Die Spielregel

La Règle du jeu (1939), FR
Laufzeit 110 Minuten, Komödie, Drama

8.6 Kritiker
5 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.1 Community
129 Bewertungen
4 Kommentare
Die Spielregel - Bild 43146
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von Jean Renoir, mit Nora Gregor und Paulette Dubost

Der Pilot André Jurieux ist unendlich enttäuscht, als nach einem Transatlantikflug Christine de la Cheyniest, die Frau für die er geflogen ist, nicht auf ihn wartet. Octave, ein Freund von André und Christine, überredet Robert, den Mann von Christine, den Flughelden auf ein Jagdwochenende mit der feinen Pariser Gesellschaft einzuladen. Während dieses Wochenendes entwickelt sich ein munteres Liebestreiben, bei dem die Spielregeln jedoch nicht gebrochen werden dürfen.

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Kommentare (4) — Film: Die Spielregel

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Sigrun

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Bewertung10.0Herausragend

Endlich habe ich den Film auf DVD. Das British Film Institute (bfi) hat sich um eine sehr gute Edition bemüht: http://filmstore.bfi.org.uk/acatalog/info_82.html
Dieser Film ist sozusagen die "Mutter" aller Filme, die auf verschiedenen Ebenen spielen! Und nach LA GRANDE ILLUSION mein zweitliebster Renoir.

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Jack_Torrance

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Der Film erinnert extrem an Altmans "Gosford Park": die Feten, die vielen Gäste, die Jagden, die großbürgerliche Fassade... Dabei haben beide Filme im Grunde genommen die selbe Botschaft: Der Versuch die Fassade beizubehalten ist anhand menschlicher Empfindungen und Gefühlen pietätslos. Renoirs Film ist aber insofern gelungener, dass er sie in satirischer Form entlarvt und somit ihre Widerwärtigkeit noch deutlicher macht. Dabei gelingt es dem Film trotz der Personenfülle den Überblick zu bewahren, woran "Gosford Park" hingegen scheitert.
Hierbei werden die gesellschaftlichen Regeln umso deutlicher eingefangen: die pinkefeine Kleidung; das übertrieben höfliche Verhalten; die Schönrederei; in Ohnmacht fallende Frauen, die Zeugen einer Schlägerei werden, die aber mehr einem kindlichem Gezanke gleicht usw.
Symptomatisch dafür steht eine Szene, in der nach einem tödlichem Vorfall drei Frauen über eine Brücke gehen. Eine von denen ist kurz davor in Tränen auszubrechen, eine andere aber flüstert ihr zu: "Hör auf damit ! Man sieht uns." Die menschlichen Gefühle müssen verborgen werden, damit man "gut aussieht". Das ist die Hauptregel des im Titel genannten "Spieles".

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Ripley1

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Warum ist das Dienstmädchen eine unwichtige Figur? Es ist doch gerade besonders amüsant, wie sich die Herrschaft auf der Ebene des Dienstpersonals spiegelt. Besonders amüsant: der Schauspieler, der sich "einschmuggelt".


Jack_Torrance

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Beispielsweise die Figur des Schauspielers ist gelungen. Die Idee die Bourgeoisie auf der Ebene des Dienstpersonals zu zeigen ebenfalls. Die Entscheidung aber die Figur des Dienstmädchens in den Vordergrund zu rücken raubt dem Film jeglichen Biss.


8martin

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Bewertung6.0Ganz gut

Dieses Portrait einer Gesellschaft ist, obwohl von 1939, immer noch ziemlich aktuell. Wir sehen das Ende der Aristokratie vor dem 1. Weltkrieg mit der typischen Zweiklassengesellschaft, wobei Machtart und Teile der langen Dialoge des Klassikers heute noch ihre Berechtigung haben. Stellenweise screwball comedy, dann wieder auch Verwechslungskomödie führen alle Beteiligten zu größeren Erkenntnissen über sich selbst. Loyalität der Domestiken ist ebenso selbstverständlich wie ehrenrührige Prügeleien der hohen Herren. Die Rolle, die Regisseur Renoir hier spielt, bringt am Ende sogar noch eine überraschende Wende mit fatalen Folgen. Zuvor gab es mehrfach Grund zum Schmunzeln bei dem ewigen Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Es gelten bei der Jagd wie in der Gesellschaft allgemein gewisse Regeln. Sie bieten Schutz und dienen der standesgemäßen Selbstbehauptung. So ist wohl auch das Ende zu verstehen.

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Joe Gillis

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Bitterböse comédie de mœurs über Menschen, die wie entseelte Automaten der sozialen »Spielregel« folgen. Wer sich entzieht, springt über die Klinge. Wie der alte Fontane, so beschreibt auch Jean Renoir den Mechanismus einer Gesellschaft, die funktioniert wie eine »alte Maschine, deren Räderwerk tot weiterklappert« – und mixt dabei virtuos die filmischen Mittel von der Reportage bis zur Burleske. Die tour de farce durch die Gemütslagen der Protagonisten beginnt als Salonstück, nimmt einen Umweg über die Commedia dell’arte und endet tödlich: Der einzig Aufrichtige stirbt wie ein Hase bei der Treibjagd. C’est la vie.

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