"Noch mehr Puzzlestücke als in Dark": Das Team von Netflix' 1899 gibt erste Einblicke in Mystery-Obsession

Nach Dark kommt 1899: Baran bo Odar und Jantje Friese im InterviewNetflix
25.09.2022 - 15:00 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Baran bo Odar und Jantje Friese haben mit ihrem Netflix-Erfolg Dark ein Weltpublikum erreicht. In ihrer neuen Serie 1899 laden sie zur nächsten Mystery-Reise ein und sprachen mit Moviepilot über das Projekt.

Vor dem anstehenden Netflix-Start der heißerwarteten Mystery-Serie 1899 haben wir das kreative Duo Jantje Friese und Baran bo Odar getroffen, um sie nach dem Siegeszug ihrer Serie Dark zu ihrem neuen düsteren Rätsel-Ausflug auszufragen.

In 1899 überquert das Dampfschiff Kerberos im Herbst des titelgebenden Jahres den Atlantik. An Bord sind Passagiere internationaler Herkunft und unterschiedlichen Standes. Als sie mitten auf dem Meer den Notruf eines vor Monaten verschollenen Schiffes auffangen, ändert das alles an der Reise. Die ersten Reaktionen zu 1899 waren schon sehr positiv.

Seht euch vorm Interview den Trailer zum Dark-Nachfolger 1899 an:

1899 - S01 Teaser Trailer (Deutsche UT) HD
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Nach dem großen Erfolg von Dark stellen sich viele Fans die Frage: Wie viel Dark steckt in 1899, auch wenn es eine komplett neue Netflix-Serie ist?

Jantje Friese: Es ist etwas ganz, ganz anderes, hat aber trotzdem die gleiche DNA. Es bleibt ein Mystery-Puzzle. Wir haben mit vielen Leuten zusammengearbeitet, die auch bei Dark schon dabei waren. [Komponist] Ben Frost zum Beispiel.

Ist der Druck nach einer international erfolgreichen Serie wie Dark ungleich größer, wenn die Zuschauenden jetzt schon erwarten, dass sie mit Rätseln getäuscht werden?

Jantje Friese: Gar kein Druck! [lacht] Nein, im Ernst: Gerade wenn man anfängt, ist man vollkommen unter Druck, aber das muss man wegschütteln und das haben wir gemacht. Wir sind dann vollkommen befreit davon rangegangen, was andere sagen und wollen und haben versucht, die Geschichte zu erzählen, die wir gut finden. In der Hoffnung, dass das jemand anderes dann auch gut findet.

Baran bo Odar: Dark hat auch geholfen. Vor Dark wussten wir nicht, ob dieses Puzzlespiel auf Interesse trifft. Nur weil wir selbst es mögen, so etwas zu sehen, ist das keine Garantie. Dann haben wir aber gemerkt, dass es funktioniert und haben für 1899 sogar versucht, noch mehr Puzzlestücke zu verstecken.

Rätsel-Strudel 1899

Würdet ihr also sagen, 1899 ist noch komplexer als Dark?

Jantje Friese: Das kommt auf den individuellen Zuschauer an, wie er das bewertet. Für einige ist es vielleicht komplexer, für andere vielleicht weniger.

Baran bo Odar: Wir selbst fanden Dark nie komplex, ehrlich gesagt. Wenn man einmal das System dahinter verstanden hat. Also: Wir hätten noch mehr Zeitebenen aufmachen können, aber das Prinzip dahinter bleibt ja das gleiche. Andere haben ja Listen gemacht und Stammbäume, um folgen zu können...

Ihr hattet aber keine große Wand mit Fäden, Fotos und Querverbindungen wie Jonas in seinem Dark-Bunker?

Jantje Friese: [lacht] Nein.

Ihr habt schon erwähnt, dass ihr selbst Mystery mögt und gern rätselt. Hattet ihr Inspirationen, also Filme und Serien, die euch begeistert haben, sodass ihr etwas ähnliches auf die Beine stellen wolltet?

Baran bo Odar: Ja, wir sind Fans von intelligentem Storytelling. Wir mögen es, wenn man als Zuschauer herausgefordert wird und nicht nur emotional mitfiebert, sondern auch nachdenken muss. Ganz klare Vorbilder sind Serien wie Lost. Die haben wir damals verschlungen. Da sind wir dann auch in die Meta-Ebene im Netz eingetaucht und haben über die Websites im Quellcode die versteckten Easter Eggs gesucht, die es gab. Sowas finden wir super.

Wir sind manchmal aber auch gelangweilt von Sachen, die wir sehen. Weil wir so auch denken. Wir gucken immer sofort: Wer ist der Mörder? Was steckt dahinter? Und dann verliert man ein bisschen den Spaß daran, wenn man auch noch richtig liegt. Das ist manchmal enttäuschend.

[Achtung, Spoiler für Squid Game]

Jantje Friese: Bei Squid Game wusste Bo zum Beispiel schon in der ersten Folge, dass der alte Mann der Bösewicht ist. [Spoiler-Ende]

1899: Pssst, nichts verraten

Gibt es denn für 1899 einen Masterplan? So wie für Dark, wo ihr 3 Staffeln von Anfang an im Kopf hattet?

Jantje Friese: Ja, wir sind da wieder genauso rangegangen. Es ist wieder eine Mystery-Serie, die sich über 3 Staffeln zieht. Dass sie sich über diese Zeit entfaltet und es einen Plan gibt, wo das hinlaufen soll. Aber am Ende liegt es an den Zuschauern, ob wir weiter rätseln oder nicht.

Es ist also wirklich erstmal nur eine Staffel von Netflix bestellt und wir müssen alle fleißig gucken, damit es weitergeht?

Jantje Friese: So sieht es aus.

Ihr tretet als kreative Einheit auf, aber seid ihr manchmal auch unterschiedlicher Meinung, wo eine Geschichte hinführen soll? Ist das z.B. in Dark mal vorgekommen?

Baran bo Odar: Das passiert andauernd, aber das ist ein guter Filter. Denn nicht jede erste Idee ist auch eine gute Idee. Auch wenn man das in dem Moment vielleicht denkt. – Aber wir streiten uns trotzdem auch viel. [lacht]

Könnt ihr rückblickend ein Beispiel nennen, wo ihr euch an Dark entzweit habt?

Baran bo Odar: Puh, das ist schwer. Vielleicht eine ganz simple Sache: Ich hatte die Idee, dass ein mysteriöser Fremder in der 1. Staffel Dark in die Stadt kommen muss. Das war eine einfache, noch nicht durchdachte Idee. Und Jantje war dann beim Schreiben sofort klar [Achtung, Dark-Spoiler]: Das muss der mittlere Jonas sein. Weil wir ja eine Timetravel-Show sind. [Spoiler-Ende] Und so entstehen die Ideen dann eher, als dass man super klare Vorstellungen hat: Einer stößt die Idee an und der andere geht damit weiter, oder eben umgedreht.

Jantje Friese: Generell ist Serien- und Filmemachen ja ein Prozess, auch wenn man es allein macht. Und wenn man es zu zweit macht, hilft das diesem Prozess-Charakter total. Der eine gibt Impulse, der andere nimmt das mit ins Bett und wacht dann morgens mit einer weiteren Idee auf und zeigt sie dem anderen, der sie aber doof findet und so weiter... Das ist etwas, was lebt und wächst und durch die gemeinsame Diskussion reift.
Dark-Rückkehrer Andreas Pietschmann in 1899

Netflix veröffentlich Staffeln ja meist auf einen Schlag. Wenn ihr es euch aussuchen könntet: Wäre es euch für das Rätseln lieber, wenn 1899 wöchentlich ausgestrahlt würde?

Baran bo Odar: Da sind wir tatsächlich unterschiedlicher Meinung. Ich bin ein großer Fan von wöchentlichem Release, weil ich den Buzz mag und die Zeit, um darüber nachzudenken und daran rumzuspinnen. Ich finde aber auch, das kommt auf die Show an: Manche Sachen müssen sofort raus und dann kann man sie bingewatchen. Und bei anderen Shows finde ich es gut, dass man mit der Fanbase diskutieren kann, was das alles wohl bedeutet. Um dann am nächsten Wochenende Bestätigung zu bekommen oder nicht. Dieses Mitfiebern mochte ich bei Lost. Aber du bist da anderer Meinung, Jantje?

Jantje Friese: Nein, ich nur bedingt anderer Meinung. Ich finde auch, das hängt total von der Show ab: Bei House of the Dragon und Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht finde ich das gerade gut, dass man warten muss. Bei 1899 oder Dark weiß ich nicht, ob das richtig wäre, weil man doch sehr viele Fäden in der Hand behalten muss. Es ist so gebaut, dass man das in seiner eigenen Geschwindigkeit guckt. Ist man bereit, noch mehr Informationen aufzunehmen? Hat man Angst, dass einem diese Fäden entgleiten und will lieber schon weitergehen? Da finde ich es besser, wenn man sich das selbst einteilen kann, anstatt von Woche zu Woche zu gehen.

1899 und 21 weitere Serien-Highlights, die noch 2022 starten

Was startet noch dieses Jahr bei Netflix, Amazon, Disney+ und mehr? Wir blicken im Moviepilot-Podcast Streamgestöber voller Vorfreude auf die neuen Serien, die uns abseits großer Serienblockbuster wie Herr der Ringe und House of the Dragon in der zweiten Jahreshälfte noch erwarten:

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