Highlight bei Disney+: Hamilton ist das größte Geschenk seit The Mandalorian

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Hamilton
03.07.2020 - 13:45 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Disney+ bringt das Musical-Phänomen Hamilton vom Broadway ins Wohnzimmer. Es ist mit Abstand die aufregendste Veröffentlichung seit The Mandalorian auf dem Streaming-Dienst.

Das Leben des amerikanischen Gründervaters Alexander Hamilton als Musical? Eine ungewöhnliche Kombination, die von den üblichen Broadway-Hits nicht weiter entfernt sein könnte. Politische Diskussionen und die Aufarbeitung historischer Ereignisse finden eher selten ihren Weg in die bunte Welt der Musicals und dennoch ist Hamilton alles andere als eine trockene Geschichtsstunde nach dem Lehrbuch.

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Hamilton ist das Musical-Phänomen der vergangenen Dekade, was schon allein dadurch deutlich wird, dass die Produktion nicht nur in Musical-Kreisen die Runde gemacht hat. Vielmehr behauptete sich Hamilton als popkulturelles Ereignis. Kein Wunder, dass sich Disney die Rechte an der Live-Aufzeichnung beachtliche 75 Millionen US-Dollar kosten hat lassen. Der Einkauf dürfte sich mehr als gelohnt haben.

Die drei wichtigsten Fakten zu Hamilton auf Disney+

  • 2015 feierte die Produktion Off-Broadway am Public Theater in New York ihre Premiere, ehe sie ins Richard Rodgers Theatre am Broadway wechselte.
  • Der Hamilton-Film auf Disney+ setzt sich aus Aufnahmen der letzten drei Vorstellungen am Richard Rodgers Theatre mit der Originalbesetzung zusammen.
  • Ursprünglich wollte Disney den Mitschnitt im Oktober 2021 in die Kinos bringen. Diese Pläne haben sich kurzfristig geändert: Hamilton ist ab sofort auf Disney+.

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Es ist fraglos der wertvollste Neuzugang, den Disney+ seit dem Start der Star Wars-Realserie The Mandalorian zu verzeichnen hat, gerade nachdem die aus dem Kino gezogene und direkt als Stream veröffentlichte Romanverfilmung Artemis Fowl gnadenlos bei der Kritik durchgefallen ist. Hamilton hingegen schwimmt seit fünf Jahren auf einer gigantischen Erfolgswelle, die ihr gesamtes Potential erst noch entfalten dürfte.

Hamilton auf Disney+ ist ein willkommenes Geschenk

Denn selbst wenn die Musik bereits um die ganze Welt gereist ist, waren die Shows bisher nur einem vergleichsweise kleinen Kreis an Zuschauern vorbehalten, was u.a. auf die beachtlich hohen Ticketpreise zurückzuführen ist, die wiederum Resultat der enormen Nachfrage sind. Mit Disney+ steht Hamilton nun eine der populärsten Streaming-Plattformen überhaupt zur Verfügung - es gibt also viele Gewinner.

Gerade in einer Zeit wie dieser, in der die Theater am Broadway aufgrund der Corona-Pandemie bis Ende des Jahres geschlossen bleiben, entpuppt sich die Veröffentlichung der Hamilton-Aufzeichnung als willkommenes Geschenk. Klar, schlussendlich versteckt sich hier ein raffiniertes Geschäftskalkül. Entscheidend ist aber: So leicht war dieses kostbare Musical noch nie für so viele Menschen zugänglich.

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Lin-Manuel Miranda hat einen wilden wie verblüffenden Geschichts-Remix geschaffen, der es verdient, in die Welt getragen zu werden. Voller Begeisterung stürzt sich Hamilton in die Vergangenheit, ohne die Gegenwart auszublenden. Das Ensemble hüllt sich in authentische Kleider, die der damaligen Zeit entsprechen, setzt sich wiederum aber aus Schauspielern zusammen, die unsere Gesellschaft präsentieren.

Hamilton auf Disney+ ist mehr als ein abgefilmtes Musical

Diese Vielfalt kommt ebenso in der Musik zum Ausdruck. Hip-Hop trifft hier auf Jazz, R&B vereint sich mit Soul und die großen, klassischen Musical-Nummern, die dafür sorgen, dass das Publikum den Atem anhält und die emotionale Tragweite spüren kann, dürfen auch nicht fehlen. Die musikalische Gestaltung elektrisiert und überträgt den revolutionären Moment, der hier dargestellt wird, in atemberaubende Harmonien.

Doch wie wirkt das in der aufgezeichneten Version, die nun bei Disney+ zu sehen ist? Was auf der Bühne funktioniert, kann im Fernsehen kläglich scheitern. Ein Konzertfilm ist nicht automatisch gut, weil er den Live-Act eines Künstlers dokumentiert, sondern weil er uns als Zuschauer durch bewusste Schnitte und Kameraeinstellungen Teil der Erfahrung werden lässt - eine Kunst, wie sie etwa Jonathan Demme perfektionierte.

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Im Fall von Hamilton zeichnet Thomas Kail für die Aufzeichnung verantwortlich, der mit Lin-Manuel Miranda schon im Zuge des Musicals In the Heights zusammenarbeitete und ebenso Hamilton auf die Bühne brachte. Er kennt die Inszenierung gewissermaßen in- und auswendig und bringt diese Expertise nun mit, wenn es darum geht, die drei aufgezeichneten Vorstellungen in eine filmische Erfahrung zu verwandeln.

Thomas Keil erweitert die Hamilton-Erfahrung auf Disney+

Die Kamera ist folglich nicht nur aus einer Totalen auf die Bühne gerichtet und fängt mit starrem Blick die dortigen Bewegungen ein. Stattdessen punktet Hamilton bei Disney+ mit vielen verschiedenen Blickwinkeln, die ebenfalls erlauben, die Bewegungen zu imitieren und zu verfolgen. Aufdringlich fällt das Ergebnis zum Glück nicht aus: In den meisten Fällen gelingt es, die äußeren Umstände zu vergessen - der Idealfall sozusagen.

Mit einer Live-Aufführung vor Ort lässt sich das vermutlich trotzdem nicht vergleichen. Dennoch hat Thomas Kail hier etwas geschaffen, von dem man sich mitreißen lassen kann, wenn hier nicht sogar ein neues Hamilton-Erlebnis entsteht, da die Übergänge zwischen den verschiedenen Bildern in einem solchen Fluss passieren, dass man sich problemlos in dieser abgefilmten Bühnenwelt verlieren kann.

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Thomas Kail beobachtet nicht nur die Schauspieler in Close-ups und fängt damit selbst die unscheinbarsten Regungen ein, die einem im Theater womöglich gar nicht auffallen würden, sondern denkt in seinen geschickt wechselnden Einstellungen stets das Bühnenbild mit. Dadurch zehren wir auf Disney+ auch von rotierenden Elementen im Boden und der atmosphärischen Lichtsetzung, die ganz eigene Räume eröffnet.

Hamilton setzt auf Disney+ seinen Siegeszug fort

Auch wenn die herausragenden Kompositionen im Grunde keine Upgrades mehr benötigen, da sie eine Wucht für sich darstellen, fügt sich die visuelle Komponente nur bereichernd zur Musik hinzu. Der Charakter von Jonathan Groffs King George erhält zum Beispiel durch Mimik und Gestik extrem amüsante Facetten, während Daveed Diggs in seiner Doppelrolle als Lafayette und Thomas Jefferson eine unglaubliche Energie mitbringt.

Die Hamilton-Aufzeichnung wirkt somit keineswegs wie die obligatorische, lieblose Zweitverwertung eines erfolgreichen Musicals, um die Wartezeit auf die richtige Verfilmung zu verkürzen, die im Angesicht der Popularität des Stoffs unausweichlich scheint. Was Thomas Kail hier in 161 Minuten festhält, ist zu jeder Sekunde bemüht, Hamilton zu erweitern und all jenen zugänglich zu machen, die das Musical (noch) nicht auf der Bühne erleben konnten.

Hamilton ist seit dem 3. Juli 2020 auf Disney+.

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