Batzman

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Batzman aus Berlin heißt Oliver Lysiak. Er hat sich auf moviepilot angemeldet und hat schon unglaubliche 3084 Filme bewertet und legendäre 2388 Kommentare geschrieben. A toast to bread. Because without bread, there would be no toast. Mehr


The Lego Movie
The Lego Movie

Batzman 8.0 "Ausgezeichnet"

Snowpiercer
Snowpiercer

Batzman 8.0 "Ausgezeichnet"

Der Trailer zu Snowpiercer ist furchtbar. Hätte ich ihm vertraut und nicht auf Freunde gehört, wäre mir ein Film entgangen dessen Werbung versucht ihn als 08/15-Actionklopper aus der Grabbelkiste zu verkaufen.

Snowpiercer ist zugegeben ein harter Brocken für jeden Marketing-Menschen, denn wer will schon zwei Stunden ins Kino gehen um eine Totalitarismus-Parabel zu sehen, die sich ein hauchdünnes Actionmäntelchen umgehängt. Bong Joon-ho interessiert sich nämlich einen feuchten Dreck darum eine funktionierende oder auch nur im Ansatz glaubwürdige Dystopie zu entwickeln.

Die Global-Warming-Chemikalie die eine neue Eiszeit heraufbeschwört ist strunzendoof genau wie das gesamte Konzept eines unentwegt um die Erde ransenden Zuges in dessen Wagons die Menschen in strenger Hierachie von Arm bis Reich leben. Wer den Fehler macht Snowpiercer auf Logik abzuklopfen, zu hinterfragen wie dieser sich angeblich selbstversorgende Zug funktionieren soll, findet natürlich hunderte Ansatzpunkte - missversteht den Film aber zugleich grundsätzlich.

Denn hier soll keine Zukunftsvision aufgezeigt werden sondern es geht ausschließlich um (zugegeben durchaus rasant inszenierte) Gedankenspiele zum Thema Diktaturen, Herrschaft und Gesellschaft. Der Zug ist ein einziges Symbol, nicht für den Klassenkampf und auch nicht für die 99% die gegen den Turbo-Kapitalismus kämpfen, sondern für totalitäre Gesellschaften. Nicht umsonst kommt der Film aus Südkoreo, nicht umsonst erinnert der Zug und der Götzenkult um Anführer Wilford stark an Nordkorea, den Irak und diverse afrikanische und südamerikanische Diktaturen.

Denn hier gibt es kein kapitalistisches System, keinen erkennbaren Handel, keine Wertschöpfung, hier geht es um ein hierarchisches System das im Grunde undurchlässig ist. Kein Glück des Tüchtigen ermöglicht den sozialen Aufstieg, allenfalls zufällige Selektion. Wilford ist ein Diktator, ein König der sich verehren lässt und bestenfalls diejenigen die ihm nützlich sind einbestellt. In der Schule wird gnadenlose Verehrung eingepeitscht, der selbst die eigenen Handlanger wie Mason (grandios hassenswert gespielt von Tilda Swinton) in orgasmisch-verblendete Verzückung stürzt.

Snowpiercer ist smart. Er lockt die Zuschauer mit dem Versprechen einer Revolution beizuwohnen. Nieder mit dem Tyrannen und das Blut kocht, wenn die Unterdrückten des letzten Wagens sich gegen die brutalen Sicherheitskräfte erheben. Doch wo andere Filme gerade aus Hollywood gerne einfache Lösungen anbieten und vorgaukeln ein unmenschliches System könne verbessert werden, wenn nur "der eine böse Mann an der Spitze" entfernt wird, bleibt Snowpiercer bitter und nüchtern. Denn er stellt die Frage was nach der Revolution kommen soll und wie Terry Pratchett schon schrieb: "Don't put your trust in revolutions. They always come around again. That's why they're called revolutions.”

Ob im arabischen Frühling, im Irak oder in der Ukraine - die Realität ist, dass Revolutionen Dinge nicht automatisch verbessern, weil das Nahziel des Tyrannensturzes immer wichtiger ist als die Frage "Was kommt danach?"

Für das Gedankenspiel des Zuges ist es also folgerichtig, das eine so hermetisch abgeschlossene Diktatur die in keinem Austausch mit der Außenwelt steht, durch und durch unmenschlich wird und es keine einfachen, guten Lösungen gibt, die die Situation verbessern. Die Aufopferung an den Führer, der willenlose Glaube sind eine genauso verkommene, das Individuum verleugnende Ideologie wie die reine Aufopferung für die Masse, die John Hurts zwielichtiger Prophet Gilliam predigt. Denn auch bei ihm zählt das Individuum nichts - es gilt nur sich in der Revolution und im Kampf für die Gemeinschaft aufzuopfern. Das Gilliam mit Wilford gemeinsame Sache macht um die reichen wie armen aufeinander zu hetzen, damit sie sich gegenseitig abschlachten um so das Bevölkerungswachstum zu kontrollieren erscheint daher nicht nur plausibel sondern fast zwingend. Beide Anführer erwarten die Huldigung und Selbstaufgabe - ob an den Diktator (für den der Job zum anstrengenden, freudlosen Selbstzweck verkommen ist) oder die Gesellschaft - am Ende braucht es immer den Blutzoll um die Weiterexistenz des Zuges, des Regimes zu garantieren.

Und deswegen reicht kein Zugführer-Wechsel, keine leichten Anpassungen. Wenn Snowpiercer etwas über politische System zu sagen hat, dann das man nicht auf den selben Gleisen weiterfahren kann, wenn man wirklich Veränderung möchte. Das Regime, das System muß zerstört werden. Die die Überleben werden vielleicht in der Wildnis verrecken oder von Bären gefressen, aber zumindest sind sie nicht mehr fremdbestimmt und manipuliert.

Snowpiercer endet nicht wie man es erwartet, nicht triumphal nicht mit einem neuen Aufbruch und beim Finale bleibt kein Gefühl der Genugtuung, wenn die Gesellschaft demontiert wird und fast alle sterben.

Das Kunststück ist dass er es schafft sein holperiges philosophisches Gedankenexperiment mit fantastischen Schauspielern, Humor und vielen grandios gefilmten Actionmomenten umzusetzen, die den Zuschauer ohne schwerfällige Exposition durch die gradlinige Handlung führen. Abgesehen von den eher mittelmäßigen CGI-Außenaufnahmen des Zuges sieht Snowpiercer eben auch verdammt gut aus und hat mit John Hurt, Ed Harris (der die Rolle als Echo seiner Truman-Show Figur zu spielen scheint), Song Kang-ho, Jamie Bell und nicht zuletzt Chris Evans eine Klasse Besetzung. Das der Film gerade mal $40 Millionen gekostet hat, lässt einmal mehr grübeln, warum Hollywoodfilme heutzutage immer das zehnfache kosten müssen.

Für reine Thriller/Actionfans mit gritty & realistic-Fetisch ist der Film wahrscheinlich nichts, für alle die gute Unterhaltung mit einem Quentchen Tiefgang suchen ist er eine absolute Empfehlung.

28 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 4 Antworten

Roldur

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Ich lese hier ständig nur interessante Kommis zu dem Film. Und was ist? In Trier läuft er nicht. So ein Kack.


jollyroger

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@batzman, ja, ABER: Der Film tut doch nie so als wäre er was anderes? Ich verstehe dein Problem immer noch nicht, für mich war das so, das Snowpiercer von Anfang eine starke mystische Komponente hatte im Sinne von "Die Lok ist ein verdammtes Perpetuum Mobile". Insofern war auch das ganze "Selbstversorgungs-Konstrukt" für mich ok.
Aber gut, ich will das jetzt auch nicht tot-diskutieren, wir beide mochten den Film.:)

@Roldur dann musste in die Hauptstadt ziehen..:D


Her
Her

Batzman 6.5 "Ganz gut"

Ich mag Spike Jonze. Where the wild things are war einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre und ich gebe gerne zu, dass der Grund warum mich Her nicht so beindruckt hat, wie er es vielleicht sollte der ist, dass meine Erwartungshaltung auf Grund der Prämisse eine so grundlegend andere war, dass ich mich schwer gänzlich auf das einlassen konnte, was der Film ist.

Denn im Endeffekt ist er eine sehr konventionelle Beziehungsgeschichte und Meditation über Abhängigkeit, Einsamkeit und die Erwartungen an Partnerschaften. Joaquin Phoenix, der normalerweise für mich ein Grund ist Filme eher auszulassen, spielt hier trotz Pornoschnauz sympathisch und nervt nicht und Scarlett Johannson erschafft nur mit ihrer Stimme eine vielschichtige und glaubwürdige Figur. Dazu kommen nette Ideen, wie ein sehr umständlich zu steuerndes Computerspiel mit unhöflichen Charateren sowie Amy Adams in einer knuffigen Nebenrolle. Es gibt also durchaus viel zu mögen an "Her", nicht zuletzt im ersten Akt eine bizarre Telefonsex-Szene die den üblichen Spike-Jonze-Humor erkennen lässt.

Was dem Film abgeht und letztlich meine Begeisterung dämpfte ist, dass seine Prämisse reines Gimmick ist. Wie er in Interviews mehrfach betont hat, interessiert sich Jonze nicht für künstliche Intelligenzen, die Auseinandersetzung damit wo "Leben" und eine "reale Person" anfangen und aufhören. Natürlich ist es überraschend, dass er nicht den üblichen Weg des "Computer wird böse" geht, dass er keine Neuauflage von HAL, Collossus oder Westworld serviert (auch wenn er sich scheinbar ein wenig vom Virtual-Actress-Streifen "S1m0ne" beeinflussen ließ). Das er sich aber überhaupt nicht damit beschäftigen mag, dass sich ein Mensch in eine generierte, künstliche Lebensform verliebt nimmt dem Film der ja eben genau diese Prämisse etabliert schon viel von seinem Reiz.

Samantha ist wenige Sekunden nach ihrer Instalation eine vollwertige Persönlichkeit, die sich in nichts wirklich von einem Menschen unterscheidet. Und so wird aus einer interessanten, philosophischen Sci-Fi-Prämisse ein Film über Fernbeziehungen - denn im Grunde könnte Samantha auch eine Telefonbeziehung sein, die am anderen Ende der Welt lebt. Das kann natürlich auch Grundlage eines Films sein - wirkte auf mich aber dennoch als wäre hier eine originelle Idee zugunsten einer weitaus gewöhnlicheren Beziehungsstory verschenkt worden. Da rettet auch das Ende nichts mehr, das auch nur eine Variante von "du ich hab da jemand anderen kennengelernt" ist.

Wer sich damit zufrieden gibt mit dem was ihm der Film liefert, der hat vermutlich mehr Spaß den beiden Liebenden dabei zu zusehen, wie sie eben durch die typischen Momente einer Beziehung gehen und wer je selbst eine Fernbeziehung geführt hat, wird sicherlich gewisse Momente wiedererkennen und nachfühlen können. Ich fand im Vergleich die thematisch ähnlich gelagerte Black Mirror-Episode "Be Right Back" interessanter, weil sie zumindest versucht hat sich mit ihrem Thema auseinanderzusetzen.

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Captain America 2: The Return of the First Avenger
Captain America 2: The Return of the First Avenger

Batzman 7.5 "Sehenswert"

Der erste Captain America Film war für mich eine positive Überraschung. Nach mehreren eher mauen Marvel-Filmen wie Hulk, Iron Man 2 und und Thor 1 waren meine Erwartungen an den patriotischsten aller Superhelden nicht gerade überwältigend. Doch der Wechsel ins historische Setting, die Seitenhiebe gegen US-Kriegspropaganda, Größenwahn und Rassismus sowie der Kampf mit Red Skull und Hydra boten eine angenehme Abwechslung zu den bisherigen Filmen und Origin-Stories.

Nach dem amüsanten Cameo in Thor 2 war ich gespannt in welche Richtung sich der zweite Auftritt des Cap bewegen würde und wurde abermals positiv überrascht. Marvel hat es mittlerweile wirklich ganz gut drauf Trailer zu schneiden die zwar viel Spektakel zeigen, aber fast nichts über den Film verraten. Durchaus keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen die meisten Trailer für Idioten produziert werden und meist den kompletten Film inklusive aller Wendungen und Finale vorwegnehmen.

Der Captain hat seit dem Battle of New York kaum Zeit gehabt sich in der Gegenwart einzugewöhnen und zum Glück lässt ihm auch Teil 2 kaum Atempausen und so bleiben uns peinliche Fish-out-of-Water-Sitcom-Szenen wie im ersten Thor gnädig erspart. Überhaupt kommt The Return of the First Avenger erstaunlich ernsthaft daher, ohne dabei aber je in unangenehme Nolan-Düsternis zu verfallen. Marvels Helden haben immer noch Humor und der Film bleibt bei aller Ernsthaftigkeit immer extrem unterhaltsam und charmant. Dennoch ist die fluffige Unbeschwertheit der Avengers und Thor 2 einer bodenständigeren und realistischeren Stimmung gewichen, die den Film frisch und anders erscheinen lassen. Stimmungsmäßig orientiert er sich eher an der "Agents of S.H.I.E.L.D."-TV-Serie, kann aber dank Kino-Budget auf einer breiteren Klaviatur spielen.

Dennoch sind es nicht unbedingt die Action-Szenen die den Film ausmachen. Die Verschwörung innerhalb von S.H.I.E.L.D. ist der Dreh und Angelpunkt der Geschichte und orientiert sich deutlich mehr an Verschwörungs-Thrillern der 70er als an heutigem Effekt-Kino. Steve Rogers ist eine stimmige Figur und dankenswerter Weise erhalten hier auch erstmals Black Widow und Nick Fury genug Screentime um sie von Stereotypen zu vollwertigen Figuren zu machen. Das ausgerechnet Robert Redford (der in Three Days of the Condor eine ähnliche Story von der anderen Seite erlebte) hier den Big Bad gibt, ist ein sympathischer Verweis, der belegt wie bewusst sich die Macher ihrer Vorbilder sind. Dazu gehören neben einer Thriller-Struktur auch viele nicht sehr subtile Referenzen auf Überwachungsstaat, NSA und den angeblichen Zweck der die Mittel heiligt.

Und so bleiben auch eher die Dialoge, die kleinen Thriller-Momente und handfesten Actionszenen im Kopf, als die unvermeidlichen CGI-Orgien die das Ende bestimmen. Dort verpufft ein Teil des Charmes dann doch ab und zu zwischen digitalen Luftschiffen und handelsüblichem Gigantismus. Und irgendwie wirkt die Storyline des (zumindest im Original) titelgebende Winter Soldier alias Bucky erstaunlich belanglos verglichen mit dem Game Changer, den die S.H.I.E.L.D./H.Y.D.R.A. -Story umfasst, die mal eben die komplette Marvel-Filmwelt nachhaltig verändern dürfte und tiefgreifende Auswirkungen auf "Agents of..." haben muß. Rogers Rumgebolze mit seinem Ex-Best Buddy bleibt da emotional leider eher unbeindruckend - vielleicht auch deshalb, weil die Figur im ersten Teil zu blass wirkte, als das man sich als Zuschauer groß scheren würde was mit ihr passiert.

Davon abgesehen bleibt The Return of the First Avenger aber ein unerwarteter, durchweg unterhaltsamer und mit seinen plakativen, aber nicht unsympathischen politischen Seitenhieben gelungener Eintrag ins große Buch des Superheldenfilms, der die Messlatte für die Projekte der anderen Studios (allen vorran dem uninspirierten Spider-Man Aufguß oder Snyders nächste Superman-Travestie) deutlich höher legt und um so mehr Vorfreude auf Guardians of the Galaxy und Avengers 2 macht.

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Bandrix

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Ich bin auch sehr gespannt, wie sich die Geschehnisse auf die Serie auswirken. Das wird interessant.


senistro.zoodiac

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Wenn ich mal ehrlich sein darf: Ich fand die Storyline im ersten Teil schon komplett vernachlässigbar und Hydra war sowieso schon lächerlich. "wir sind soooooooo böse das wir beide Hände beim Gruss hochreizen". Es hätte gereicht wenn sie nie wieder auftauchen, so ist die erneute Wiederkehr in Cap 2 eigentlich überflüssig und nimmt der Story und der Kritik dahinter sehr viel von seiner Glaubwürdigkeit...
Traurigerweise wird man es (zumindest teilweise) mit den Albtraum-Nazis in Avengers 2 zu bekommen, was mich schon an sich extrem stresst....


Grand Budapest Hotel
Grand Budapest Hotel

Batzman 8.0 "Ausgezeichnet"

Das Grand Budapest Hotel ist nach Rushmore tatsächlich mein zweiter Lieblingsfilm von Wes Anderson. Auch wenn ich Moonrise Kingdom sehr mochte, legt er mit dieser skurrilen, phantasievollen und überraschend berührenden Story nochmal eine Schippe drauf. Es macht einfach verdammt viel Laune dieses Film nur anzusehen, denn auch wenn Anderson seinen Frontalfetisch hier einmal mehr ins Extrem steigert, stört die stilisierte Inszenierung an keiner Stelle die Geschichte - ja sie unterstützt sie sogar. Wo in Darjeeling Limited der halbgare Mix aus Stil, Pathos und Glückskeksphilosophie nervte und die Charaktere uninteressanter machte, ist Anderson mit dem fiktiven Staat Zubrowka eine ganz und gar stimmige Kreation gelungen.

Das die All-Star-Cast allen vorran Ralph Fiennes ihre hart am Rande der Karikatur ballancierenden Figuren immer mit jenem Quentchen Menschlichkeit auszustatten, die verhindert dass wir sie als reine Cartoon-Charaktere abtun ist dabei ebenso beachtlich, wie die Leichtigkeit mit der Anderson zwischen Zeitebenen (inkl. Aspect-Ratios) und Filmgenres herumspringt. Leichtfüssig mischt er Düsternis, Pathos mit Klamauk, ein Loblied auf zivilisiertes, menschliches Benehmen mit blutig-brutalem Gefängnisfilm und Buster Keaton-Action.

Einziger Wermutstropfen bleibt vielleicht, dass einige der wunderbaren Stars verschwendet sind. Wie schon in Moonrise Kingdom, weiß Anderson auch diesmal mit Bill Murray nichts anzufangen und auch von Jeff Goldblums Anwalt hätte ich gerne noch mehr gesehen. Doch das sind Luxusbeschwerden in einem Film, der so warmherzig, so verschroben und gleichzeitig so zugänglich und schamlos unterhaltsam ist - und dabei einfach phantastisch aussieht. Andersons Faible für Miniaturen, Gemälde und Retro-Optik hat hier endlich den passenden Rahmen gefunden in dem er komplett der Geschichte dient und mit Gustave H hat er eine wahrlich unvergessliche Figur erschaffen, die im jungen Zero einen würdigen Gegenpart findet.

Anschauen.

PS: Das der Film komplett in Deutschland gedreht und finanziert wurde, gibt einem dann doch ein wenig den Glauben an die deutsche Filmförderung wieder.

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American Hustle
American Hustle

Batzman 7.0 "Sehenswert"

Trashige Klamotten, Fake-Tan und eine Story irgendwo zwischen The Sting und Wolf of Wall Street. Keine Frage, American Hustle ist toll besetzt und mit viel viel Verve gespielt (vor allem Jennifer Lawrence channelt Liz Taylor anno "Who's afraid of Virginia Woolf"). Christian Bale hat nach dem Nolan-Koma offensichtlich mal wieder Lust zu zeigen das er etwas kann und auch Amy Adams und Bradley Cooper stört weniger als sonst.

Doch wie oft bei David O'Russel bleibt auch vieles an der Oberfläche, bleiben Figuren Karikatur und lädt die generelle Over-the-Top-Inszenierung ein das dargebotenen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Ein großer Korruptionsskandal wie ABSCAM mag dem ganzen zu Grunde liegen, aber wirklich mitreißend ist die Geschichte leider selten. Zu oft und lang ergehen sich die Protagonisten in repitativen Dialogen, zu unfokussiert und mäandernd die eigentliche Storyline, der O'Russel nur widerwillig zu folgen scheint.

Die Nebenrollen sind ebenso klasse besetzt wie der Hauptcast. Robert DeNio telefoniert sein Cameo aber dennoch mühelos durch und auch der brillante Louis C.K. ist schauspielerisch deutlich unter dem was er in seiner Serie ansonsten abliefert. Die Szenen pendeln zwischen ironisch chargierend. campy und hysterisch und zwischen all dem bleibt ein emotionaler Kern leider auf der Strecke. Was nicht bedeutet, es gäbe keine guten Momente, denn der Heist zum Schluß bringt tatsächlich nochmal den Schwung in den Film, der ihm über weite Strecken fehlt.

Sehenswert zwar, aber doch deutlich unter seinen Möglichkeiten.

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dbeutner

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"Louis C.K. ist schauspielerisch deutlich unter dem was er in seiner Serie ansonsten abliefert"???? Er ist EXAKT auf den letzten Mikrometer genau dort. Denn: Er kann vermutlich überhaupt nicht variieren. Er ist halt eigentlich kein Schauspieler. Und das merkt man. Ich finde ihn trotzdem rel. unterhaltsam, in der konkreten Rolle jedoch fehlbesetzt (hallo? FBI-Vogesetzter? Unsicherer Hampel? Aber das sollte halt wohl i'wie in der Komödien-Spur mitfahren).


You're Next
You're Next

Batzman 6.0 "Ganz gut"

You're next bietet einige nette Ansätze, die ihn über das Gros uninspirierter Slasher hinausheben. Allerdings nicht soviel, denn sowohl die strunzdoofe Story mit hanebüchenem Twist als auch die durch die Bank unsympathischen Figuren machen es schwer gespannt mitzufiebern. Klar ist die Idee das Final Girl den Spieß umdrehen und die Killer jagen zu lassen eine ganz nette, aber die Effizienz und Skrupellosigkeit ihres Tötens sorgt dafür, dass der Film auch die letzte Figur verliert, für die man zumindest etwas Empathie empfand. Das die Blutgags und Splatter-Szenen souverän inszeniert und für das Mini-Budget die Schauspieler und der Look überdurchschnittlich ist, dass Ti West relativ schnell stirbt und die Schurken passend besetzt, lassen You're next in den guten Bereich rutschen - wobei er kaum die Splatterüberraschung ist, als die er im vergangenen Jahr gehandelt wurde, sondern bestenfalls okaye Hausmannskost.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Stromberg: Der Film
Stromberg: Der Film

Batzman 8.0 "Ausgezeichnet"

Stromberg im Kino? Kann das funktionieren? Auch ich war skeptisch als riesiger Fan der Serie, die es trotz kleiner Schwächen über fünf Staffeln geschafft hatte zu begeistern. Regisseur Arne Feldhusen und Autor Ralf Husmann haben mit dem gewohnt brillanten Ensemble einen Film geschaffen, der der Serie einen würdigen Abgang verschafft. Fast alle Figuren der vergangenen Staffeln tauchen noch einmal auf, einige markante neue kommen hinzu und wieder einmal stimmt die Ballance zwischen Komödie und tiefer Depression. Denn Stromberg war bei allen Sprüchen, Situationskomik und Gags immer dann am besten, wenn er die Erbärmlichkeit des Alltags auf den Punkt brachte.

Some Spoilers ahead.

Und wo wären Menschen erbärmlicher und zugleich menschlicher als auf Betriebsfeiern, wo der Unterschied zwischen Fassade und Wahrheit greifbarer. Die 50 Jahrfeier der Capitol, die kurz vor Massenentlassungen steht von denen keiner wissen darf, bietet die ideale Projektionsfläche für die Stellungskriege, Ränkespiele und die grundsätzliche Unvereinbarkeit von beruflicher Ambition und Privatleben. Stromberg ist opportunistisch wie immer und einzige Konstante bleibt seine linkische Liebe zu Jennifer - doch im Spannungsfeld zwischen Beruf und Liebe blitzen hier auch immer wieder die menschlichen, ja sogar anrührenden Momente auf, die Stromberg trotz seiner Furchtbarkeit doch auf einem humanen Level liebenswert machen.

Wie die meisten Menschen, ob Ulf, Jennifer oder Tanja ist er überfordert und ständig drauf bedacht Erwartungen zu erfüllen, zu gefallen und dabei die Eigeninteressen, private Hoffnungen und Firmenanforderungen zu jonglieren. Natürlich klirrt und scheppert es ständig, natürlich fallen alle Kartenhäuser in sich zusammen. Stromberg und Co. kämpfen gegen die Midlife-Crisis, das Erwachsenwerden, den Zwang zur Verantwortlichkeit und das System an sich, des Lebenswege einengt und als Dauerkompromiss zwischen Zwang und Wollen existiert.

Wenn der Berufsopportunist am Ende versehentlich zur Führerfigur einer Occupy-Protestbewegung wird um dann doch sofort und willens wieder in das System zurückzukehren, das für den Stillstand verantwortlich ist, bleibt ein schlechter Geschmack zurück. Natürlich ist es folgerichtig, das jemand der so grundsätzlich haltungslos und "flexibel" ist wie Stromberg bei einer Partei am besten aufgehoben ist - aber es zeigt auch wie hoffnungslos letztlich jeder markige Protest gegen Capitol wie Kapital ist.

Stromberg ist Teil des Systems und wir sind Stromberg.

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demien.bartok

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Ich hab das so gelesen: "Wir sind Stromberg. Man kann sich gegen das System nicht wehren." Das ist sicher nicht die Intention des Films gewesen ;-)


Batzman

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Nein, aber er zeigt auf, dass "Wir" Teil des Problems sind, weil wir uns nicht wehren und im Zweifel vereinnahmen lassen. Der Mangel an Protest auf NSA-Skandal, Globalisierungszwängen und der immer breiter werdenden Kluft zwischen den 1% und dem Rest zeigt ja, wie sehr "wir" Stromberg sind ^^


Die Croods
Die Croods

Batzman 6.0 "Ganz gut"

Bunt, quietschig und mit gewöhnungsbedürftigem Charakterdesign sind die Croods nach dem optisch beeindruckenden und angenehm weirden "Rise of the Guardians" leider ein ziemlicher Rückschritt für Dreamworks. Diese Familie Feuerstein auf Steroiden wirkt über weite Teile wie eine Mischung aus überlangem LetsPlay des Games zum Film und einem halbgaren Road Runner Cartoon.

Die erste Hälfte des Films mit Fokus auf Eeb ist pure Hysterie, Rennen, Hüpfen, kreischen, rennen, schreien, streiten und das nervt nicht unerheblich. Was etwas schade ist, denn abgesehen von den merkwürdig schluffig animierten Hauptfiguren hat der Film ja eine durchaus schöne Welt anzubieten, in der besonders die phantasievollen Fabelwesen von tödlichen Flamingos bis zu Walen mit Beinen verdammt cool aussehen.

Das hilft aber leider nicht dagegen, dass die Dramatugie nicht existent ist und der extrem cartoonige Slapstick-Humor verhindert, dass man irgenwelche Bedrohungen der Figuren je ernst nehmen kann. Wer aushält das 10 Tonnen Steine auf ihn drauf fallen, wird auch überleben wenn er von einer Klippe stürzt oder von Lava verfolgt wird. Deswegen sitzen auch die emotionalen Momente, in der wesentlich besseren zweiten Hälfte des Films, wenn die Story von Eeb zu ihrem Vater wechselt, wie Fremdkörper in diesem Film, der über weite Strecken dann leider doch nur ein Paraphrase der Ice Age-Filme ist, der es an eigenen Ideen mangelt. Und ja es gibt hier genau wie in Ice Age 4 eine lustige Oma-Figur. Die durchaus spannende Frage wie wichtig Evolution und Weiterentwicklung ist geht, genau wie Spurenelemente von John Cleese-Humor (der die ersten Drehbuchentwürfe verfasste) in diesem eindeutig auf Kleinkinder zielenden Spektakels unter. Kids unter 12 werden sich vermutlich blendend amüsieren und sind dann auch in der richtigen Stimmung um zuhause mit den Figuren auf der XBox weiterzuhüpfen - für erwachsene Animationsfans ist das Ganze doch eher anstrenged und zu platt und brachial erzählt.

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Gegen jeden Zweifel
Gegen jeden Zweifel

Batzman 4.0 "Uninteressant"

Ein Gerichtsthriller mit wenig Gerichtsszenen, null Spannung, dessen lahmarschige Umsetzung von vielen TV-Filmen übertroffen wird. Michael Douglas spielt leider kaum mit und unser Held - Desperate Housewives Gärtner Jesse Metcalf - ist als investigativer Reporter zu keiner Sekunde glaubwürdig. Die Story dieses Fritz Lang-Remakes plätschert absolut überraschungsfrei dahin, nur um sich am Ende in einem absurden Twist zu versteigen. Als ob die gesamte Konstruktion nicht so schon absurd genug wäre. An einem langweiligen TV-Nachmittag vielleicht noch erträglich, bietet der Film nichts das ihn im Kino ansehbar macht.

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Mary Poppins
Mary Poppins

Batzman 8.5 "Ausgezeichnet"

Wahrscheinlich Disneys bestes Live-Action-Musical. Die eingängigen Songs überzeugen auch heute noch und die Zeichentrick/Real-Sequenzen nahmen Roger Rabbit um Jahre vorweg. Dick van Dyke und Julie Andrews sind ein großartiges Paar - nur die Kinder sind absolut scheusslich, aber das lässt sich verschmerzen. Supercalifragilicticexpialidocious!

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Planet Terror
Planet Terror

Batzman 9.0 "Herausragend"

Rodriguez hat mit dem Film eindeutig die bessere Hälfte von Grindhouse abgeliefert und einen eigenständigen Film geschaffen, der den Geist der verehrten Trashfilme aus den 70ern bis ins Detail trifft und noch überspitzt. Von der Musik, bis zur Sleaziness mit der die Kamera die weiblichen Hauptfiguren abschleckt, stimmt hier einfach das Gefühl einen Film vor sich zu haben, der sein Thema mit extrem viel Spaß ernst nimmt. Wo Tarantino doch irgendwie als intellektueller, leicht verklemmter Schuljunge daherkommt, wenn es um Sex und Gore geht, da greift Rodriguez in die Vollen. Suhlt sich in toughen One-Linern, Gedärm und Genrezitaten, spielt mit Carpenter-Musik, stapelt die Leichen meterhoch und macht seinen Helden kurz darauf zu einer Witzfigur, die mit einem Miniaturmotorrad über den Highway braust. Planet Terror macht Spaß, sehr viel Spaß.

Kritik im Original 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

Zurück in die Zukunft II
Zurück in die Zukunft II

Batzman 8.0 "Ausgezeichnet"

Ein Sequel das so clever mit dem ersten Teil spielt gab es selten. BTTF2 macht einfach Spaß!

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Gästebuch

Agent Smith93

Tolle Fakten-Videos Batzman. Da sende ich mal ne Anfrage.

Drehmumdiebolzen

Aloha,

hab' vorhin das Rating zum "Stromberg" Film gesehen, wäre cool, wenn's dazu ein paar Zeilen von dir gäbe ;)

InfiniteJest

Batzman lese ich sowieso immer, also würde ich mich über die Annahme freuen. Gruß

Nikoprot

Bist'n toller Moderator und schreibst super Kritiken. Deswegen die Anfrage. ;)

Donny Brandt

Hey,
Wirklich gute Arbeit die du hier auf der Seite betreibst und deine Texte zu den Filmen sind auch sehr intressant. Ausserdem hab ich mir gerade dein Studiums ilm angesehen und wow in dir steck(e) wirklich Schauspielerisches Talent.
Deswegen lass ich dir mal eine Anfrage da.
Liebe Grüße, Johann :)

Martin Jurgeluks

Hallo, ich wünsche dir ein frohes Fest, viele Geschenke und einen wunderbaren Tag im Kreis der Familie und Freunde. Lass es dir gut gehen :) lg Martin

Martin Jurgeluks

Oh super das man dich hier findet, die weihnachtsfakten waren mal wieder ein schmankerl wie auch die letzten teile. Hab einmal schon einen Preis von dir entgegen nehmen dürfen das war zur Premiere von End of Watch in den Harkeschen Höfen. Danke nochmal dafür :) Würde dich gerne zu meiner Liste hinzufügen und auch schonmal ein Frohes Fest und einen guten Rutsch wünschen. beste grüße vom Martin

francisco

Hallo Batzman, wer so viele Filme bewertet hat und noch dazu fundierte Kommentare schreibt, den könnte ich mir ganz gut als MP-Freund vorstellen. ;)
vg francisco

Copacabanasun

Hallo, bin auf der Durchfahrt...
....._________
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.I=.[▒▒▒▒▒].=I
.I▓I^^^^^^I▓I,,,,quietsch!
...mal eben anhalten,
einen Blick auf dein
Profil werfen,
einen schönen Tag
wünschen und weiter...
Liebe Grüße!

natedb

Deine wunderbaren Kritiken möchte ich gerne auf meinem Dashboard mitverfolgen können, daher die Anfrage :)
LG nate


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