Aufreger der Woche

Titelzusätze - Rattenschwanz am Originalnamen

Kurze Titel sind out
© Sony/UPI/Ascot Elite/Walt Disney/UFA/20th Century Fox/moviepilot
Kurze Titel sind out

Ein guter Film braucht auch einen starken Titel. Oftmals ist das auch der Fall – bis ein Deutscher drübergeht und beschließt, dass vorne oder hinten noch ein bisschen Platz ist, der durch irgendeinen doofen Satz ausgefüllt werden sollte.

Der Aufreger der Woche handelt von den dämlichen deutschen Titelzusätzen, die an den Originalnamen eines Films rangeklatscht werden.

Hilfe – Änderungen & andere Dinge
Deutschland ist ein schönes Land, in dem viele nette Menschen leben. Besonders diejenigen, die für die deutschen Titel zuständig sind, haben ein besonders großes Herz. Häufig werden sperrige englische Namen einfach durch flotte deutsche ersetzt, um dem geneigten Zuschauer die Entscheidung für oder wider eines Films zu erleichtern. Wer hätte sich schon ernsthaft Dodgeball: A True Underdog Story angeguckt? Klingt nach einem biederen Drama. Voll auf die Nüsse hingegen gibt gleich die Humor-Richtung vor! Oder aktuell The Vow. Was ist ein „Vow“? Was zum Essen? Das kann ein Deutscher ja nicht wissen. Für immer Liebe weist jedoch den Weg. Ein Blick auf Filme dieser Saison lässt allerdings den Schluss zu, dass der Originalname immer häufiger beibehalten wird: The Artist, Young Adult, Shame. Und wenn es Übersetzungen gibt, dann meist vertretbare wie zum Beispiel Extrem laut und unglaublich nah. Die größte Seuche ist jedoch auch immer noch präsent: die erklärenden deutschen Zusatztitel.

Titel – Das Ärgernis mit den Anhängseln
Paradebeispiel für diese Unart ist nach wie vor Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt. Hinter den knackigen und völlig ausreichenden Titel wurde noch eine schwammige Inhaltsangabe gepresst, damit auch noch der letzte Depp weiß, dass in dem Film ein grausiges Weltraummonster vorkommt. Nicht anders beim Disney-Flop John Carter – Zwischen zwei Welten: Dem hiesigen Kinogänger scheint offensichtlich noch einmal mit Nachdruck klargemacht werden, dass dieser ominöse John Carter nicht nur auf der Erde Abenteuer erlebt, sondern auch in einer anderen Welt (wer es aus welchem Grund auch immer noch nicht mitbekommen hat: dabei handelt es sich um den Mars). Weitere Beispiele für “Inhaltsangabentitel” gefällig? Die gibt es zuhauf: The Grey – Unter Wölfen, Take Shelter – Ein Sturm zieht auf, Safe House – Niemand ist sicher – um nur mal drei Stück zu nennen.

Umkehrung – Der richtige Titel kommt am Ende
Noch bunter wurde es bei Moneyball getrieben. Der eigentliche Name des Films, der Brad Pitt eine Nominierung für die Beste Hauptrolle eingebracht hat, steht in Deutschland erst am Schluss, davor wurde eine Phrase hingeknallt, die eher zu einem Fußballtrainer passt: Die Kunst zu gewinnen – Moneyball. Es wäre kaum verwunderlich, wenn Otto Rehhagel im Laufe seiner bisher durchwachsenen Tätigkeit bei Hertha BSC Berlin mal von der „Kunst zu gewinnen“ redet. Weshalb es als notwendig erachtet wurde, den Originaltitel hinten anzustellen, lässt Raum für Spekulation: Soll den Deutschen erklärt werden, dass Baseball ein Spiel ist, in dem es ums Gewinnen geht? Oder gar, dass es gar nicht so einfach ist, Siege zu erringen? Sollten die Zuschauer mit dem vorangestellten Zusatz gelockt werden, weil Moneyball alleine scheinbar nicht sehr ansprechend wirkt?

Was in den Köpfen der Verantwortlichen vorgeht, können wohl nur wenige verstehen. Bei Titelübersetzungen kann tatsächlich noch argumentiert werden, dass der Originaltitel für das deutsche Publikum nicht griffig genug und deshalb eine Änderung sinnvoll ist, beispielsweise anstatt Tinker Tailor Soldier Spy das verständlichere Dame König As Spion. Ein meist ellenlanger Titelzusatz, der entweder überhaupt nichts bringt oder alternativ die Geschichte knapp zusammenfasst, ist hingegen kropfüberflüssig und wirkt wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für unterbeschäftigte Kreativköpfe. Um es noch mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Diese deutschen Rattenschwänze an englischen Originaltiteln braucht kein Mensch.

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