John Waters

Beteiligt an 43 Filmen (als Regisseur/in, Drehbuchautor/in, Schauspieler/in, ...) und 3 Serien
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Poster zu John Waters
Geburtstag: 22. April 1946
Geschlecht: männlich
Anzahl Fans: 35

John Samuel Waters, Jr. (* 1946) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Schauspieler, Stand-up Comedian und Schriftsteller, der in den früher 70er Jahren mit seinen transgressiven Kultfilmen berühmt wurde. Diese testen sehr oft die Grenzen des herkömmlichen Kinoverständnisses, provozierten die Zensur und – nach Meinung einiger Kritiker – auch die Grenzen des guten Geschmackes.

Ihn selbst oder auch nur sein Frühwerk auf den Slogan „exercise in bad taste“ zu reduzieren, würde ihm jedoch keinesfalls gerecht werden. So verlockend es ist, in Pink Flamingos, Female Trouble und Desperate Living einzig Tabubruch und Exzess, Minimalbudget, Hühnchen-Beischlaf und ein hysterisches Ensemble unter Führung von Drag-Queen Divine (was für sich alleine betrachtet ja schon toll wäre) zu sehen: Zwischen Wellblechhüten und Wohnwägen hat Waters bereits in seinen ersten Arbeiten eine grundsympathische Liebeserklärung ans Anderssein, an die Außenseiter in einer normierten Welt formuliert, und damit das Leitmotiv aller späteren Arbeiten vorweg genommen.

Die Trash-Trilogie machte Waters und sein Dreamlander-Ensemble zum festen Bestandteil des Mitternachtskinos; größere Resonanz sollte er jedoch erst Jahre später mit Hairspray bekommen, eben jenem bunten Tanzspektakel, das auf den ersten Blick wie eine Abkehr von allem bisherigen wirken musste und deshalb nicht wenige Fans der ersten Stunde über „Ausverkauf“ und Co philosophieren ließ. Behände (und: mit Recht) hat der Regisseur all diesen Vorwürfen immer wieder entgegen gehalten, dass die Geschichte von der dicklichen Teenagerin Tracy Turnblad und der Corny-Collins-Show sein wohl wichtigster Film gewesen sei: Vordergründig unschuldig und quietschfidel thematisiert Hairspray den problematischen Umgang Amerikas mit seinen Minderheiten und bringt das universelle waters’sche Plädoyer für Toleranz und Verständnis bis „hinein in die Wohnzimmer der Republikaner“.

Nach dem folgenden, fast schon versöhnlichen Musical-Ulk Cry-Baby, in dem Johnny Depp als mit Lederjacke und Pomade in den Haaren gegen das Establishment anträllern durfte und sowohl Elvis-Parodie als auch eine ganz und gar klassische Waters-Figur verkörperte, sollte es vier Jahre dauern, bis das enfant terrible alle aufkommenden Gerüchte einer Zähmung widerlegen sollte: Auf den ersten Blick konventionell erzählt, erweist sich die scharfzüngige Abrechnung Serial Mom – Warum läßt Mama das Morden nicht? mit der dauerfluchenden Kathleen Turner in der Hauptrolle als Paradebeispiel dafür, wie geschickt John Waters es über die Jahre hinweg immer wieder verstanden hat, seine kleinen und großen Bosheiten vom Bahnhofs-Kino ins Abendprogramm zu schmuggeln. Mit der Kritik am Herzen der Angepasstheit – der US-Vorstadt und ihrer trügerischen Gartenzaun-Idylle – nimmt der Film nicht nur in Teilen den späteren Oscar-Gewinner American Beauty vorweg, sondern schließt auch den Kreis zum eigenen Frühwerk: Eben jene amerikanische Show-Mentalität die Divine dort einst zur Killerin werden ließ, öffnet hier Teilzeit-Maniac Kathleen Turner die Türen der Gerichte. Der american way of life in seiner pervertierten Form.

Dass John Waters dabei nie primär von Abtrünnigen, sondern vor allem von Personen erzählt hat, die sich voll und ganz ihrer jeweiligen Obsession verschrieben haben und diese ohne Kompromisse und Rücksicht auf gesellschaftliche Normen auszuleben bereit sind, tritt in seinen (bislang) letzten Filmen deutlicher denn je zutage: Während Pecker noch von einem jungen Fotographen auf der anstrengenden Suche nach dem perfekten Bild und der großen Karriere in den Metropolen dieser Welt erzählt, lässt der anschließende Cecil B. als geistige Fortsetzung keine solchen Kompromisse mehr zu – Kino muss nicht inszeniert, sondern gelebt werden. Der Regisseur, ein Märtyrer.

Auf dieses flammende Bekenntnis zur Kunst konnte eigentlich nur noch eines folgen: Eine Rückbesinnung auf den Exzess mit dem einst alles begann: A Dirty Shame zelebriert in einer, in dieser Form fast schon vergessenen Zügellosigkeit die Übernahme eines braven Vororts durch sexbesessene Fetisch-Jünger unter Führung von eben jenem Johnny Knoxville, der sich als Mastermind des anarchistischen Comedy-Formats Jackass: The Movie als einer der möglichen Waters-Erben verdient gemacht hat. A Dirty Shame ist so etwas wie die ultimative Liebeserklärung, eine Art universelles Abschlussplädoyer geworden: Für die Triebe, für den Spaß, für das Leben.

John Waters ist bekannt durch

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