Nach 20 Jahren hat Dwayne Johnson endlich seinen ersten richtig guten Blockbuster gedreht

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Dwayne Johnson in Jungle Cruise
01.08.2021 - 09:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Dwayne Johnson, einer der größten Action-Stars unserer Zeit, dreht mittelmäßige Blockbuster. Disneys Jungle Cruise bildet da die Ausnahme. Es wurde auch Zeit!

Was ist Dwayne Johnsons Stirb Langsam? Diese Frage bewegt zwar nicht die Welt, aber zumindest mich und das seit Längerem. Der frühere Wrestler ist einer der größten Filmstars auf dem Planeten und wird überwiegend mit dem Actionfilm assoziiert. Doch die Blockbuster, die auf ihn zugeschnitten sind, besitzen den Erinnerungswert einer Eintagsfliege.

An welche Filme werden wir beim Namen Dwayne Johnson in Zukunft denken, so wie wir es bei Bruce Willis und Stirb Langsam, Sylvester Stallone und Rocky oder Arnold Schwarzenegger und Terminator tun?

Jungle Cruise bietet nun endlich so etwas wie eine Antwort. Das Abenteuer mit Dwayne Johnson und Emily Blunt ist der erste richtig gute "Dwayne Johnson-Blockbuster" – im 20. Jahr seiner Filmkarriere.

Dwayne Johnson hat ein paar gute Filme gemacht, aber keinen guten "Dwayne Johnson"-Blockbuster

Der Mann, der Gegner mit seiner Augenbraue in die Knie zwingt, hat natürlich schon in guten Filmen mitgespielt, etwa Welcome to the Jungle oder Pain & Gain. Allerdings sind nur wenige Blockbuster darunter und bei denen handelt es sich meistens um Ensemble-Stücke. Fast and Furious 5 und 6 gehören dazu, die beiden Jumanji-Filme ebenso. Weder in der Bolliden-Action noch in dem Gaming-Abenteuer muss Johnson jedoch das Gros des Filmes tragen, wie man es von einem Hollywood-Leading-Man erwartet.

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Dem steht eine Reihe austauschbarer "Dwayne Johnson-Filme" gegenüber, darunter Hercules, San Andreas, Baywatch, Rampage und – nicht zu vergessen – sein dröger Stirb Langsam-Verschnitt Skyscraper. Ein Film, der nochmal Salz bzw. Glasscherben in die Nakatomi-Plaza-große Wunde streut. Die inhaltliche Nähe unterstreicht nur, wie weit er qualitativ von seinem Vorbild entfernt ist.

Einer der Gründe für diese Durststrecke dürfte Johnsons auffälliges Händchen für Regisseure ohne besondere Eigenschaften sein. Die Brad Peytons und Rawson Marshall Thurbers dieser Welt verdingen sich als Johnsons Haus-Regisseure und drehen Filme, die dermaßen auf ihren Star zugeschneidert wurden, dass ihnen alle Ecken und Kanten abhanden kommen.

Hier kommt Jungle Cruise und vielleicht eine größere Wende in Dwayne Johnsons Karriere ins Spiel.

Jungle Cruise ist der erste richtig gute Dwayne Johnson-Blockbuster

Dwayne Johnsons neuer Disney-Film Jungle Cruise ist der idealtypische Sommer-Blockbuster, ein kurzweiliges Abenteuer mit präzise gezeichneten Figuren, Witz, einen Funken Liebe und souverän inszenierter Action. Während Johnson in seinen anderen Blockbustern meist alle Scheinwerfer auf sich zieht, wird ihm in Jungle Cruise mit Emily Blunt ein ebenbürtiger weiblicher Star gegenüber gestellt.

Als hätte jemand die richtigen Schlüsse aus Johnsons Auftritten mit dem Komiker Kevin Hart gezogen, profitiert das Disney-Abenteuer von der Energie, die aus der Reibung von The Rock und The Blunt entsteht. Dieser Film gehört ihm nicht, er muss um seinen Platz darin kämpfen. Johnson braucht darüber hinaus jemanden, der ihm Kontra gibt, sonst wirkt er unverletzbar. Das kann ein Buddy sein (wie Kevin Hart oder Seann William Scott), aber auch eine Action-Partnerin, die seine harte Schale systematisch aufbricht.

Der Trumpf von Jungle Cruise sitzt auf dem Regiestuhl

Vielversprechend ist auch die Regie. In Jungle Cruise arbeitet Johnson erstmals mit Jaume Collet-Serra zusammen. Der Regisseur, der seinen Durchbruch im Horrorbereich feierte (Orphan), lotete mit Liam Neeson die sensiblen Seiten eines alternden Actionhelden aus (Non-Stop, The Commuter) und übte sich mit Blake Lively in minimalistischem Spannungskino (The Shallows).

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Collet-Serra gehört zu den handwerklich besten Genre-Filmern in Hollywood. Ob in einem Flugzeug oder auf einem Felsen, im Dschungel oder in einem Zug: Die Bewegungen seiner Actionheld:innen sind auffällig greifbar, ihre Körper am liebsten in einem choreografierten Dialog mit Tischen, Stühlen oder Lianen. In seiner Inszenierung geht es nicht nur darum, möglichst eindrucksvolle Stunts oder Fights zu zeigen – also den Star-Körper in Aktion – sondern auch um die daraus resultierenden Schockwellen in der Umgebung.

Das beste Beispiel dafür in Jungle Cruise dürfte jene Sequenz sein, in der Dwayne Johnson Emily Blunt am Anfang durch die Stadt hinterher jagt. Da wird dem Grund und vor allem dem Material unter den Füßen der Heldin ebenso viel Aufmerksamkeit beigemessen wie ihren Häschern. Wir spüren jeden Schritt und ganz besonders jenen, dank dem sie durch ein Dach bricht und auf dem Boden der Tatsachen ankommt.

Kündigt sich hier eine Wende in Dwayne Johnsons Karriere an?

Collet-Serras Regie protzt selten und liefert dafür immer in den Details ab. Sein Gespür für die Körperlichkeit seiner Hauptfiguren kommt gerade einem Star wie Dwayne Johnson gelegen, der in Jungle Cruise mal wieder menschlich wirkt. Dass Johnson seinen DC-Blockbuster Black Adam ebenfalls mit Jaume Collet-Serra dreht, gibt bezüglich seiner Karriere als Actionstar wieder Hoffnung.

Ist Jungle Cruise nun Dwayne Johnsons Stirb Langsam? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall handelt es sich bei dem Action-Abenteuer um seinen bisher besten Solo-Blockbuster. Nicht nur das, es ist die erste wirklich überzeugende Vision davon, was ein "Dwayne Johnson-Blockbuster" sein kann.

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