Herzen

Coeurs (2006), IT/FR
Laufzeit 125 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 29.03.2007

7.3 Kritiker
8 Bewertungen
Skala 0 bis 10
5.9 Community
65 Bewertungen
6 Kommentare
Herzen - Bild 21730
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mit Lambert Wilson und André Dussollier

Der Film spielt in Paris – der Stadt der Liebe – und handelt von sechs Menschen, die sich auf der Suche nach eben dieser befinden. Wenn Thierry nicht gerade dabei ist, für seine schwierigen Kunden Nicole und Dan ein Apartment zu finden, versucht er mit seiner reizenden aber unschuldigen Mitarbeiterin Charlotte zu flirten. Sie leiht ihm eine VHS-Kassette mit ihrer Lieblingssendung, einem religiösen Musikprogramm, das zu Thierrys Überraschung nach dem Abspann sehr interessant wird. Zwischenzeitlich ist Thierrys Schwester Gaëlle allabendlich auf der Suche nach ihrem Glück bzw. der Liebe ihres Lebens. Mit der Hilfe Lionels, eines freundlichen Barkeepers, lernt sie Dan kennen, mit dem sie sich so lange gut versteht, bis sie ihn mit Nicole sieht. Dan vertraut sich Lionel an, der wiederum Charlotte gebeten hat, abends seinen sterbenskranken und unausstehlichen Vater Arthur zu pflegen. Charlotte gelingt es auf wundersame Weise, Arthur sprachlos zu machen. Zurück lässt sie eine VHS-Kassette ihres “religiösen Lieblingsprogramms”.

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Kritiken (3) — Film: Herzen

Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten

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7.5Sehenswert

Frankophile Freunde linksrheinischer Beziehungsdramen bekommen hier eine besonders melancholische Variante serviert, allein das französische Starensemble ist den Kinobesuch schon wert. Menschen mit Depressionsneigung sollten auf keinen Fall alleine gehen, und im Anschluss empfiehlt sich herzerwärmendes Zusammensein mit lieben Menschen.

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Lukas Foerster: taz / cargo / perlentaucher...

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9.0Herausragend

Ist Herzen (Cœurs) die radikalformalistische Wendung der Daily Soap? In jedem Fall führt Alain Resnais sein außergewöhnliches Spätwerk mit einem weiteren faszinierenden Film fort.

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R Weixlbaumer: tip Berlin R Weixlbaumer: tip Berlin

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8.0Ausgezeichnet

Resnais ist ein formidabler Komödienregisseur, und auch "Herzen", nach einer Vorlage des Theaterautors Alan Ayckbourn ("Smoking/No Smoking"), findet die Pointen in absurd zugespitzten Alltagssituationen. In Paris Rive Gauche, im Viertel rund um die hypermoderne Bibliothèque Nationale, sucht sein Ensemble nach Nähe oder doch wenigstens nach einem kleinen Kick, der sie kurz ersetzen könnte.

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Kommentare (3) — Film: Herzen

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Rodon

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Bewertung7.5Sehenswert

Faszinierend an dem Film ist, dass er das Leben von sechs Personen beleuchtet, die zunächst nicht viel miteinander zu tun haben, im Verlauf des Films aber alle mehr und mehr untereinander in Beziehung stehen. Die angesprochenen Probleme sind teils traurig, teils skurill, teils allzu normal. Die unaufgeregte Erzählweise entspannt.

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8martin

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es ist ein Winterfilm. Nicht nur weil zwischen den Szenen immer wieder heftiger Schneefall zu sehen ist, der am Ende auch optisch die Figuren direkt einhüllt, sondern innerhalb der Beziehung der sechs Personen herrscht Eiszeit. Alle stoßen in ihren Lebensverhältnissen an ihre Grenzen, sind mehr oder weniger unzufrieden und wollen ausbrechen. Versuchen einen Neuanfang. Die Schauspieler sind durchaus glaubwürdig und die Dialoge rangieren stets haarscharf an der Realität und analysieren die Situation der Betroffeneren. Resnais hat einen genial unaufdringlichen Film geschaffen, der bei aller menschlichen Tragik immer noch Platz für leise Ironie hat. Er überzeugt aus einer gewissen inneren Tiefe heraus. Man bleibt mit Interesse dabei und bemerkt gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Ja der Altmeister kann’s halt immer noch.

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filmbaum

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Bewertung7.0Sehenswert

Was ist übriggeblieben von den großen Aufbrechern aus den Redaktionsräumen der "Cahiers du cinéma"? Francois Truffauts Todestag jährt sich dieses Jahr bereits zum 25. Mal. Jean-Luc Godards selten gewordene Filmessays ähneln Botschaften aus einem inneren Exil. Und Jacques Rivettes kluge, genaue Verfilmung einer Erzählung von Balzac war auf der Berlinale vor zwei Jahren - leider - ein Saalfeger und erlebte hierzulande seine Kinopremiere im Fernsehen.
Das Kino von Alain Resnais hatte mit der auftrumpfenden, Mauern niederreißenden Haltung seiner Kombattanten nie viel gemein. Sein Dokumentarfilm "Nacht und Nebel" (1955) provozierte dennoch bei seiner Uraufführung in Cannes einen handfesten Skandal und die lautstarken Proteste der damaligen deutschen Regierung angesichts der Annäherung an die Gräuel der Vernichtungslager zur Musik von Hanns Eisler und dem (übersetzten) Text von Paul Celan. Die Nähe zum Theater und Theatralischen war Resnais' Filmen immer anzusehen, von "Hiroshima mon amour" (1959), "Letztes Jahr in Marienbad" (1961) bis zu "Das Leben ist ein Chanson" (1997). Mittlerweile macht er sich auch nicht mehr die Mühe, für jedes neue Projekt andere Darsteller zu rekrutieren, sucht sich lieber die Themen und Stoffe, die für seine Schauspielerfamilie passen: Für Sabine Azéma (mit der er auch verheiratet ist), für Pierre Arditi, André Dussolier und Lambert Wilson. In "Herzen" lässt er sie in einem Reigen der einsamen Seelen aneinander vorbei laufen, sich irren, verpassen und missverstehen wie in einem Eislabyrinth der Gefühle. Wieder geht es um Durchschnittstypen in Paris: Angestellte, Immobilienmakler, Barkeeper. Wieder ist ein Stück des Briten Alan Ayckbourn die Vorlage. Wieder erzählt Resnais mit den Mitteln des Boulevards von der Tragik im Kleinen. Doch die Nonchalance ist melancholischer geworden, die Einsamkeit der "Herzen" lässt sich hier weder mit Charme noch mit einem Chanson überwinden. Also packt sie Resnais in eine Glasglocke aus Schwermut und Kunstschnee. Und tröstet mit der etwas altersweisen universellen Erkenntnis: Auch Herzschmerz vergeht. Irgendwann.

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