3 Stunden Avengers 4: Die Laufzeit von Endgame kann gar nicht lang genug sein

Avengers 4: Endgame
© Walt Disney
Avengers 4: Endgame
31.03.2019 - 11:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Avengers 4: Endgame wird lang, sehr lang. Mit mehr als drei Stunden Laufzeit zu viel für einen Blockbuster? Auf keinen Fall! Das Kino erinnert sich endlich wieder an seine großen Filme.

Drei Stunden. Das sind 180 Minuten. Bei Avengers: Endgame werden es sogar zwei mehr sein. Offiziell und endgültig ist das zwar noch nicht, doch den Angaben einer Kinokette zufolge soll Avengers 4 tatsächlich eine Laufzeit von 182 Minuten besitzen. Diverse Internetseiten wie IMDb  haben diese Information bereits übernommen.

Im Kino fiel bisher noch kein US-Superheldenfilm derart opulent aus (Zack Snyders Watchmen und Batman V Superman bekamen erst auf DVD und Blu-ray ihre Dreistundenfassungen), für Disney und Marvel ist die Mega-Laufzeit von Avengers 4 ein großes Wagnis. Aber auch ein Glücksfall.

Wenn auf dem Kinoticket "mit Pause" steht, muss es etwas Großes sein

Meine Kollegin Andrea hat sich ebenfalls schon mit der Rekordlänge des neuen MCU-Ablegers auseinandergesetzt und bezog sich dabei vor allem auf eine mögliche Pause. Traditionelle Unterbrechungen sind bei 182 Minuten wohl kaum zu vermeiden, das Sitzfleisch der modernen Zuschauerschaft scheint ja eh etwas weniger robust gebaut, als dies noch früher der Fall war.

Wenn selbst bei 90-Minütern die Kinogänger im Minutentakt die Sanitäreinrichtungen aufsuchen müssen (warum gönnt man sich auch 1,5 Liter Cola?), mag ich mir das ständige Kommen und Gehen bei Endgame gar nicht ausmalen. Da kommt eine Pause gerade recht, um dem Ganzen etwas vorzubeugen. Andererseits: Das nervige Popcorn wird wieder aufgefüllt, der zweite Gang zur Theke führt zudem bei manch Besucher zu massiven Verspätungen. Wie blöd, wenn der Film bereits wieder anfängt.

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Doch ob Halbzeit oder nicht: Drei Stunden Superhelden-Action sind verdammt lang, viel zu viel? Mitnichten. Der dreistündige Film ist im Kino längst eine aussterbende Spezies, zumindest was den Blockbuster-Rahmen angeht. Speziellere Off-Kost oder gerade internationale Kunst, die ihr Publikum bis zu einem halben lang Tag in den Lichtspielsaal einsperren, gibt es dagegen immer wieder. Letzte Woche habe ich mir erst Werk ohne Autor gegönnt, mit 188 Minuten nahezu genauso unvergänglich wie Avengers 4. Ansonsten haben die beiden Titel natürlich nichts miteinander gemein.

Florian Henckel von Donnersmarcks deutscher Oscar-Beitrag lief bei mir nicht auf einer großen Leinwand, sondern auf dem Schreibtisch. Die Kraft des Films war dennoch spürbar. Das episch aufgeladene Drama erschien erst im vergangenen Jahr und beweist gerade durch seine kurzweilige Dramaturgie: Filme dürfen verdammt lang sein, wenn es ihr Thema hergibt. Nur ist Werk ohne Autor eben kein Blockbuster.

Blade Runner 2049 hat jede seiner 163 Minuten verdient

In den Betonklötzen der Multiplexketten sind dreistündige Werke heutzutage fast gänzlich aus den Sälen verschwunden. Dabei gäben die in der Regel bequemeren Sitze als die gängige Holzklassen-Bestuhlung der Programmhäuser eigentlich alles her für einen längeren Kinoabend.

In den letzten Jahren findet man zwar einige Big-Budget-Vertreter mit beachtlicher Laufzeit wie Blade Runner 2049 (viel zu kurze 163 Minuten), Interstellar (genau richtige 169 Minuten) oder Transformers 4: Ära des Untergangs (viel zu lange 166 Minuten) – die 180-Minuten-Marke geknackt hat im Mainstream-Segment in der letzten Dekade aber eigentlich nur Martin Scorseses The Wolf of Wall Street.

Das Kinoerlebnis muss wieder zum Erlebniskino werden

Das 2014 erschienene Biopic mit Leonardo DiCaprio weist sogar exakt 180 Minuten vor, keine einzige mehr ließ das Studio Universal zu. Streng genommen lief der letzte Film, der großes Leinwandspektakel mit einer überdurchschnittlichen Dauer verband, tatsächlich noch selbst auf Film: 201 Minuten lang ratterte Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs vor 16 Jahren durch den Projektor.

Lange Filme bedeuten für mich ein Erlebnis. Man bekommt automatisch das Gefühl, etwas Großes zu sehen und dass der Abend mehr ist als nur der allwöchentliche Kinobesuch. Diese ganz besonderen Emotionen schaffen nur Schöpfungen wie Titanic, Avatar oder The Green Mile hervorzurufen. Wenn Mainstream ein großes Format bekommt, dann ist es auf einmal mehr als nur Mainstream.

Überlange Sandalenfilme sind quasi tot

Wenn ein wenig Nostalgie erlaubt ist, darf man sich an Ausstattungsfilme wie Lawrence von Arabien, Ben Hur oder Cleopatra zurückbesinnen. Bis zu den 1960er-Jahren gehörte ein mehr als 200-minütiges Monumental-Ereignis noch zum guten Ton im Lichtspielhaus. Heute ist das Zuschauerverhalten anders. Informationen wollen schneller verarbeitet werden, für viele ist der Gedanke, das Smartphone länger als zwei Stunden nicht benutzen zu können, unerträglich. Dabei kriegt man doch sogar mehr für sein Geld.

Mehr Inhalt bedeutet aber nicht immer gleich mehr Qualität. Natürlich muss ein Dreistundenfilm genug Stoff bieten, um seine Laufzeit zu rechtfertigen. Die erwähnten Mainstream-Exemplare waren immerhin per se sehr gute Filme.

Captain Marvel oder Solo: A Star Wars Story fielen zuletzt mit ihren rund zwei Stunden mehr als lang genug aus, durchschnittliche Titel sollten auch nur eine durchschnittliche Länge haben.

Fehlt es einer Geschichte an Tiefe, macht sich diese Schwäche mit jeder weiteren Minute umso mehr bemerkbar. Der angesprochene Transformers: Ära des Untergangs etwa verkommt mit seiner seelenlosen Zerstörungsorgie zu einer Zumutung für den Zuschauer, da sich der Vorhang erst nach mehr als zwei Stunden und 45 Minuten sinnbefreitem Quatsch wieder schließt.

3 Stunden Avengers 4: Komplexe Stoffe brauchen Zeit

Ein Batman v Superman geht in seinem dreistündigen Ultimate Cut dagegen deutlich besser auf als die 151-minütige Kinofassung, da diese noch massive Storylöcher aufwies. Watchmen geht im Heimkino bis zu 215 Minuten, die Comicvorlage hat immerhin fast 500 Seiten. Komplexere Geschichten brauchen eben einfach ihre Zeit, um greifbar zu werden.

Avengers 4: Endgame

Im erwähnten Werk ohne Autor lässt sich der finale Erfolg des Protagonisten, in dem Fall die Findung des richtigen Sujets für seine Malerei, auch nur erfassen, weil Tom Schillings Figur zunächst seine eigene Identität ergründen muss. Und dazu benötigte es die Hälfte seines Lebens.

Avengers 4 wird von seiner Mega-Laufzeit genauso profitieren. Bereits der Vorgänger Infinity War fiel mit 149 Minuten beachtlich umfangreich aus, aufgrund der Masse an Charakteren wirkte das Erzähltempo allerdings arg gehetzt. Avengers 3 wurde somit zwar zu einem alles andere als langweiligen Vergnügen, das einen jedoch zugleich kaum eine Sekunde Luft holen lies.

Teil 4 bekommt nun die Chance, in seiner zusätzlichen halben Stunde ruhigere Momente einzubauen, die hoffentlich nicht mit weiteren dummen Witzchen, sondern mit großen Kinomomenten gefüllt werden. Die sollte ein großer Film auch haben.

Avengers 4: Endgame startet bundesweit am 24.04.2019 in den Kinos.

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