The Walking Dead: Im Finale gefriert uns das Blut in den Adern

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 16: The Storm
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 16: The Storm
Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Nicht nur in Game of Thrones kündigt sich der Winter unheilvoll am Serienhorizont an. Auch in The Walking Dead macht ein fürchterlicher Schneesturm den Überlebenden in der Zombie-Apokalypse zu schaffen. Zum Abschluss der 9. Staffel entführt das Team um Showrunnerin Angela Kang in eine eisige Welt, die selbst die vertrautesten Orte der Serie in einem unheimlichen Getöse versinken lässt. Nur die Narben, die Alphas Grenzzaun-Massaker hinterlassen hat, sind deutlich zu erkennen.

  • The Storm, die 16. Folge der 9. Staffel von The Walking Dead, hat den Schrecken der letzten Woche nicht vergessen. Nicht einmal der Schnee sorgt für Ablenkung.
  • Im Gegenteil: Nachdem wir zuletzt ein Kingdom gesehen haben, das im Sonnenschein blühte, werden wir nun Zeugen, wie der Ort verlassen wird.
  • Die Überlebenden fliehen nach Hilltop, in der Hoffnung, dort der Kälte trotzen zu können. Auch in Alexandria sorgt der Schneesturm für existenzielle Ängste.
  • Damit findet The Walking Dead ein packendes Staffelfinale, das inbesondere von der winterlichen Kulisse profitiert.

The Walking Dead Staffel 9 beschert uns ein eisiges Finale

So oft uns The Walking Dead in der 9. Staffel gezeigt hat, dass Ricks (Andrew Lincoln) Vision einer neuen Welt nicht bloß ein Luftschloss ist, sondern sich tatsächlich verwirklichen lässt, wenn alle am gleichen Strang ziehen, so oft haben die Einwohner von Alexandria, Hilltop, Oceanside und dem Kingdom einen Rückschlag erlebt. Der vermeintliche Tod des Anführers ist da nur die Spitze des Eisbergs, denn in den vergangenen Episoden waren es vor allem Alpha (Samantha Morton) und die Whisperers, die für Unordnung und Unsicherheit gesorgt haben. (Warum war Alpha nicht im Schnee? Hier erfahrt ihr die Lösung)

Kaum glauben die Überlebenden, nach all den Jahren einen gewisse Routine in der Zombie-Apokalypse entwickelt zu haben, erfolgt eine Eruption nach der anderen und bringt alles durcheinander. Trostlos durch die Gegend schleichende Beißer reagieren plötzlich in Windeseile auf einen Angriff, während Alpha jüngst sogar unerkannt durch die Straßen des Kingdoms spazierte. Schuld daran ist nicht die Maske, sondern der Umstand, dass sich die Mitglieder der Communities selbst nicht kennen.

Zu diesem niederschmetternden Fazit kommt Michonne (Danai Gurira) im Dialog mit Ezekiel (Khary Payton), der schweren Herzens das Kingdom hinter sich zurücklässt. Die Welt fällt auseinander und die Natur schlägt unbarmherziger als jede Beißer-Meute zu. Selbst die Untoten sind dem unbarmherzigen Wetter ausgesetzt und zerbrechen wie Tonfiguren, wenn sie nicht unter der dicken Schneedecke Zuflucht gefunden haben. Später erheben sie sich wie Dämonen aus dem Eis und die Lebenden sind es, die vor Schock erstarren.

The Walking Dead profitiert von seiner winterlichen Kulisse

Ausgelöst durch das Grenzzaun-Massaker zieht sich dieses Gefühl der Lähmung durch die gesamte Episode und kommt am bildlichsten zum Ausdruck, wenn die Figuren auf der Stelle treten und keine Chance haben, sich gegen den unerbittlich wehenden Wind durchzusetzen.

Atmosphärisch ist die Verlagerung der Handlung in den Winter ein voller Erfolg: Noch mehr gespenstische Gestalten, die sich ihren Weg durch die kaum wiedererkennbare Landschaft bahnen - das hat schon letztes Jahr hervorragend bei The Terror funktioniert.

Im Kombination mit den Whisperers ergeben sich bei The Walking Dead noch einmal ganz besondere Reize. Da wären etwa die Schatten, die regungslos in der Kälte stehen, wobei auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, um wen es sich dabei handelt. Noch interessanter und spannender wird das Finale der 9. Staffel, wenn die Gruppe rund um Michonne und Ezekiel nach eine Zwischenstopp im heruntergekommenen Sanctuary überlegt, eine Abkürzung zu nehmen, die durchs Territorium der Whisperers führt.

Bei all dem Schneegestöber sind die Grenzen kaum sichtbar und dennoch sorgen sie für Bauchschmerzen bei den Entscheidungsträgern. The Walking Dead hat in dieser Staffel viel über Wege, Brücken und Entfernungen erzählt - jetzt teilen die Grenzen die zerfallene Welt in deutliche Abschnitte ein und machen das Überleben noch einmal deutlich schwieriger. Mit den Highwaymen, die Straßen belagern, hat es angefangen. Alphas Gebietsanspruch kommt jedoch deutlich radikaler zum Vorschein.

Michonne, Ezekiel und Co. müssen fürchten, dass der Feind hinter jeder Ecke lauert, zumal sie im Angesicht des tobenden Sturms die Hand vor ihren eigenen Augen nicht sehen können. Es herrscht eine Orientierungslosigkeit, die sich immer weiter im Kopf der Figuren ausbreitet und sie an ihre Grenzen drängt. Plötzlich sieht Ezekiel in Daryl (Norman Reedus) einen Rivalen, da er und Carol (Melissa McBride) sich nach Henrys (Matt Lintz) Tod voneinander entfernt haben, ohne sich den Schmerz einzugestehen.

The Walking Dead und die verlorenen Kinder der Zombie-Apokalypse

In Alexandria müssen Rosita (Christian Serratos), Gabriel (Seth Gilliam) und Eugene (Josh McDermitt) derweil über Negans (Jeffrey Dean Morgan) Schicksal entscheiden. Viel zu einfach wäre es, den Bösewicht in seiner Zelle erfrieren zu lassen.

Schlussendlich ist es aber er, der auf dem Pfad der Läuterung und unter Einsatz seines eigenen Lebens eines der verlorenen Kinder der Episode rettet: Judith (Cailey Fleming), die einmal mehr beweist, dass sie wohl der gutherzigste Mensch der Zombie-Apokalypse ist.

Bei Lydia (Cassady McClincy), dem anderen verlorenen Kind, fällt das alles noch eine Spur düsterer aus. Obwohl sie Daryl zu Beginn der Episode darauf hinweist, dass sie von niemandem beschützt werden will, schwebt sie in größter Gefahr. Mehrmals spielt sie mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Retterin ist in diesem Fall Carol, die Daryl zuvor noch erzählte, dass sie in Lydia nur den toten Henry sieht. Lydia wiederum kann Carol nicht in die Augen blicken, weil sie sich für Henrys Tod verantwortlich fühlt.

Doch Lydia wird nicht sterben. Weder durch Carols noch ihre eigene Hand. Die Extremsituation führt die beiden an einem gottverlassenen Ort im einsamen Wald zusammen und schafft einen neuen Bund, der viel stärker ist als all die Orte, die im Verlauf der Episode aufgegeben werden.

Am Ende sind es aber nicht die Orte, die die Menschen zusammenhalten, sondern die Gemeinschaft: "Just because we lost our house, doesn't mean we lost our home." Mit diesen Worten meldet sich The Walking Dead nach einer überaus nervenaufreibenden wie emotionalen Staffel ab.

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Notizen am Rande:

  • "No one ever thinks that they're the evil one." Vermutlich brennt sich zwischen den hoffnungsvollen, aber auch bedrohlichen Tönen des Staffelfinales kein Satz so sehr ein wie dieser, was nicht zuletzt an Danai Guriras großartiger Reaktion liegt. Nur noch die Tränen in Carols Augen haben für mehr Gänsehaut gesorgt.
  • Maggie (Lauren Cohan) bekommen wir zwar nicht zu sehen, dafür fällt kurz ihr Name - und wer weiß, wer sich hinter der verzerrten Stimme aus dem Radio versteckt.
  • The Walking Dead hat uns schon viele traurige Zombies beschert. Aber in dieser Episode waren es überdurchschnittlich viele, die da entweder modernd am Wegesrand liegen oder zur Hälfte eingefroren in einem See ins Leere schnappen. Was für eine Melancholie in diesen Momenten zutage tritt!
  • Apropos Eis-Zombies: Gleich mehrmals könnte sich in dieser Episode der eingefrorene Jack Nicholson aus Shining ins Bild geschlichen haben.
  • Eine der unerwartetsten Beziehungen dieser Staffel ist fraglos die zwischen Judith und Negan. Sehr schön, wie diese mit einem "Language!" abgerundet wird.
  • Ein Shiva-Anstecker? Dieser Tiger schleicht sich wirklich in jede Episode.
  • Gabriel zu Negan: "You could try to be less predictable."
  • Daryl tötet die Zombies zur Not auch mit einem Eiszapfen.

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream.

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