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Die Nacht des Jägers

The Night of the Hunter (1955), US Laufzeit 90 Minuten, FSK 12, Kriminalfilm, Thriller, Drama, Horrorfilm, Kinostart 16.03.1956


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8.2
Kritiker
33 Bewertungen
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6.4
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1626 Bewertungen
41 Kommentare
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von Robert Mitchum und Charles Laughton, mit Robert Mitchum und Shelley Winters

Robert Mitchum sorgt als mörderischer Wanderprediger in Charles Laughtons atmosphärischem Thriller Die Nacht des Jägers für Gänsehaut.

Der zum Tode verurteilte Gefängnisinsasse Ben Harper (Peter Graves) hat irgendwo auf seinem Grundstück 10.000 US-Dollar versteckt. Sein Zellengenosse Harry Powell (Robert Mitchum) steht kurz vor seiner Entlassung. Als Powell von dem Geld erfährt, hat er nur noch ein Ziel: Das Geld zu finden. Wieder auf freiem Fuß macht er sich auf den Weg zum Haus der Familie Harper. Als leidenschaftlicher Prediger gewinnt er schnell die Herzen der Menschen, auch das von Mrs. Harper (Shelley Winters). Die ahnt noch nichts von Powells psychopathischer Natur – bekommt sie aber bald zu spüren. Schließlich findet der gewalttätige Powell heraus, dass die Kinder Pearl und John wissen, wo das Geld versteckt ist. Für die beiden beginnt eine albtraumhafte Jagd.

Hintergrund & Infos zu Die Nacht des Jägers
Die Nacht des Jägers zeichnet sich durch eine besonders atmosphärische Inszenierung aus. Charles Laughton entschied sich insbesondere bei den Szenen der nächtlichen Jagd für eine Bühnenbild-artige Ausstattung, die einen Hang zum Expressionistischen hat. Laughtons Stil und die expliziten Gewaltmomente überforderten das Publikum von 1955. Auch bei Kritikern fiel Die Nacht des Jägers durch. Darüber war Charles Laughton angeblich dermaßen enttäuscht, dass er schwor, nie mehr Regie zu führen. Tatsächlich drehte er nie wieder einen Film.
Die Tätowierungen von LOVE und HATE auf den Fingern der linken und rechten Hand von Robert Mitchum wurden zu berühmten Vorlagen in der populären Kultur. (JL)

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Cast & Crew


Kritiken (6) — Film: Die Nacht des Jägers

JackoXL: Die Drei Muscheln

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7.5Sehenswert

"Die Nacht des Jägers" von Charles Laughton gilt als ein einflussreicher und wegweisender Psycho-Thriller, hat sich das Prädikat Klassiker zweifelsohne verdient. Unverkennbar, wie deutlich spätere Filme und Regisseure u.a. durch ihn beeinflusst wurden. Ungewöhnlich, wie sehr er sich (für seine Zeit) von dem beliebten Heile-Welt-Abziehbildes der frommen 50er abhebt und einen äußerst bedrohlichen, fast dämonischen Antagonisten in den Mittelpunkt rückt. Das wagte damals kaum jemand. Böse Buben waren zwar gelegentlich schon mehr als reine Randfiguren, aber ein derartiges Monster, ein Serienkiller und Psychopath wie aus dem Bilderbuch, ein ungewöhnliches Vorhaben. Reduziert auf seine Vorzüge und einige heute noch brillanten Momente könnte "Die Nacht des Jägers" immer noch als ein fast herausragendes Werk bezeichnet werden. Ehrlich und aufrichtig betrachtet gibt es jedoch einige Schönheitsfehler, die zum Teil (jedoch nicht ausschließlich) altersbedingt sind.

Die erste Hälfte kann kaum kritisiert werden. Manch theatralisches, leicht hölzernes Spiel ist schlicht zeitbedingt. Einem Film von 1955 muss so was verziehen werden, das war damals einfach Standard. Umso überragender ist die Performance von Robert Mitchum als furchteinflößender Prediger Henry Powell. Sein Auftritt spielt in etwa auf Augenhöhe mit dem in "Ein Köder für die Bestie" von 1962. Mitchum scheint der geborene Film-Psychopath, seine Ausstrahlung beängstigend, seine Präsenz enorm. Schon durch sein Erscheinungsbild, mit den markanten Tattoos auf den Handknöcheln, sticht seine Figur extrem hervor und Mitchums Spiel erfüllt sie mit Leben. Bei seiner tatsächlich einzigen Regiearbeit zeigt Charles Laughton (sonst hauptsächlich Darsteller) an gewissen Punkten enormes Talent für Stimmung und einzelne Eistellungen. Allein das erste Auftauchen von Powell vor dem Haus seiner "Familie" ist ein wunderbarer Moment. Als der kleine John seiner Schwester gerade eine Geschichte erzählen will, fällt eine riesige Silhouette durch das Fenster an die Wand. Powell steht vor dem Haus unter einer Laterne, beobachtet es wie ein Raubtier seine Beute belauert. Das sind diese Momente, in denen "Die Stunde des Jägers" wahrlich heraussticht. Das gesamte, perfide Umgarnen der labilen Witwe Willa, das charmante Einwickeln der naiv-ländlichen Gemeinde, wie das Monster sich von seiner besten Seite zeigt und das Unheil seinen Lauf nimmt, wie er anschließend eine fast radikale Gehirnwäsche mit seiner Ehefrau vollzieht, da ist der Film bärenstark. Eigentlich gerät er erst dann etwas in Schieflage, als Powell endgültig die Maske fallen lässt und die titelgebende Jagd beginnt.

Nun wechselt der Fokus deutlich von Powell auf die Kinder, was zwar logisch ist, dem Film jedoch seiner stärksten Waffe beraubt. So niedlich die Kleinen sein mögen, darstellerisch sind sie nicht überzeugend, selbst mit Welpenschutz. Die düstere Stimmung der ersten Hälfte verläuft sich etwas, kehrt nur mit den seltener werdenden Auftritten von Mitchum für den Moment zurück. Fast fatal, das auch er manchmal etwas unglücklich in Szene gesetzt wird. Vielleicht macht sich da die Unerfahrenheit von Laughton als Regisseur bemerkbar. So fantastisch er manches umsetzt, speziell das dunkle Spiel mit Licht und Schatten, so deutlich entgleitet ihm partiell die Führung seines Hauptdarstellers. Es gibt konkret zwei Szenen (im Keller, vor dem Haus kurz vor Schluss), in denen der sonst so diabolische Killer plötzlich fast etwas albern rüberkommt, das hat sogar leichte Slapstick-Anleihen. Wirkt unglaublich unpassend und zerstört die sonst so dichte Atmosphäre. Generell verliert der Film zum Schluss an Spannung und Beklemmung. Der bis dahin überlegene Jäger scheint relativ einfach seine Dominanz zu verlieren, nicht mehr glaubhaft, dass er zuvor mit 25 Morden ungestraft durchgekommen ist. Das trübt das Gesamtbild deutlich, ebenso der nicht immer freiwillig Humor. Einiges davon fällt unter zeitbedingt, einiges leider nicht. Manches beißt sich einfach mit der sonst so eiskalten Stimmung, die der Film nicht durchgehend aufrecht erhalten kann. Auch etwas störend: Das Überstrapazieren der biblischen Zitierungen. Besonders am Ende, wenn "Love" personifiziert auf "Hate" trifft. Symbolisch passend, nur halt etwas zu zitierfreudig.

"Die Nacht des Jägers" hat über die Jahre etwas einbüßen müssen und war sicher auch seiner Zeit nicht perfekt, das sind letztendlich aber nur Details. Stellenweise großartig und von seiner Bedeutung nicht zu verkennen. Heute noch eine glasklare Empfehlung, nicht nur für Klassiker-Liebhaber.

21 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 5 Antworten

Andy Dufresne

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Für jeden der Filme wahrlich liebt, müssten da min. 6 drin sein, also lohnenswert für jeden hier quasi ;)
Schöner Kommentar Jacko, müsste den auch mal wieder sehen.
Als ich den sah, war ich eigentlich noch viel zu jung dafür, kannst dir ja vorstellen wie viel Angst mir der Film, bzw. Mitchum machte :)


JackoXL

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@Don: Danke. Kann ich nicht beurteilen, aber einen Versuch ist der zweifellos wert.
@Andy: Sollte man annehmen, aber bei welchem Film ist das schon so? ;) Als Kind muss der wirklich furchteinflößend rüber kommen, glaube ich gerne.


Arakune: Das Manifest, CinemaForever...

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7.5Sehenswert

"It’s a hard world for little things."

DIE NACHT DES JÄGERS ist weniger wegen seines bemerkenswerten Spannungsbogens der stilbildende Klassiker, der er heute ist, sondern viel eher durch seine Fähigkeit, die Sujets und Versatzstücke vielerlei Genres homogen zu kombinieren und sich letztendlich doch von seiner Patchwork-Attitüde zu emanzipieren. Charles Laughtons erste und einzige Regie-Arbeit thematisiert primär die Rolle der Religion im südlichen Amerika der 1920-Jahre und seine polarisierenden Auswirkungen. Dies wird vor allem in Form des charismatisch-bösen Ex-Häftlings Harry Powell deutlich: Seine einfältigen Mitbürger schöpfen trotz seiner eigenwilligen Art keinerlei Verdacht, solange er jeden seiner Versprecher mit einem vermeintlich tiefgründigen Bibel-Zitat relativiert. In religiösem Eifer werfen sie sich ihm zu Füßen – dem wahrhaftig diabolischen Wolf im Schafspelz. Die Gesellschaft in Laughtons Werk ist eine altertümliche: Nur durch eine traditionelle Rollenverteilung in der Familie scheint es überhaupt möglich, seine Kinder angemessen erziehen zu können. Und so nimmt das bereits abzusehende Unglück seinen Lauf.

Stilistisch deutlich vom expressionistischen Film der Frühzeit inspiriert, gelingt es Laughton in seinem Debut, ausgefeilte Symboliken, die schwierige Religionsthematik, Gesellschaftskritik und das kindliche Älterwerden gleichergestalt in einem surrealen Thriller-Märchen von zutiefst düsterer und bedrückender Gestalt zu vereinen. Seine letzte Aussage ist demgemäß auch ebensowenig autokratisch wie vollkommen herzerwärmend: Religion bleibt letzten Endes immer noch jedem selbst überlassen – manchem benebelt es die ohnehin schon wenigen Gedanken, den anderen treibt es zum tugendhafte(re)n Leben; und wieder andere interessiert es gar nicht. Die Charaktere befreien sich im verdienten Freudentaumel vom eingeflößten Dualismus des Harry Powell und finden das wahre Glück.

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Flibbo: Wie ist der Film?

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5.5Geht so

[...] Die Romanverfilmung ist relativ fingerfertig und zweifellos originell inszeniert, im Tempo dafür etwas nachlässig weil ausschweifend, sodass trotz interessanter Ästhetik ein paar leicht zähe Passagen entstehen. Unter der kreativen Hülle steckt eine denkbar simple Geschichte mit kitschigem Ausgang, die bis auf zwei Ausnahmen auch kein nennenswertes Schauspiel liefert. Die erfahrene Lillian Gish bereichert die Einfühlsamkeit ihrer Rolle als Ziehmutter mit einem sicheren, erhabenen Auftreten. Robert Mitchum – das Markenzeichen des Films – gibt solide den zwielichtigen Bösewicht, mit Hang zum Grimassieren. Sein mittelmäßiges Umfeld wertet ihn von alleine auf; seine Aura wird indes vom nostalgischen Feuilleton zu gern völlig unverhältnismäßig aufgebauscht, weil die Andeutungen der Figur vom Publikum selbst weitergedacht werden wollen. [...]

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Julio Sacchi: Das Manifest

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9.0Herausragend

Existenzialistisches Horrormärchen mit beeindruckendem Mut zur Surrealität; die nächtliche Flucht der Kinder durch ein schattenreiches Gruselland ist unvergeßlich. Daß der große Schauspieler Charles Laughton es bei dieser einen Regiearbeit beließ, ist fraglos beklagenswert. Ihm verdanken wir auch einen ikonografischen Bösewicht, für den Robert Mitchum sogar seine Lakonie ausschaltet. Wer die Meisterschaft dieses Filmes nicht sieht, hat TRANSFORMERS verdient.

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Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de

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10.0Herausragend

„Die Nacht des Jägers“ ist ein höchst unorthodoxer Film, bei dem es nicht verwunderlich ist, weshalb er 1955 bei Zuschauern und Kritikern für Aufsehen und Entsetzen sorgte. Charles Laughton entwarf ein abgrundtief bösartiges Martyrium, gebettet in expressionistische Bilder durch ungewöhnliche Ausleuchtung, bemerkenswerten Einsatz von Licht- und Schatteneffekten, brillant eingefangen von Kameramann Stanley Cortez und mit einem einzigartigen Bösewicht, der jeden Schurken aus James Bond-Filmen aussehen lässt wie die Zeichentrickfigur Bugs Bunny.

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Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

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10.0Lieblingsfilm

Grimmiger Genre-Klassiker, der neben der herausragenden schauspielerischen Leistung vor allem durch die faszinierende Schwarz/Weiß-Fotografie beeindruckt.

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Kommentare (35) — Film: Die Nacht des Jägers


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loveissuicide

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Bewertung6.0Ganz gut

Der Film trieft vor religiösem Fanatismus, an allen Ecken und Enden wird gelobpreist, was das Zeug hält. Der Böse, die Guten und die vermeintlich Guten, sie alle beziehen ihr Handeln auf den Großen Unsichtbaren. Schon eine eigenarte Zeit aus heutiger Sicht. Bei solchen Filmen schmunzelt man ja immer über die Dinge, die längst vergangen sind und gesellschaftliche Angewohnheiten, die längst überholt sind, stilistisch zum Beispiel der Soundtrack. Schon lustig, welche Musik man damals ausgesucht hat, um Spannung zu kreieren bzw. verstärken.
Abgesehen vom Verstaubten funktioniert der Film großteils doch erstaunlich gut, auch wenn ein paar Szenen ein wenig ulkig wirken. Der Wolf im Schafspelz, gut verkörpert von Robert Mitchum, aber auch die Dorfgemeinschaft hinter der fromm-religiösen Maske ein wütender Mob (ich dachte hier oft an das Simpsons-Springfield^^), der keinerlei andere Meinung akzeptiert.

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Medardus

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Mehr Kunstwerk als Film, so oder so aber perfekt inszeniert und hier und da sogar Stilikone für die massig Knuckle-Tattoos ;)

In einigen Einstellungen ist jede Sekunde eine Fotografie an der Wand wert.

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emotionfreak

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Vorweg möchte ich sagen, dass ich nicht prinziepell jeden Film(Film Noir) in dem ein wenig mit Licht und Schatten gespielt wird, bedrohliche Musik ertönt, wenn der Killer erscheint, etc, etc, als Meisterwerk bezeichne. In diesem Film aber gab es sehr wohl einige genial inszenierte Momente dieser Art, die mich begeisterten. Der Schatten des Bösewichts an der Wand im Kinderzimmer und die Gespräche zwischen Mitchum und den Kindern, wenn er versucht das Versteck des Geldes herauszufinden z.B. Und auf jeden Fall Mitchum in seiner Rolle einfach genial. Andererseits gab es dann auch wieder Momente, wo es schon wieder unfreiwillig komisch auf mich wirkte. Des weiteren muss ich sagen, dass ich das Werk in punkto Dramaturgie und Spannungsaufbau, als schwach empfand. Auch gibt es einige Logiklücken, über die ich aber hinwegsehen kann und dieses surrealistische sagte mir persönlich nicht so zu. Auch gefiel mir die zweite Hälfte nicht sonderlich. Aber ein paar dieser genialen Momente und das geniale Spiel von Mitchum sorgen dafür, dass der Film auch von mir eine gute Wertung bekommt.

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ElMagico

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein finsteres Märchen, dessen Geschichte zwar hier und da etwas holprig erscheint, das aber durch seine fast schon experimentell eingesetzten Stilmittel völlig mitreissen kann. Man darf bei "The Night of the Hunter" nicht bei jeder Ungereimtheit das große Logikbuch hervorkramen. Die Geschichte wird oft recht krude vorangetrieben, was zwar etwas unelegant wirkt, dem Fluß und der Atmosphäre des Films sehr zuträglich sind. Und davon lebt dieser Film. Er macht nie einen Hehl daraus erfunden zu sein, will gar nichts anderes sein als dieses böse Märchen. Was außenrum passiert, soll diesem Kern dienen. Das tut es und ist für mich dadurch völlig legitimiert und dürfte letztendlich nur die stören, die sich bewusst über kleine Logiklöcher in Filmen echauffieren.
Diesen entgeht aber ein albtraumhafter Thriller, der eine sehr dunkle Magie ausstrahlt. Auf dem fruchtbaren Boden der Armut, welche ja immer wieder Tür und Tor für so manche Art des Extremen öffnet, zieht der Prediger Harry Powell durch die krisengeschüttelten USA. Von beginn an eine völlig undurchsichtige Figur, die von ihrem Glauben wirklich erfüllt scheint, aber duch diese auch jegliche Untaten und Verbrechen vor sich und anderen rechtfertigt. Der Trieb des Bösen, der durch übersteigerte Religiösität vertrieben werden sollt, am Ende mit dieser eine abartige Union in diesem Charakter eingeht. Robert Mitchum gibt diese schillernde Figur nahezu perfekt. Unberechenbar und jähzornig, in seiner Durchtriebenheit aber doch völlig kühl und kalkulierend....und mit einem Fuß immer im Reich des Wahnsinns. Gegen ihn verblassen alle anderen Figuren, sind lange nur Spielbälle seines diabolischen Tuns.
Diese enorme Aura des Harry Powell, wird aber so richtig möglich durch die außergewöhnliche Inszenierung dieses Films. Im Grunde ein Kriminal-Thriller, und hier sicher Blueprint für viele Filme wie etwa "Seven", pendelt "The Night of the Hunter" stilistische irgendwo zwischen "Nosferatu" und "Alice in Wonderland". Deutliche Motive aus Märchen, die auch offensichtlich künstlich dargestellt werden, aber von einer tiefen Dunkelheit durchtränkt sind. Im Laufe der Spielzeit legt der Film immer mehr Realitätsbezüge ab, gibt sich visuell seltsam träumerisch und gleichzeitig bedrohlich. Spätestens ab der Bootsfahrt der Kinder, die so wunderschön surreal anzusehen ist, scheint das alte, geordnete und schöne Leben dieser zwei gejagten Kinder nur noch ein Ort der Vergangenheit zu sein, dessen Lieder der Wind noch ab und zu leise heranträgt.
"The Night of the Hunter" verzaubert. Ist lieblich, aber doch so dunkel und tief. Ein süßer Schmerz, den man nicht genau definieren kann. Ein Eindruck, der bei erneuter Sichtung sogar wächst....deshalb ein halbes Pünktchen nach oben.

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ElMagico

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Toller Kommi zum Kommi :P


Sven - Friedrich Wiese

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Super Reaktion zum tollen Kommi zum Kommi.


Lorion42

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Bewertung6.5Ganz gut

Atmosphärisch ist der Film auch heute noch Klasse. Einige Szenen hätten auch von Murnau oder Lang stammen können. Der Spannungsbogen dagegen ist nicht mehr zeitgemäß, so dass der Film etwas altbacken wirkt. Zu meiner Enttäuschung war er aber auch ziemlich inhaltsleer. Es wird mit Bibelzitaten um sich geworfen, aber moralische Konflikte und Gesellschaftskritik werden nur angeschnitten. Der spannende Grundaufbau und die tollen Bilder machen ihn trotzdem sehenswert. An die erwähnten Murnau (Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen) und Lang (M - eine Stadt sucht einen Mörder) kann der Film aber nicht ranragen.

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TheBruceWayne

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Bewertung9.5Herausragend

Die Nacht des Jägers ist, was Inszenierung und Atmosphäre angeht, ein unübertroffenes Meisterwerk.Ein Wunder, dass die Nacht des Jägers die einzige Arbeit von Charles Laughton gewesen ist. Denn was er hier geschaffen hat, ist einfach beispielslos. Wenn Goldenes Gift der beste Film Mitchums ist, dann ist "Die Nacht des Jägers" wohl der Film mit seiner besten Rolle. Mitchum liefert hier in der Rolle des Predigers Harry Powell, welcher im Namen des Herrn durch das ländliche Amerika zieht und dutzende "lasterhafte" Frauen ermordet, eine der beängstigenden Darbietungen eines psychopathischen und selbstgerechten Bösewichts ab, welche man je im Medium Film gesehen hat. Nur gut, dass die Geschichte aus den Augen eines Kindes erzählt wurde.

Fast wie ein Märchen mutet hier alles an. Ein moderne Version von Hänsel und Gretel.Wie ein böser (Kinder) Albtraum. Kinder, welche auf einem finsteren Fluss vor einem Teufel in Menschengestalt fliehen.Und die Atmosphäre.Was für eine unglaubliche Atmosphäre.Ich weiß eigentlich nicht, was mich hier vor der Höchstwertung abhält.Vielleicht ist es gerade auch die kindliche Darstellungsweise.So sind die Szenen auf dem Boot (welche wie eine Kinderversion von Herz der Finsternis wirken)phänomenal, aber andere Szenen, wie die Bibelerzählungen mit Mrs. Cooper eher störend.
Das ist aber Kritik auf ganz hohem Niveau, den "Die Nacht des Jägers" ist auf alle Fälle ein Meilenstein des Film Noirs, und ein Meisterwerk der skurrilen Atmosphäre und des Horrors, von dem manch ein Regisseur der Gegenwart (z.B. Tim Burton) sicher noch viel lernen könnte.

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Le Samourai

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:)


Fando_Y_Lis

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Ich hab dem Film 10 Punkte gegeben :o)


Schlopsi

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Bewertung6.0Ganz gut

Ein wenig enttäuscht bin ich schon. Zwar bietet "Die Nacht des Jägers" schöne Bilder und Lichtspiele, einen wirklich fiesen Robert Mitchum als Prediger und eine klasse Lillian Gish, aber insgesamt konnte es mich nicht so fesseln, wie ich es mir erhofft hatte. Mitchum sorgte bei mir zwischenzeitlich für einige unfreiwillige Lacher und die Längen zur Mitte des Films sind doch ziemlich ermüdend. Da hatte ich etwas mehr erwartet.

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Schlopsi

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Bis auf El Dorado, Die Nacht des Jägers und ein paar Western habe ich leider(!) noch nicht so viel von ihm gesehen. Allerdings wird er mir immer als versoffener Sheriff in Erinnerung bleiben (El Dorado = ♥).


RoosterCogburn

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Dabei begann seine prägende Westernzeit erst Mitte der 50er (Bandido, River of No Return, The Man With The Gun). Populär wurde er in den 40ern / 50ern durch die Filme der Schwarzen Serie. Mitch war anschliessend in den 50ern und 60ern eine richtig große Hollywood-Nummer. Selbst im Boulevardstück The Grass Is Greener macht er neben Cary Grant eine gute Figur.


TerminatorCHRIS

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein Klassiker mit einem tollen Schauspieler und einer Story, die sich sehen lassen kann.

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Begbie

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Bewertung7.5Sehenswert

Ganz schwierig zu bewerten. Einerseits eine unheimlich geniale Atmosphäre, ein super Robert Mitchum und eine interessante Rahmenstory. Andererseits merkt man dem Film sein Alter einfach fast jede Sekunde an und das Verhalten von damals ist heute einfach nicht mehr vorstellbar und zeitgemäß (was bei anderen Filme wie z.B. "M" nicht auffällt, da er heute wie damals zeitlos ist). Auch das Ende ist irgendwie schwach. An sich ein sehr guter Film, aber ganz überzeugen konnte er mich leider nicht. Einen extra Punkt gibts allein für das "Love" & "Hate" Tattoo - eine super Idee und meines Wissens kam es so zum ersten mal zum Einsatz...

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KonTaicho

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Die Nacht des Jägers" ist vielerlei.
Er ist irre spannend, besticht durch den wohl charismatischsten Teufel im Pfarrgewandt und einem Jungschauspieler, der wirklich allen die Show stiehlt.
Robert Mitchum ist böse. Er ist das manifestierte Böse und Diabolische, getarnt als frommer Heiliger und ausgestattet mit einer nervenaufreibenden Weise, eine schaurige "Melody of Death" von sich zu geben.
Der Sohn ist eine Klasse für sich, ist trotz seines geringen Alters seiner ihm von seinem Vater gegebenen Aufgabe gewachsen und dem Pater durch seine Willenskraft ebenbürtig. So kristallisiert sich ein wahrhaftiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen diesen beiden heraus, das seine Spannung erst auf dem Hof der alten Dame in einem Feuersturm aus Gefühlen entlädt.
Das einzige Manko dieses Films sind die Frauen. Ja gar, die Weiber, wie ich gerne sagen würde. Die Idiotie dieses Geschlechts zieht sich im Film quasi durch jede Generation, die alte Kupplerschachtel, die besessene Patersfrau und Rabenmutter und das kleine Schwesterchen ( dem man´s noch verzeihen kann ) gehen einem mit ihrer Art tierisch auf den Senkel. Da sticht die allumsorgende Waisenmutter wie ein schwarz-weiß Kontrast absolut positiv hervor.
Alles in allem ist "Die Nacht des Jägers" ein spannender Fall mit starken Hauptdarstellern und hundert Mal erträglicher als der anscheinend gerne verglichene "M-Eine Stadt sucht einen Mörder". Cheers.

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Andy Dufresne

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Soooooo schade das Laughton nur diesen einen Film gemacht hat...


RoosterCogburn

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Bewertung9.0Herausragend

Mitchum als furchteinflößender Psychopath und mordender Priester - eine Verkörperung des absolut Bösen. Charles Laughton's nervenaufreibende Adaption von David Grubbs Roman ist seltsamerweise seine einzige Regiearbeit geblieben. Auch wenn der Film seinerzeit ein Misserfolg war, ist er dennoch beachtlich und für die erste Filminszenierung Laughton's sowieso. Die Licht- und Toneffekte sind zwar eindeutig durch Murnau beeinflußt, das tut aber der Atmosphäre keinen Abbruch. Nur die Dramaturgie enttäuscht gegen Ende doch etwas. Allerdings macht das Mitchum mit seinem diabolischem Spiel wieder wett.

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KonTaicho

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Der steht auch schon ewig auf meiner Liste . _.


xTimmaex

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Bewertung5.0Geht so

Ich habe Night Of The Hunter jetzt 2 mal gesehen. Nach dem ersten Mal dachte ich, etwas hätte mit mir nicht gestimmt, weil ich das Meisterwerk darin einfach nicht erkennen konnte. Aber jetzt ist meine Meinung gefestigt:

Keine Atmosphäre, die Kinder spielen unglaublich schlecht und Mitchum ist mehr Clown als Bedrohung. Die ganzen Kameratricks sind mehr Spielerei als wirklich effektiv und nur weil etwas angeblich starken Einfluss auf spätere Filme hatte, wird es dadurch nicht besser.

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Aronofsky

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klar die Bilder sind toll. aber der film hat auch viele lächerliche szenen drinnen und die kinder nerven nur. ich kann die wertung leider verstehen.


TheBruceWayne

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Du fandest Mitchum nicht furchteinflössend ?Du bist ein tapferer Mann :)


Brotkind

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Bewertung7.5Sehenswert

Hochspannender Klassiker mit einem genialen Robert Mitchum und einer unglaublichen Atmosphäre. Leider ist das Ende wie ich finde wenig gelungen und unpassend. Werde dieses sehr ungewöhnliche und innovative Werk allerdings noch einige Male sichten müssen, um mir eine endgültige Meinung bilden zu können.

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cpt. chaos

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Bewertung7.0Sehenswert

Die Literaturverfilmung, welche ich zunächst äußerst eigenartig in der Umsetzung empfand, habe ich mir - Filmkenner77 sei Dank - nochmals angesehen und meine Bewertung daher zwangsläufig nach oben korrigiert.
Ein wirklich ungewöhnlich düsterer Film für die 50er, mit einer extrem ansprechenden s/w-Optik. Auch wenn ich mich nach wie vor ein wenig an der Darstellung Shelley Winters als gottesbesessene Mutter gestört habe, da diese arg überzogen wirkt, so ist das Gesamtpaket in sich völlig stimmig. Robert Mitchum, die Kids und insbesondere die Figur des Onkel Birdie, fand ich geradezu genial.

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cpt. chaos

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Den Eindruck hatte ich auch, dass bewertungsmäßig weiterhin Luft nach oben besteht. Daher wird er zukünftig auch meine DVD-Sammlung schmücken.
Jedenfalls nochmals schönen Dank, dass du mir den regelrecht nochmals "aufgezwängt" hast.
Und deinen Lieblingsfilm (Der Flug des Phönix) werde ich mir auch nochmal antun. Wer weiß, vielleicht ist da eine weitere Danksagung an dich angebracht...?! ;o)))


Filmkenner77

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Ja, der "Der Flug des Phönix" ist auch so ein Film, den ich mir wieder ansehen kann. Hab jetzt schon wieder Lust drauf bekommen. Hardy Krüger, einfach genial. Wie James Stewart schaut, als Krüger sagt: "Wie kommt es, Captain, dass Sie Dummheit für eine Tugend halten?" Herrlich. Ich liebe jedes Sandkorn dieses Films.


aberaber

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Bewertung7.0Sehenswert

Ungewohnlicher "Thriller" für die Entstehungszeit. Teilweise sehr innovativ.

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WaaayneTrain

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Bewertung10.0Herausragend

"Na, Kleine, du wunderst dich wohl über meine Finger?! Soll ich dir einmal von der rechten und der linken Hand erzählen, mein Junge? Die Geschichte von gut und böse? H,A,T,E. Es war die linke, mit der der fluchbeladene Kain seinen Bruder Abel zu Boden schlug. L,O,V,E. ihr seht die Finger der rechten. Diese Finger haben Adern. Sie führen zur Seele des Menschen. Die rechte Hand wollte die Hand der Liebe. Passt auf, jetzt kommt die Geschichte des Lebens. Diese Finger, ihr Teuren, liegen IMMER im Kampf miteinander, haben EWIG Zank und Streit. Jetzt passt auf. Oben ist die linke Hand. Sie bedeutet Kampf und Streit. Es scheint, dass die Liebe unterliegt. Aber wartet ab. Wartet ab. Da! Da, die Liebe gewinnt! In der letzten Sekunde. Die Liebe hat gewonnen! Und die Kampf- und Hasshand wird gezähmt!"

"Die Nacht des Jägers" ist ein sehr symbolisches Werk, das auf eine ganz einzigartige Weise enorme Spannung zu erzeugen weiss. Ich habe noch nie einen Film gesehen, den zwei kleine Kinder mit ihrer überragenden Schauspielerkunst fast alleine tragen können. Natürlich muss man auch den äusserst beängstigenden Robert Mitchum erwähnen, schon alleine seine Mimik ist unglaublich. Seine Rolle ist beinahe schon ein Höhepunkt der Filmgeschichte, schon alleine die symbolische Geschichte von Liebe und Hass hat viele Nachahmer gefunden.

Die Bilder und die Musik harmonieren perfekt miteinander, es wird sehr schön mit Licht und Schatten herumexperimentiert, was sehr schöne Szenen erzeugt. Mit einem Hauch von Surrealismus und Charakteren mit gesundem Humor bringt der Film einen sehr oft auch zum Lachen. Besonders hervorheben will ich auch noch die Szene, als Pearl im Boot beginnt zu singen. Einfach magisch; Gänsehaut.

Bevor ich mich nun ganz in der Hysterie verliere komme ich mal zum Schluss. Vor drei Stunden habe ich "Die Nacht des Jägers" zum ersten Mal gesehen. Es ist ein Märchen, ein visuelles Goldstück. Hochspannend durch die Charaktere und einfach einzigartig. Ausserdem besitzt der Film eine tiefsinnige Symbolik, eine Symbolik über die Klugheit, die innere Kraft und die Anpassungsfähigkeit der Kinder.

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filmfan90

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Der britische Schauspieler Charles Laughton bebildert in seinem surrealistisch anmutenden Thriller „The Night of the Hunter“ die Flucht zweier Kinder vor einem geisteskranken Wanderpriester, der es auf das Geld und Leben der Geschwister abgesehen hat.
Während der Zeit der „Great Depression“ in West Virginia erschießt der Familienvater Ben Harper bei einem Banküberfall zwei Männer. Kurz bevor er von der Polizei verhaftet wird, gelingt es ihm, das geraubte Geld seinen beiden Kindern, Pearl und John, zu übergeben, welche ihm versprechen, niemandem etwas von der beträchtlichen Beute zu verraten. Im Gefängnis entlockt der doppelzüngige Pfarrer Harry Powell (Robert Mitchum), der wegen eines Autodiebstahls inhaftiert ist, dem zum Tode verurteilten Harper das Geheimnis um den Verbleib des gestohlenen Geldes. Nach seiner Entlassung macht sich Powell mit dem Vorhaben, das Geld der mittlerweile verwitweten Willa Harper (Shelley Winters) und ihrer Kinder zu erbeuten, auf den Weg zu der Familie. Schnell gewinnt der charmante Prediger das Vertrauen der ahnungslosen Mutter und schließlich heiraten sie. Als Willa allmählich erkennt, dass Powell ihre beiden Kinder massiv bedroht, um das Versteck, in dem sich das Geld befindet, zu erfahren, stellt sie ihren frisch angetrauten Ehemann zur Rede, woraufhin dieser sie ermordet. Die Geschwister können indes fliehen und treiben auf einem Boot den Ohio River entlang, bis sie schließlich bei der gutmütigen Rachel Cooper (Lilian Gish), die Waisenkinder in ihre Obhut nimmt, Unterschlupf finden. Doch Powell ist den beiden gefolgt…
Die Regiearbeit des Schauspielers Charles Laughton zeugt von dem Einfallsreichtum eines Debütfilms ohne die Schwächen eines solchen aufzuweisen: vor rätselhaften, pittoresken Kulissen, die an den expressionistischen Stummfilm der 1920er Jahre erinnern, kreiert Laughton eine absonderliche Symbiose aus Film noir und Horrorfilm.
Neben den glaubhaften Darbietungen der beiden Kinderschauspieler, Billy Chapin und Sally Jane Bruce, überzeugt vor allem Robert Mitchum in der Rolle des geisteskranken Pfarrers: umhüllt von schwarzer Kleidung und auf einem Schimmel reitend umgibt ihn eine Aura des Bösen. Weiterhin sind auf den Fingerrücken seiner linken Hand die Buchstaben H-A-T-E und auf die der rechten L-O-V-E tätowiert- all dies führt dazu, dass man die Figur des Harry Powell getrost zu den memorabelsten Verbrechern der Filmgeschichte zählen kann.
Der Kampf zwischen „Liebe“ und „Hass“, den Powell in einer Schlüsselszene des Films durch ein Händeringen versinnbildlicht, wird von Laughton zu einem inszenatorischen Merkmal seines Werkes erhoben, indem er gleißend hell gefilmte Landschaften bei Tag der nächtlichen Dunkelheit – d.h. derjenigen Tageszeit, zu der Powell zuschlägt – gegenüberstellt. Die brillante Schwarzweiß- Fotografie des Films, für die über die markante Lichtsetzung hinaus dynamische Montagen- so wird den friedlich in der Natur spielenden Kindern der bedrohlich voranpreschende Zug, in dem Powell zu Familie Harper reist, entgegengesetzt- charakteristisch sind, ist Kameramann Stanley Cortez, der übrigens auch mit anderen nonkonformistischen Regisseuren wie Welles oder Fuller zusammengearbeitet hat, zu verdanken.
Eine weitere Besonderheit von „The Night oft he Hunter“ besteht in der märchenhaften Diegese, die Laughton heraufbeschwört: ständig singen verschiedene Filmfiguren heitere Lieder, das Haus der Harpers erinnert gar an das Lebkuchenhaus aus Grimms Märchen, die vielen in Nahaufnahme gefilmten – und dadurch außerordentlich groß wirkenden - Tiere rufen Erinnerungen an die Landschaftsbeschreibungen in Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker „Alice in Wonderland“ wach und selbst die Leiche Willa Harpers treibt von bizarrer Schönheit umgeben auf dem Grund des Ohio. Doch zu jeder Zeit ist dem Zuschauer bewusst, dass „das Böse“ in Gestalt des Wanderpredigers diese scheinbare Idylle zu zerstören droht und hinter dem Geld und Leben zweier unschuldiger Heranwachsender her ist - durch diese Dualität entsteht eine überaus faszinierende Atmosphäre.
Und so ist es einzig das beschauliche Ende, das den ansonsten makellosen Gesamteindruck dieses visionären Thrillers, der Laughtons einzige Regiearbeit bleiben sollte, trübt...


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Timo K.

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Schöne Würdigung! :) Ich sollte mir den Film vielleicht noch einmal anschauen, denn beim ersten Mal hat er nicht so gezündet.


filmfan90

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Schade, dass er bei dir nicht den gleichen positiven Eindruck wie bei mir hinterlassen hat. Eine Zweitsichtung hat der Film jedenfalls verdient. :)


annaberlin

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Bewertung9.0Herausragend

The Night of the Hunter ist einer dieser Klassiker, die dich nie wieder loslassen. Die Parallelen zu Fritz Langs Eine Stadt sucht einen Mörder sind offenkundig, ganze Einstellungen wirken so, als ob Fritz Lang sie gedreht hätte, nehmen wir die Szenen, die aus der Augenhöhe des kleinen Jungen gedreht sind, in denen der Bösewicht übermenschlich groß wirkt, oder die Flussszenen oder diejenige, wo die Kinder im Schuppen schlafen und der Mörder auf dem Pferd am Horizont entlangreitet. Dass The Night of the Hunter damals ein Flop war, ist eine Schande, er gehört für mich zu den großartigsten Werken aus jener Zeit. Grimmiger Horrorthriller und Morality Tale zugleich, einziges Regiewerk eines brillanten Charakterdarstellers und wahrhaft expressionistisches Kunstwerk: The Night of the Hunter fasziniert durch seine Vielschichtigkeit. Einzig das Ende hätte nach meinem Geschmack anders ausfallen müssen und wirkt ein wenig so, als habe ein Produzent Weihnachten erzwingen wollen.

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Filmkenner77

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Der Monolog der Frau am Ende. So ungefähr: "Man muss auf die Kinder aufpassen" (oder so ähnlich). Und der Mob, der den Wanderprediger lynchen möchte.


KonTaicho

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Heißt dass, dass wenn ich "M" scheiße fand, den automatisch auch nicht mögen werde?^^


Le Samourai

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Bewertung9.0Herausragend

Die einzige Regiearbeit des Schauspielers Charles Laughton (unvergesslich als Sir Wilfried in Billy Wilders "Witness for the Prosecution") zeichnet sich durch seine expressionistisch-surreale Inszenierung aus und ist für mich einer der eindrucksvollsten und außergewöhnlichsten Film Noirs aller Zeiten. Robert Mitchum mimt den Wolf im Schafspelz mit beeindruckender Böshaftigkeit und präsentiert uns einen der unvergesslichsten Bösewichte der Filmgeschichte.
Damals - aufgrund der Thematik und Inszenierung - ein Kinoflop, heute Pflichtprogramm für alle Cineasten.

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Andy Dufresne

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Mit das beste (Film)Onehitwonder Ever!


Harry Powell

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Bewertung9.5Herausragend

Ein sehr spannender und fesselnder Film der seine Aufmerkamkeit aus den Düsteren Bildern und der unheilvollen Musik zieht die sogar noch besser ist als die von Psycho. Auch ist Robert Mitchums Darstellung als Skrupeloser Prediger einmalig und wurde seitdem oft kopiert aber nie erreicht. Dieser Film ist ein mehr als beklemmender Alptraum und hat es verdient ein Klassiker zu werden!

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