The Act of Killing

The Act of Killing (2012), DK/GB/NO Laufzeit 122 Minuten, FSK 16, Dokumentarfilm, Kinostart 14.11.2013


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8.1
Kritiker
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8.2
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55 Kommentare
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von Joshua Oppenheimer

The Act of Killing ist eine Dokumentation über drei Männer, die in den 60er Jahren Mitglieder einer indonesischen Todesschwadron waren und heute als Helden gefeiert werden.

Handlung von The Act of Killing
Medan, Indonesien: Die Kleinganoven Anwar Congo und seine Freunde werden durch die politischen Umbrüche im Jahr 1965 zu Mitgliedern einer paramilitärischen Gruppe, die Kommunisten, Menschen chinesischer Herkunft und Intellektuelle tötet. Die Dokumentation The Act of Killing zeigt uns Killer, die heute zu den Gewinnern zählen, und die Gesellschaft, die sie selbst mit prägten. Sie wurden nicht in die Illegalität gezwungen, behielten ihre Macht bei und schrieben selbst Geschichte. So wurden sie schließlich zu Rollenvorbildern für junge Mitglieder der paramilitärischen Einheiten.

Um sich dem Selbstbild dieser stolzen Killer zu nähern und sie subversiv zu einer Auseinandersetzung mit ihren Taten zu bewegen, macht ihnen Regisseur Joshua Oppenheimer ein Angebot: Um auch künftige Generationen an ihre Heldentaten zu erinnern, sollen die Ex-Milizen ihre Taten filmisch nachstellen – und sich dabei genau so in Szene setzen, wie sie selbst wollen. Sie stimmen begeistert zu, schließlich sind sie alle große Fans des Hollywood-Kinos.

Hintergrund & Infos zu The Act of Killing
Der texanische Regisseur Joshua Oppenheimer hat Erfahrung mit den Themen von Miliz, Todesschwadronen und den Menschen, die unter ihnen leiden. Er erforschte über zehn Jahre lang die Zusammenhänge von politisch motivierter Gewalt und kollektiver Vorstellung und kam dabei immer wieder mit Mördern in Kontakt, sie sich ohne Reue ihrer Taten brüstete. Aus dieser intensiven Beschäftigung erwuchs das Dokumentarfilm-Projekt The Act of Killing. Mit The Look of Silence soll 2014 eine weitere Dokumentation des Regisseurs folgen, die sich dann jedoch den Opfern des Genozids widmet.

2014 wurde The Act of Killing für den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert. Die begehrte Auszeichnung ging jedoch an 20 Feet from Stardom.

The Act of Killing ist in mehreren Fassungen erschienen. Es gibt die (US-)Kinoversion (ca. 122 Minuten), den Dircetor’s Cut (ca. 159 Minuten) und im deutschen Fernsehen wurde zudem eine 90-minütige Fassung des Films ausgestrahlt. (ST)

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Kommentare (54) — Film: The Act of Killing


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Selcarnor

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

»Gangster means free men.«

>The Act of Killing<. Grotesk bis zum letzten Satz und bis zur letzen Szene und ein durchaus triftiger Grund die letzte Hoffnung in die menschliche Spezies zu verlieren.
Jahrzehnte nach den Massenmorden in Indonesien zeigt diese Doku die einstigen Mörder. Man sieht ihr Privatleben, erfährt ihre Meinungen und sie erzählen ihre Geschichten wie sie damals Kommunisten und Chinesen gejagt, gefoltert und getötet haben.
Es ist also nichts was man gucken sollte, wenn die momentane Laune einen Rekorddepressionstiefpunkt erreicht hat, nur als kleiner Hinweis.
Im Laufe des Films sieht man immer mehr und mehr die Fassaden die diese Männer aufgebaut haben um ihre Taten von damals rechtzufertigen oder zumindest kein schlechtes Gewissen zu haben. Manches davon baut noch auf den Hass auf, den sie damals eingetrichtert bekamen und nicht wenige sind bis heute überzeugt, dass sie die Guten waren, sie das richtige getan haben und es notwendig war die Kommunisten »auszurotten«.
Dabei wird dann immer klarer, dass dies hier keine politische Dokumentation über einen innerlich schon immer verrotteten Staat ist, sondern über den Menschen an sich.
Teilweise findet man die Männer hier drin kurzzeitig sympathisch, schrullig und sogar witzig – bis sie dann locker und scherzhaft von der nächste Grausamkeit berichten die sie damals begannen haben.
Man sollte sich auch keine Illusion geben. Keiner dieser Leute wird bis heute in Indonesien wirklich als Verbrecher behandelt (sondern dafür oft genug als Held gefeiert) und werden wahrscheinlich bis zum Ende ihres Lebens sich nicht vor einem Gericht verantworten müssen.
Wie sagte jemand in dem Film: »Moral ist subjektiv.« Wenn ich davon überzeugt bin das Richtige getan zu haben und auch genug andere davon überzeugt sind, dann habe ich nichts wofür ich mich schämen muss. Es war dann richtig. Punkt.
Weiteres Beispiel: »Die Sieger bestimmen was Kriegsverbrechen waren. Und wir haben gewonnen.«
>The Act of Killing< kann wütend machen. >The Act of Killing< kann entsetzen. >The Act of Killing< kann zu ungläubigen Kopfschütteln führen. Doch für mich zeigte >The Act of Killing< nur wie gebrechlich unsere Gesellschaft und unser Leben ist und wie formbar unser Sinn nach Gerechtigkeit ist – da nicht von der Natur vorgegeben, sondern von uns bestimmt.
Klar war ich geschockt, doch vor allem war ich einfach nur traurig. Mir taten die Opfer leid und mir tun zum Teil auch sogar die Täter leid, die eindeutig bis heute gezeichnet sind. Und einen kleinen Tropfen von dem, was man allgemein Menschlichkeit nennt, konnte ich sogar auch entdecken.

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Miike

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Bewertung9.0Herausragend

Für einen Menschen, welcher nur halbwegs über ein wenig Empathie verfügt und sich die dargestellten Grausamkeiten, welche als Schauspiel von den Tätern selbst inszeniert werden, vorstellen kann..... ist diese Dokumentation in all seiner Offenheit kaum zu ertragen... selten war ich so nah dran einen Film abzubrechen, weil er mir körperliches Unbehagen bereitet hat. Ob nun die unfassbare Gleichgültigkeit und der Stolz der Protagonisten des indonesischen Genozids oder die maßlose Brutalität mit welcher vorgegangen wurde. Ich mag mir nicht vorstellen wie Oppenheimer und seine Filmcrew, gerade am Anfang des Drehs, dies ertragen konnten. Es gab nie eine Entschuldigung ....... nie Selbstreflexion..... kein Bedauern, über das was vor 50 Jahren geschah. So wie es zumindest, durch einige hochrangige Politiker Indonesiens kommuniziert wird, ist dieser Massenmord nichts was man leugnen müsste, geschweige denn dafür Reue zeigen müsste. Erst durch die Tatsache, dass Angwar und seine Kumpane sich einem Film, welchen sie über die damaligen Geschehnisse drehen sollen und sich dabei häufig selbst in die Lage ihrer Opfer begeben und so deren Leiden nachspielen und empfinden müssen, werden sie quasi zur Selbstreflexion gezwungen. The Act of Killing ist nur schwer einzuordnen... man sollte ihn gesehen haben, um zu begreifen wie zerbrechlich Moral und Ethik sein kann, wie leicht man Opfer von Propaganda und der Entmenschlichung wird... einfache Regungen wie Mitgefühl werden durch ein ideologisches Weltbild ersetzt, welches seinem Gegner jegliche Eigenschaft eines Menschen abspricht und so das Morden vereinfacht. Die Täter haben jede Eigenverantwortung verworfen und doch müssen sie am Ende des Film einsehen, was sie getan haben.

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spricko

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Bewertung9.0Herausragend

Die tiefsten Abgründe auf diesem Planeten sind die der menschlichen Seele...der Film zeigt dies äußerst eindrucksvoll.

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Misch81

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Bewertung9.0Herausragend

Der Film (DC) kann derzeit im Rahmen eines kostenlosen Probemonats auf Netflix angesehen werden.

So habe ich den endlich auch mal gesehen. :)

Hätte Deutschland den WW2 gewonnen und man hätte knapp 50 Jahre später eine Doku mit Lagerkommandanten der Vernichtungslager gemacht, in der sie die Ermordung der Juden mit Cowboyhüten nachspielen sollen, wäre wahrscheinlich nahezu der gleiche Film dabei herausgekommen.
Ein wunderbares Beispiel dafür, dass Moral niemals gut oder schlecht sein kann, sondern immer abhängig vom jeweiligen Kontext ist, in dem die Akteure agieren.
Ein Plädoyer, nicht nach Beispielen, sondern nach Vernunftgründen zu leben, wie es schon Seneca d. J. empfahl:

"Folgen wir nicht, wie das Herdenvieh, der Schar der Vorangehenden! Wandern wir nicht, wo gegangen wird, anstatt auf dem Wege, den man gehen soll! Nichts bringt uns in größere Übel, als wenn wir uns nach dem Gerede der Leute richten, für das Beste halten, was allgemein angenommen wird, nicht nach Vernunftgründen, sondern nach Beispielen leben."
(Lucius Annaeus Seneca der Jügere, De vita beata, I, 3)

Ich empfinde nicht einmal Zorn in Hinblick auf die Schlächter, da sie durch ihr ideologisch verseuchtes Umfeld mittlerweile so stumpf geworden sind, dass ich ihnen gar keine menschliche Verantwortung mehr in Hinblick auf ihr Handeln beimessen kann.
Im Rahmen der pervertierten Gesellschaft, in der sie leben, haben sie moralisch sogar einwandfrei gehandelt.

Da der Zynismusgrad mit wachsendem "Jahres-Count" auf der Uhr ja bekanntlich wächst, so auch bei mir, konnte ich mir an gewissen Stellen auch einfach nicht ein leichtes Schmunzeln verkneifen. Nicht, da das Gesehene lustig ist oder auf irgendeine Weise erheiternd, sondern da lachen immer die bessere Wahl ist, wenn man lachen oder weinen könnte.

So ist es bspw. vollkommen absurd, dass der Begriff "Gangster" unter dem Regime absolut positiv besetzt ist, was wohl in der Zivilisationsgeschichte ein Alleinstellungsmerkmal darstellen sollte. Zumindest ist mir nichts in dieser Richtung bekannt. Selbst die menschenfeindlichsten Regimes, haben Kriminalität innerhalb der Zivilgesellschaft immer verachtet und geahndet, da sie die Authorität ihres Machtmonopols gefährdet sahen.
Hier ist das in keiner Weise so. "Gangster" werden vom Regime gefördert und an mehreren Stellen wird betont, wie wichtig die Gangster für den Aufschwung der indonesischen Gesellschaft seien.
Das Regime kooperiert also ganz offen mit den mafiösen Strukturen innerhalb des Landes und sieht das organisierte Verbrechen als einen Stützpfeiler der indonesischen Gesellschaft und im Kampf gegen den Kommunismus.
Auch so ein weiteres absurdes Ding:
Man meint immer noch gegen den Kommunismus kämpfen zu müssen. Ok, aufgrund einer geographischen Nähe zu China, was ja aber mit Kommunismus ansich mal rein gar nichts mehr zu tun hat, wäre das vielleicht noch nachzuvollziehen.
Allerdings zeichnet sich hier ganz klar ab, dass Indonesien seinerzeit von den USA kulturell indoktriniert wurde, um als ein Vasall im Kampf gegen den Kommunismus eingespannt werden zu können.
So sind die Leitbilder der Schlächter Filme mit John Wayne und das ganze "Gangster-Gehabe" haben sie aus Mafia-Epen gezogen, was dann Teil ihrer Alltagskultur wurde und immer noch ist - und das ohne jegliche Abstraktion von Fiktion.
Warum fühlen sich die USA dort eigentlich nicht angefegt, das indonesische Volk von diesem Regime zu befreien, zumal sie erhebliche Verantwortung an dieser Entwicklung haben?
Ja, ok ist ne rhetorische Frage...

Ich habe zunächst überlegt, ob das ne "10" ist, bin dann aber doch lieber bei der "9" geblieben.
Eine 10 kann mich zwar auch negativ faszinieren, allerdings möchte ich eine gewisse Wiedersehlust haben und ich glaube nicht, dass ich mir "The Act of Killing" noch einmal ansehen werde. Vielleicht in einigen Jahren noch einmal, aber eine Sichtung reicht mir zunächst allemal.
Diese eine Sichtung kann ich aber jedem nur an's Herz legen.
Eine großartige Dokumentation, die tatsächlich vollends damit auskommt, Fleischstücke auszulegen, das darauf Folgende dann zu filmen und auf nahezu jeden wertenden Kommentar zu verzichten.

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gassifan2410

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Bewertung7.0Sehenswert

Eindringlich in jedem Fall!
Aber sonst? Naja, hatte wohl zu hohe Erwartungen...
Dennoch verdient Regisseur Oppenheimer meinen Respekt, sowas würde sich mit Sicherheit kein anderer trauen.

PS: Es ist komplett der Wahnsinn, wie oft das Wort Anonymous im Abspann steht...

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cronic

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der verfickte Directors Cut geht fast 3 Stunden. Faszinierende und absurde Dokumentation

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quastenflosser

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Bewertung7.0Sehenswert

Unglaublich und erstaunlich trifft das ganze wohl ganz gut. Braucht ein paar Tage bis man den verdaut hat aber lohnt sich auf jeden Fall.

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Johannes Jarchow

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Bewertung5.0Geht so

Fans dieses Films gefiel auch: NYMPHOMANIAC. Is klar... -.-

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AlexanderDeLarge

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Anscheinend ist nur dir klar was du damit meinst!?


dbeutner

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

"Oh Josh, that was intense!" (Frei nach Kirsten Dunst zu LvT nach der Cannes-PK zu Melancholia.)

OK, meine Einleitung erscheint ein bisschen zynisch-humorig, aber ist keineswegs nur ein Wortspiel. Denn wenn Lars von Trier in Cannes "sympathy" mit Adolf Hitler formuliert, ist das eigentlich etwas ganz Wichtiges (will die Diskussion gar nicht wieder aufkochen, hier dennoch der Hinweis, dass "Sympathie" im Deutschen ein - bzgl. des Wortstamms - falsch gebrauchtes Wort ist und daher auch nicht so übersetzt werden sollte/kann).

Es ist die Frage nach der Auseinandersetzung mit Tätern, mit ihren Vorstellungswelten, in der das, was sie tun, gar nicht so falsch zu sein scheint. Korrigieren muss ich mich insofern, als dass es noch einen Unterschied macht, ob man die politischen Täter (im Falle Indonesiens also: Suharto) oder die ge-/missbrauchte Masse an Exekutivtätern in den Blick nimmt.

Letzteres macht "The Act of Killing", und das auf so erschreckende wie zugleich Horizont-erweiternde Weise. Die Dokumentation zeigt ein System mit Wertmaßstäben, die "uns" - zur Zeit - völlig fremd sind, und doch erinnern wir uns, dass gerade in Deutschland der organisierte Massenmord allseits gebilligt war; Menschen(leben) als solche zählen keineswegs etwas von vornherein.

Und so drastisch und eindringlich viele Szenen der Dokumentation sind - etwa der Zeitungsreporter, der nie etwas mitbekommen haben will, und 40 Jahre später nun erklärt, dass er nun in den Reenactments sehe, wie geschmeidig und reibungslos das Töten vor sich ging (in ehrfürchtig-bewunderndem Ton!) - wir erkennen alles wieder: Die, die nichts wissen wollen, aber auch nicht aufbegehren; verständlich, aber auch die leben dann ihre Lebenslüge weiterhin fort, davon kann hier ein ganzes Land berichten.

Es ist also weniger das Böse als solches, welches erschrecken sollte. Wer sich davon erschrecken lässt, muss sich - als "deutscher Erwachsener" - wirklich vorwerfen lassen, sich bisher mit solchen Fragen nicht im Ansatz ausreichend auseinandergesetzt zu haben (dennoch gut, wenn es irgendwann beginnt; fraglich aber, wenn die Bereitschaft zu einer solchen Auseinandersetzung (nur) dann vorhanden ist, wenn man gaaaaanz weit nach Südosten schauen muss - dann besteht schon wieder der Verdacht des wohlgefälligen Voyeurismus, der das Böse weit weg, niemals aber um die Ecke sieht / sehen will).

Horizont-erweiternd - und in der Anlage eher grundpessimistisch - ist aber der Blick auf einen bizarren Zustand eines Landes, in dem Korruption, gewaltbereites Patriarchat und die Geschichte eines Massenmords nicht etwa Eckdaten wären, die man öffentlich eher zu kaschieren versucht. Sondern man hat sich so fest eingerichtet, dass man die Erpressung chinesischer Händler filmen lässt, man kommt nicht einmal auf die Idee, dass einem das später schaden könnte; man schwadroniert über Vergewaltigungen und wie klasse es ist, wenn man dabei eine 14-jährige erwischte - zustimmend-erinnerndes Geraune aller Anwesenden. Und man erzählt über die Morde, die letztlich relativ abstrakt bleiben, da das Reenactment vor allem ja (innere) Täterperspektive zeigt. Gerade vor diesem Punkt bin ich mehr als dankbar, dass dieses Jahr mit "The Look of Silence" auch die Opferperspektive manifestiert wird; erst dadurch werden beide Dokumentationen zusammen ihre volle Wucht (und Würde) entfalten können.

Aber es gibt auch einen kleinen Optimismus. Mit Anwar sehen wir einen Menschen, der, losgelöst von jedem Bezug zum Massenmord, tendenziell sympathisch wirkt, etwas verschroben, ganz süß eigentlich, mit - ja - liebevollen Anlagen. Und so wundert es nicht sooo sehr, dass dieser Mensch im Laufe der Zeit und der Auseinandersetzung mit seinen Taten - Alpträume haben ihn schon immer verfolgt, die hat nicht Oppenheimer angestoßen - sich nicht mehr vor seinem Mensch-Sein verstecken kann; es bricht etwas durch in ihm, nämlich das Gegenteil dessen, was er sich einredet: Als er davon berichtet, dass die Kinder bei dem antikommunistischen Film, den sie jedes Jahr in der Schule sehen mussten, traumatisiert wurden, er aber "tief in seinem Inneren" wusste, dass er diese bösen Menschen immerhin vernichtet habe - da hören wir letztlich jemanden reden, der - auf welcher Ebene auch immer - ahnt, dass "tief in seinem Inneren" etwas ganz anderes stattgefunden hat. Und das bahnt sich seinen Weg.

Oppenheimer verklärt aber nicht im Ansatz. So gut es tut, diesen kleinen Optimismus zu sehen, und so wichtig diese Erkenntnis ist und so fundamental für einen Umgang mit Tätern: Die meisten ticken anders. Herman wird vermutlich nie verstehen, warum Anwar in der Szene als Opfer plötzlich einen Nervenzusammenbruch hatte; Herman lebt abgeschottet in einer Vorstellungswelt, die eher keine Brücke zu der unseren hat. Und eigentlich auch alle anderen dargestellten Täter. Und dennoch sehen wir viele Figuren, die eigen sind: Adi, der sich eine rationale Welt zurecht gelegt hat, in der er zwar intellektuell sieht, dass die Propaganda eine Lüge war, dass die Indonesier die wirklich Grausamen waren, der aber jede Verantwortung kategorisch ablehnt und erklärt, deshalb auch niemals Alpträume zu haben (sehr spannende Frage, ob das stimmt; sein kategorische Leugnung von Schuld deutet evtl. auch hier auf etwas Anderes). Oder der Nachbar, der "eine Geschichte" erzählt, es ist die Geschichte seines ermordeten Stiefvaters, und der dann in einer "Opferrolle" ebenfalls zusammenbricht - eine tragische Episode des Films, da Oppenheimer & seine Co-Regisseure bei der Erzählung nicht mitbekommen hatten, dass der Mann von seiner eigenen Familie berichtete, und das erst am Schneidetisch beim Transkribieren erkannten - Oppenheimer fühlt sich (zurecht, zurecht!) schlecht für diese Unaufmerksamkeit, ist auch schwer verzeihlich, und doch / gerade deshalb ist diese Szenerie umso gespenstischer.

Ich könnte noch zu vielen Szenen viele Dinge schreiben; wenige Filme haben mich so aufgewühlt, selten habe ich den Drang gehabt, unbedingt mit dem Regisseur über vieles sprechen zu wollen - es gibt aber einige Interviews mit Oppenheimer, die sehr sehr lesenswert sind (tw. hier ja auch schon verlinkt). Mache ich mal Schluss und ende mit drei Anmerkungen:

1.) Kauft den Film! DVD&BD haben noch ein Interview mit Oppenheimer und - das interessiert mich sonst meist weniger - eine Kommentarspur mit Oppenheimer & Werner Herzog. Da ich die Entstehung des Films fast spannender finde als den Film selbst bzw. zum Film viele Details gehören, die dort - direkt - nicht zu sehen sind, absolut empfehlenswert!

2.) Der häufig zu hörenden Forderung nach Zeigen des Films in der Schule möchte ich relativ explizit widersprechen. Weder glaube ich, dass SchülerInnen im Normalfall intellektuell die Tiefe des Films zu erfassen in der Lage sind (das Projekt ist einfach sehr tiefgründung, und etwas Wissen um Psychologie, Politik und Film - deutlich über Abitur-Niveau - sollte vorhanden sein), noch glaube ich, dass es politisch klug ist, sich mit solchen Fragen anhand des weit entfernten Auslands zu beschäftigen (bestenfalls ergänzend). Zur Frage von Individual- und Kollektivschuld und Phänomenen des Versagens eines kollektiven Gewissens gibt es hier ausreichend initiales Material...

3.) Aber: Pflichtfilm für alle Studierenden der Psychologie, unbedingt. Das ist zwar nicht die einzige Ebene des Films, aber eine wichtige, zumal sowohl der Mikrokosmos menschlicher Psyche als auch der Makrokosmos von kollektivem Handeln beleuchtet wird, sowie die entsprechenden gegenseitigen Bezüge.

PS: "Nur" 8.5 Punkte (für den Directors Cut), da die Doku rein filmisch von ihrem dramatischen Aufbau nur "gut" ist und eben einige Informationen, die zur korrekten und vollständigen Rezeption notwendig sind, untergehen. Dennoch: Absolute und unfragliche Emfehlung (und wann gebe ich schon noch 8.5 Punkte, die Zeiten sind ja eigentlich eher vorbei).

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Holden82

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Bewertung9.5Herausragend

Sorry schon mal vorweg aber LECK MICH AM ARSCH! Was für eine krasse Doku. Beinahe meiner erste "10" überhaupt, aber die halte ich dann doch noch zurück.

Ein krasser historischer Hintergrund und unglaubliche Aussagen der Protagonisten. Keine Verschleierung, kein "das war gar nicht so schlimm", kein "das waren die anderen, ich stand nur dabei" sondern erschreckend offene Worte. Worte von Leuten die auf der Seite der "Sieger" stehen und daher kein Schuldbewusstsein hätten oder Repressionen fürchten müssten wenn sie so offen reden wie sie es da tun. Ich dachte die ganze Zeit, das kann doch jetzt nicht deren Ernst sein, über Strecken wirkt es so unwirklich irgendwie, weil es wohl so über meinen Erfahrungs- und Vorstellungshorizont hinaus geht. Ein Film der nicht über seine Bilder, sondern sehr, sehr stark über das Erzählte wirkt. Wenn man sich darauf einlässt und reflektiert was die da eigentlich von sich geben dann ist das Ganze wirklich hart. Noch nie eine so intensive Dokumentation gesehen, dazu diese "Wendung" am Schluß, echt übel.

Habe die "ungekürzte" Version gesehen, die Doku kommt ohne Stimme aus dem Off (was einem beim denken hilft und ich eigentlich ganz gut finde ;-) ) aus und ist untertittelt, was vielleicht etwas anstrengend ist, aber ich fand es lohnte sich!

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inceptionfan

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Bewertung10.0Herausragend

Ich muss erst einmal gestehen, dass ich unbewusst die geschnittene 90 Minuten-Fassung von ARTE gesehen habe, da ich mich vorher nicht wirklich mit dem Film beschäftigt habe und werde bestimmt auch noch den Directors Cut schauen, aber auch in dieser stark gekürzten Version ist "The Act of Killing" eine einzige Wucht, die einen fassungslos und nachdenklich zurücklässt und hat seine Wirkung nicht verfehlt! Die Idee ist absolut genial und erschreckend. Dabei lässt einen der Film am Anfang noch relativ kalt, später, wenn die Täter ihre eigenen Szenen drehen, gibt es ein paar Stellen, bei denen man sogar schmunzeln kann, aber auf der anderen Seite auch schockiert ist. Diese Szenen sind teilweise fast schon surreal und extrem skurril anzusehen. Am Ende ist man dann einfach nur fassungslos, beinahe verstört und extrem nachdenklich gestimmt. Am schlimmsten ist eben die Tatsache, dass dies hier nicht nur ein Film ist, sondern die Realität und es sind einfach Dinge, die sich jederzeit wiederholen können. Und besonders wichtig und krass ist natürlich auch, dass diese Mörder ihre Anregungen aus berühmten Hollywood-Filmen haben. Dabei ist es die ganze Zeit über enorm fesselnd, in die Psyche dieser Mörder zu blicken und ihre Wandlung (wenn man es denn so nennen kann) zu verfolgen. Verrückt war dann auch noch zu sehen, dass fast alle Beteiligten, die im Abspann eigentlich auftauchen würden, anonym bleiben wollen.
Fazit: Es ist immer schwierig, solche Filme zu bewerten und man kann die Punktewertung in diesem Fall auch nicht mit der Bewertung von "gewöhnlichen" Filmen vergleichen, aber "The Act of Killing" ist ganz klar die beste Doku, die ich bis jetzt gesehen habe. Diesen Film sollte meiner Meinung nach jeder gesehen haben, denn es wird einem hier auf so skurille Weise vor Augen geführt, was es auf der Welt für schreckliche Dinge gibt, wie man es besser kaum machen könnte! Dafür 10 Punkte!

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Holden82

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ich kenn die gekürzte Fassung nicht, aber die lange lohnt auf jeden Fall


inceptionfan

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werd ich auf alle fälle auch irgendwann noch nachholen


Dexerino

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Bewertung9.5Herausragend

„The Act of Killing“ ist unverfälscht und ungeschminkt.
Die Natürlichkeit der Bilder zieht und zerrt den Verstand des Betrachters in einen Strudel aus grausamen Taten und liebevoller Menschlichkeit in einen zwielichtigen Ort, in den er eintaucht und verzweifelt versucht nicht unterzugehen.
Eine Dokumentation die zum Nachdenken anregt. Hoffentlich bald auch Bestandteil des Schulmaterials in Deutschland.

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longus69

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Bewertung9.5Herausragend

"Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."
Friedrich Nietzsche

Ideologisch versaute emphatiefreie tausendfache Mörder die sich noch mit ihren Taten brüsten und Regierungsmitglieder die denselben noch dafür auf die Schulter klopfen... Unfreiwillig oftmals nicht nur zum Schreien, sondern auch noch zum Schreien komisch...
Ein dokumentarisches Meisterwerk, bezeichnenderweise von einem Regisseur, der in der Shoah viele Familienmitglieder verloren hat...

Geschockt und wieder mal misanthropisch bestätigt habe ich einen neuen Blick auf menschliche Abgründe erhalten...

Indonesien mag hier nur als Beispiel für viele geschichtlich traurige Ereignisse stehen, die z.B. in Serbien, Ruanda o.ä. stattgefunden haben...

Ein negatives MustSee for everyone...

Hierzu eine gute Kritik bei filmstarts
http://www.filmstarts.de/kritiken/217002/kritik.html

P.S. Man beachte im Abspann, dass fast alle einheimischen Mitwirkenden in der Filmcrew die Anonymität gewählt haben...

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Eraserhead 23

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Bewertung10.0Herausragend

"Die Hölle ist Abwesenheit von Vernunft."
An einigen Stellen wünschte ich mir von ganzem Herzen, dass die Doku "The Act of Killing" doch nur ein Fake sei ... ist sie aber nicht und genau das tut so unendlich weh, das große Böse im Menschen tippt einem ständig auf die Schulter und das schaffen nur ganz, ganz wenige Dokumentationen.

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Flod0

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich fand die Dokumentation eher lustig als beängstigend. Die Taten die die Personen dort beschreiben sind natürlich echt schrecklich, es werden die krassesten Foltermethoden ausgepackt, für einen qualvollen Tod. Da kann man echt glücklich sein, dass man in einem so schönen, demokratischen und vom Rechtsstaat geleiteten Land leben darf.
Die Charaktere sind für mich aber richtig komisch, ein bisschen wie Dick und Doof, sie prahlen mit ihren Taten und merken selber nicht wie dumm sie eigendlich sind. Zwischendurch beleidigen sie sich dann gegenseitig, wobei natürlich auch oft auf die Fettleibigkeit des Dicken eingegangen wird.
Ich finde auch, dass dieser Film einen Preis verdient hätte, weil es solch eine beknackte Story erst einmal für ein paar Jahrzehnte kein zweites mal geben wird.

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freakualizer

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vorgemerkt

Läuft immerhin schon ab 23 Uhr in der Arte-Mediathek:
http://videos.arte.tv/de/videos/the-act-of-killing--7467514.html

..1.45 Uhr - unchristlicher Sendetermin für eine wahrscheinlich noch unchristlichere Dokumentation.

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mikkean

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Bewertung9.0Herausragend

Beängstigend, grotesk und zeitweise auch lustig, wie Joshua Oppenheimer und sein Team, älteren Männern dabei zuschauen, wie die Filme drehen. Gangsterfilme, Horrorfilme, eine Tanz-Revue vorm Wasserfall oder dem riesigen Fischmaul. So schrill es aber auch manchmal zu werden scheint, die Realität und den eisig gruseligen Hauch des Todes, werden wir nie los.

"The Act Of Killing" ist keine filmische Spinnerei, die allein greisen Leuten bei der Verwirklichung ihrer Leinwand-Träumereien begleitet. Die Männer, die hier antreten, haben an der organisierten Ermordung von Millionen von Menschen mitgewirkt. Dem Grauen der indonesischen Völkerschlachtung nähert sich der Film, und das eigentlich schon genial.

Anstatt zu versuchen, das Gegenüber mit Holzhämmer-Fragen zu traktieren. Anstatt zu zermürben und ein Geständnis zu verlangen, lassen die Macher den ehemaligen Tätern freien Lauf. Sie lassen den freundlich, kauzigen Anwar Congo darüber sinnieren, wie er vom Ganoven zum Verhör- und Folter-Spezialisten wurde. Wie sehr er früher das Gangster-Kino liebte und sich zu effizienten Exekutionsmaßnahmen inspirieren ließ.

Anfangs schockiert diese Freimütigkeit. Zeigt sie doch, wie Anwar und seine Nachfolger von der Pemuda-Pancasila-Bewegung, heute noch gefürchtet durch die Straßen ziehen. Aber, es kommt der Moment, in dem Congo Einblick in sein Innenleben zulässt. Von seinen unruhigen Träumen erzählt und davon, wie sehr es im heutigen Indonesien brodelt. Weil die Nachfahren der Opfer und Überlebende, immer noch Tür an Tür mit den Schlächtern leben.

Zu sehen, wie ein hundertfach, tausendfacher Mörder, einem Mitstreiter sein Leid klagt, ist natürlich keine Genugtuung. Auch nicht dann, wenn Anwar Congo selbst in die Rolle eines Opfers schlüpft, und gespielt, Demütigung, Strangulation und Ermordung durchlebt. "The Act Of Killing" ist auch keineswegs eine allumfassende Aufbereitung der vergangenen Gräuel. Jedoch werden die Opfer nicht dadurch verhöhnt, dass sie so betrachtet, nicht zu Wort kommen. Der Blick auf und in die Seite der Täter bekommt dadurch eine schauerliche Brisanz, dass er sich nicht auf Guido-Knopp-Style-Interviews, Betroffenheitsbekundungen und Archivbilder versteift. Den Rahmen für eine vielschichtige Betrachtung durch uns ausländische Zuschauer schafft, indem er jeden fast nur machen und erzählen lässt. So finden sich auch, nicht bewusst kritische, aber andersdenkende Stimmen, die zeigen, dass der Schatten von damals immer noch auf dem Land lastet.

Und so spielerisch das Treiben auch rüberkommt, so verstörend wirkt es doch gewaltig nach, diesen Leuten zuzuhören, wie sie damals geschlachtet, geraubt und vergewaltigt haben. "The Act Of Killing" ist ein wahrlich schwerer Brocken, so sehr anders als die meisten Geschichtsstunden. Dafür aber auch lohnenswerter, weil er sich nicht auf Aussagen und das Auswendigkennen von Jahreszahlen reduzieren lässt.

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bestseimon

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Es is völlig klar, beinahe schon selbstverständlich, dass THE ACT OF KILLING keinen Oscar bekommen hat. Das mag merkwürdig klingen, aber vielleicht ist es sogar besser so. Vielleicht ist es besser, dass dieser, ohne Frage unglaubliche und einzigartige Dokumentarfilm, nicht von Hollywood ausgezeichnet wurde. Schließlich geben diese Massenmörder aus dem Film, die ihre Taten auch noch gut heißen und damit prahlen, offen zu, dass sie sich von den großen Hollywood Gangsterfilmen a la SCARFACE haben inspirieren lassen. Sie haben Folter-, oder Tötungsmethoden aus diesen Film übernommen und es einfach ins echte Leben übertragen. Ja, diese Menschen um die sich der Film dreht, sind keine Figuren aus Hollywood, sie sind echt. Aber sie halten sich für Tony Montana und Co. und hoffen nun ihren eigenen "tollen" Gangsterfilm drehen zu können, über den dann alle staunen. Sie wollen als Helden gefeiert werden, so wie wir die Gangster aus den Hollywood-Filmen gefeiert haben. Dass der Film von Joshua Oppenheimer eine ganz andere Absicht verfolgt, wollen, oder können sie nicht begreifen, genauso wenig wollen sie verstehen, was sie eigentlich für ein Leid verursacht haben.

Es ist nicht so, dass uns die Tatsache schockiert, dass es solche Leute auf der Welt gibt. Das wusste man bereits. Wahrscheinlich gibt es sogar noch viel schlimmere. Aber was an THE ACT OF KILLING so schockiert ist, dass diese Leute eigentlich ganz unscheinbar und freundlich wirken und man sich schwer tut sie zu hassen. Man empfindet schon Abneigung und Unverständnis gegen sie, aber letztendlich hat man immer das Gefühl, gar nicht alles voll zu begreifen, zu realisieren. Man fühlt sich beinahe überfordert. Denn eines ist sicher, so etwas wie THE ACT OF KILLING hat man zuvor noch nie gesehen. Nicht mal ansatzweise. Ob man das sehen muss, ist die andere Frage. Und ich weiß nicht, ob man sie beantworten kann. Aber ich weiß dafür, dass mich selten ein Film so aufgewühlt, bedrückt und verwirrt zurück gelassen hat wie dieser.

Womöglich reagiert jeder unterschiedlich auf das, was man hier zu sehen bekommt. Ich habe mich nach der Sichtung seltsam leer gefühlt, der Film ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder kamen einzelne Szenen wieder hoch, die teilweise eine verstörende Wirkung hatten. Und auch wenn THE ACT OF KILLING dann in den nächsten Tagen mehr und mehr aus meinen Gedanken verschwand, werde ich das Gesehene wohl dennoch nie wieder richtig vergessen können. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht. Jedenfalls ist Joshua Oppenheimer´s Werk der beste und intensivste Dokumentarfilm, den ich bis jetzt gesehen habe. Und um das für sich festzustellen, braucht es ja bekanntlich auch gar keinen Oscar.

http://planetofpictures.blogspot.de/2014/03/the-act-of-killing-dkgbno-2012-joshua.html

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Don Cerebro

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Vielleicht ging es um den Original-Scarface von Howard Hawks, dieser hieß aber Tony Camonte. Bin mir aber auch nicht sicher und sooo wichtig ist das jetzt auch wieder nicht.


alex023

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Scarface existiert ja nicht erst seit Brian de Palma und Al Pacino. ^^


craax

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Bewertung10.0Herausragend

Durch das Nadelöhr der Kenntnisnahme dessen, was den Inhalt dieses ‚Films‘ ausmacht, muß, wenn es eine gibt, menschliche Zukunft - und zwar in jedem Einzelnen.
Wer noch zwei Sätze mehr lesen will: in meinem Gästebuch.

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tobmovie

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Bewertung5.5Geht so

Das Reenactment, also die Nachstellung der Ereignisse, wirkt für mich nicht authentisch, verkommt fast zum Klamauk. Jetzt kann man sagen: Wow, erschütternd, oder? Aber auch das würde ich verneinen, vielmehr spürt man doch den enormen Einfluss der Kamera. Nur deshalb werden Dinge gesagt, auf diese Art gesagt. Die Protagonisten scheinen dem nicht gewachsen. Sie sind ja offen für diese Produktion, merkt man - viel mehr hätte man da allerdings rausholen müssen. Es fehlen reale Zeitzeugnisse und diverse wichtige Perspektiven. Falls das nur im Directors Cut zu finden ist, wäre das sehr schade - die 90-Minuten-Version kann man auf 20 zusammenfassen. Allerdings sind die Synchronsprecher große Klasse!! :)

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Prestigeww

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Hm, ich glaube du übersiehst da die große Pointe des Filmes: Es geht genau darum, dass ihre Reenactments grotesk künstlich und falsch sind. Es geht darum, dass sie die Kamera spüren und versuchen sich in ein gewisses Licht zu rücken. Dies erzeugt ja in ihnen die Spannung zwischen gewollter Fremdwahrnehmung und Eigenwahnehmung, zumindest bei Anwar. Mit den Zeitzeugnissen und Leuten die Berichten, wie schlimm das alles war, wären wir ja nur wieder bei Guido Knopp und Konsorten. Aber dem Film geht es nicht um die Rekonstruktion konkreter historischer Ereignisse für den History Channel, sondern um das aufzeigen allgemeinerer Prinzipien individueller und sozialer Verantwortung.


tobmovie

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Da stimme ich dir voll zu, jetzt rückblickend, mit etwas mehr abstand



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