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The Act of Killing

The Act of Killing (2012), DK/GB/NO Laufzeit 122 Minuten, FSK 16, Dokumentarfilm, Kinostart 14.11.2013


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8.1
Kritiker
23 Bewertungen
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8.3
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54 Kommentare
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von Joshua Oppenheimer

The Act of Killing ist eine Dokumentation über drei Männer, die in den 60er Jahren Mitglieder einer indonesischen Todesschwadron waren und heute als Helden gefeiert werden.

Handlung von The Act of Killing
Medan, Indonesien: Die Kleinganoven Anwar Congo und seine Freunde werden durch die politischen Umbrüche im Jahr 1965 zu Mitgliedern einer paramilitärischen Gruppe, die Kommunisten, Menschen chinesischer Herkunft und Intellektuelle tötet. Die Dokumentation The Act of Killing zeigt uns Killer, die heute zu den Gewinnern zählen, und die Gesellschaft, die sie selbst mit prägten. Sie wurden nicht in die Illegalität gezwungen, behielten ihre Macht bei und schrieben selbst Geschichte. So wurden sie schließlich zu Rollenvorbildern für junge Mitglieder der paramilitärischen Einheiten.

Um sich dem Selbstbild dieser stolzen Killer zu nähern und sie subversiv zu einer Auseinandersetzung mit ihren Taten zu bewegen, macht ihnen Regisseur Joshua Oppenheimer ein Angebot: Um auch künftige Generationen an ihre Heldentaten zu erinnern, sollen die Ex-Milizen ihre Taten filmisch nachstellen – und sich dabei genau so in Szene setzen, wie sie selbst wollen. Sie stimmen begeistert zu, schließlich sind sie alle große Fans des Hollywood-Kinos.

Hintergrund & Infos zu The Act of Killing
Der texanische Regisseur Joshua Oppenheimer hat Erfahrung mit den Themen von Miliz, Todesschwadronen und den Menschen, die unter ihnen leiden. Er erforschte über zehn Jahre lang die Zusammenhänge von politisch motivierter Gewalt und kollektiver Vorstellung und kam dabei immer wieder mit Mördern in Kontakt, sie sich ohne Reue ihrer Taten brüstete. Aus dieser intensiven Beschäftigung erwuchs das Dokumentarfilm-Projekt The Act of Killing. Mit The Look Of Silence soll 2014 eine weitere Dokumentation des Regisseurs folgen, die sich dann jedoch den Opfern des Genozids widmet.

2014 war The Act of Killing für den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert. Die begehrte Auszeichnung ging jedoch an 20 Feet from Stardom.

The Act of Killing ist in mehreren Fassungen erschienen. Es gibt die (US-)Kinoversion (ca. 122 Minuten), den Dircetor’s Cut (ca. 159 Minuten) und im deutschen Fernsehen wurde zudem eine 90-minütige Fassung des Films ausgestrahlt. (ST)

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Mehr Bilder (9) und Videos (2) zu The Act of Killing


Cast & Crew


Kritiken (13) — Film: The Act of Killing

DaLe: MovieMaze, Manifest - Das F...

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9.0Herausragend

[...] Nach fast drei Stunden Film wird sich wahrscheinlich der eine oder andere Zuschauer dringend wünschen, dass THE ACT OF KILLING nur eine besonders geschmacklose Mockumentary war, oder besser: ein Alptraum, aus dem man am Ende mit Schrecken aufwacht. Doch der Film hat kein Ende im klassischen Sinne (über dessen befremdliche Vieldeutigkeit könnte man sicher stundenlang diskutieren!), weil die "Geschichte", wie sie hier präsentiert wird, auch kein "Ende" hat. Und schon gar kein schönes. Keine Beruhigung: Es gibt keinen plausiblen Grund, warum sich Gräueltaten wie die im Indonesien der 1960er Jahre nicht wiederholen sollten, egal, ob in Südostasien oder anderswo. Denn es wird IMMER potenzielle Täter geben: ganz gewöhnliche Menschen.

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I.Reicher: der Standard I.Reicher: der Standard

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7.0Sehenswert

Dass man in Act of Killing nicht immer unterscheiden kann, wo die Inszenierung beginnt, wirkt in beide Richtungen. Das ist ein Nachteil der Vermischung von Spiel und Realität.

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Christoph Huber: Die Presse Christoph Huber: Die Presse

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7.5Sehenswert

[Es] entstand ein unwahrscheinlicher Mix aus der Borat-Methode von Sacha Baron Cohen und Claude Lanzmanns unnachgiebigen Nazi-Befragungen, der nicht zuletzt schlagend die Binsenweisheit bestätigt, dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird.

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Flibbo: Wie ist der Film?

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7.0Sehenswert

[...] Mit der Darstellung absurder Machtverhältnisse, ambivalenter Verbrecher und verkümmerter Selbstreflexionen lehrt „The Act of Killing“, dass es keine guten und keine bösen Menschen gibt, sondern nur Menschen. Oppenheimer gelang eine Dokumentation aus einer sehr ungewöhnlichen und daher spannenden Perspektive, die mit wenig Hintergrundwissen versorgt, dafür aber angenehm unpolitisch ausfällt und ganz nebenbei auch die Wirkung von Kino untersucht. Ein notwendiger Film.

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PhilippStadelmaier: Süddeutsche Zeitung PhilippStadelmaier: Süddeutsche Zeitung

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7.5Sehenswert

Indem überall eine hysterische Künstlichkeit regiert, filmt Oppenheimer nicht die Wahrheit der Täter, sondern ihre Ekstase, indem er sie unbewusst den Spiegel der von ihnen traumatisierten Gesellschaft gießen lässt.

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Kotelette: Die Nacht der lebenden Texte

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9.0Herausragend

Der Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer hat „The Act of Killing“ mit zwei Ko-Regisseuren in den Jahren 2005 bis 2011 gedreht. Er ist den Mördern sehr nah gekommen und hat ihr Vertrauen gewonnen. Strafverfolgung haben sie ohnehin nicht zu befürchten. Im Fokus steht Anwar Congo, ein Kleinkrimineller, der 1965 zum Führer einer der Todesschwadronen aufstieg und eigenhändig eine Vielzahl von Menschen ermordet hat.

Regisseur Oppenheimer verwendet keinerlei Archivaufnahmen, sondern ausschließlich selbst gedrehtes Material. Er bedient sich eines besonderen Kniffs: Die Massenmörder von damals stellen ihre Taten nach und lassen sich dabei filmen. Sie sind Filmfans und bedienen sich in der Inszenierung verschiedener Genres, etwa dem Gangsterfilm und dem Western. Die Beteiligten haben Spaß daran, ein Unrechtsbewusstsein ist nur selten zu beobachten.

So oder so: ein wichtiger Film, der es verdient hat, gesehen zu werden, und ein bedeutender Beitrag zur wohl nie zu beantwortenden Frage, was aus freundlichen Menschen mit moralischen Empfindungen Mörder, gar Massenmörder macht. „The Act of Killing“ lässt frösteln.

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Soraly: CEREALITY – Magazin für Fil...

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9.0Herausragend

[...] Nicht nur offenbart „The Act of Killing“ unangenehme Wahrheiten über die Natur der menschlichen Psyche und ihre Fähigkeit Akte voller Bosheit zu rechtfertigen, sondern zeigt zudem wie formbar Geschichte und Vergangenheit sind – doch Fiktion immer neu erfinden. Schließlich waren die CIA und die Regierung der Vereinigten Staaten direkt in die Hinrichtungen verwickelt, und westliche Führer unterstützten weiterhin Diktator Suharto. Niemand wird jemals für diesen Genozid zur Verantwortung gezogen, keine Gerechtigkeit jemals den Familien und Freunden der Getöteten zuteilwerden. Die letzten Szenen dieser erstaunlichen Dokumentation wirken ebenso erleuchtend wie mysteriös. Sie wenden die Kamera auf uns selbst. Eine Ohrfeige erwischt uns, als wir uns erinnern, in welcher Welt sinnloser Grausamkeit und Ungleichheit wir leben.

Kritik im Original 21 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 7 Antworten

ready2fall

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Mir gar nicht. Ich weine jetzt.


Soraly

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Eigentlich kommt der Import bei den momentanen Kinopreisen sowieso günstiger :) : http://www.amazon.de/Chasing-Ice-DVD-UK-Import/dp/B00AMZY72U/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1384182976&sr=8-1&keywords=chasing+ice


Oliver Kaever: Programmkino Oliver Kaever: Programmkino

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8.0Ausgezeichnet

Selten hat eine Dokumentation so verstört, bewegt und erhellt. [...] The Act of Killing ist voller unvergesslicher Bilder.

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SoulReaver: CinemaForever, D3M

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8.5Ausgezeichnet

[...] Und wenn Congo und seine Freunde in ihrer verzogenen Selbstgefälligkeit über die Tötungen schwärmen und sich selber zu Volkshelden erklären, dann schleicht sich der Eindruck ein, man würde direkt in die diabolische Fratze des Bösen starren, so gewissenlos und ohne jedes Schuldbewusstsein, wie hier über einen der grausamsten Genozide geplaudert und gejubelt wird. Bis schließlich doch der letzte, vernarbte Funke an Menschlichkeit aufkocht, den Zuschauer aber niemals um den Finger wickeln möchte. „The Act of Killing“ bleibt seinem Abstand fortwährend treu und dringt dadurch umso massiver ins Mark, wie er sich auch in das Gedächtnis brennt. Ein regungsloser Kinosaal ist hier garantiert.

Kritik im Original 36 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 10 Antworten

SoulReaver

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Na, in Indonesien. :)


Smoover

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So regungslos war mein Kinosaal nicht. Ungefähr 30-40 Zuschauer von ca 150 haben Saal verlassen, manche sogar erst nach 90 Min :D.
Schade S.Bendix, dass ich dein Kommentar nicht früher gelesen habe, denn der Film lief mit 150 Min Heute bei nordischen Filmtagen in Lübeck + Interview mit Regisseur. Wäre ja garnicht so weit weggewesen von Hamburg aus. Das mit dem Interview wusste ich vorher allerdings auch nicht. The Act of Killing war definitiv ein einmaliges Kinoerlebnis :).


Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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7.0Sehenswert

Nach dem indonesischen Militärputsch 1965 brachten die Paramilitärs innerhalb eines Jahres über eine Million politischer Gegner um. Geahndet wurden die Morde nie, die Täter sind zum Teil noch heute in Amt und Würden. In Oppenheimers Film erzählen sie stolz vom Kampf gegen die angeblichen Kommunisten und demonstrieren Tötungsmethoden. Der Regisseur schlägt ihnen vor, die Taten "künstlerisch" in Szene zu setzen. Eine Idee, die ankommt: Die Totschläger suchen Schauspieler, lassen Kostüme entwerfen, sehen sich schon als Filmstars. Aber das Projekt bringt die Männer schließlich zum Nachdenken: Ihnen dämmert langsam, was sie den Menschen angetan haben - und welche Nebenwirkungen die Taten bei ihnen selbst hinterlassen haben.

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Nick Schager: Village Voice, Slant Magazine Nick Schager: Village Voice, Slant Magazine

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9.0Herausragend

The Act of Killing ist furchteinflößender als jeder Horrorfilm. Ein Meisterwerk, ein großer Wurf!

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Andrew Schenker: Slant Magazine Andrew Schenker: Slant Magazine

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9.0Herausragend

In Joshua Oppenheimers außergewöhnlichem Film The Act of Killing wird Film zum Medium einer mutigen historischen Abrechnung - und das auf vielen verschiedenen Wegen.

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Movienerd: Movienerd.de Movienerd: Movienerd.de

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10.0Lieblingsfilm

[...] Doch es geht Oppenheimer nicht um Schock oder Provokation, es geht hier um einen menschlichen Holocaust, der in der Gesellschaft in der er geschehen ist, als solcher nicht einmal wahrgenommen wird. Der in so einer verdrehten Art und Weise schon seit über 40 Jahren gerechtfertigt wird, dass seine Täter zu Helden verkommen sind und seine Opfer immer noch geächtet werden und in Angst leben müssen. The Act of Killing ist ein erschreckendes, aber gleichzeitig auch ein enorm bedeutendes und wichtiges dokumentarisches Zeitzeugnis, das tatsächlich das Potential hat, diese verrotteten gesellschaftlichen Wurzeln aufzubrechen von denen er so mitreißend erzählt.

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Kommentare (41) — Film: The Act of Killing


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Eraserhead 23

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Bewertung10.0Herausragend

"Die Hölle ist Abwesenheit von Vernunft."
An einigen Stellen wünschte ich mir von ganzem Herzen, dass die Doku "The Act of Killing" doch nur ein Fake sei ... ist sie aber nicht und genau das tut so unendlich weh, das große Böse im Menschen tippt einem ständig auf die Schulter und das schaffen nur ganz, ganz wenige Dokumentationen.

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Flod0

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich fand die Dokumentation eher lustig als beängstigend. Die Taten die die Personen dort beschreiben sind natürlich echt schrecklich, es werden die krassesten Foltermethoden ausgepackt, für einen qualvollen Tod. Da kann man echt glücklich sein, dass man in einem so schönen, demokratischen und vom Rechtsstaat geleiteten Land leben darf.
Die Charaktere sind für mich aber richtig komisch, ein bisschen wie Dick und Doof, sie prahlen mit ihren Taten und merken selber nicht wie dumm sie eigendlich sind. Zwischendurch beleidigen sie sich dann gegenseitig, wobei natürlich auch oft auf die Fettleibigkeit des Dicken eingegangen wird.
Ich finde auch, dass dieser Film einen Preis verdient hätte, weil es solch eine beknackte Story erst einmal für ein paar Jahrzehnte kein zweites mal geben wird.

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freakualizer

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vorgemerkt

Läuft immerhin schon ab 23 Uhr in der Arte-Mediathek:
http://videos.arte.tv/de/videos/the-act-of-killing--7467514.html

..1.45 Uhr - unchristlicher Sendetermin für eine wahrscheinlich noch unchristlichere Dokumentation.

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mikkean

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Bewertung9.0Herausragend

Beängstigend, grotesk und zeitweise auch lustig, wie Joshua Oppenheimer und sein Team, älteren Männern dabei zuschauen, wie die Filme drehen. Gangsterfilme, Horrorfilme, eine Tanz-Revue vorm Wasserfall oder dem riesigen Fischmaul. So schrill es aber auch manchmal zu werden scheint, die Realität und den eisig gruseligen Hauch des Todes, werden wir nie los.

"The Act Of Killing" ist keine filmische Spinnerei, die allein greisen Leuten bei der Verwirklichung ihrer Leinwand-Träumereien begleitet. Die Männer, die hier antreten, haben an der organisierten Ermordung von Millionen von Menschen mitgewirkt. Dem Grauen der indonesischen Völkerschlachtung nähert sich der Film, und das eigentlich schon genial.

Anstatt zu versuchen, das Gegenüber mit Holzhämmer-Fragen zu traktieren. Anstatt zu zermürben und ein Geständnis zu verlangen, lassen die Macher den ehemaligen Tätern freien Lauf. Sie lassen den freundlich, kauzigen Anwar Congo darüber sinnieren, wie er vom Ganoven zum Verhör- und Folter-Spezialisten wurde. Wie sehr er früher das Gangster-Kino liebte und sich zu effizienten Exekutionsmaßnahmen inspirieren ließ.

Anfangs schockiert diese Freimütigkeit. Zeigt sie doch, wie Anwar und seine Nachfolger von der Pemuda-Pancasila-Bewegung, heute noch gefürchtet durch die Straßen ziehen. Aber, es kommt der Moment, in dem Congo Einblick in sein Innenleben zulässt. Von seinen unruhigen Träumen erzählt und davon, wie sehr es im heutigen Indonesien brodelt. Weil die Nachfahren der Opfer und Überlebende, immer noch Tür an Tür mit den Schlächtern leben.

Zu sehen, wie ein hundertfach, tausendfacher Mörder, einem Mitstreiter sein Leid klagt, ist natürlich keine Genugtuung. Auch nicht dann, wenn Anwar Congo selbst in die Rolle eines Opfers schlüpft, und gespielt, Demütigung, Strangulation und Ermordung durchlebt. "The Act Of Killing" ist auch keineswegs eine allumfassende Aufbereitung der vergangenen Gräuel. Jedoch werden die Opfer nicht dadurch verhöhnt, dass sie so betrachtet, nicht zu Wort kommen. Der Blick auf und in die Seite der Täter bekommt dadurch eine schauerliche Brisanz, dass er sich nicht auf Guido-Knopp-Style-Interviews, Betroffenheitsbekundungen und Archivbilder versteift. Den Rahmen für eine vielschichtige Betrachtung durch uns ausländische Zuschauer schafft, indem er jeden fast nur machen und erzählen lässt. So finden sich auch, nicht bewusst kritische, aber andersdenkende Stimmen, die zeigen, dass der Schatten von damals immer noch auf dem Land lastet.

Und so spielerisch das Treiben auch rüberkommt, so verstörend wirkt es doch gewaltig nach, diesen Leuten zuzuhören, wie sie damals geschlachtet, geraubt und vergewaltigt haben. "The Act Of Killing" ist ein wahrlich schwerer Brocken, so sehr anders als die meisten Geschichtsstunden. Dafür aber auch lohnenswerter, weil er sich nicht auf Aussagen und das Auswendigkennen von Jahreszahlen reduzieren lässt.

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bestseimon

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Bewertung9.0Herausragend

Es is völlig klar, beinahe schon selbstverständlich, dass THE ACT OF KILLING keinen Oscar bekommen hat. Das mag merkwürdig klingen, aber vielleicht ist es sogar besser so. Vielleicht ist es besser, dass dieser, ohne Frage unglaubliche und einzigartige Dokumentarfilm, nicht von Hollywood ausgezeichnet wurde. Schließlich geben diese Massenmörder aus dem Film, die ihre Taten auch noch gut heißen und damit prahlen, offen zu, dass sie sich von den großen Hollywood Gangsterfilmen a la SCARFACE haben inspirieren lassen. Sie haben Folter-, oder Tötungsmethoden aus diesen Film übernommen und es einfach ins echte Leben übertragen. Ja, diese Menschen um die sich der Film dreht, sind keine Figuren aus Hollywood, sie sind echt. Aber sie halten sich für Tony Montana und Co. und hoffen nun ihren eigenen "tollen" Gangsterfilm drehen zu können, über den dann alle staunen. Sie wollen als Helden gefeiert werden, so wie wir die Gangster aus den Hollywood-Filmen gefeiert haben. Dass der Film von Joshua Oppenheimer eine ganz andere Absicht verfolgt, wollen, oder können sie nicht begreifen, genauso wenig wollen sie verstehen, was sie eigentlich für ein Leid verursacht haben.

Es ist nicht so, dass uns die Tatsache schockiert, dass es solche Leute auf der Welt gibt. Das wusste man bereits. Wahrscheinlich gibt es sogar noch viel schlimmere. Aber was an THE ACT OF KILLING so schockiert ist, dass diese Leute eigentlich ganz unscheinbar und freundlich wirken und man sich schwer tut sie zu hassen. Man empfindet schon Abneigung und Unverständnis gegen sie, aber letztendlich hat man immer das Gefühl, gar nicht alles voll zu begreifen, zu realisieren. Man fühlt sich beinahe überfordert. Denn eines ist sicher, so etwas wie THE ACT OF KILLING hat man zuvor noch nie gesehen. Nicht mal ansatzweise. Ob man das sehen muss, ist die andere Frage. Und ich weiß nicht, ob man sie beantworten kann. Aber ich weiß dafür, dass mich selten ein Film so aufgewühlt, bedrückt und verwirrt zurück gelassen hat wie dieser.

Womöglich reagiert jeder unterschiedlich auf das, was man hier zu sehen bekommt. Ich habe mich nach der Sichtung seltsam leer gefühlt, der Film ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder kamen einzelne Szenen wieder hoch, die teilweise eine verstörende Wirkung hatten. Und auch wenn THE ACT OF KILLING dann in den nächsten Tagen mehr und mehr aus meinen Gedanken verschwand, werde ich das Gesehene wohl dennoch nie wieder richtig vergessen können. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht. Jedenfalls ist Joshua Oppenheimer´s Werk der beste und intensivste Dokumentarfilm, den ich bis jetzt gesehen habe. Und um das für sich festzustellen, braucht es ja bekanntlich auch gar keinen Oscar.

http://planetofpictures.blogspot.de/2014/03/the-act-of-killing-dkgbno-2012-joshua.html

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bestseimon

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Oh, ja stimmt natürlich. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Meine mich aber zu erinnern, dass sie irgendwie dieses Beispiel vorgebracht haben. Kann mich aber auch irren. :)


Don Cerebro

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Vielleicht ging es um den Original-Scarface von Howard Hawks, dieser hieß aber Tony Camonte. Bin mir aber auch nicht sicher und sooo wichtig ist das jetzt auch wieder nicht.


craax

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Bewertung10.0Herausragend

Durch das Nadelöhr der Kenntnisnahme dessen, was den Inhalt dieses ‚Films‘ ausmacht, muß, wenn es eine gibt, menschliche Zukunft - und zwar in jedem Einzelnen.
Wer noch zwei Sätze mehr lesen will: in meinem Gästebuch.

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tobmovie

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Bewertung5.5Geht so

Das Reenactment, also die Nachstellung der Ereignisse, wirkt für mich nicht authentisch, verkommt fast zum Klamauk. Jetzt kann man sagen: Wow, erschütternd, oder? Aber auch das würde ich verneinen, vielmehr spürt man doch den enormen Einfluss der Kamera. Nur deshalb werden Dinge gesagt, auf diese Art gesagt. Die Protagonisten scheinen dem nicht gewachsen. Sie sind ja offen für diese Produktion, merkt man - viel mehr hätte man da allerdings rausholen müssen. Es fehlen reale Zeitzeugnisse und diverse wichtige Perspektiven. Falls das nur im Directors Cut zu finden ist, wäre das sehr schade - die 90-Minuten-Version kann man auf 20 zusammenfassen. Allerdings sind die Synchronsprecher große Klasse!! :)

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Prestigeww

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Hm, ich glaube du übersiehst da die große Pointe des Filmes: Es geht genau darum, dass ihre Reenactments grotesk künstlich und falsch sind. Es geht darum, dass sie die Kamera spüren und versuchen sich in ein gewisses Licht zu rücken. Dies erzeugt ja in ihnen die Spannung zwischen gewollter Fremdwahrnehmung und Eigenwahnehmung, zumindest bei Anwar. Mit den Zeitzeugnissen und Leuten die Berichten, wie schlimm das alles war, wären wir ja nur wieder bei Guido Knopp und Konsorten. Aber dem Film geht es nicht um die Rekonstruktion konkreter historischer Ereignisse für den History Channel, sondern um das aufzeigen allgemeinerer Prinzipien individueller und sozialer Verantwortung.


Jomo

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vorgemerkt

Abgebrochen als ich die deutschen Synchronsprecher gehört habe. Homer Simpson und noch ein Typ, der meinte eine Riesenshow abziehen zu müssen, ganz egal wessen Stimme er da synchronisiert.
Zu erst einmal gehören alle Synchronsprecher standrechtlich erschossen!

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Shentenza

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Bewertung10.0Herausragend

Ich werde nicht all zu viele Worte über diese Dokumentation verlieren. Ich habe mir "The Act of Killing" letztes Jahr schon angesehen und dachte mir, da er ja nächste Woche im TV läuft, kann ich wenigstens ein paar kurze Worte verlieren.

The Act of Killing ist eine Doku, die man unbedingt einmal gesehen haben sollte. Das Gezeigte ist nicht toll, nicht positiv und überhaupt versprüht das Ganze ein sehr heftiges Gefühl. Das macht sich dann schon bemerkbar in der Magen-Gegend. Ich habe die Langfassung gesehen und hab auch immer wieder Pausen gemacht. Und am Ende weiß man nicht wohin mit dem was man gerade gesehen hat und will es auch nur ungern noch einmal sehen.

Kein Film/ Doku zeigt besser wie skrupellos, grausam und unbarmherzig der Mensch sein kann. The Act of Killing ist eine immens wichtige Doku, wenn nicht sogar die Wichtigste, die je gemacht wurde. Ich kann nur noch einmal betonen, man sollte es sich mindestens einmal wirklich angesehen haben.

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Zwiebel88

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Weiß jemand, was das für eine Version sein soll, die da am 18.3. auf Arte läuft? Laut Programm dauert der Film da 95 Minuten. Ich dachte es gäbe nur eine 2-stündige und eine 160 Minuten Fassung?

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Zwiebel88

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Joa, DC ist wohl dann the way to go.


Bastieff

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Lieber den DC


Brennegan

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Bewertung9.0Herausragend

Richtig erschreckend wird The Act of Killing dann, wenn ein Massenmörder und Gangster, der Toni Montana an der Wand hängen hat, nicht die geringste Gemeinsamkeit mit seinem Vorbild hat, sondern ohne Wissen um die grausigen Taten eher als etwas verschrobener und sogar recht sympathischer Opa angesehen werden könnte.

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mattxl

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Kategorie: Unerträgliches Must See. Es grenzt an ein Wunder, dass der Regisseur es verhindert, dass man nach den 159 mehr als quälenden Minuten nicht vollends zum Menschenfeind wird. Ja, tatsächlich, es gelingt ihm Spurenelemente von Moralität und Einsicht in homöopathischer Dosis aufzuspüren, tief verborgen unter kilomenterdicken Schichten von dummen, prahlenden, rechtfertigendem Propagandagelaber. Man erlebt eine Gesellschaft, in der es eine "Vergangenheitsbewältigung" nie gegeben hat bzw. die nun in Talkshows und einem Propaganda-Film Vergangenheit aufleben lässt. Wenn nach Walter Benjamin das Geheimnis der Erlösung Erinnerung heißt, dann ist hier Erlösung ganz ganz fern.

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TFX

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Bewertung10.0Herausragend

>>> Bewertung beruht auf dem Director's Cut <<<

Ich habe mich erst gar nicht getraut diesen Film zu bewerten.
Wie kann eine banale Zahl die Wucht dieser Dokumentation ausdrücken? Jetzt habe ich mich doch dazu hinreißen lassen und kann eigentlich nur diese Bewertung geben.
Der Film war Teil meiner Oscars 2014-Sichtungen und nur durch Zufall der letzte. In diesem Fall kam das Beste zum Schluß.

Im Nachhinein finde ich es überraschend, dass ich weder in der Schule, noch in den Medien jemals etwas vom Indonesienmassaker 65/66 gehört hatte, ich wusste daher erst gar nicht richtig, wie ich das bewerten soll.
Guckt man sich Filme über den Holocaust an, und ich finde diesen Vergleich recht passend, weiß man was einen erwartet. Das pure Böse, von der heutigen Gesellschaft geächtet. "The Act of Killing" wirkt unter anderem deshalb so befremdlich, weil die Mörder wie Helden gefeiert werden, in Talkshows eingeladen werden und alle finden es wunderbar und schön, die bösen Kommunisten getötet zu haben.
Hinterfragt wird nichts. Wer waren denn die "Kommunisten"? Was haben sie getan, dass sie den Tod verdient haben?

Das Kranke daran ist, dass man sogar zwischendurch anfängt Sympathien zu entwickeln und sich dafür schämt. Ohne die Hintergrundgeschichte, wären das ganze nur höfliche, nette Menschen, die ihr Leben in Indonesien genießen und man denkt sich "Moment, diese Menschen haben Tausende von unschuldigen Menschen gewissenlos getötet" und somit findet auch im Zuschauer ein Wandel innerhalb der 160 Minuten statt. Irgendwann kann man lediglich Abscheu und Ekel für diese Monster empfinden, wird allerdings auch immer mehr in die Darstellungen hinein gesogen und kann sich schwer losreißen.

Der Film bietet somit einen heftigen Einblick in die Abgründe des Menschen und schafft ein ganz neues Bild, einer Gesellschaft, die man in dieser Form nicht gewohnt ist. In der Art und Weise, wie es der Regisseur schafft, das Vertrauen der Dargestellten zu gewinnen und somit wirklich in jede dreckige, dunkle Ecke dieser widerlichen Inszenierung zu kommen, ist herausragend, umso erschreckender, was er wirklich aufdeckt. Beispielsweise, die Jugendbewegung, die durch Propaganda von klein auf die Ideen der Älteren eingetrichtert bekommen.
Für mich definitiv eine Dokumentation die jede Aufmerksamkeit verdient, die sie bekommt und am besten in den Schulunterricht eingebunden werden sollte. Vielleicht kann ich das nach meinem Lehramtsstudium ja sogar selbst machen.

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maximilian.ebker

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Oh man, jetzt bin ich erst mal wieder wach.

Was für ein Film! Ich muss den erstmal ein paar Tage sacken lassen um eine Bewertung abzugeben.

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Bletch

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Super, vielen Dank!
Obwohl ich immer noch mit mir kämpfe, ob ich den Film sehen will oder nicht...


simulcara

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Bewertung10.0Herausragend

The Act of Killing ist ein immens wichtiger Film. Er zeigt die Scheußlichkeit, zu die nur die Spezies Mensch imstande ist. In einem bizarren Schauspiel werden vergangene Taten simuliert und glorifiziert, immer noch währende präsentiert.
Diese eiskalte Banalität, in der einer der Täter zeigt, wie er tausende Menschen mit einem Draht erdrosselte, die Erläuterung seiner Arbeitsmontur ("I wore jeans for killing."), die Perversion, wenn die Täter die Kreuzverhöre als Mafia-Film-Szenen simulieren, offen darüber reden, am liebsten 14-jährige zu vergewaltigen.
Und nein, diese Leute sind heute nicht geächtet, sie werden geachtet.

"Gangster means "free man"."
Verbrechen ist immer eine Definition des Siegers.

"Did the people I torture feel the way I do here?"
Einer der wenigen Momente, in denen sich "Josh" äußert:
"Actually, the people you tortured felt far worse, because you knew it's only a film. They knew they were being killed."

"In my dreams they have threatening voices. They're like ghosts who hate me... They laugh, but frighteningly."
Mögen euch diese Geister bis ans Ende eurer Tage verfolgen.

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Bastieff

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

***Directors Cut Review***

Eine Dokumentation, die es unwiderleglich in sich hat. Regisseur Joshua Oppenheimer führt uns ins heutige Indonesien und skizziert die beiden Einheimischen Anwar Congo und Adi Zulkadry. Beide haben zwischen 1965 und 1966 im erwähnten Land bei einer antikommunistischen Massentötung über tausende von Personen in der Zivilbevölkerung getötet.
Im Film THE ACT OF KILLING berichten sie sehr detailliert über die grausamen Ermordungen, während sie diese Delikte per Kamera noch einmal auf verschrobene Weise darstellen.

Den dokumentarischen Bereich habe ich leider in den letzten Jahren etwas vernachlässigt, aber dieses Jahr hab ich mir vorgenommen dort auch einmal zu buddeln. THE ACT OF KILLING war dann quasi der erste Fund. Hoch bejubelt, hoch gehandelt als diesjähriger Oscargewinner. Okay, da genehmige ich mir doch endlich mal eine Sichtung.
Und die Folge war blankes Staunen. Oppenheimer lässt Massenmörder vor laufender Kamera über ihre Taten sprechen. Fragen braucht er ihnen fast keine zu stellen. Die an und für sich munter darauf los, wie sie unzählige Menschen im Dienste des Staates getötet hatten. Die Morde müssen schnell und lautlos über die Bühne gehen. Nicht zu viel Aufruhr sollte es geben. Die Leichen werden dann im nächsten Fluss versenkt.
Besonders Anwar Congo nimmt Oppenheimer in den Fokus. Heute ist er ein alter Mann, der anfangs seine Taten nicht bereut, sondern sie als richtig tituliert. Er musste töten, weil Kommunisten ein Schandfleck im damaligen Indonesien waren. Zudem war es im Staat auch erlaubt. So erzählt Anwar detailliert, wie er seine Opfer oftmals strangulierte und führt den Zuschauer zu Originalschauplätzen, wo sich eben alles abspielte.
Der damalige diktatorische Polizeistaat unter der Hand von Suharto duldete keine Protestanten mehr, nachdem wahrscheinliche Sympathisanten der kommunistischen Partei Indonesiens mehrere hochrangige Generäle bei einem Putschversuch ermordeten. „Denn wer der Land zerstören will, wird zerstört“, so der allgemeine Tenor.
Anwar und viele andere, die dem Staat die Treue erwiesen, sehen sich wie Gangster. Diese Charaktere gelten als freie Menschen im Land. „Relax und Rolex“ steht an der Tagesordnung. Es werden chinesische Händler erpresst, beim Glücksspiel betrogen und andere illegale Kriminalitäten.
Amerikanische Filme, in denen Menschen ermordet werden, verleiten Anwar auf genau dieselbe Art und Weise die Staatsfeinde zu beseitigen. Gangsterfilme und Western mag er am meisten.
Das Töten wird in diesem Film zwar als schlecht benannt, nichtsdestoweniger muss man eine Möglichkeit finden, wie man sich demgegenüber nicht schuldig fühlt. Eine Ausrede, eine Notlüge oder was auch immer wird erfunden, um die Vergehen zu rechtfertigen. Übrigens wurden sie nie staatlich angeklagt, was streng genommen darauf entschuldigt, das sie keine Schuld daran haben. Und wenn Bush bei seinen Handlungen nicht verurteilt wurde, dann sind sie auch nicht für ihre Verbrechen schuldig, meint er von ihnen.
Das Interessante am Film ist seine erneute Darstellung der damaligen Taten. Die Mörder spielen sowohl Opfer, als auch Täter und stellen Szenen unter anderem im Gangster- und
Westernlook nach. Die Produktionen wirken bizarr und haben einen Hang zum Surrealen. Vor allem plagen Anwar Alpträume über seine Morde. Einmal träumt er von einem Opfer, dass ihm eine Medaille als Anerkennung überreicht und ein anderes Mal, taucht ein heimsuchender Toter vor seinem Bett auf.
Im Gegenzug wird eine traumähnliche Sequenz mit tanzenden Frauen, einem riesengroßen Fisch und die beiden dazugehörigen Täten gezeigt, was das Szenario bizarr, auf eine komische Art lustig werden lässt und an Musicalnummer erinnert.
Trotz dessen, dass dieser Film ein ernstes politisches Thema anspricht, zeigen sich Anwar und Adi vor der Kamera auch als Spaßvögel, indem seltsam für die Kamera posieren oder Einzelheiten amüsant darstellen.
Traum, Realität, ernste und komödiantische Fiktionen werden miteinander vermischt, weil der Regisseur immer wieder zwischen den Interviews, Einbildung und Nachstellung hin und her schneidet. So schafft der Regisseur viele einzelne unterschiedliche, interessante, wenn auch im Gesamten merkwürdige, aber äußerst effektive Bebilderung der beiden Hauptakteure und ihre dargestellten Taten.
Dadurch entsteht eine wahrhaftige Originalität, mit der wir uns noch lange beschäftigen werden.
So ist THE ACT OF KILLING mutiges, schonungsloses, bizarres Politkino, das jeder gesehen haben sollte und aufgrund der unterschiedlichen Darstellungen dieser abscheulichen Taten und Ansichten der Unbestraften mich perplex zurückgelassen haben.

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boxcarsboxcars

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Weiß nicht. Ich glaube, man müsste sehr lange diskutieren, um auf eine adäquate Bewertung kommen zu können. Mir scheint aber, dass noch kein Georges Didi-Huberman zur Stelle ist, der einen durchschlagenden Einwurf parat hat - ganz gleich in welche Richtung. Wichtig ist in meinen Augen nicht der Film, sondern der Diskurs, den er anstoßen will. Von dem habe ich aber noch viel zu wenig gesehen (bisher).

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erik.stein.12

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Bewertung9.5Herausragend

Vorwort:
Das Review basiert auf der knapp 2-stündigen Kinoversion. Der ca. 160-minütige Director´s Cut lag mir leider nicht vor.

Die kommende deutsche Blu Ray Veröffentlichung Ende Februar soll den Director´s Cut beinhalten, allerdings frei von den vielen interessanten Extras seien, die auf der US-BD zu finden sind und welche die Kinoversion, sowie den Director´s Cut besitzt. Ein Review zum US-Import (nicht code-free) und somit auch ein paar ergänzende Worte zum Director´s Cut werden folgen!

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Ich habe ja schon viel gesehen… auf diversen Reisen in „exotischeren“ Ländern und selbstverständlich auch auf Blu Ray, bzw. DVD oder VHS. Aber das was man bei The Act Of Killing zu sehen bekommt entbehrt fast jeglichem gesunden Menschenverstand.
The Act Of Killing ist eine Dokumentation, die ein extrem authentisches und erschreckendes Portrait eines Massenmörders, eines Henkers könnte man sagen, zeichnet, wie man es unter Garantie noch nicht gesehen hat. Während eines Militärcoups in Indonesien während der 60er Jahre, wurden unzählige Kommunisten verfolgt, gejagt und rund eine Million (oder mehr) getötet.

Ca. 1000 Opfer dieses Völkermordes gehen alleine auf die Kappe von Anwar Congo, dem sich dieses Portrait widmet. Anwar Congo, ein „Gangster“, was jedoch in der indonesischen Übersetzung „free man“ bedeutet, unterm Strich in diesem Falle aber dennoch nichts anderes, als ein Gangster ist, erzählt unverblümt über seine Taten und Tötungspraktiken, ist sich keiner Schuld bewusst, eher sogar noch stolz auf seine erfundenen Praktiken, besitzt die Unverschämtheit spöttisch über die Opfer zu sprechen, stellt sich als teils bewusst sadistischer als die Nazis dar und hat generell eine gute Zeit dabei.

Während dieses (im Director´s Cut 160-minütigen) Portraits, kommen einige ähnlich abscheuliche Persönlichkeiten zur Sprache, die zum Freundes- und ehem. Arbeitskreises von Anwar Congo zählen. Politiker, die all das Treiben billigen, unterstützen und befürworten, zeigen auf erschreckende Weise, wie korrupt das Land über weite Teile ist. Vergewaltiger aller Altersgruppen dürfen in einem dermaßen bunten Treiben an Unmenschlichkeiten selbstverständlich auch nicht fehlen…

Zusammengehalten wird dieses Gerüst von dem Vorhaben Anwar Congo´s einen Film über sich selbst, seine Kollegen und seine Taten zu drehen, die durch Joshua Oppenheimers´ (Regisseur) Crew zum Teil gefilmt werden und in denen sich die Hauptfigur Anwar Congo entsprechend selbst in Szene setzt. Teils völlig überzeichnet, mit exzessiver Selbstverliebtheit ausgestattet und mit übertriebenen und extrem billigen Gore-Szenen versetzt, werden auch hier Tötungspraktiken, Albträume und surreale Wunschvorstellungen für die Ewigkeit festgehalten. Die unfreiwilligen, als freiwillig dargestellten Statisten müssen öfters durch die Hölle gehen. Ob weinende Kinder, am Nervenzusammenbruch zusammenklappende Damen oder chinesische Geschäftsbesitzer, die vor laufender Kamera erpresst werden (eine Entschädigung durch die Filmcrew fand im Nachherein statt), Anwar Congo und seinen Freunden fehlt jegliches menschliches Mitgefühl… Einwände Oppenheimers, die hin und wieder zu vernehmen sind, werden nicht weiter beachtet.

Voller Gegensätze steckt die Doku oder besser gesagt das Land, die Regierung und viele seiner Einwohner. Mörder, die niemand zur Rechenschaft zieht, die auf perfide Art und Weise familienfreundlich und tierlieb sind, der Staat, der die Bevölkerung auf Gefahren und Gesetze hinweist, im Gegenzug aber die „Free-Man“ als Handlanger und Instrument der Unterdrückung und Ausbeutung nutzt, sowie Wahlveranstaltungen, die Demokratie vorgaukeln, jedoch von A bis Z geschmiert sind und dessen Publikum gekauft ist.

Fünf Jahre hat Joshua Oppenheimer gebraucht, um dieses Werk umzusetzen. Drei Jahre davon alleine in der Vorbereitung. Es hat sich gelohnt, denn heraus gekommen ist etwas Einmaliges, garantiert nichts Schönes, dafür aber etwas Authentisches und meiner Meinung nach geschichtlich Relevantes… ein Zeitzeugnis, wie man es nocht nicht gesehen hat. Ein Stück menschliche Geschichte, das wiedermal beweist, dass der Mensch das schlimmste Tier von allen ist.

P.S. Ob das Ende, die Reue Anwar Congos´, die damit einhergehende Selbstreflektion und der Moment des Erwachens dieses „Menschen“ einfach nur geschauspielert ist oder der Wirklichkeit entspricht, lässt sich schwer sagen. Zu wünschen wäre es ihm, genauso wie das damit verbundene Seelenleid für seine verbleibenden Jahre. Jedoch lassen die vorausgegangenen Szenen, Äußerungen und der Stolz, der ständig in dieser Person mitschwingt, schwer daran zweifeln.

http://mr-stone-movies.blogspot.de

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VisitorQ

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

♥ Metropolis Kino ♥
Da ist im Programmheft nett die Kinofassung angekündigt und was ist? Man ballert uns den 160 minütigen dir. cut um die Ohren. Sorry an all die Leute die aufgrund dessen 50 Minuten länger auf ihren Film warten mussten.
Aber soll ich euch was sagen? Bei so einer Granate von Film sind mir andere Menschen einfach mal ganz egal. ;D

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Murray

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Die 160 Minuten haben mir dann aber auch gereicht. Länger hätte ich es kaum ausgehalten.


Nutella?!!

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.. "andere Menschen einfach mal ganz egal." [2] .. genau darum geht's.


JimiAntiloop

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Dieser Film ist unglaublich :OOOOO
...man kann es fast nicht glauben, was man hier sieht. Mir fehlen die Worte!
Wenn man Indonesien begreifen will schaue man diesen Film und vor allem auch das Interview mit dem Regisseur "Joshua Oppenheimer" mir Democraty Now in den DVD Extras!
Einer der Filme des Jahres 2013
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Nun doch ein, zwei Worte...
Dieser Film zeigt verstörend das Ausmaß der Freiheit von Ungerechtigkeit und Naiver Dummheit auf diesem Planeten!

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