Pornografie und Holocaust

Stalags (2008),
Laufzeit 63 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 30.12.2010

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7.7 Kritiker
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von Ari Libsker,

Dokumentation über die Anfang der Sechzigerjahre in Israel populären Erotik-Taschenbücher. In denen vergnügen sich SS-Frauen mit KZ-Häftlingen. Regisseur Ari Libsker beleuchtet Psychologie und Geschichte des Phänomens. Nach dem enormen Erfolg des Taschenbuchs Stalag 13, welches zur Zeit des Eichmann Prozesses in Israel erscheint, entwickeln sich die reisserischen Sex-Heftchen schnell zu einem modernen Massenphänomen. Neben Kommentaren von Verlegern, Autoren und Journalisten, ist die Dokumentation mit seltenen Archivbildern gespickt.


Cast & Crew


Kritiken (2) — Film: Pornografie und Holocaust

Stefanie Zobl: Fluter Stefanie Zobl: Fluter

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8.0Ausgezeichnet

Der Dokumentarfilm des israelischen Regisseurs Ari Libsker zeigt einen Ausschnitt aus der Geschichte, das Unvermögen, das Geschehene angemessen zu verarbeiten, sowie die sexualisierte, schwer pervertierte Form der Opfer-Täter-Beziehung, die es bekanntermaßen gab, die aber nur ein Aspekt von vielen war [...] - erschütternd und verstörend.

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Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info... Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info...

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7.5Sehenswert

Der 63-minütige Film erliegt nicht der Versuchung, [...] simple Antworten zu suchen; stattdessen umkreist er rekonstruierend und analysierend das Phänomen und versammelt eine Vielzahl an Aspekten: biografische Verarbeitungsstrategien der Autoren, die meist eine direkte Verbindung zum Holocaust hatten; die im Plot begründete Wiederaneignung viriler Wehrhaftigkeit; der schillernde sadomasochistische Komplex und seine Deutung als sexuell aufgeladene Identifikation mit den Tätern. Historisch kommen wohl auch Schuldgefühle jener Israelis hinzu, die schon vor und während des Zweiten Weltkriegs in Palästina lebten und den Überlebenden der Shoah bis dahin mit Ignoranz oder Hochmut begegnet waren: Warum ließen sich die europäischen Juden auch wie Lämmer zur Schlachtbank führen und wanderten nicht rechtzeitig nach Israel aus?
Libsker geht es dabei nicht allein um eine historiografische Aufarbeitung, sondern im Kern um die in seinen Augen fortdauernde „Pornografisierung des Holocaust“.

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BigDi

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Geschichte als Wichsvorlage. In seiner eigentlich ganz schlicht "Stalags" betitelten, aber für den deutschen Markt mit einem absoluten in-your-face-Titel versehenen Dokumentation erzählt Ari Libsker von billigen Sado-Maso-Romanen im Kontext des Dritten Reiches und der Gefangenenlager und lässt dabei zahlreiche Zeitzeugen und Kenner zu Wort kommen, deren Worte so schnell nicht vergessen sind: Ein Sammler der "Stalags", welcher es den Deutschen heimzahlt, indem er mit deutschen Frauen Sex hat, ein mit den Heftchen durch die Pubertät (wohl buchstäblich) gekommener Mann, der darüber philosophiert, wieso gerade Literatur in dem Alter erregend wirkt und wieso deutsche SS-Dominas ganz besonders, einer der Autoren der auf "reale Geschichten von Gefangenen im Zweiten Weltkrieg"-Stil getrimmten Bücher, welcher seit seiner Kindheit die Last des Holocaust durch seine Mutter täglich auf psychischer Ebene um die Ohren gehauen bekam und das öffentliche Beschweigen des Themas durch seine Texte mit durchbrach. Dem immer gleichen Aufbau folgend - englischer oder amerikanischer Soldat gelangt in Gefangenschaft, wird von vollbusigen deutschen Nationalsozialistinnen in Uniform gequält und vergewaltigt und schlägt am Ende brutal zurück - vermengten die "Stalags" latente Rachefantasien mit der Faszination des Sadomasochismus und ließen nicht nur die israelische Jugend sich indirekt einen zu den Qualen ihrer Eltern runterholen, sondern stellten die zu dieser Zeit quasi einzige öffentliche Auseinandersetzung mit dem höchst ungemütlichen Thema dar.

Dazu noch Einblicke in die Reaktion der Bevölkerung auf die Überlebenden (Männer = Kapos, Frauen = Huren; wie hätten sie sonst überleben können?) und ein beim Eichmann-Prozess sich auf dem Boden krümmender Yehiel Denur, welcher als "K-Zetnik" noch vor den "Stalags" von Sex im Holocaust in seinen Büchern schrieb, welche heute noch bei Auschwitz-Führungen als sichere Quelle zitiert werden - egal, wie laut eine interviewte Historikerin seine Schriften als Lügen zu verdammen versucht. Und da gibt es noch mehr zu hören, was einen ungläubig dreinschauen lässt, wenn sich ein politisches mit einem moralischen Tabu paart und "Sex und Gewalt" auf einer ganz krassen Ebene zur leitenden Parole macht.
"Pornografie und Holocaust" ist ein morbider und faszinierender Blick auf eine Reflexion des Holocaust, welche fast so absurd ist wie dieser selbst - und damit jedem Freund von geschichtlichen und geschichtsreflektierenden Kontoversen ans Herz gelegt.

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stuforcedyou

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vorgemerkt

Mein Weihnachtsfilm des Jahres.

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