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Ein Spin-off mit Wookiees

Der Star-Wars-Film, der im Giftschrank landete

Chewbacca und seine Freunde feiern den "Happy Life Day" im legendären Star Wars Holiday Special.
© CBS / Lucasfilm
Chewbacca und seine Freunde feiern den "Happy Life Day" im legendären Star Wars Holiday Special.
18.11.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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George Lucas würde es gern vergessen machen, Fans betrachten es als Schandfleck im Kanon der Sternenkriegssaga. Doch das Star Wars Holiday Special verdient eine angemessene Veröffentlichung. Und endlich auch mehr Wertschätzung.

That's one of those things that happened, and I just have to live with it. (George Lucas)

Vor ziemlich genau 37 Jahren, am 17. November 1978, feierte das Star Wars Holiday Special auf dem US-amerikanischen TV-Sender CBS seine Premiere. Es war die erste und bislang letzte Ausstrahlung der als Spin-off um Chewbacca und seine Wookiee-Familie konzipierten Produktion, die trotz hoher Einschaltquoten auf wenig Gegenliebe insbesondere bei George Lucas stieß. Lange Zeit galt das immerhin zum offiziellen Kanon zugehörige, aber in den Giftschrank verbannte Holiday Special als eine Art Heiliger Gral im Star-Wars-Universum, dem der Ruf vorauseilte, die obskurste aller Sternenkriegsgeschichten zu erzählen. Erst in den 1990er-Jahren kam es zur (illegalen) Verbreitung einstiger Fernsehmitschnitte, auf die bis zum heutigen Tag alle erhältlichen Versionen des Films zurückzuführen sind. Das originale TV-Master sowie jegliche Verwertungsrechte am Holiday Special befinden sich im Besitz von Lucasfilm beziehungsweise Disney – und sie werden wohl kaum vorhaben, es jemals in restaurierter Form, geschweige denn überhaupt auf einem Heimmedium zu veröffentlichen.

Eigentlich ist das ziemlich schade. Beim Star Wars Holiday Special handelt es sich um mehr als nur eine kuriose Fußnote in der an Kuriositäten  sonst auch  nicht gerade armen  Geschichte offizieller Star-Wars-Ableger. Zum einen nämlich kann das Holiday Special eine gewisse inhaltliche Relevanz für sich beanspruchen, anders als manch ähnlicher Versuch jedenfalls, aus dem Franchise-Imperium eine nicht enden wollende Erzählung abzuleiten. Zum anderen versammelt es sowohl vor als auch hinter der Kamera so viele Mitglieder der am Original beteiligten Crew wie kein anderes Spin-off: Bis auf Alec Guinness, dessen Obi-Wan Kenobi den Krieg der Sterne bekanntlich nicht überlebt hat, kehrte die gesamte Hauptbesetzung des 1977er-Films in ihren Rollen zurück. Ralph McQuarrie war erneut für die Illustrationen und Oscarpreisträger Ben Burtt für das unverwechselbare Sounddesign verantwortlich (Wilhelmsschrei inklusive). Und tatsächlich soll George Lucas die Muster  täglich überprüft und abgesegnet haben, während er an Das Imperium schlägt zurück arbeitete.

"Introducing Chewbacca's Family"

Angesiedelt auf Kashyyyk, dem in Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith viele Jahre später ungleich epischer bebilderten Wookiee-Planeten, liefert das Holiday Special also höchst ungefragte Einblicke in den Alltag von Chewbaccas Familie. Vater Itchy, Ehefrau Malla und ihr offenbar leicht debiler Sohn Lumpy erwarten die Rückkehr des zotteligen Oberhauptes, der mit seinem Freund Han Solo in einer Mischung aus bekanntem und neu gedrehtem Material dabei ist, dem Sternenzerstörer von Darth Vader zu entkommen. Im Baumhaus der Familie bereitet Malla, deren Geschlecht man lediglich anhand ihrer Kochschürze erkennen soll (stimmlich zumindest unterscheidet sie sich nicht von Ehemann Chewbacca), den Kashyyyk-Feiertag "Happy Life Day" vor, sprich: Sie schaut virtuelle Kochshows und backt "Wookiee Cookiees"! Diese sehr vielen und langen, vor allem aber sehr unglaublichen Momente  beziehen ihren eigenwilligen Charme aus dem Umstand, dass sich die Familie dabei nur in Wookiee-Sprache, also sonderbaren Grunzlauten miteinander verständigt.

Über Videomonitore gesellen sich unterdessen ein sichtlich sonnengebräunter Luke Skywalker sowie Prinzessin Leia dazu, die gemeinsam mit R2-D2 und C-3PO schon den nächsten Gegenschlag der Rebellen austüfteln. Später kündigen sich auch imperiale Befehlshaber und Sturmtruppen an, die die Herausgabe wichtiger Informationen der Allianz fordern, im Wookiee-Baumhaus aber nichts Besseres zu tun haben, als sich ein Musikvideo von Jefferson Starship  anzuschauen! Wie es sich für Star Wars und seine Vermarktungslogik gehört, erschöpft sich das product placement beziehungsweise der offenherzige Einbezug der eigenen Marke in die Handlungs- und Bildstruktur noch nicht in solchen Cameos (wenngleich man bezweifeln darf, dass sich die entsprechende Single von Jefferson Starship gut verkauft hat), sondern verweist auch ganz konkret auf Merchandise-Produkte wie etwa eine Bantha-Stoffpuppe, mit der Chewbaccas Sohn Lumpy stets aufgeregt spielt. Ist das Holiday Special diesbezüglich vielleicht der ehrlichste Star-Wars-Film?

Tanzen mit Greedo: Beatrice Arthur als Bardame in der Mos Eisley Cantina.

Die Grenze zum wundersamen Camp übertreten aber auch Gastrollen von Komiker Harvey Korman und Tony-Award-Gewinnerin Beatrice Arthur (Golden Girls). Korman spielt einen vierarmigen TV-Host in Frauenkleidern und Blackface (!), Arthur eine Bardame vom Wüstenplaneten Tatooine, die in der nur allzu bekannten Mos Eisley Cantina Drinks serviert und ihre Belegschaft zum Feierabend mit einer Musical-Nummer beglückt (bei der sie freudig mit Greedo tanzt). Überhaupt wird hier ausgiebig gesungen, was natürlich ein weiterer dicker Pluspunkt des Holiday Specials ist (und so schön erst in Die Rückkehr der Jedi-Ritter wieder aufgegriffen wurde). Diahann Carroll trällert zum Beispiel als erotische virtuelle Figur  ein sehr sonderbares Lied ("I am your fantasy, I am your pleasure, experience me."). Carrie Fisher hingegen tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter Debbie Reynolds (Singin' In The Rain) und intoniert zum großen Finale  das nun mit pazifistischem Text versehene Star-Wars-Hauptthema von John Williams.

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