Auch Henker sterben

Hangmen Also Die! (1943), US Laufzeit 134 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 03.04.1958


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3 Kommentare

News zu Auch Henker sterben

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von Fritz Lang, mit Hans Heinrich von Twardowski und Brian Donlevy

Reichsprotektor Reinhard Heydrich, genannt der “Henker von Prag”, wird bei einem Attentat getötet. Verantwortlich ist der Arzt Dr. Svoboda, Mitglied der tschechischen Widerstandsbewegung. Die Gestapo setzt alle Hebel in Bewegung, um den Täter zu fassen. Durch die Unterstützung der jungen Masha Novotna kann Svoboda knapp einem Zugriff entkommen, doch nun zieht sich die Schlinge immer enger. Bei einer Razzia wird Mashas Vater verhaftet und zu einer Gruppe Geiseln gesperrt. Als die Gestapo droht, diese zu erschießen, muss Svoboda handeln. Zusammen mit dem tschechischen Widerstand wird ein Plan geschmiedet, der Gestapo einen Täter zu liefern…


Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kommentare (3) — Film: Auch Henker sterben


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cpt. chaos

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Bewertung6.0Ganz gut

04.06.1942: Heydrich fällt in Prag einem Attentat zum Opfer, woraufhin die Gestapo ihr tödliches Netz ausbreitet. Menschenverachtende Verhöre und wahllose Hinrichtungen sind die Folge…

Zivilcourage als Form des Widerstandes gegen das Nazi-Regime, ist das zentrale Thema, welches Fritz Lang in der Literaturverfilmung von Berthold Brecht seinerzeit topaktuell im Kriegsjahr 1943 präsentierte.

Anfangs hatte ich noch leichte Annäherungsschwierigkeiten, da einige Darstellungen etwas Theaterhaftes an sich haben, was zunächst etwas übertrieben und somit unnatürlich wirkte, allerdings zog mich die Geschichte mit zunehmender Dauer in ihren Bann, spätestens jedoch, als die Gepeinigten anfangen, den Spieß umzudrehen.

"Auch Henker sterben einsam" zählt auf jeden Fall zu den Kandidaten, bei denen aller Voraussicht nach die nächste Sichtung für eine höhere Bewertung sorgen wird!

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mattxl

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Hollywood goes World War 2. Und, in vorderster Front - damals waren sie für die USA nur un- oder halbverdächtig: Fritz Lang - Bert Brecht - Hanns Eisler. Es sollte für Brecht das einzige mal bleiben, dass er in einen Hollywood-Film in den credits genannt wurde. Eisler bekam immerhin eine Oscar-Nominierung für die Hymne "No Surrender".

"Auch Henker sterben" ist letztlich die Geschichte eines Gewissenkonfliktes: Darf man mit "Henkern" kooperieren, auch wenn man weiß, das Morden ihr Geschäft ist? Wo begint Verrat? Ist ein Attentat, wie das auf Heydrich, legitim, wenn es Massenmorde zur Folge hat?

Lang und Brecht entzweiten sich bei den Drehbucharbeiten: Wenig freundlich hielt Brecht in seinen Tagebuch fest: "Die Veränderung, die mit ihm in der Nähe der 700.000 $ vorgeht, ist bemerkenswert. Er sitzt, mit den Allüren eines Diktators und alten Filmhasen, hinter seinem Bossschreibtisch, voll von Drugs und Ressentiments über jeden guten Vorschlag, sammelnd "Überraschungen", kleine Spannungen, schmutzige Sentimentalitäten und Unwahrhaftigkeiten und nimmt "licenses" für das Boxoffice," (im Orignal alles natürlich in Kleinschreibung).

Hat Brecht Grund zum Unmut? Ich denke nein. Nach dem, was man weiß, hätte Brecht einen differenzierteren Film gewollt, einen, der zum Beispiel auch thematisiert hätte , dass es unter den von den Nazis genommenen Geiseln auich Antisemiten gab. Ja, ein paar mehr aufgebrochene Klischees wäre sicher, gut gewesen. Aber angesichts des ohnehin für USA-Verhälnisse zu langen Films, find ich Langs Entscheidung vertretbar.Die Botschaft des Films ist deutlich genug.

Brecht war zudem bekümmert, dass man die Massen-Szenen reduziert hat. Aber wenn irgendjemand Massen-Szenen inszenieren kann und weiß, wann man von ihnen Gebrauch zu machen hat - dann ist es doch wohl Lang?

Der Streit der beiden war letzlich: Macht man einen Film gegen den Totalitarismus oder aber gegen Nazi-Deutschland? Ein ehrenswerter Disput. Aber mit weniger "drugs" und ideologischer Voreingenommenheit hätten die beiden wohl auch auch zueinander finden könne.

Herausgekommen ist ein sehr sehenswertes Triller-Drama, das nicht selten auch "Predigt" ist. Unterhaltungsfilm (Thriller). aber zugleich auch eine unmissverständliche politische Botschaft. Auch wenn Lang und Brecht sich am Ende der Dreharbeiten nicht mehr mochten: Der Film ist gelungen, sieht man mal davon ab, dass die realen Ereignisse etwas neben der storyline lagen.

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jschmicking

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danke für den informativen kommentar, findet man leider auch nicht mehr allzu oft.

Ich sah den Film zum ersten Mal im Zuge eines Geschichtsseminares, welches sich eigentlich mit dem Thema des Antisemitismus beschäftigte, und den Teilnehmern fiel es auch auf, das eben dieser im Film nicht thematisiert wurde, ist aber aus damaligen gesellschaftlichen Gründen durchaus nachzuvollziehen.
Man sollte den Film als das begreifen, was er ist, ein Propagandafilm, der auf das hauptsächlich amerikanische Publikum zugeschnitten war und aufzeigen sollte, warum es soviel Sinn macht gegen das dritte Reich ins Feld zu ziehen.
Das erkennt man vor allem an der Darstellung der Prager Bürger, die alle einem Freiheitsdenken a la "american dream" anhängen, welches die Identifikation mit diesen Figuren als amerikanisches Publikum umso einfacher macht.


Marti DiBergi

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Bewertung7.5Sehenswert

Man könnte dem Film im Lichte von modernen, differenzierteren Filmen über diese Epoche vorwerfen, er würde Geschichte verfälscht und einseitig wiedergeben. Man könnte sich jedoch auch an den herrlich zackigen Nazischurken erfreuen, die als immerböse Gestalten durch diesen Thriller hüpfen, in dem Fritz Lang in wie in den guten alten Tagen die Spannug bis zum letzten Moment aufrecht erhält.
Skoda!

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