Samaria

Samaria (2004), KR
Laufzeit 96 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 09.12.2004

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7.6 Kritiker
11 Bewertungen
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von Ki-duk Kim, mit Ji-min Kwak und Min-jeong Seo

Yeo-Jin, noch keine zwanzig, lebt mit ihrem verwitweten Vater zusammen. Ihre beste Freundin Jae-Young arbeitet als Prostituierte. Yeo-Jin ist so etwas wie ihre Managerin – sie hat ein Auge auf ihre Kunden und ihre Einnahmen. Als sich Jae- Young in einen Freier verliebt und ein Abendessen zu dritt verabredet, reagiert Yeo-Jin sehr verärgert auf diese Intimität, Jae-Young sagt daraufhin die Verabredung ab. Kurz darauf unterläuft Yeo-Jin ein verhängnisvoller Fehler: Wie üblich steht sie Schmiere als Jae-Young mit einem Mann im Motel verschwindet. Doch diesmal übersieht sie die Polizisten, die nach minderjährigen Prostituierten fahnden. Um nicht von ihnen geschnappt zu werden springt Jae-Young aus dem Fenster und verletzt sich dabei schwer. Auf dem Sterbebett bittet sie Yeo-Jin, den Mann herbeizuholen, mit dem sie zum Essen verabredet waren. Nach kurzem Zögern willigt Yeo-Jin ein, doch der Mann will sie nicht sehen – es sei denn, Yeo-Jin ginge mit ihm ins Bett. Ihrer Freundin zuliebe tut sie es. Doch als sie im Krankenhaus eintreffen ist Jae-Young schon tot. Von nun an trifft sich Yeo-Jin mit allen ehemaligen Freiern ihrer Freundin und schläft mit ihnen. Verdienen will sie dabei nicht, im Gegenteil: Sie gibt ihnen ihr Geld zurück. Eines Tages kommt Yeo-Jins Vater hinter das Doppelleben seiner Tochter. In seiner Wut beginnt er, sich an ihren Freiern zu rächen. Bis er einmal zu hart zuschlägt.

Handlung

Yeo-jin (Ji-min Kwak) und Jae-yeong (Han Yeo-reum) sind zwei koreanische Schulmädchen, die davon träumen, nach Europa zu reisen. Das Geld hierfür beschaffen sich sich, indem sich Jae-yeong prostituiert und Yeo-jin dabei Schmiere steht. Eines Tages kommt Jae-yeong allerdings bei einem Sprung aus dem Fenster auf der Flucht vor der Polizei ums Leben. Yeo-jin, die so ihre beste Freundin verliert, möchte fortan die Schuld, die die beiden Mädchen sich durch die Prostitution aufgeladen haben, wieder reinwaschen. Sie beginnt, jeden einzelnen Freier wieder aufzusuchen. Nachdem sie mit ihnen geschlafen hat, zahlt sie ihnen das Geld zurück.

Eines Tages kommt Yeo-jins Vater (Eol Lee), ein Polizist, dem Treiben der Tochter auf die Schliche. Ohne sich mit ihr auszusprechen, verfolgt er fortan jeden Freier, der sich mit Yeo-jin treffen möchte. Seine unglaubliche Wut und Enttäuschung entläd sich in Prügeleien und Randalierungen. Um die Ehre seiner Tochter zu retten, verfolgt er Yeo-jin auf Schritt und Tritt.

Eines Tages schlägt der Vater einen Freier der Tochter zu Tode. Nun innerlich von seinem Druck befreit, schlägt er seiner Tochter eine gemeinsame Reise zum Grab der verstorbenen Mutter vor. Die beiden machen sich auf in die koreanische Landschaft und kommen sich langsam wieder näher. Nachdem der Vater der Tochter das Autofahren beigebracht hat, lässt er sich von seinen Kollegen abholen und die Tochter alleine zurück.

Wissenswertes
Der Film unterteilt sich in drei Kapitel: Vasumitra (eine indische Prostituierte), Samaria (nach dem bibischen Volk) und Sonata (eine koreanische Automarke für die Unterklasse).
Die Hauptdarsteller sind Laien.
Samaria erhielt 2004 den Silbernen Bären der Berlinale.
Viele katholische Elemente tauchen in Samaria auf. Auch Regisseur Kim Ki-Duk ist Christ.
Die Drehzeit betrug nur 36 Tage und der Film kostete nur 400000 US-Dollar.

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Kritiken (2) — Film: Samaria

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8.0Ausgezeichnet

Kim Ki-Duk besitzt einen scharfen Blick für die Perversitäten der (koreanischen) Gesellschaft und die Fähigkeit, sie in seinen Filmen bis zum bittersten Ende zu erzählen. Schon in früheren Filmen wie The Isle , Bad Guy oder auch Frühling, Sommer, Herbst und Winter ging es um Gewalt, Prostitution sowie um Schuld und Sühne. Keiner dieser Filme hat allerdings mit vergleichbarer Wucht und Schärfe Partei für die Opfer ergriffen und wie Samaria (sexuelle) Gewalt verurteilt, im Gegenteil: In Bad Guy wurde sie sogar noch bagatellisiert. Da verliebte sich eine Frau, die gegen ihren Willen zur Prostitution in einem Bordell gezwungen wurde, am Ende noch in ihren Peiniger. Samaria hingegen richtet einen wütenden, entlarvenden Blick auf die Täter, vermeintlich brave Familienväter und Biedermänner.

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9.0Herausragend

Dank der Konsequenz, mit der der Film die Motivketten schnürt, fügt sich die neutestamentarische Ikonographie (die bereitwillig getragene Last, der sühnende Steinwurf) nahtlos zu seiner eigenen (in der wiederum das Element des Wassers eine zentrale Rolle spielt). Figuren führt Kim Ki-duk regelmäßig durch Großaufnahmen ihrer Hände ein. Das Handeln gewinnt eine schleichende Vieldeutigkeit.

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Kommentare (5) — Film: Samaria

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dustyOn3

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Bewertung10.0Herausragend

Da hat Kim Ki-Duk mal wieder genau meinen Geschmack getroffen. Der Mann weiß einfach wie man eine bedingungslose Story mit eleganter Musik und eingravierenden Bildern verbindet.

Einfach nur genial, was vor allem Han Yeo-reum wieder geleistet hat. Sie hat mich nach "Hwal" nun bereits zum zweiten Mal wirklich beeindruckt. Und auch wenn sie nicht sehr lange zu sehen ist, strahlt sie, egal welche Person sie verkörpert, jedes Mal eine derartige Wärme und Liebe auf der Leinwand aus, dass ich vergeblich ihresgleichen suche. In diesem Fall verkörpert sie Jae-yeong, ein junges Mädchen welches trotz ihrer grenzwertigen Einstellung an Geld zu kommen, in jeder Situation eine ganz spezielle Unschuld ausstrahlt. Sie kann allein mit ihrer Mimik den Zuschauer zum schmelzen bringen. So etwas ist meiner Meinung nach nicht so häufig anzutreffen und wahrscheinlich auch sehr subjektiv, aber trotzdem gravierend für mich.

"Jae-yeong, hör auf zu lächeln. Was gibt es denn jetzt zu lächeln? Hör auf damit. Hör auf zu lächeln." - Von mir aus sollte sie niemals damit aufhören.

Aber auch die anderen Darsteller konnten wirklich überzeugen.
Kwak Ji-min als Yeo-Jin beherrscht es perfekt, in der einen Situation noch knallhart und unnachgiebig zu sein und bereits in der nächsten Sekunde eine fast schon melancholische Aura auszustrahlen. Eol Lee verkörpert den Vater von Yeo-Jin, Yeong-ki. Auch er war für seine Rolle wie geschaffen. Großartig, wie er diesen verzweifelten und standhaften Charakter spielt.

"Der Film arbeitet mit einer Stimmung der Hoffnungslosigkeit, mit Schmerz und Brutalität und beweist dabei einen humanen, nicht moralisierenden Geist, während die Bilder sowohl an französisches Kino als auch an christliche Symbolik erinnern, ohne eine Erlösungsbotschaft bereitzuhalten." Wie wahr. Kim Ki-duk hat wieder einmal bewiesen, dass er alle Elemente die er einbringen wollte, auch einbringen konnte. Wer sich so viel Mühe gibt, hat halt auch ein Recht verstanden zu werden. Und mit "Samaria" drehte er innerhalb von nur einem Monat ein kleines Meisterwerk.

Mit wenig Budget aber viel Kreativität und einem meisterhaften Sinn für effektives Kino, welches neben der Unterhaltung einen profunderen Sinn liefert, ist "Samaria" genau das, was Kim Ki-duk auszeichnet. Ein wunderbarer Film, welcher nicht nur eine Gehirnzelle in Anspruch nimmt.

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Stefan Ishii

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Toll, dass dir "Samaria" auch ne 10,0 wert war. Ich würde dem Film so gerne mehr als nur 10 Punkte geben. Er ist für mich einfach etwas ganz besonderes...


dustyOn3

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Für mich auch. Der ist echt genial.


8martin

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Bewertung6.0Ganz gut

Mit beeindruckenden Bildern hat uns Kim Ki-Duk immer schon überzeugt. So auch in diesem Film, vor allem am Anfang. Aber hier setzt er uns dann allerdings eine etwas kryptische Story vor: Polizist entdeckt, dass seine Tochter nicht nur Schülerin ist, sondern auch noch Nachwuchsnutte. Dagegen geht er mit asiatischer Ruhe vor. Er redet mit seiner Tochter nicht. Stattdessen reichen seine Methoden von der bloßen Drohgebärde gegenüber den Kunden bis hin zum Mord. Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, wie er sich andererseits in sich selbst vergräbt und wie ein Hund leidet. Es scheint unwichtig zu sein, dass er sich dabei schuldig macht. Handelt er nun aus Rache, um die oft zitierte Besudelung der Familienehre wiederherzustellen? Oder ist sein Ziel die Ausschaltung der Freier seiner Tochter, um ihr den Weg ins Leben weiterhin zu ebnen? Auf alle Fälle wahrt er sein Gesicht gegenüber seiner Tochter. Am Ende bringt er ihr sogar noch das Autofahren bei. Doch sie bleibt im Morast stecken!? Eine symbolträchtige Handlung, die einen erstaunt und nachdenklich machen kann. Eine Sehweise, die uns Europäern eher fremd erscheint. Und unbedeutend, wenn man an die beiden großen Filme ’Frühling, Sommer…etc’ und ’Bin-Jip’ denkt.

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maslobojew

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Bewertung7.5Sehenswert

Ungewöhnlich viel Dramaturgie durch die Dialoge im Vergleich zu den bekannteren Filmen von Kim Ki-duk (Seom, Frühling..., Bin-Jip, mit Ausnahme vielleicht von Bad Guy). Dieser Film zog mich ähnlich in seinen Bann und war für mich relativ gut nachfühlbar von seinem Thema her. Allerdings sprachen mich die oben genannten Filme persönlich einfach mehr an.

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RLX-Devlin

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Bewertung7.5Sehenswert

In kargen, bisweilen frostigen Bildern hüllt Samaria die Motive Schuld und Sühne in ein ruhig und bedacht erzähltes Werk, wo die gezeigten gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Perversitäten nur als Aufhänger dienen. Während des ganzen Films, der manchmal sehr explizit wirkt und in den richtigen Momenten viel Raum offen lässt, lässt Kim Ki-Duk seine 'Opfer' nie allein, ergreift aber auch niemals Partei.

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Stefan Ishii

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Samaria" ist einer von nur ganz wenigen Filmen, von denen ich behaupten würde, dass sie mich im allgemeinen und meine Sichtweise auf die Filmwelt im speziellen wirklich verändert haben. Der Film hat mich 2004 extrem beeindruckt. Niemals davor - aber auch niemals wieder danach - verliess ich ein Kino mit einem derartigen Gefühl von Ergriffenheit. Es war wie eine Offenbarung für mich. Danach hatte ich zum Beispiel absolut kein Interesse mehr an amerikanischer Einheitskost. Ich entdeckte quasi eine neue Welt für mich. Seither habe ich viele ähnliche Filme aus Korea (darunter fast alle vom "Samaria"-Regisseur Kim Ki-duk), aber auch Japan, China, Südamerika oder Europa, gesehen. Trotzdem bedeutet "Samaria" mir immer noch sehr viel und hat für mich niemals an Kraft und Faszination eingebüsst.

Ich kann garnicht wirklich in Worte fassen, warum mich "Samaria" so stark berührt. Die gesamte Darstellungs- und Erzählweise des Filmes ist unglaublich herausragend für mich. Die Bilder brannten sich mir auf ewig ins Gehirn. Die Musik, auch wenn sie nur sparsam eingesetzt wurde, ist noch immer umwerfend. Die Stimmungen, die der Film vermitteln kann, sind so extrem stark.

Ich liebe "Samaria" einfach...

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dustyOn3

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Wegen diesem Kommentar habe ich den Film überhaupt erst gesehen. Und wie ich ihn fand, kannst du mit Leichtigkeit feststellen. ;-)


Stefan Ishii

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Wow. Da ist das größte Lob, das man erwarten kann. Es freut mich sehr, dass der Film dir ebenfalls so gut gefallen hat wie mir.


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