, muss nicht immer Qualität drinstecken. Besonders, wenn es um die 4. Auflage in einer Filmreihe geht. Ausnahmen gibt es, aber die sind selten – sehr selten. Das wussten wir vorher aber auch schon. Deshalb müssen wir demnächst wieder eine ganze Masse von 4. Teilen über uns ergehen lassen, darunter Scream 4, Mission: Impossible – Phantom Protokoll, Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten und “Twilight 4” – und wir können nichts dagegen tun, es passiert einfach.

Was haltet ihr vom Sequelwahn der Hollywoodproduzenten und vor allen Dingen von den vierten Teilen der jeweiligen Filmreihen?

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