Tom Cruise hat Geburtstag - Sein Publikum lässt er niemals im Stich

Tom Cruise hängt an einem Flugzeug in Mission: Impossible 5
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"Why, Mr. Anderson... Why? Why? Why do you persist?"

Heute feiert Tom Cruise seinen 55. Geburtstag. Als er 1983 einem größeren Publikum mit Lockere Geschäfte bekannt wurde, da war er gerade einmal 21 Jahre alt. Trotzdem etablierte er sich in den nächsten sieben Jahren als zuverlässiger Kassenmagnet im Filmgeschäft. Seine Filme waren beliebtes Popcorn-Kino und sie hatten einen eigentümlichen Stil gemeinsam, den der Filmkritiker Roger Ebert im Jahr 1990 die Tom-Cruise-Formel genannt hat.

Es sind Filme, die sich um einen jungen aufstrebenden Kerl drehen, der talentiert ist, aber dem die nötige Disziplin fehlt. Deshalb trifft er auf einen älteren Kerl, der ihn in seinem Handwerk unterweist und damit dann einen gemeinsamen Aufstieg einleitet. Zwischendrin lernt der Tom Cruise-Charakter eine ältere, erfahrene Frau kennen, die ihm hilft, erwachsen zu werden. Seinen ersten Gegner schafft er so auf dem Weg nach oben auszustechen. Danach läuft es allerdings schlecht, alles scheint schiefzugehen, aber der Jungspund lernt letzten Endes doch noch einmal etwas dazu und schafft es, auch den nächsten Feind und damit den Endgegner auf dem Weg an die Spitze zu besiegen.

Die 1980er waren Tom Cruise' Filmschule

Auf der einen Seite ist es einfach, über klassische Filme dieses "Genres" wie Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel, Die Farbe des Geldes, Cocktail oder Tage des Donners - Days of Thunder aufgrund ihrer Machart ein wenig zu schmunzeln. Andererseits ist Tom Cruise noch keine 30 Jahre alt, als er mit Tage des Donners den letzten dieser Formel macht. Es mögen Justin Bieber oder die Jackson 5 eine Formel für sich haben. Judy Garland hatte auch eine Formel, so wie Roger Moore. Auf diese Weise werden Stars gemacht. Aber Cruise hat an seinen Filmen selbst mitgearbeitet, hat seine Figuren mitentwickelt. Die 1980er waren Cruise' persönliche Filmschule. In Jerry Bruckheimer fand er einen Förderer, der es ihm ermöglichte, an allen Schritten der Filmproduktion teilzunehmen. Er gab dem Jungen das Handwerkszeug dafür auf den Weg, unterhaltsames Popcorn-Kino später selberzumachen.

Darüber hinaus nahm Tom Cruise in jener Zeit bereits Rollen in Filmen an, die abseits seiner Formel spielten. Unter der Regie von Ridley Scott war er im ursprünglich sehr dunklen Fantasyfilm Legende zu sehen. Für Rain Man begab er sich in die beeindruckende Präsenz von Dustin Hoffman, der einen Mann mit Savant-Syndrom spielt. 1989 war er in Geboren am 4. Juli als Vietnam-Veteran im Rollstuhl zu sehen und erhielt dafür seine erste Oscarnominierung.

Der Filmstar Tom Cruise hat keine Schauspielausbildung absolviert, er wuchs ohne Vater bei einer alleinerziehenden Mutter mit drei Schwestern auf. Während seiner Jugend zog er oft um, lebte unter anderem in Kanada. Was ihn antrieb, war seine Liebe für Filme. Das brachte ihn nach Hollywood. Dieser Wille, der ihn ohne jegliches Geld oder persönliche Beziehungen ins Filmgeschäft brachte, ist vor allem seiner frühen Karriere anzusehen. Während er bei Jerry Bruckheimer lernte, wie eine Filmproduktion zustandekommt, entwickelte er mithilfe großer Regisseure und talentierter Schauspielpartner die eigenen schauspielerischen Fähigkeiten. Noch heute verlässt er sich auf enorm viel Vorarbeit für seine Rollen. Er definiert sich über harte Arbeit und den Willen, sich zu überwinden. Als Mensch ging er nicht zur Schule, sondern nahm Herausforderungen an.

Eine Marke, die für Professionalität steht

Nachdem er sein Handwerkszeug erlernt hat, entwickelt Tom Cruise nun Filme, die seine Handschrift tragen. Grundsätzlich bleibt er darin immer er selbst: Er ist immer spitzenmäßig trainiert, sein Äußeres ist gepflegt. Außer für Cameos begibt er sich als Schauspieler nie hinter eine Maske. Er ist immer rasiert, trägt keine falschen Bärte oder Prothesen. Seine Haarlänge variiert als einziges körperliches Merkmal. So ist uns Zuschauern bei jedem seiner Filme klar, dass es Cruise ist, der den Precrime-Polizisten – innerlich ein gebrochener Familienvater – in Minority Report gibt oder der seine Unsicherheiten als zwielichtiger Pickup-Artist in Magnolia überspielt.

Das mag gegen eine Karriere als Charakterdarsteller oder Method-Actor sprechen, aber Cruise hat auch verstanden, wie Kino, nicht allein Film, funktioniert. Er weiß, dass "ins Kino gehen" ein Erlebnis ist. Es ist ein Ausflug, den das Publikum gemeinsam unternimmt. Er gibt deshalb jedem Zuschauer ein gutes Gefühl. Denn sie wissen immer, dass sie jemanden dabei beobachten, wie er gute Arbeit leistet. Darin lässt er sein Publikum niemals im Stich. Wenn wir ihn in Mission: Impossible 2 beim Freeclimbing in den Gebirgen von Utah entdecken, dann ist es wirklich Cruise, der an dieser Wand hängt und von einem Helikopter aus gefilmt wird.

Der Star selbst hing am höchsten Gebäude der Welt für Mission: Impossible - Phantom Protokoll. Keine Computerarmeen rennen durch seine Filme, keine überbordenden CGI-Effekte polieren seine Actionszenen. Als Zuschauer können wir uns auf seine Arbeitsbereitschaft verlassen. Insofern ist Tom Cruise eine Marke, ein Label. Wo Cruise draufsteht, da ist harte Arbeit drin, da ist volle Hingabe an den Film zu erwarten. Professionalität steht über allem.

So stellt sich mir 2003 die Frage, ob ich für das Action-Abenteuer Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens bezahlen möchte oder ob ich mir vielleicht Tom Cruise in Last Samurai angucke. Klar weiß ich, dass der Filmstar – inmitten von japanischen Samurai – ganz einfach als er selbst zu erkennen sein wird. Aber ich weiß auch, dass er bis ins kleinste Detail über den Union-Army-Offizier, den er spielt, Bescheid weiß. Ich kann davon ausgehen, dass er das Szenario und die Umstände dieser Geschichte aufs Genaueste studiert hat. Ich weiß, dass er so viele Takes fordert, bis er zufrieden ist, und keine Mühen scheut, einen perfekten Film abzuliefern. Darauf kann ich mich, im Gegensatz zu meinen anderen Optionen im Kino, verlassen.

Es ist leicht, zu vergessen, was saubere Arbeit bedeutet

Die makellose Arbeit, die der Produzent/Schauspieler/Stuntman/Drehbuchautor Tom Cruise abliefert, kann leicht unterschätzt werden. Denn wir gewöhnen uns daran, wie wir uns an die Tatsache gewöhnen, dass niemand seinen Nachbarn mehr dafür umbringt, wenn er ihm die Einfahrt zuparkt. Wir gewöhnen uns daran, dass es Impfungen gibt, die uns von tödlichen Kinderkrankheiten befreien. Wir gewöhnen uns daran, dass wir wählen gehen dürfen, unsere Meinung in den Äther krähen sollen und in der Schule in allen Aspekten menschlicher Kenntnis unterrichten werden müssen.

So gewöhnen wir uns auch an Tom Cruise, der während der Dreharbeiten von Edge of Tomorrow täglich stundenlang in einem Metallgerüst feststeckt und an Drahtseilen aufgehängt ist, nur um uns einen möglichst realitätsnahen Umgang mit seiner futuristischen Rüstung (dem Exosuit) zu vermitteln.

Sein 55. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, uns wieder daran zu erinnern, was wir Tom Cruise seit mittlerweile drei Jahrzehnten im Kino zu verdanken haben.

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