Internment

Wir schauen The Walking Dead – Staffel 4, Folge 5

The Walking Dead - Season 4, Episode 5 - Internment
© AMC
The Walking Dead - Season 4, Episode 5 - Internment

Mit zunehmender Laufzeit entwickelte sich Indifference in der vergangenen Woche zu einem der stärkeren Segmente der jüngeren Serien-Historie von The Walking Dead. Nicht nur, dass die Episode in ihrem groben Aufbau Clear ähnelte. Nein, auch inhaltlich ging hier einiges über wie Bühne. Damit ist zwar nicht unbedingt ein Fortschreiten der Handlung im großen Rahmen gemeint, sondern vielmehr die Entscheidungen, die von den einzelnen Figuren im Angesicht der Gleichgültigkeit getroffen wurden. Besonders Rick (Andrew Lincoln) durfte über den Tellerrand seines sonst so diplomatischen Charakters hinausblicken und konsequent nach seinen eigenen Erwägungen durchgreifen – eine Handlung, deren Folge Carols (Melissa McBride) Isolierung von der Gruppe bedeuteten. An dieser Stelle treffen viele interessante Gesichtspunkte des Horror-Formats aufeinander. Internment, die fünfte Episode der vierten Staffel, darf die verheerenden Resultate von Ricks Handlung ausbaden. Die spannende Frage ist nur, wie und auf welche Weise das geschieht.

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Was gibt’s Neues aus der Zombie-Apokaypse?
In einer effektiven Parallel-Montage begleiten wir Rick gleich zu Beginn der Folge auf seiner Rückfahrt ins Gefängnis. Während der ehemalige Hilfssheriff mit seinem Wagen verlassene Ortschaften durchquert, leeren Straßen folgt und am Rande einen röchelnden Beißer passiert, der wiederum genüsslich von einem Hund ausgenommen wird, durchbricht erbärmliches Husten und elendes Keuchen die nachdenkliche Stille im zentralen Schauplatz der vorherigen Episoden. Im düsteren Zellentrakt kann kaum noch unterschieden werden, wer lebt, wer tot ist und wer aus letztgenannten Zustand schon wieder zurückgekehrt ist. Der Schweiß läuft jedem über die Stirn und vom lebendigen Funkeln in den Augen der Insassen ist keine Spur mehr zu entdecken. Verzweifelte Blicke wechseln nur die, die sich noch im manövrierfähigen Zustand befinden. Mit diesem Ausschlusskriterium fällt ein Gros der Belegschaft weg. Lediglich Carl (Chandler Riggs), Lizzie (Brighton Sharbino) sowie Hershel (Scott Wilson) und seine Tochter Maggie (Lauren Cohan) können sich gerade noch so auf den Beinen zu halten. Sie versuchen sowohl die Erkrankten zu versorgen als auch die pochende Bedrohung von außerhalb aufzuhalten. Dass beides unmöglich ist, wird schnell klar und wenig später beginnt das große Sterben.

Während Beth (Emily Kinney) die gesamte Folge über mit Abstinenz glänzt, rückt die erste Hälfte vor allem das Schicksal von Glenn (Steven Yeun) sowie Sasha (Sonequa Martin-Green) in den Vordergrund. Sterben sie oder sterben sie nicht? Das sind hier die zentralen Fragen und selbst wenn Internment mit einer sagenhaften wie mannigfaltig dekorierten Todesrate aufwartet, bringt es Drehbuchautor Channing Powell nicht übers Herz, ein Mitglied des Main Casts sterben zu lassen. Nichtsdestotrotz geht munter ein Woodbury-Exilant nach dem anderen über den Jordan. Regisseur David Boyd räumt regelrecht im Gefängnis auf und diese Säuberungsaktion war längst überfällig, um die Verbliebenen aufzupeitschen, sie aus dem betäubten Zustand ihres Seins herauszuholen sowie der ewigen Gleichgültigkeit der Zombie-Apokalypse ein Ende zu setzten. Es gibt keinen Grund mehr, sich hinter den kalten Mauern aus unwirtlichem Stein zu verstecken, denn Sicherheit ist nirgendwo mehr garantiert. Jetzt ist nur noch ein kleines sowie eingespieltes Team übrig, was die Überlebenschancen um einiges erhöhen dürfte. Und dann kommt Rick mit zwischenmenschlichen Problemen. Dass er Carol der Gemeinschaft verwiesen hat, weiß zu Beginn der Episode noch niemand. Später breitet sich die Kunde im überschaubaren Kreis aus.

Wie entwickelt sich die Gruppe? Wer kämpft für welche Seite der Menschlichkeit?
Die verheißungsvolle Konfrontation mit Daryl (Norman Reedus) wird zwar vorerst aufgeschoben, dafür wechseln Rick und Hershel im besinnlich Gespräch ein paar Worte, aus denen hervorgeht, dass Maggies Vater nach wie vor an einen großen, allumfassenden Plan glaubt. I believe there is a reason antwortet er auf Ricks Nachfrage. Doch weitere Antworten als diesen Ausblick gibt es in The Walking Dead nicht. Eine Serie, die so unfassbar dicht existenzielle Grenzen der Menschseins ergründen könnte, deutet die Option zur tiefgreifenden Auseinandersetzung so oft nur an. Ärgerlicherweise ist das Einzige, was bleibt, die Erwähnung des wahnsinnigen Gedankenguts und die melancholische Stimme von Ben Howard, die das Geschehen mit Oats in the Water in den atmosphärischen Mantel des Weltuntergangs hüllt. Trotz der offensichtlichen Mechanismen, die hier ineinander greifen, sind solche Passagen unterdessen die stimmigsten dieser Horror-Vision und womöglich ist es sogar besser die zermürbenden Gefühle auf der auditiven Ebene zu veranschaulichen, bevor die Figuren wieder ihren Mund aufmachen. Internment gehört dennoch zu den besseren Kapiteln dieses Survival-Abenteuers, das im entscheidenden Moment jedoch lieber auf den klassischen Cliffhanger als die tatsächlichen Apokalypse setzt.

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Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.
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