Community
10 Jahre - die Party. Und der Rest

Big in Berlin. Eine Art Anti-Rant Reisebericht

21.02.2017 - 15:27 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
31
21
So ein Treffen macht mich echt immer emotional
© eigenes Bild - gefunden in Berlin
So ein Treffen macht mich echt immer emotional
Der doctor fährt zur Jubiläumsparty seines virtuellen Wohnzimmers. Purer gonzojournalismus?

Samstag!
Der Tag, für den so eine Woche eigentlich gemacht wurde, sechs Tage Verpackung für ein Geschenk.
Spätestens seit ich Fußballfan bin ist dieser Ausspruch durchaus ein kleines Spiegelbild meiner Sichtweise.
Nun wird ein Fußballsamstag vor der Glotze/auf dem Rasen/in der Kneipe durch eine kleine Odyssee auf der Autobahn und in der Hauptstadt ersetzt. Öfter mal was Neues, gerade in meinem Alter verliert man sich nur zu schnell in gefährlicher Routine.

Ach, wäre ich doch Freitag nicht so lang aufgeblieben, um dieser tollen Irish Folk Band zu lauschen oder schon wieder über Musik zu quatschen und den neuen Beatlesfilm und, ach, einfach mal früher ins Bett...

Glücklicherweise gibt es ja diesen Österreicher, über den sich besonders gern die Dortmunder so ärgern (vor allem die Fans, die erst 2012 dazugestoßen sind und trotzdem von echter Liebe faseln und weder was von Bodo "Ballermann" Schmidt noch vom fast Exodus 2006 wissen) - der nämlich hat eine Art zuckriges Flüssigmanna auf die Welt losgelassen, das mich nun in Richtung Nordosten der Republik treibt.
Autobahn ist schon was geiles. Als jemand, der früher beruflich ständig unterwegs war und dem es damals echt auf den Sack ging, der nach knapp drei Jahren im Luxus des zur Arbeit-Laufen-Könnens hin und wieder auch Langstreckenentzugserscheinungen hat, muss ich das mal so sagen.
Meine Güte, am Autobahnkreuz steht immer doch dieses riesige Werbeschild mit der Aufschrit: "Ich halte Dich" - Gott.
Glaubt das irgendwer? Wäre der Plakatkleber im Falle eines plötzlichen Balanceverlustes nicht mit einer Sicherungsleine besser bedient oder glücklicher darüber, sich irgendwo an der Brüstung festzuhalten? Und wann fasst sich mal jemand ein Herz und überpinselt das "Gott" mit "Olli Kahn" oder so?

Naja, das sind so Dinge, über die nachdenke, während mein Autoradio meinen USB Stick zur Verbreitung angenehmen Lärms nutzt. Da ist ja schon die Brücke über die Elbe, die ich als Kind so faszinierend fand, wenn es im Urlaub Richtung Ostsee ging. Ich habe sie im eigenen Auto schon viel öfter überquert als zu Kinderzeiten hinter Papa sitzend, aber irgendwie bleibt es hängen.
Eine Weile darauf grüßt der steinerne Bär am alten Checkpoint Bravo. Dann gehts in den Berliner Vorabendverkehr und nachdem ich mich ein paarmal darüber aufgeregt habe, dass Audi offenbar keine Blinker mehr in die Serienausstattung packt, bin ich bei meinem Unterkunftgeber angekommen. Er noch nicht. Im Bayernspiel gibt es unanständig viel Nachspielzeit.
Praktisch. Somit kann ich mein Mittagessen nachholen. In einem Imbiss mit angeschlossener Bar in Friedrichshain spielen ein paar Mittfünfziger in Hausschuhen Billard. Nebenbei unterhalten sich zwei Herren über das soeben beeendete Spiel Hertha-Bayern. Sie kennen nur das Ergebnis, waren ja hier, erörten aber die Feinheiten der Begegnung derart unterhaltsam, dass man sich fragt, warum man eigentlich ein Sky-Abo braucht.
So, Gastgeber ist da. Traumhaft, unkompliziert das geht. Kurz darauf bin ich präsentabel genug, um auf die anderen moviepiloten losgelassen zu werden. Ob die wohl etwas mit mir anfangen können?

U-Bahn. Bräuchte ich in meinem 40.000 Einwohner Provinznest auch - schon, um ein paar Personen in diversen Nebenstollen zu verbuddeln. Außerdem sind mir die 15 Minuten, die ich von meinem Berg zur Stammkneipe brauche echt zuviel. Oder besser eine Seilbahn? Gibt es eine U-Seilbahn?
Praktischerweise trägt mich das Flaschenbier meines Gastgebers haargenau bis an den Bahnsteig der U-Bahn. Eine Berlinerin verschwindet hinter einer Masse spanischschnatternder junger Frauen und dann haben wir das Ziel fast erreicht.

Da sind wir. Wegen der doofen Berlinale müssen wir einen kleinen Umweg laufen. Die trauen sich was, uns Scherereien zu machen. Wer sind die eigentlich? Wir werden sie auf unserer VIP-Party mit Ignoranz strafen.
Nun, aber herein. Mist, ich hätte ein paar zusätzliche Jacken anziehen sollen, damit die Garderobiere öfter gehen muss.
Ähm, wo war ich grad?
Ahja. Aufwärts und dann zur Vorstellung beim Aufpasser auf unsere kleine Community.
Die kennen irgendwie alle meinen Namen. Ich pappe mir das Namensschild oben an den Halsrand meines Shirts.
Jetzt fühle ich mich ein bisschen wie eine schöne Frau. Alle gucken dahin, wo im Falle eines Falles mein Dekolleté wäre und lächeln mich dann an. Irgendwie cool. Dabei sind das meine echten Brüste.
Apropos schöne Frauen. Ich muss jetzt mal etwas loswerden, auch auf die Gefahr hin, schon wieder Sexist genannt zu werden: Ist Euch allen schon aufgefallen (also, wenn Ihr schonmal mehr als ein Mitglied der community gleichzeitig gesehen habt), wie generell attraktiv diese Truppe ist? Man war ja vollkommen überreizt und das kann eindeutig nicht allein am Begrüßungsgetränk gelegen haben.
Generell tolle Menschen tummeln sich in dieser Bar, während ich meinen Gin Tonic schlürfe und mich gemeinsam mit meinem Herbergsgeber und seiner vorzüglichen +1 auf die erste Beobachtungsrunde mache.

Blick auf den Roten Teppich, im Hintergund recht gute Musik und ein fähiger Barmann, der Duft von Popcorn, wunderschöne (das Profilbild wird Dir beileibe nicht gerecht, Andrea) und hochinteressante Frauen. Einige der User sind so überraschend jung (oder sehen so aus), dass ich mich fast so alt fühle wie meine Leberwerte es andeuten.

Gepriesen sei die Bar, die nicht Beck´s ausschenkt.

Jetzt habe ich schon wieder den Faden verloren... Ahh, zum Thema Faden: Wer auch immer den Faden schwang beim Outfit meiner liebsten Bloggerin, er sei gepriesen. So wurde eine grandiose Persönlichkeit mit einer wunderbaren Gedankenwelt dann auch noch so verpackt, dass ihr entzückendes Äußeres fast so sehr strahlte wie ihre Geistesgaben.
So viel zu sehen, zu hören. So viele Leute zu sehen, vor allem: so viele Leute zu erleben. Tanzend, rauchend, lachend, moderierend (schnittiger Anzug, Andreas), schwatzend, trinkend, in feine Outfits oder coole Shirts gekleidet.
Einfach der Schmelztiegel, den ich so haben möchte. Dazu, und das schätze ich bei derlei Events, wurde es nicht kaputtmoderiert. Allzuoft, auch bei Hochzeiten und dergleichen, wird dann permanent irgendwas gespielt, man klopft sich ob der eigenen Kreativität auf die Schulter und vergisst, dass die Parties oft die besten sind, auf denen sich die Gäste einfach amüsieren, anstatt mit Spaß vollgestopft zu werden. Ein tolles und witziges Quiz (der DJ sieht aus wie jemand, mit dem ich mal Fußball gespielt habe, der andere wie eine fetzige Symbiose von Benicio del Toro und Martin Semmelrogge. Wer da war, darf selbst rätseln, wer wer ist), dazu Musik, die kaum längere Schwächephasen hatte (einmal lief Cro, aber naja, seien wir mal nicht so streng), einfach eine gelungene Festivität.
Ja, als jemand, der sonst mit großem Gusto mal mosert, muss ich hier mal eine Lanze brechen. Die Party war gelungen - und das im großen Stil. Unaufdringlich und doch cool. Nur noch zu toppen, wenn man die Jägermeister-Bar, gegen eine Whiskyecke getauscht hätte.
Ich hatte ganz viel Spaß. Einfach, weil die Leute top waren, die Organisation ebenso.

Somit also ein ebenso großes wie ironiefreies Danke (mit reichlich a - die dürft Ihr Euch dazudenken) für die Einladung zu einer tollen Party.

Und dann? Dann bekam ich einen Moment in einer dunklen Fotokammer mit.... Haha, nee, die Geschichte gibt es nur im PayTV.

Beinahe mit ein bisschen Wehmut verließ ich dann den Laden.

Mein Gastgeber geleitet mich sicher durch Berlin, wir lauschen am Alex einigen tragenden Säulen der Gesellschaft und ich kriege noch was zu essen. Herrlich.

Endlich Matratzenhorchdienst. Als ich einmal liege, merke ich, dass ich nicht mehr 25 bin und zwei Partynächte hintereinander, verbunden durch 400km Autofahrt, dann doch mit mehr als vier Stunden Schlaf ausgeglichen werden müssen.

Ich muss tatsächlich erst wieder aufwachen, um so ganz zu realisieren, dass ich dabei war. Noch immer denke ich darüber nach, als nach einem vorzügliche Mittagessen und einem entspannenden Spaziergang durch die Hauptstadt dann irgendwann die closing credits des Wochenendes in Gestalt des grauen Bandes der Autobahn vor mir flimmern.

Manchmal kann man es auch einfach ausdrücken: Das war schon geil.
Danke, moviepilot. Danke für meine mittlerweile neun Jahre hier, für regelmäßigen Spaß, Anlass zum Echauffieren, viele grandiose Freunde, tolle Frauen, für die regelmäßigen Therapiemöglichkeiten, die Zweitfunktion als Datingseite, die Ideen, das teilweise Facepalmpotenzial, die Diskussionen, die running gags, eben einfach alles.
Wir sehen uns auf der nächsten Geburtstagsfete, also zum 11., dann mindestens auf dem Fernsehturm.

Sie sahen:
doctorgonzo und das Friedrichshainer Flaschenbier
A moviepilot production of a doctorgonzo Film

Starring
The nameless stranger - doctorgonzo

The Han Solo - Martin Jurgeluks

The Bondgirl - Lindus

The Boss - Kängufant

The Cheerleader - sciencefiction

The mysterious guy - Begbie

The mysterious girl - Laudania

The pen-dealer - murmeltv

The smoker - lieber_tee

The man with the hat - rooster cogburn

The girl with the hat - Jenny von T

The talking fairy - *frenzy_punk<3

in loving memory of

Big_Di




PS: Falls Ihr Lust auf andere exzellente Reiseberichte zu diesem Abend haben wollt, die sich nicht nur mit Alkohol und Dekolletés befasse, hat der doctor fantastische Empfehlungen für Euch:

*frenzy_punk<3

hat für uns ihr 10 Jahre Moviepilot.! Ich war dabei...

und

Laudania

hat den Elan, mich in ihren Party - Impressions nett zu nennen.


PPS: Sollte ich vergessen haben, jemanden mit einem coolen Rollennamen hier zu verewigen, was ich ganz sicher habe, dann lasst es mich wissen. Nachtrag ist möglich.


Das könnte dich auch interessieren

Kommentare

Aktuelle News

Themen: