moviepilot quetscht aus

7 Fragen an Fu-Jay

11.10.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Whoa. Is my hair out?
© moviepilot
Whoa. Is my hair out?
Frühe Helden, späte Erkenntnisse, zum Weinen schöne Fische - und endlich ein Motivationstraining für alle Gestrandeten. Aber das Beste? Ein Filmabend mit John McClane! Naja, fast ...

Jeden Sonntag präsentieren wir euch einen tipp-topp, nigelnagelneu ausgefüllten und shiny Fragebogen, den eines unserer Community-Mitglieder unter Einsatz ihres oder seines Lebens mit Leben gefüllt hat. Ihr wollt auch mal? Gerne! Denn ohne euch gibt es auch keine 7 Fragen - Also meldet euch! So wie Fu-Jay, der sich ohne mit der Wimper zu zucken in den Fragebogen gestürzt hat, als die Rubrik auf der Kippe stand! Wie Hercules: Held bleibt Held, egal was der Durchschnitt sagt!

Was ist deine erste Erinnerung an Film, Kino oder Fernsehen? Womit fing alles an?

Irgendwie höre ich immer wieder, dass sich viele gar nicht an ihr erstes Kinoerlebnis erinnern können. Für mich ist das unverständlich. Tatsächlich hat sich mein erster Kinobesuch unabänderlich tief in meine Synapsen gebrannt. Es war Disneys Hercules und ich muss vier Jahre alt gewesen sein. Ich erinnere mich ungefähr an den Sitzplatz (mittlere Reihe, etwas rechts), ich weiß noch, mit wem ich da war und welchen Süßkram es dazu gab (Popcorn und Fanta). Hercules ist auch heute noch ein wichtiger Film für mich, gerade aus diesen Gründen natürlich. Er versetzt mich instant in meine unbeschwerte Kindheit zurück. Ob Hercules objektiv gesehen ein guter Film ist, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, auch nicht, nachdem ich ihn wahrscheinlich hundert Mal gesehen habe. Die Stimme meiner kleinkindlichen Naivität wird jedes Mal einfach viel zu laut, um mich zu konzentrieren. Geht man jetzt aber mal vom Schnitt hier bei moviepilot aus, dann handelt es sich hier wohl nicht gerade um ein Meisterwerk ... Egal! Ein Hoch auf die Nostalgie!

Ch-ch-ch-changes: Gibt es einen Film, den du früher total genial fandest, inzwischen aber nicht mehr sehen kannst? Umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Gibt es einen Film, den du früher nicht leiden konntest - bis dir auf einmal die Augen aufgingen?

Wenn man so will, dann kann man sagen, dass ich auf Grund meiner pubertären Anti-Haltung gegenüber allem, was mein älterer Bruder mochte – ganz egal ob Musik, Videospiele oder eben auch Filme – Star Wars und auch Herr der Ringe nie so richtig eine Chance geben wollte. Ich musste immer irgendwas in jedem Medium haben, was genauso toll ist wie das, was mein Bruder toll findet - nur eben anders musste es sein. Sehr selten kamen wir auf einen Nenner. Jetzt bin ich erwachsen und mein Bruder mittlerweile Familienvater und ich musste erkennen: Herr der Ringe und Star Wars sind doch irgendwie ziemlich großartig ... upps.

Welchem Schauspieler oder Regisseur würdest du jeden Fehltritt verzeihen? Und womit hat er oder sie diese Nachsicht verdient?

Edgar Wright, denn der Mann kann es einfach! Ich bin jemand, der überwiegend von verkopfter Kunstkacke fasziniert ist. Alejandro Jodorowsky, Andrei Arsenjewitsch Tarkowski, Béla Tarr, Stanley Kubrick, Charlie Kaufman usw. Wenn dann aber so ein nerdiger Engländer daherkommt und mir lückenlos gleich vier ultraspaßige Komödiengranaten an den Kopf wirft, die allesamt unfassbar großartig sind, dann ist da was besonderes am laufen. Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis und Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt sind meine absoluten Lieblingskomödien, und auch Shaun of the Dead und The World's End sind wirklich tolle Filme. Was diese Filme zu so einmalig genialen Streifen macht, ist Wrights unheimlicher Ideenreichtum, sein Gespür für visuelles Storytelling und Schnittmontagen und seine hingebungsvolle Liebe für klassisches Genrekino.

Wenn Wright also jemals einen Film veröffentlichen sollte, bei dem ich aus dem Kino komme und denke „das war ja jetzt irgendwie gar nicht so gut ...“, dann werde ich diesen Gedanken auf jeden Fall mit einem „... dafür wird der nächste sicher umso geiler!“ abschließen.

Kontaktbörse: Welche zwei Leute (ob vor oder hinter der Kamera, noch lebendig oder nicht) wären wie geschaffen für eine Zusammenarbeit? Und wie sähe dieser Film aus?

Ich glaube, Paul Thomas Anderson und Charlie Kaufman könnten zusammen einen Film für die Ewigkeit erschaffen. Immerhin haben sie es jeder für sich schon durchaus geschafft. Paul Thomas Anderson hat seinen Magnolia und Charlie Kaufman hat Synecdoche, New York. Was dabei rauskommt, wenn die zwei mal Hand in Hand einen Film machen würden ... Da könnte durchaus ein moderner Klassiker entstehen. Andererseits verderben zu viele Köche den Brei - und zu viele Genies vielleicht auch den Film. Erfahren werden wir es wahrscheinlich nicht, dafür sind die beiden zu exzentrisch. Aber man darf ja wohl noch träumen.

You are all weirdos! Der Erfolg welches Schauspielers oder Regisseurs ist Dir unerklärlich? Welches Talent wurde hingegen von der Welt sträflich vernachlässigt?

So wirklich einen Regisseur benennen, bei dem mir der Erfolg unerklärlich ist, kann ich nicht. Da gibt’s eben so die üblichen Verdächtigen, Michael Bay und so. Aber dafür sind mir seine Filme irgendwie zu egal. Manchmal wundere ich mich, dass Kevin Smith so eine große Nummer geworden ist, weil seine Filme maximal okay sind, aber ich hab auch nicht alle seiner Filme gesehen. Vielleicht hole ich die Tage ja mal Clerks - Die Ladenhüter nach... aber höchstwahrscheinlich eher nicht.

Wer dagegen schwer unterschätzt ist, ist der Radiohead-Stamm-Videoclipregisseur Jonathan Glazer, der nicht nur Musikvideos gemacht hat, sondern auch drei erstklassige Filme, die ich erst viel zu spät entdeckt habe. Aufmerksam auf den Mann wurde ich durch seinen neusten und wahrscheinlich auch bekanntesten Film Under the Skin, in dem Scarlett Johansson genial und verstörend zugleich als außerirdische Femme Fatal auf Männerjagd geht. Dann habe ich aus Neugierde Jonathan Glazers Filmografie in anachronischer Manier komplettiert und war von jedem weiteren Film unheimlich geflasht.

Da wäre erst einmal Birth, in dem Nicole Kidman einem Jungen begegnet, der behauptet, die Reinkarnation ihres verstorbenen Mannes zu sein. Ein Film der sich klassisch anfühlt und auch den Titel eines Klassikers klar verdient hätte. Wenn mich Leute fragen, was ein besonders unterschätzter Film ist, dann sage ich „Birth! Sieh dir Birth an!“ Sie tun es dann aber eigentlich nie ...

Der letzte Glazer, den ich gesehen habe, ist der unkonventionelle Gangsterthriller mit leichtem Arthouse-Einschlag namens Sexy Beast, in dem sich ein ehemaliger Bankraubprofi im Ruhestand in seiner Villa in Spanien niedergelassen hat, um dort mit Frau und Freunden ein entspanntes Leben zu führen. Dann taucht allerdings irgendwann Ben Kingsley auf, der gelinde gesagt sehr eigenbrötlerisch ist und in einer One-of-a-Kind-Performance versucht, den Ex-Gangster dazu zu kaptivieren, ihn zurück nach England zu begleiten, um einen weiteren Heist durchzuziehen. Puh, so das reicht erstmal. Jonathan Glazers Filme! Alle angucken! Zumindest, wenn man auf eher andersartiges Kino steht.

Welcher Film drückt jedes Mal auf deine Tränendrüse, ob du willst oder nicht? Und welcher Film schafft es jedes Mal, alle Wolken weg zu schieben?

Tränendrüsendrücker: Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht von Tim Burton. Oh Leute, was ist das jedes mal am Ende von Big Fish. Ich war einmal bei Freunden, wir haben getrunken, gefuttert und gequasselt. Im Hintergrund lief der Fernseher. Auf stumm gestellt. Ich schaltete gedankenlos um, während ich den Gesprächen eines Freundes über sein sterbenslangweiliges Wirtschaftsmathematikstudium zuhörte, und ich blieb irgendwann auf Big Fish hängen, direkt am Ende. Fakt ist, wie ich feststellen musste: Die bloßen Bilder reichen aus, um bei mir die Tränen kullern zu lassen. Meine Freunde haben es dann auch schnell gemerkt, waren verwirrt und fragten vorsichtig ob etwas passiert sei. Ich zeigte auf den Fernseher und meinte so was wie „Nein, der Film ist nur so schön!“. Meine Freunde brachen in schallendes Gelächter aus. Aber ich bin ein echter Mann und die weinen auch vor versammelter Mannschaft mal!

Wolkenwegschieber: Da gibt’s wohl einige, aber was ich besonders gerne gucke, wenn ich mal krank bin oder traurig, dann ist das Stirb langsam. Teil 1 und 3 insbesondere. Irgendwas an John McClane erinnert mich wahnsinnig an meinen Vater, den ich sehr liebe und weswegen ich diese Filme auch so liebe. Mehr zuhause kann ich mich nicht fühlen, es sei denn, ich gucke Stirb Langsam mit meinen Vater zusammen. Dann nenne ich John McClane mal versehentlich Papa und meinen Vater mal McClane, aber das ist okay.

Wenn du drei Filme für eine einsame Insel wählen müsstest (auf der es unerklärlicherweise ein Home-Entertainment-System gibt), welche wären es?

Cast Away - Verschollen, Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger und All Is Lost! Motivation, Motivation und noch mehr Motivation! So einfach sterben werde ich da sicher nicht!

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