Schwarz-Weiß-Geflimmer

Killer, Cops und Musical zum TV-Wochenende

Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen
© 20th Century Fox
Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

Strahlendes Weiß
West Side Story (Sonntag, 2.00 Uhr / Tele 5)
Es ist nicht ganz jenes formvollendete Meisterwerk geworden, dass man sich bei den Namen Leonard Bernstein, Stephen Sondheim und Robert Wise möglicherweise erhofft hatte, sehenswert ist diese mit eingängigen Songs und stimmigen Choreographien ausgestattete suburbane „Romeo und Julia“-Adaption aber allemal. Den schon hier anklingenden eskapistischen Tonfall, der reale Probleme durch Musical-Pomp aufbereitete, sollte Robert Wise fünf Jahre später mit Meine Lieder, meine Träume zur Perfektion treiben.

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (Samstag, 0.30 Uhr / ARD)
Werner Herzog und Nicolas Cage jenseits von Gut und Böse: Ein großartiger Hollywood-Jux, der sich über die Erwartungshaltungen seines Publikums schon bei der Wahl des (großen) Namens schelmisch zu amüsieren scheint. Werner Herzogs Bad Lieutenant ist kein Drogenfilm, kein Cop-Movie, schon gar kein Remake, sondern vielmehr ein ekstatisch-absurdes Kalauern durch die Stilmittel und Konventionen des modernen Genre-Kinos.

Das Gelübde (Samstag, 20.15 Uhr / WDR)
(Noch) nicht gesehen, aber Dominik Graf ist sicher einer der momentan interessantesten deutschen Regisseure. Vorgemerkt.

Mal weiß, mal schwarz
Saw (Samstag, 0.30 Uhr / Pro 7)
Sowohl der Erfolg des Films, als auch die unmittelbar darauf einsetzende moralische Entrüstung über eben diesen mögen angesichts des filmstudentischen Cube -Nachbaus in Sieben -Optik überraschen: Ein halbwegs atmosphärischer, aber auch unnötig konstruierter Direct-to-DVD-Film, der sich irgendwie auf die große Leinwand verirrt hat. Die endlosen Sequels sind gedanklich (noch) simpler, aber auch ehrlicher in ihrer Prämisse. Läuft gekürzt.

The International (Samstag, 20.15 Uhr / Pro 7)
Den ambitionierten Ansatz, die Problematik um länderübergreifende Waffen- und Finanztransaktionen durch schnelle Schnitte und (zähe) Actioneinlagen einem größeren Publikum nahe zu bringen, sollte man lobend hervorheben, insgesamt leidet die Aufarbeitung des Themas dadurch aber auch stark an der selbst verordneten Simplizität und der Distanz zu den Figuren. Wichtigster Grund trotzdem bis zum Ende durchzuhalten: Der End-Title-Track von MUSE-Mastermind Matthew Bellamy.

Wie angelt man sich einen Millionär? (Sonntag, 15.30 Uhr / ZDF)
Mit seinem sanftmütigem Diskurs, ob nun Geld oder Liebe das Entscheidende im Leben einer Frau sei, greift der Film gewissermaßen Phänome wie Sex and the City vorweg, ansonsten setzt Jean Negulesco mit seinen Großstadt-Aufnahmen und dem Stelldichein des Diven-Trios Marilyn Monroe, Lauren Bacall, Betty Grable vor allem auf schönes und vordergründiges Amüsement.

Tiefstes Schwarz
Natural Born Killers (Sonntag, 23.05 Uhr / Arte)
Verpackt die arrogante Oberlehrerhaltung, die sich wie ein roter Faden durch die Filme von Oliver Stone zieht, in eine gewollt anstrengende und artifizielle Inszenierung, wirbelt sich dabei von Kameramodus bis LSD-Farbfilter kreuz und quer durch das Repertoire an Stilmitteln, und hat in Wirklichkeit doch nichts zu erzählen. Dass Oliver Stone die Medien verachtet, ebenso wie die Gesellschaft – all das hat er bereits Jahre zuvor in Talk Radio mehr als offensichtlich durchblicken lassen. Brechmittel.

Dirty Harry III – Der Unerbittliche (Samstag, 01.55 Uhr / RTL 2)
Dritter Aufguss des reaktionären „Erst schlagen, dann fragen“-Spektakels mit Clint Eastwood in der Hauptrolle. Die Fortsetzung verlagert den Schwerpunkt noch mehr in Richtung Genrefilm, kann jedoch nie an die – zumindest in technischen Aspekten vorhandene – Brillanz des Siegel-Auftakts anschließen. Aus heutiger Perspektive in vielerlei Sicht ähnlich überholt, wie die geistige Haltung dahinter es schon zu Zeiten des Release war.

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