Die Laufzeit von The Batman ist eine Frechheit und das kann nicht mal Robert Pattinson wiedergutmachen

© Warner Bros.
The Batman
29.01.2022 - 09:30 UhrVor 5 Monaten aktualisiert
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The Batman mit Robert Pattinson stellt mit seiner Laufzeit einen DC-Rekord auf. Er folgt dem traurigen Trend immer längerer Blockbuster, die unsere Lebenszeit fressen.

The Batman mit Robert Pattinson wird 175 Minuten lang sein. Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen.

Das sind 2 Stunden und 55 Minuten oder 10.500 Sekunden.

In 175 Minuten passen knapp zwei Fußballspiele oder acht Folgen von Friends. ACHT.

Ihr könntet in der Zeit von Berlin nach Hannover fahren und hättet immer noch eine Stunde, um eure Entscheidung zu bereuen.

Warum muss ein Blockbuster so lang sein, geschweige denn die Jugendstreiche von Bruce Wayne? Gerade bei diesem Batman wirkt die Laufzeit nämlich absurd. Auch mit einem erstklassigen Darsteller wie Robert Pattinson in der Hauptrolle.

Blockbuster in Überlänge sind leider die Norm

Das Schlimme an der Nachricht über die Laufzeit von The Batman ist, dass sie mit Ansage kam. Blockbuster werden immer läääänger.

  • Fast alle Marvel-Filme 2021 waren über 130 Minuten lang, mit dem Spitzenwert für Eternals (156 Minuten). Einzige Ausnahme: Venom: Let There Be Carnage, über den man vieles sagen kann, aber nicht, dass er länger hätte sein müssen.
  • Dasselbe gilt für DC-Filme, die 2021 nach Deutschland kamen.
  • James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben war nach knapp 60 Jahren Franchise-Geschichte der längste Bond-Film mit 163 Minuten.
  • Dune, in dem die erste Hälfte (!) eines Buches adaptiert wird, nahm sich 156 Minuten für das Sandburgbauen.

Schaut euch den Trailer für The Batman an:

The Batman - Trailer (Deutsch) HD
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Es geht hier nicht um ein Plädoyer für 90-Minüter. Dieser Zug ist im Blockbuster-Kino schon vor Jahrzehnten abgefahren. Nehmen wir nochmal die 130er-Marke, dann lässt sich die Entwicklung auch so verdeutlichen:

  • In der Top 10 der erfolgreichsten Filme der 1980er gibt es zwei Filme über 130 Minuten. (Rain Man und Rückkehr der Jedi-Ritter, falls ihr neugierig seid)
  • In den 90ern sind es fünf Filme.
  • In den 2000ern sind es dank Harry Potter, Herr der Ringe und Fluch der Karibik sogar neun Filme.
  • In den 2010ern sind es sieben. Ein paar Kinderfilme retten die Bilanz.

Manche Filme verdienen sich die Laufzeit, aber die meisten wohl nicht

Blockbuster sind in Sachen Länge keine Fußballspiele, sondern Fünf-Satz-Matches in Wimbledon. Es gehört zu unserem Alltag, so lange ins Kino zu gehen, dass zwischendurch Staaten zusammenbrechen, die Jahreszeiten wechseln und Kinder ihre ersten Worte sprechen (ich tippe auf: "Überlänge-Zuschlag").

Die Blockbuster-Highlights 2022 im Video:

Avatar 2, The Batman und mehr: Das sind meine Top 10 Filme für 2022
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Das ist nicht sonderlich praktikabel und die wenigsten Blockbuster rechtfertigen eine Laufzeit jenseits der zwei Stunden. Bei einem 180-Minuten-Film wie Avengers 4: Endgame kann man angesichts der Story noch Nachsicht üben, ebenso beim Bond-Abschied mit Daniel Craig. Die haben theoretisch viel zu erzählen.

Aber denkt jemand ernsthaft, dass Fast & Furious 9 eine Viertelstunde mehr zu erzählen hat als Fast & Furious Five? Eine Viertelstunde in der man auch die Waschmaschine anhauen oder den Hund kraulen könnte?

Die Laufzeit von The Batman mit Robert Pattinson ist absurd

Nun also The Batman, der mit seinen 175 Minuten länger ist als Spiel mir das Lied vom Tod (!) und Boyhood. Richard Linklater kann 12 Jahre im Leben eines Jungen in kürzerer Zeit erzählen als Matt Reeves ein Jahr im Leben eines Comic-Helden, der den Riddler und Pinguin vermöbelt.

The Batman wurde als Rückkehr zu den Ursprüngen der Figur angekündigt, genauer gesagt zu seiner Rolle als Detektiv. Nur wird der Detektivfilm nicht gerade für seine Länge gerühmt. In einem Interview mit Moviemaker  erwähnt Matt Reeves Die Unbestechlichen, Klute und Chinatown als Vorbilder. Sie nutzen ihre Spielzeit weise, um Paranoia und Spannung aufrecht zu erhalten. Nebenbei erzählen sie enorm viel über ihre Ära. Ähnliches gilt für L.A. Confidential, Memories of Murder oder Memento.

Zodiac

Selbst David Finchers Zodiac, dessen realer Killer das offensichtliche Vorbild für den neuen Riddler (Paul Dano) darstellt, ist 20 Minuten kürzer als The Batman. 20 Minuten, in denen man die Fenster putzen oder dem Wellensittich lauschen könnte.

Das Seltsame an der Fledermaus-Sache ist nun, dass The Batman eigentlich als Standalone-Film angekündigt wurde. Damit wäre er theoretisch befreit von den üblichen Aufgaben, die einen Franchise-Film heutzutage aufblähen. Trotzdem ist er 175 Minuten lang.

Warum sind Blockbuster aus den letzten Jahren so lang?

Die Gründe für die Laufzeit-Inflation im Blockbuster-Kino sind nämlich vielfältig. Sie reichen von der vereinfachten Distribution von Filmen mit digitalen Kopien (gegenüber schweren Filmrollen) bis hin zur Dominanz der Franchise-Erzählung. Blockbuster können zum einen nur noch selten für sich allein stehen, da sie ihre Fortsetzungen vorbereiten müssen.

Zum zweiten müssen sie ihre Vorgänger toppen, zum Beispiel in dem sie fünf Bösewichte und drei multiversale Versionen eines Helden auf einander hetzen. Drittens schleifen sie einen Rattenschwanz an Franchise-Mythologie hinter sich her.

Paul Dano als Riddler

Die obigen Listen mit den erfolgreichsten Filmen sind aber nicht zufällig gewählt. Denn das Publikum nimmt diese ausschweifenden Erzählungen an. Das mag an unserer Gewöhnung an Serien-Binges liegen. Oder aber an dem nachvollziehbaren Wunsch, bei steigenden Eintrittspreisen auch etwas für das Geld zu bekommen. Es sei an dieser Stelle aber angemerkt, dass Filme keine Einkaufswagen sind, die mit doppeltem Inhalt automatisch im Wert steigen.

Die The Batman-Laufzeit zeigt, wo die Reise hingeht

Kurze Filme fühlen sich manchmal an wie eine Ewigkeit und lange Filme ziehen vorbei wie eine Sitcom-Folge. The Batman könnte also ein großartiger Film werden, so wie der 170-Minüter Heat.

Er könnte alle Zweifel daran aus der Welt schaffen, warum er 50 Minuten länger sein muss als der Standalone-Kollege Joker. 50 Minuten, in denen man eine passiv-aggressive Mail an den Vermieter schreiben oder um die Aufmerksamkeit der Katze betteln könnte.

Er könnte aber auch nur ein Meilenstein einer Entwicklung sein, die lange nicht abgeschlossen ist. In ein paar Jahren gehört er womöglich zum Durchschnitt genau wie Avengers: Endgame. Dann kommen wir aus dem Kino wie Matthew McConaughey, der am Krankenbett seiner gealterten Filmtochter steht im Finale von Interstellar. Ein Blockbuster, der übrigens auch kürzer ist als The Batman.

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