Die McConaissance

Matthew McConaughey - Vom Aufreißer zum Oscarfavorit

True Detectives
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Mit Dallas Buyers Club von Jean-Marc Vallée kommt in dieser Woche das oscarverdächtige Drama in die Kinos, in dem Matthew McConaughey als Aids-Kranker den Dallas Buyers Club betreibt, in welchem er illegal erworbene Medikamente an Leidensgenossen vertreibt. Für die Rolle gab der charmante Schauspieler buchstäblich das letzte Hemd, denn er magerte sich auf ein Minimum an Körpergewicht herunter, um der Rolle gerecht zu werden. Matthew McConaughey erhielt für seine Verkörperung des Vollblut-Cowboys und Teilzeit-Elektrikers Ron Woodroof nicht nur einen Golden Globe, sondern es folgte auch eine Nominierung als bester Hauptdarsteller bei der diesjährigen Oscarverleihung. Noch vor ein paar Jahren galt Matthew McConaughey als sicherer Kandidat in den jährlichen Schlechte Schauspieler-Listen. Zwischen 2011 bis 2013 hat er in acht Filmen mitgewirkt und dabei nicht nur sein schauspielerisches Spektrum offenbart, sondern sich neu erfunden und seinen Weg an die Spitze der Charakterdarsteller angetreten. Die Fachpresse spricht von der Neuentdeckung eines Talents, von der McConaissance des 44-jährigen Schauspielers. Doch was ist in diesen zwei Jahren eigentlich geschehen?

Die RomCom-Phase
Matthew McConaughey begann seine Karriere mehr als vielversprechend, denn mit einem Schnauzer und feschen Koteletten bewaffnet gab er den lässigen Hänger in seinem 1993er Debüt Confusion – Sommer der Ausgeflippten von Richard Linklater. Es folgten zwar kurze Ausflüge in etwas trashige Gefilde mit Texas Chainsaw Massacre: Die Rückkehr, doch schnell schlüpfte er in die Hauptrollenstiefel in der John Grisham-Adaption Die Jury und konnte den Trend des Leading Man auch beim Sci-Fi-Drama Contact an der Seite von Jodie Foster und als Anwalt für die Gerechtigkeit in Amistad von Steven Spielberg fortsetzen.

Doch der Versuch, ihn als Leading Man in Hollywood zu etablieren, scheiterte, denn die Hauptrollen-Ausflüge blieben weit hinter den Erwartungen zurück. So kam 2001 die Karrierewende und aus künstlerischer Sicht könnten wir auch von einem Karriereknick sprechen, denn McConaughey nahm nun förmlich jede Rolle an, die ihm angeboten wurde. Das war das Jahr der RomCom Wedding Planner – Verliebt, verlobt, verplant, wo McConaughey als Kinderarzt Steve Edison an der Seite von Jennifer Lopez zu sehen war. Ohne es vorher zu ahnen, wurde sein Name plötzlich zum Synonym für den aalglatten Schönling, der sich in romantischen Komödien zu Hause zu fühlen schien. Sein schelmisches Grinsen, seine blauen Augen und sein prächtiges Haar prädestinierten ihn förmlich dazu, als Herzensverführer typgecastet zu werden. Und Matthew McConaughey nahm dankend an. So war es noch vor Kurzem sein filmisches Markenzeichen, dass der Zuschauer darauf wetten konnte, wann McConaughey sein Shirt auszog und sein Waschbrettbauch zum Vorschein kam. Dies etablierte sich in den Wedding Planer-Nachwehen so stark, dass dies irgendwann untrennbar mit ihm verbunden wurde. Es folgten Schmachtfetzen wie Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen?, Zum Ausziehen verführt und Der Womanizer – Die Nacht der Ex-Freundinnen. Ebenso war er als braungebrannter Sunny Boy in Ein Schatz zum Verlieben oder Surfer, Dude zu sehen. Die Karriere schien festgefahren zu sein, sein Image eingebrannt.

So wurde er als Frauenheld für eine Liebeskomödie nach der anderen verpflichtet und ob er nun an der Seite von Kate Hudson, Jennifer Lopez oder Sarah Jessica Parker spielte, war im Grunde egal. Hollywood konzentrierte sich darauf, ihm vor allem romantische Komödien anzubieten, die ihn als Womanizer vor die Kamera lockten. Doch es war nicht so, dass er sich dagegen gesträubt hätte, nein, er genoss es, in diese Rollen zu schlüpfen, die er selbst als „Sonntagscharaktere“ bezeichnet. Das Publikum liebte ihn dafür und auch wenn er nebenbei versuchte, in Streifen wie Sahara – Abenteuer in der Wüste, Die Herrschaft des Feuers oder Sie waren Helden abseits der RomComs Fuß zu fassen, so waren es doch die romantischen Komödien, die am profitabelsten waren. „Ich habe Actionfilme gemacht, Krimis und dann habe ich Wedding Planer gemacht. Ich dachte: Mal schauen, wie es ist, einfach leichte Rollen zu spielen, das habe ich vorher nie gemacht. Und dann… scheiße, der hat echt viel Geld eingespielt, und so kamen sie an und boten mir mehr von dieser Art an“, sagte er in einem Interview mit dem Guardian.

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