Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
Tulitikkutehtaan tyttö (1990), SE/FI Laufzeit 70 Minuten, Drama, Kinostart 27.09.1990
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von Aki Kaurismäki, mit Kati Outinen und Elina Salo
Tag für Tag steht Iris in einer lärmenden Fabrikhalle. Ihre einzige Aufgabe: darauf zu achten, dass die Päckchen mit Streichholzschachteln, die auf einem Förderband vorbeilaufen, richtig etikettiert sind. Zuhause muss sie ihren dürftigen Lohn bei der Mutter und dem Stiefvater abliefern. Als Iris ihr Geld ein Mal für ein hübsches Kleid ausgibt, wird sie geschlagen. Niemand beachtet sie, wenn sie allein ausgeht, niemand fordert sie zum Tanz auf. Und der wohlsituierte Mann, der sie dann doch anspricht, lässt sie prompt mit einem Kind sitzen. Von den Eltern verstoßen, von ihrem Märchenprinzen mit einem Scheck für die Abtreibung sich selbst überlassen, geht sie in eine Apotheke und kauft ein Päckchen Rattengift. Das Drama einer geschändeten Kreatur schlägt um in eine mörderische Groteske, die Ausweglosigkeit gebiert schwärzesten Humor.
HandlungIris (Kati Outinen) arbeitet in einer Streichholzfabrik und wohnt bei ihrer Mutter (Elina Salo) und dem Stiefvater (Esko Nikkari). Kontrolliert sie nicht die Etiketten der Streichholzschachteln, so kocht, wäscht und bügelt sie für die Mutter und deren Freund. Auch den Lohn muss sie zuhause abliefern und auf der Wohnzimmercouch schlafen. Als sich das vernachlässigte Mädchen ein buntes Abendkleid kauft, ohrfeigt sie der Stiefvater und befiehlt ihr, es zurückzubringen. Doch Iris geht damit in die Disko – und lernt Aarne (Vesa Vierikko) kennen, mit dem sie die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen lässt er Iris mit einem Geldschein in seiner luxuriösen Wohnung zurück. Iris lässt das Geld zurück und schreibt Aarne ihre Telefonnummer auf.
Doch Aarne meldet sich nie. So geht Iris erneut zu ihm nach Hause und bittet ihn, mit ihr auszugehen. Aarne willigt ein. Nachdem sie ihn den Eltern vorgestellt hat, gehen sie essen. Dort wird Aarne grausam zur einsamen Iris:
Wenn du denkst, unsere Beziehung wäre von Dauer, täuschst du dich. Das, was mich am wenigsten auf der Welt berühren würde, ist deine Zuneigung.
Verletzt läuft Iris davon. Ein paar Wochen später merkt sie jedoch, dass sie schwanger ist. Aarne schreibt sie einen Brief – zurück kommt ein Scheck. Die aufgebrachte Iris läuft vor ein fahrendes Auto, kommt ins Krankenhaus und verliert das ungeborene Kind. Zudem wird sie von ihrer Mutter hinausgeworfen.
Aufgrund der vielen Demütigungen explodiert die stille Frau nun: Sie kauft Rattengift und bringt Aarne um. Nachdem ein weiterer Mann in der Disko getötet wurde, müssen auch die Eltern daran glauben. Schließlich wird Iris von zwei Polizisten in der Fabrik abgeführt.
Weiterführende Informationen
Ariel und Schatten im Paradies, die beiden anderen Teile der Proletarischen Trilogie
Mehr zum finnischen Regisseur Aki Kaurismäki
Weitere Informationen im Internet
Rezension in der Filmzentrale von Andreas Thomas
Begrabt mein Herz an der Müllkippe, Rezension in der Zeit
Dossier zum Regisseur als PDF-Dokument
Finnland ist überall, Hommage von Peter Zemla an den finnischen Regisseur
Quellen
Cast & Crew
-
Aki Kaurismäki
-
Kati Outinen
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Elina Salo
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Esko Nikkari
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Stiefvater
-
Vesa Vierikko
-
Reijo Taipale
-
Silu Seppälä
Regie
Schauspieler
-
Richard Reitinger
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Mann in Bar
-
Marja Packalén
-
Aki Kaurismäki
- Genre
- Sozialdrama
- Ort
- Helsinki
- Handlung
- Einsamkeit, Isolation, Monotonie, Mord, Mutter-Tochter-Beziehung, Rattengift, Streichholz
- Mitmachen
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Drehbuch
Filmdetails Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
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Trailer zum Film Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
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Kommentare (6) — Film: Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
Kommentar schreibenElMagico 2011/11/01 18:28:48
Kommentar löschenDer Abschluss von Kaurismäkis Proletarischer Trilogy, in der er sich ganz den Menschen zuwendet, uns mitnimmt in die kargen 4 Wände seiner Protagonisten und oft schon dokumentarhaft die Tristesse dieser gescheiterten Seelen aufzeigt.
Denn wo bei den beiden anderen Teilen dieser Trilogy Kaurismäkis lakonischer Humor es immer wieder schaffte ein Lächeln zu erzeugen, wenn auch ein böses, da gibt es in "Tulitikkutehtaan tyttö" kaum noch etwas hoffnungsvolles. Hier ist sowenig Leben in den Menschen, alles scheint tot zu sein und selbst als Zuschauer sieht man oft gar keine wirklichen Alternativen. Hier gibt es auch kein Worte die etwas Wärme geben, kaum einer der eh schon wenigen Dialoge ist länger als 4 oder 5 Worte. Es gibt keine Bilder die Hoffnung vermitteln...alles ist alt, grau und abgeranzt. Die kurzen Szenen im Restaurant, bzw. Disco kommen einem im Vergleich dazu völlig irreal vor. Und ich tu mir schwer bei "Tulitikkutehtaan tyttö" von einem Drama zu sprechen. Denn ist ein Drama noch dramatisch wenn innen keine Emotionen mehr stecken und von aussen keine Gefühle herangetragen werden? Ein pessimistisches Gemälde einer völlig ausgebrannten und ziellosen finnischen Unterschicht, gemalt mit reduzierten Grautönen.
Kaurismäki zieht diesen minimalistischen Realismus bis zum bitteren Ende durch. Er gönnt seinem Film kaum Höhen und Tiefen, alles läuft wie ein ewiger Trott ab. Lichtblicke und Träumereien tötet er noch während des Entstehens ab.
Und doch: Iris will Cinderella sein und "Tulitikkutehtaan tyttö" ein Märchen. Allein es spielt in einer Umwelt die alles märchenhafte im Keim erstickt, in einer Welt die alle Illusionen verloren hat.
Inhaltlich und inszenatorisch anstrengend, gleichzeitig aber auch fesselnd. Von einer Trostlosigkeit die den Zuschauer fast schon schmerzt. Und ich kann es nich wirklich sagen was es ist, aber irgendetwas leuchtet trotzdem in der Dunkelheit von "Tulitikkutehtaan tyttö". Vielleicht ist es Cinderella.
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zophrenik 2011/09/21 23:23:45
Kommentar löschenAki Kaurismäki ist der Hemingway des Filmemachens. Alles ist reduziert. Emotionen werden nicht durch Mimik oder Worte ausgedrückt, sondern durch subtile Gesten, alltägliche Handlungen. So sind auch die Gesichter aller Figuren ausdruckslos. Als wäre Ausdruckslosigkeit der einzige Ausdruck dieser apathischen Welt. Einzig die Lieder, die Songtexte sprechen von Gefühlen. (Daher ist es ratsam, den Film mit Untertiteln zu schauen, auch auf Deutsch.) Die Dialoge sind begrenzt auf das nötigste, bestehen aus nebensatzlosen Hauptsätzen. Die Kamera ist statisch, distanziert. Die Bilder sprechen für sich. Und sagen mehr als genug.
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joseph_tura 2011/07/18 23:49:44
Kommentar löschenBeinahe die Karikatur eines Sozialdramas: Wahrhaftig, desillusionierend, substanziell. Mehr lässt sich über Entfremdung nicht erzählen. Was macht eigentlich Kati Outinen?
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McAlloon 2009/03/14 00:04:38
Kommentar löschenHumanistisches Kino, ohne Schnörkel inszeniert, direkt erzählt, frei von allem was irgendwie prätentiös erscheinen könnte. So kalt wie in dieser Geschichte kann die Welt sein.
Und doch: es gibt Zeichen von Trost und Wärme. Da ist zünächst mal die Musik: der finnische Tango ist wieder mal das Schiff am Horizont, dass all unsere Sehnsüchte an Bord zu tragen scheint. Und dann ist da dieses unscheinbare Mädchen, das trotz alltäglicher Grausamkeiten eine stille Würde bewahrt. Kati Outinen, das Gegenteil einer Hollywood-Heldin, kann mit wenigen Gesten mehr aussagen als 1000 Worte.
Ein kleiner Film, aber ganz großes Kino.
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garibaldi 2008/06/26 10:15:33
Kommentar löschenEin Film fast ohne Worte der aber mehr sagt als man in Worte fassen kann. Ein Film über Eintönigkeit und Tragik, über Sehnsüchte und Enttäuschungen, über Scheitern und Stärke. Die Stärke die mit dem Mut der Verzweiflung kommt wenn man seine Würde nicht verloren hat. Traurig und tröstlich.
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maslobojew 2008/04/14 19:30:27
Kommentar löschenEin scheinbar einfach gehaltener, nackter Film. Unsere Welt wie sie wohl auch ist, eben aus einem speziellen Blickwinkel betrachet. Das Groteske ist wohl dosiert und am Ende bleibt der Zuschauer fragend zurück.
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