Eine Fatale Entscheidung - Le Petit Lieutenant

Le Petit Lieutenant (2005), FR
Laufzeit 115 Minuten, FSK 12, Kriminalfilm, Drama, Kinostart 06.07.2006

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von Xavier Beauvois, mit Nathalie Baye und Jalil Lespert

Nach Abschluss der Polizeischule fängt Antoine begeistert bei der Pariser Kriminalpolizei an. Er ist in der Einheit von Caroline Vaudieu, die nach zwei Jahren Pause und einer Alkoholentziehungskur nichts von ihrer Anerkennung bei den Kollegen verloren hat. Während sie gemeinsam an der Aufklärung eines Mordes an einem polnischen Obdachlosen arbeiten, lernt Caroline die Fähigkeiten von Antoine schätzen, fühlt sich aber auch an ihren verstorbenen Sohn erinnert. Als Antoine und sein Kollege Louis auf der Suche nach einem russischen Verdächtigen eine Obdachlosenunterkunft kontrollieren, treffen sie eine fatale Entscheidung.

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Kritiken (5) — Film: Eine Fatale Entscheidung - Le Petit Lieutenant

Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter

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6.5Ganz gut

Eine fatale Entscheidung" steht in der grandiosen Tradition des französischen Polizeifilms. Jean Gabin, Lino Ventura, Alain Delon – die Bilder der knorrigen Filmhelden zieren die Amtsstuben, ein schöner Verweis auf die Wechselwirkungen von Kino und Wirklichkeit. Regisseur Xavier Beauvois ist jedoch mehr am schnöden Polizeialltag interessiert und hat zur Recherche Monate bei der Kripo verbracht. Echte Polizisten und echte Obdachlose spielen auch mit. Eigentliches Thema ist nicht die Verbrecherjagd, sondern der Alkoholismus als gesellschaftliches Problem, für Beauvois logische Konsequenz stumpfsinniger Arbeit, nicht nur bei der Polizei. Die gestandene Schauspielerin Nathalie Baye spielt großartig die Kommissarin, immer hart an der Grenze zum Rückfall.

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Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten

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6.0Ganz gut

Das Prunkstück aber ist Nathalie Baye als Kommissarin, die eigentlich im Zentrum der Handlung stehen müsste - und das ist Beauvois" größtes Problem: Das Drehbuch verzettelt sich zwischen zwei Hauptfiguren, kann sich nicht für eine entscheiden. Gleiches gilt fürs Genre, denn je mehr die fein entwickelten persönlichen Dramen der Figuren in den Vordergrund rücken, je deutlicher sich eine Tragödie abzeichnet, desto mehr verliert der Film seinen leichten Ton, gerät die Krimihandlung ins Stocken.

Warum der Film überhaupt ins Kino soll, ist ebenfalls unklar: Er sieht eher aus wie ein sehr gut gemachter "Tatort"-Krimi auf Französisch, bleibt also bei den Menschen, hat kaum große Bilder zu bieten und verzichtet auf Musik. Im Fernsehen wäre er bestens aufgehoben.

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Gerhard Midding: Berliner Zeitung, epd Film,... Gerhard Midding: Berliner Zeitung, epd Film,...

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7.5Sehenswert

Der Film schildert die schleppend vorangehende Ermittlung mit einer Nüchternheit, die sich indes selten im Gestus des Dokumentarischen erschöpft. Immer wieder gibt es Leerstellen im Bild, die sich nicht dramaturgisch füllen lassen. Beauvois pariert diese Nüchternheit mit einer religiösen Metaphorik, die schon seine früheren Filme stets etwas großspurig erschienen ließ.

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Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin... Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin...

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9.5Herausragend

Bestechend an LE PETIT LIEUTENANT ist die Unaufgeregtheit des Films, die Lakonie und Präzision, mit der er seinen Figuren folgt, voller Neugier und Liebe, auch für ihre Verletzlichkeit. Das Fazit, dass auch Polizisten nur Menschen sind, mag nicht originell sein - so wie man es hier emotional erleben kann, ist es aber ein besonderes, leider seltenes Stück großes Kino.

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Jörg von Grass: filminformer.de; stadtmagaz...

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8.5Ausgezeichnet

Dieser gnadenlose Blick hinter die löchrigen Kulissen der Pariser Polizeiarbeit vereint einfach alles: Charakterstudien, Gesellschaftskritik, Dokudrama und Einzeltragödie. Beauvois legt in dieser Erzählung von vornherein die Strategien des Dramas offen...

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Kommentare (3) — Film: Eine Fatale Entscheidung - Le Petit Lieutenant

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Roka586

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Bewertung5.0Geht so

Le petit Lieutenant möchte kein Blockbuster sein, sondern einen realistischen Eindruck von der Arbeit der Polizei vermitteln. Ein junger Polizist, der gerade von der Polizeischule kommt und nun seinen ersten Job bei der Mordkommission in Paris antritt, ermittelt mit seinen Kollegen unter der Führung einer erfahrenen Ermittlerin, die selbst erst nach 3 jähriger Pause wegen Alkoholproblemen zurückgekehrt ist.
Nach einem gelungenen Einstieg offenbaren sich mit zunehmender Spieldauer jedoch mehr und mehr Schwächen in der Umsetzung des Konzeptes. Es macht den Eindruck, als wenn der Regiesseur von der Stärke der Geschichte nicht so überzeugt ist, als dass die Darstellung von Verhaftungen, Verhören und Oberservationen, kurzum der eigentlichen Polizeiarbeit, den Film tragen kann. Oft wird sie nur gestreift oder zu schnell abgehandelt. Und mit zunehmender Spieldauer rückt das Schicksal der Hauptkommissarin mit ihren Alkoholproblemen und deren Verarbeitung zunehmend in den Mittelpunkt. Es entwickelt sich ein Drama/eine Charakterstudie, die wenig mit dem Auftakt und der Idee des Filmes zu tun hat. Da ist es folgerichtig, aber genauso unpassend, dass die Kommissarin selbst im Finale die entscheidende Rolle spielen muss und das Ende gerade kein Abbild typischer Polizeiabläufe ist. Auch dass im gesamten Film auf Musik verzichtet und lediglich die Geräusche der Umgebung des Geschehens zu hören sind, stellt den Versuch dar eine Authenzität wiederzuspiegeln, die nur zu Beginn des Filmes auch wirklich vorhanden ist.
Letztlich stellt sich also die Frage nach dem Mehrwert oder dem Besonderen des Filmes. Vor allem Nathalie Baye spielt ihre Rolle brillant. Der Film hat auch immer wieder seine genialen Momente und ist keineswegs schlecht. Aufgrund der Preisgabe seines Konzeptes ist der Film am Ende aber weder Fisch noch Fleisch, kein realistischer Polizeithriller und auch keine komplexe Charakterstudie und damit allenfalls Durchschnitt.

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8martin

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Bewertung6.0Ganz gut

Es ging hier dem Regisseur wohl nicht um einen echten Krimi, sondern um die Darstellung des gewöhnlichen Alltags der Kripo. Daher ist es auch nicht spannend. Man sieht die teilweise monotone Arbeitsweise der Polizei, die sich aber von jetzt auf gleich in eine gefährliche Situation verwandeln kann. Es erfordert nicht nur ständig physische und mentale Präsenz, sondern auch Selbstbeherrschung und oft ein besonnenes Vorgehen. Auch der persönliche Hintergrund der beiden Hauptfiguren wird nur gestreift. Der ’kleine Leutnant’ wie ihn die Kommissarin nennt, ist verheiratet mit einer Lehrerin aus Le Havre (Wochenend-Ehe) und auch die Besuche der Kommissarin (Nathalie Baye) bei den Anonymen Alkoholikern werden nur kurz eingeblendet. Man merkt deutlich den Unterschied zu Hollywood. Kein Glamour, nichts Spektakuläres passiert, halt wie im normalen Leben.

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Geistertexter

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der Film beginnt mit der Geschichte eines jungen, ambitionierten Polizisten, der aus Le Havre nach Paris versetzt wird, dort aber nach nicht einmal einem Monat im Dienst ermordet wird und endet mit dem Bild einer einsamen, am Strand spazieren gehenden Frau, seiner Chefin, die in ihm den verstorbenen Sohn suchte. Ein großer Bogen in einem großartigen Film, sehr sachlich erzählt und doch überaus empfindsam dank der brillianten Darsteller, allen voran Nathalie Baye.

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