Die Klavierspielerin

La Pianiste (2001), AT/FR Laufzeit 129 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 11.10.2001

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7.5
Kritiker
17 Bewertungen
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7.2
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950 Bewertungen
40 Kommentare
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von Michael Haneke, mit Susanne Lothar und Isabelle Huppert

Erika Kohut (Isabelle Huppert) gibt Klavierunterricht am Konservatorium in Wien. Sie ist Anfang vierzig. Sie lebt mit ihrer streng kontrollierenden Mutter (Annie Girardot) zusammen. Manchmal flieht sie. Dann besucht sie Pornokinos oder Peepshows. Sexualität erlebt sie als Voyeuristin. Ihr Leben spielt sich nicht in der Welt der anderen ab. Bis eines Tages einer ihrer Studenten (Benoît Magimel) sich in den Kopf setzt, sie zu verführen…

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Kritiken (4) — Film: Die Klavierspielerin

SoulReaver: CinemaForever

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9.0Herausragend

Eine Spirale aus menschlichen Abgründen, ein (in)humanes Mosaik aus Dominanz und Devotion, aus krankhaftem Verlangen, introvertierter Separation, sexueller Devianz und masochistischen Präferenzen. Ein peinigender (Seelen-)Scherbenhaufen bestehend aus verkümmerten Rudimenten der Menschlichkeit, impraktikabler Liebe und dem ungesteuerten Insistieren von Herabwürdigung und psychischer Vergegenwärtigung. Michael Haneke verdeutlicht »Die Klavierspielerin« durch eine unaufgeregte und ebenso unangenehme inszenatorische Ruhe, die durch ihre unverfälschte Prägnanz wie ein präziser Schlag in die Magengrube des arretierten und gelähmten Zuschauers wirkt. Niemand hat hier die Zügel in der Hand, nicht der Konsument, nicht die Charaktere, einzig Haneke bestimmt den Weg in die resignative Selbstzerstörung und reißt alles mit sich in das perverse Martyrium, bis die qualvolle Stille vor und hinter der Mattscheibe einsetzt.

Kritik im Original 25 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten

Tautou

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Danke, sehr interessant, vorgemerkt.


SoulReaver

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:)


Kubrick_obscura: CinemaForever

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9.0Herausragend

Hanekes bester Film, neben "Funny Games", ist das Werk eines ganz Großen seiner Kunst. Stringent und formal bis ins kleinste Detail sachlich erzählt. Dabei ist die Gewalt nie wirklich sichtbar, nie voyeuristisch bis zur letzten Einstellung. Das Messer in der Schulter musste gesehen werden.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Frank Noack: Tagesspiegel, Rheinische Post Frank Noack: Tagesspiegel, Rheinische Post

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8.5Ausgezeichnet

Haneke ist der ideale Regisseur für uneitle Schauspielerinnen, die den Mut haben, sich seelisch zu entblößen, was natürlich auch wieder eine Art von Eitelkeit sein könnte. Nach Binoche verspürte die Godard- und Chabrol-erfahrene Isabelle Huppert das Bedürfnis, mit dem Österreicher zu arbeiten. Hat sich Haneke, dessen Filme rund zwanzig Jahre lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen sind, vom späten Ruhm verführen lassen und sich an das Starkino verkauft? Keineswegs. Die "Klavierspielerin" ist so unbequem, wie es ein Film nur sein kann.

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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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7.5Sehenswert

Wie die Autorin seziert auch Michael Haneke in seiner Adaption das Verhältnis von Macht und sexueller Lust mit der Brille eines Psychotherapeuten. Sein Film folgt den Handlungslinien der Vorlage weitgehend und findet für die eigenwillige, rabulistische Sprache adäquate Bilder. Deren Magnet ist wieder einmal Isabelle Huppert. Mit ihrer differenzierten Mimik ist sie die ideale Besetzung für die scheinbar unempfindliche Frau.

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Kommentare (36) — Film: Die Klavierspielerin


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mierle

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Bewertung4.0Uninteressant

Ich fand den Film von Anfang bis Ende irgendwie verstörend... mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen...

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Jade

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Dass, was AnnaBerlin gesagt hat = )

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annaberlin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Eine der besten Romanverfilmungen, die ich kenne. Krankes Buch, kranker Film - genial gespielt, genial inszeniert.

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LynchFan1706

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Bewertung4.0Uninteressant

Bääm, Herr Haneke, mitten in's Gesicht und trotzdem kalt gelassen...

Diese ungesunde Konstellation zwischen Mutter und Tochter; dieses selbstzerstörerische, abhängige Verhältnis zwischen den beiden hätte ein wahnsinnig spannendes Thema sein können...
War es für mich aber nicht, denn da gab es mein persönliches Problem mit den Figuren. Mein Interesse an Erika hätte darin bestanden zu sehen, warum sie zu dem geworden ist, was sie ist.
Die existentielle Frage: Wie hat es diese Mutter geschafft, ihre Tochter so zu brechen? Leider war das wohl nicht Hanekes Interesse. Eindeutig Pech für mich.
Ich bekam eine schon vollständig psychisch zerstörte, nihilistische Frau geliefert, deren persönlichen seelischen Amoklauf ich mir nun ansehen durfte.

Mich interessiert aber nicht, ob psychisch kranke Menschen nun kleine Kinder fressen, Tiere quälen, sich selbst Messer in die Schulter rammen, sich mit Rasierklingen den Intimbereich verletzten oder sado-masochistischen Sex bevorzugen, mich interessiert, was dazu geführt hat. Das Warum.
Das ist natürlich mein ganz eigenes, persönliches Problem, das ich oft bei Figuren habe, die mir so fertig serviert werden, und ich dann zugucken muss, was sie -als Konsequenz aus ihrer Entwicklung- treiben. Bei mir ist eher der Weg der Figur das Ziel... Dafür kann aber Haneke nun mal nichts.
Das ging mir dann natürlich mit der Figur Erika nicht anders.
Ihre Ausbrüche und ihre nonkonformen Handlungen blieben für mich stets so uninteressant und auch so vorhersehbar in ihren Auswirkungen, dass ich weder Mitleid noch Empathie empfunden habe. Lediglich Verständnis. Das war mir dann aber zu wenig.
Isabelle Hupperts ständig übergroßes Gesicht, mit den verschlossen, dennoch zutiefst leidenden Zügen vor mir zu sehen, war einmal in seiner Form sehr wirkungsvoll, ging mir nach dem fünften Mal auf die Nerven.
Die verstörenden Szenen waren mir zu plakativ mit erhobenem "Achtung- Wichtig- Finger" inszeniert: Seht was passiert, wenn man Probleme nicht aufarbeitet! Also Vorsicht, ihr Lieben!"
Die Szenen zwischen Mutter und Tochter hingegen blieben für mich regelrecht zahnlos, eher wie nebenher noch reingeworfen, weil wir ja den Grund für Erikas Verhalten kennen müssen. Annie Girardot ist mir dadurch leider auch nicht sonderlich positiv aufgefallen, ihre Mutter wirkte eher routiniert runtergespielt.
Zu ostentativ arrangierte Szenen lassen mich leider kalt und unbeeindruckt, denn labile, gestörte Persönlichkeiten handeln eben nicht gewöhnlich, das muss man mir nicht in's Gesicht schreien. Klar, wieder mein Problem!

Trotzdem gab es eine beeindruckende, für mich die schlüssigste und wichtigste Szene, als Erika und Walter in ihrem verbarrikadierten Zimmer sitzen, er ihren Brief liest, entschließt zu gehen, weil er sie als krank empfindet und sie innerlich zusammenbricht. Es brauchte nicht viel, um eine Frau, die kalt wie Eis andere Menschen und sich zutieftst verletzt und eine meterhohe Mauer des Scheins um sich aufgebaut hat, zusammenbrechen zu lassen. Lediglich einen Menschen, der sagt, was er empfindet, wenn sie ihre Empfindungen schonunglos offenlegt.
"Ich habe auf dich gewartet." sagt Erika zu Walter. Sie erwartete mit ihm die Hoffnung auf Erlösung zu bekommen und wurde bitter enttäuscht und dadurch dreht sich das Rad ihres Musters erneut...
Ein letztendlich konsequenter, guter Schluss, denn von Haneke erwarte ich auch kein versöhnliches Ende.
Leider kann mir Haneke seine Erika nicht näherbringen, da ich bei ihm hier das Gefühl hatte, dass er selbst für Erika auch nichts übrig hat.
Ich weiß, ich weiß, auch mein Problem.

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LynchFan1706

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@DerDude_ Ja, das konnte ich auch in deinem Kommentar zum Film gut herauslesen. ;-)
@Magic Nun ja, den Liebhabern des Films gefällt eben genau das, was ich nicht mag. Menschliche Abgründe, plakativ dargestellt. Mich schockt so etwas aber nicht, da mir nichts menschliches fremd ist. Mich fasziniert die Geschichte hinter der Geschichte. Ich will aber kein allgemeingültiges Urteil über den Film abgeben. Eine Einschätzung von dir würde mich nämlich sehr interessieren.


ElMagico

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Hmmm...schreckt mich eher ab was ich les. Bin da wohl ein kleines Gegenteil vor dir: Mir tut sowas weh, eben weil ich es zu gut kenne. Und wenn das dann reißerisch ist, oder sich sonst irgendwie falsch anfühlt...dann tut mir das einfach nicht gut ;) Von daher...lieber erstmal nicht.


DerDude_

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Bewertung5.0Geht so

Michael Haneke ist schon ein komischer Typ für mich. Entweder dreht er reaktionäre Oberlehrfilme wie "Bennys Video" oder "Funny Games" oder aber er dreht subtile, ruhige Meisterwerke über die Abgründe des Menschen wie "Cache" oder "Das weiße Band". Erst gestern begeisterte er mich erneut mit "Der siebente Kontinent".

Doch sein "Die Klavierspielerin" lässt mich relativ ratlos zurück da ich mir lange überlegt habe wie ich diesen Film bewerten soll. Zum einen ist da das bombastische Spiel von Isabelle Huppert. Ihre Mimik wirkt sowohl verschlossen und unnahbar aber irgendwie bekommt man das Gefühl ihre ganze Seele sei in ihrem Gesicht zu erkennen. Unglaubliches Spiel. Auch die restlichen Darsteller spielen grandios.
Dennoch setzt Haneke in einigen Szenen zu sehr auf den Schock Effekt. Einige Szenen schockierten mich in ihre Härte aber irgendwie wirkten sie so als wollten sie den Zuschauer bewusst schockieren also emotional zu manipulieren.
Zudem sei angemerkt das der Film streckenweise stark auf eine Spannungskurve verzichtet. Der Film hat nur wenige Höhepunkte und gibt sich in seiner 2 Stunden Laufzeit zu vielen Längen hin.
Fazit : Ein Haneke Fan werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Außer großartigen Darstellern hat dieses Werk leider nicht viel zu bieten. Das liegt daran das Haneke seinen geliebten Holzhammer einfach nicht aus der Hand nehmen wollte. Schade.

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T-Rex

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

gibt es einen schlechten film mit isabelle huppert?

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lassiesinger

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Mein Lieblingsregisseur: Michael Haneke.

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Acry

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Eine Literaturverfilmung, bei der man das dringende Bedürfnis hat, direkt nach dem Abspann das Buch lesen zu wollen, ist definitiv gelungen. Genau wie bei Clockwork Orange habe ich hier das Gefühl, dass neben dem genialen Film ein geniales Buch existiert, sich beide Medien aber eher ergänzen als überschneiden.

Während ich "Das weiße Band" trotz guter Inszenierung etwas anstrengend fand, hat mich Haneke mit diesem Film hier von der ersten Minute an überzeugt: Alle seine Filme werden vorgemerkt und "Das weiße Band" nochmal angeschaut. Seine Art, Regie zu führen, ist einfach etwas Besonderes.

Neben Isabelle Hupperts intensivem Schauspiel ist es auch Hanekes Umsetzung, die den Film so bedrückend macht: Durch die langen, ruhigen Kameraeinstellungen werden wir zum Beobachter und werden Zeuge, wie die Protagonistin verzweifelt versucht, ihrem zerstörten Leben einen Sinn zu geben und aus den eigenen, mütterlichen und gesellschaftlichen Zwängen auszubrechen.
Wegen der schlichten Inszenierung wird der Zuschauer förmlich gezwungen, seine volle Aufmerksamkeit auf die Gesten, Mimik und Interaktion der Schauspieler zu lenken, was das ganze mitunter noch schmerzlicher macht. Andererseits liegt in dieser quälerischen Ruhe bzw. Passivität auch die Faszination des Filmes.
Die mehrdimensionalen Charaktere mit all ihren Erwartungen, Hoffnungen und Enttäuschungen machen den Film zu einem authentischen Spiegelbild der inneren Zerrissenheit.

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Markbln

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Damals im Kino fand ich ihn herausragend, jetzt noch mal zuhause gesehen und er ging mir teilweise gegen den Strich. Es kann gut was mit seiner persönlichen Verfassung zu tun haben, ob man die extremen Szenen des Films für nötig hält und Hupperts Spiel nicht doch für etwas harsch. Diesmal fand ich auch einige Dialoge unfreiwillig komisch. Man hätte auch einfach ficken können. Nichtsdestotrotz bleibt diese klinische Studie sehr beeindruckend.

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judischnudi

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Bewertung7.5Sehenswert

Schön, schön pervers. Vielleicht mach ich mal einen gemütlichen Filmabend mit diesem Schmuckstück hier und Die Haut, in der ich wohne und Martyrs.

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heikschn

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Bewertung7.5Sehenswert

Wie alle Filme, die ich von Haneke bisher gesehen habe, handelt auch dieser wieder von Gewalt. Dieses Mal ist es die Gewalt im Konstrukt der menschlichen Beziehung - sei es die Gewalt zwischen Mutter und Tochter oder zwischen Liebhabern. Es geht um Dominanz und Unterwerfung, um Unterdrückung, Obsession und Abhängigkeit. Ich kann nicht sagen, dass mir der Film gefallen hat. Das ist auch gar nicht Ziel des Films - zu gefallen - und dafür sind die gezeigten Bilder Haneke-typisch auch wieder viel zu extrem. Was ich sage, ist, dass es ein guter Film ist.

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8martin

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Bewertung7.0Sehenswert

Ein echter Haneke. Schockierend abartig, aber durchaus realistisch und sogar logisch in seiner Konsequenz. Für viele eine Zumutung. Elfriede Jelinek lieferte für das kaputte Liebesdrama die Vorlage. Ansatz ist das sonderbare Mutter-Tochter Verhältnis. Isabelle Huppert beeindruckt wieder einmal, hier durch anschauliche Verdeutlichung einer fehlgeleiteten Liebesfähigkeit. Zwischen Mutter (Annie Girardot) und ihrer Tochter gibt es auch Gewalt, die im Verhältnis zum Liebhaber (Benoit Magimel) eine Fortführung erfährt. Alle drei erfahren das genaue Gegenteil von aufrichtiger Zuneigung. Dabei gibt es eine in sich stimmige Steigerung, in der sich Gewalt als letzte Vollendung von Sex manifestiert, nachdem eine sadistische und masochistische Phase durchlebt wurde. Die Tochter schwebt zwischen ihrer Mutter und dem jungenhaften Liebhaber hin und her und vermischt Abhängigkeit und Dominanz durch selbst erlittene und anderen zugefügte Qualen. Und der junge Mann reagiert erst mit Verachtung, dann doch mit willenloser Hingabe und Gewaltbereitschaft. Eine ausweglose Tragik, bei der selbst eine Behandlung keine schnelle Lösung bringen kann. Das ist teilweise optisch und psychologisch schwere Kost. Dagegen sind die Mainstream-Horrorstreifen nur bunte Seifenblasen.

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Jenny von T

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Bewertung9.5Herausragend

Dieser Film zeigt weniger Blut und direkte Gewalt als "Funny Games" und zeichnet noch eingehendere Psychogramme als "Benny's Video" oder "Caché"- ja, "Die Klavierspielerin" ist vermutlich Hanekes Meisterwerk. Ich habe ehrlich gesagt selten einen so schonungslosen und intensiven Film gesehen - eine Endlosspirale aus Abhängigkeit, Unterdrückung, Kontrolle, Verdrängung und Demütigung, das komplette Spektrum menschlichen Verderbens, ohne dass auch nur eine Szene um ihrer Selbstzweck Willen existiert oder aufgesetzt wirkt. Vor der Grenze des Absurden steht der höchstmögliche Grad an Paralysierung, und genau hierauf bewegt sich "Die Klavierspielerin" grazil wie eine Ballerina.
Tief und abgründig wie Beethoven's Fünfte, aber ruhig wie Chopin. Und genau hierin liegt der Unterschied zu beispielsweise Black Swan, der zu sehr ästhetisiert und dem etwas zu dick "SCHAUT HER, ICH BIN WAS BESONDERES!" auf der Stirn geschrieben steht.

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BigDi

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Und wenn du "Perfect Blue" gesehen hast, weißt du auch, wie Realiutätsverzerrung bie Rollenwechsel richtig aussehen müssen. ^^


michael.roedlach

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@Jenny
Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen
Bin genau gleicher Meinung wie du!


Puebleau

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ungefähr zwei Jahre ist es her, dass ich paralysiert auf den Abspann des Films über "Die Klavierspielerin" schaute; fassungs- und wortlos wie ein Reh im Fernlicht. Ein wirkliches Gespräch kam mit der Mitguckerin nicht wirklich in die Gänge, jeder Satz war eher ein Versuch, das Gesehene zu verdrängen; und so macht ich mich bald auf den Heimweg, ich fühlte mich jedoch verfolgt von einer Figur, die mir Haneke in Form von Isabelle Huppert so unheimlich nahe gebracht hat. Man kann sich von der Geschichte abschrecken lassen und den Film zu ungemütlich finden, aber es ist sicherlich kaum möglich, sich ihm zu verschließen. Diese Eindringlichkeit, die durch Hanekes Inszenierung und Hupperts vielfach nominiertes und zu recht ausgezeichnetes Schauspiel erwächst, ist eine Eigenheit des Films, die es ungeachtet seiner Kompromisslosigkeit zumindest zu würdigen gilt. "Die Klavierspielerin" ist in meinen Augen ein Psychogramm über eine Person, die mit ihrer Mutter in einer schrecklichen, unheimlichen Verbindung steht und daraus resultierend Beziehung nur hierarchisch verstehen kann. Sanktionen und Unterwerfung ersetzen Liebe und Respekt. Mit unheilvollem Pathos zeigt Haneke nach der Romanvorlage die extremen Auswirkungen in dramatischem Crescendo und verstörendem Piano. Wer dissonante Filme mag (und damit ist nicht nur die kreischende Geige von "Psycho" gemeint), sollte "Die Klavierspielerin" nicht missen.

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Sigmund

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Feiner Kommentar!


Kill_Diether

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Bewertung7.5Sehenswert

Erstklassige Schauspielkunst, auch die Mutter. Doch diese abstruse Mutter-Tochter Beziehung ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar. Sicherlich geht es um Diskrepanzen zwischen Moral, dem Geistigen, dem Zwischenmenschlichen und der Sehnsucht nach Zuneigung, nach körperlicher Erfüllung. Wer damit ein echtes Problem hat, braucht einen Psychiater oder andere Beziehungen.

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THE_JUDGE

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Bewertung5.0Geht so

Ich weiß nicht recht, aber irgendwie war hier einiges vorhersehbar. Die verklemmte, ziemlich hartherzige aber dennoch recht ansehnliche Erika, führt ein Schattendasein als Professorin am Wiener Konservatorium und lebt zusammen mit ihrer Mutter mit der sie auch ihre Nachtruhe in einer Art Ehebett fristet. Erika hat scheinbar alle lobenswerten Eigenschaften von ihrer Mutter übernommen, wie sich z.B. während einiger Klavierstunden und auch im Verhalten gegenüber ihrer Erzeugerin selbst zeigt. Es ist recht schnell erkennbar, dass mit Erika etwas nicht stimmt und das es sexueller Natur sein würde war für mich auch irgendwie naheliegend. Erika wirkte von Anfang an recht attraktiv, obwohl sie gleichzeitig konservativ und prüde wirkt, bzw. wirken soll. Und nun kommt auch schon der Knackpunkt der sich erahnen ließ, und welcher in althergebrachter Form lautet: "Sex sells!". Auch wenn das eher für andere Bereiche, wie das gute alte Marekting oder die Werbung konzipiert worden ist, auch im Drama, oder allgemein im Film zieht Sex doch immer noch das größte Interesse auf sich (In der Videothek ist die Pornoecke ja auch nicht umsonst die größte Abteilung). Um so mehr, um so absurder oder obszön die Details daherkommen. Ein wenig Wichskabine mit schnüffeln an den Hinterlassenschaften des letzten "Wichsers", böse, perverse, abgrundtief unbegreifliche, masochistische Perversionen in geschriebener Form etc. Geschockt hat mich das alles irgendwie nicht, ich mußte sogar des öfteren mal herzhaft lachen. Liegt vielleicht an der gesunden Grundeinstellung, dass jeder Mensch so seine Psycho-Leichen im Keller versteckt hat und jeder sowieso nicht ganz rund läuft. Vielleicht liegt es auch an einer "falschen" Machart. Ich meine "Menschenfeind" als ganz krasses Beispiel war schon eine andere Liga, der hat geschockt und den hab ich immer noch nicht ganz gesehen, trotz meiner tollen abgeklärten Weisheiten die mich eigentlich vor allem Übel im vorraus bewahren sollten. Naja, "Die Kalvierspielerin" kann man auf jeden Fall mal gucken, aber ob es ein Haneke-Meilenstein, oder generell ein Meilenstein ist weiß ich ehrlich gesagt nicht.

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THE_JUDGE

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Da kann ich mich nur bedanken!!


Lu La

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Einer meiner Lieblingsfilme trotz sehr zwiespältiger Kritiken. Isabelle Huppert spielt so intensiv, dass ich Ihr jede Sekunde der kaputten Persönlichkeit abgenommen habe. Erstickt von der Liebe und Kontrollsucht der eigenen Mutter und von ebendieser gedrillt den eigenen nicht erfüllten Traum zu leben (eine berühmte Klavierspielerin zu werden), schneidet Erika jegliche Emotion oder körperlichen Begierde von sich ab. Um sich zu bestrafen oder auch um überhaupt etwas zu fühlen, fügt sich Erika selbst Schmerzen zu oder bittet im weiteren Verlauf des Filmes Ihren jungen Schüler dazu ihr Schmerz zuzufügen. Ihr Selbsthass und Ihr Wunsch nach Schmerz (das einzig zulässige Gefühl in Ihrer Welt) treiben Sie dazu sich degradieren zu lassen und führen dazu, dass sie jedes positive Erlebnis im Keim erstickt. Im Gegensatz zu einem Vorredner glaube ich, dass sich die Protagonistin sehr wohl über ihr eigenes beschissenes Leben im Klaren ist, jedoch nur dann Freude empfinden kann, wenn Sie andere demotiviert oder ihnen einen Teil ihres Traums kaputt macht.
Der Film hat mich so gepackt, dass ich begann Erikas Mutter zu hassen, Erikas kranke Psyche zu verstehen und mich in Sie reinzufühlen und mir wünschte Erikas Schüler würde sie retten aus ihrer "Abartigkeit".
Ich fand die Inszenierung mutig, einfach, ehrlich und überraschend. Ich habe das Buch gelesen, bevor ich den Film sah und es war eines der wenigen Male, bei denen ich mich nicht über die Adaption geärgert habe. Die Musik war fantastisch gewählt (für Liebhaber Schuberts und Schumanns) und perfekt plaziert. Kein fieses Übertönen von Momenten, in denen Stille eigentlich angebrachter gewesen wäre.
Der Film ist dramatisch und dennoch streckenweise amüsant.
Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass Benoit Magimel als Schüler Erikas wirklich ein attraktives Pendant zu seiner Protagonistin abgab.

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Lu La

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sehr gut! das gibt sympathiepunkte!
:D


SpiceWeasel

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^_^


BigDi

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Scherben als Mittel zum Zweck, fremde Leben in Scherben zu schlagen, nur um das zertrümmerte eigene nicht zugeben zu müssen, der Geruch von vertrocknetem Sperma als einzige physische Begegnung mit Sexualität, fremdes Gestöhne als Ruf einer viel zu weit entfernten Welt, welche nicht begehbar ist, weil die Tür dazu stets offen bleibt, und Liebe - Liebe nur als versessener Wunsch nach dem Schmerz, welchen man selbst befohlen hat und damit zu kontrollieren glaubt. Nach einer einstündigen - und höchst ungemütlichen - Stille, die nur durch Klaviermusik unterbrochen wird, welche nie perfekt interpretiert sein kann, wird spätestens auf der Toilette der erbärmliche Tanz zwischen Macht und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus sichtbar und der Niedergang ist nicht mehr zu leugnen. "Ich habe keine Gefühle. Und sollte ich welche haben, dann werden sie nie über meine Intelligenz siegen.“ - wie die Protagonistin, so auch der Film, welcher einen weiteren perfiden Seziertisch Hanekes darstellt, auf dem er quälend langsam in seinen Figuren herumschlitzt, tief genug, um zu schmerzen, aber nicht tief genug, um sie von ihrer Misere erlösen zu können. Demzufolge feinstes sadomasochistisches Arthouse-Kino, dessen Perfidie überraschend oft mit gemeinem schwarzem Humor gewürzt wird.

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LokisSon

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Wirklich sehr schöner Kommentar!

@Haneke Hier kann ich auch noch die alten österreichischen Filme empfehlen (Bennys Video, Funny Games). Die haben noch etwas schön Rohes an sich.
Wobei ich beim "Weißen Band" D absolut zustimmen kann. Definitiv einer meiner Lieblingsfilme. Aber seit ich irgendwann mal Anfang der 2000er Jahre "Funny Games" zufällig im TV sah, bin ich sowieso Haneke-Fan. Der Film hatte mich damals dermaßen geflasht.


BigDi

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@ CarrionFairy: Das Buch glitt in der "muss ich lesen"-Liste nach der Sichtung stark nach oben; den Anfang, der mir im Deutsch-Abi präsentiert wurde, fand ich schon recht ansprechend.
----
@ Schlegel: Ich finde, der Film ist durchgehend immer wieder schwarz bis absurd witzig, die zwischendurch gezeigten TV-Szenen sind in der Hinsicht auch nicht ohne...
----
@ LokisSon: "Bennys Video" habe ich hier irgendwo, aber an die Ungemütlichkeit will ich mich irgendwie nie herantrauen. ^^


CarrionFairy

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Bewertung5.5Geht so

die romanvorlage ist mitunter das beste, was ich je gelesen habe und das war wohl mein fehler: ich hätte besser erst den film gesehen, dann hätte ich ihn vielleicht besser bewerten können.
von dem sprachgewaltigen werk ist kaum mehr als eine psychologisch pfützentiefe, etwas perverse romanze geblieben, die es kaum schafft, gefühle zu transportieren oder charaktertiefe zu verleihen.
wenn es dem zuschauer gelingt, die verfilmungen unabhängig vom buch zu betrachten, dann kann man verklärten blickes das parfum, gottes werk und teufels beitrag, jenseits von eden oder eben die klavierspielerin als gut gelungen bezeichnen. kennt man einmal die hintergründe, kann aber aber wohl leider nur enttäuscht werden.
ich gehe jetzt ein bißchen unter der dusche weinen...

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moviessimo

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Bewertung9.0Herausragend

Elfride Jelinecks Meisterwerk als Drehbuch, Isabelle Huppert in der Hauptrolle... Da hat der Haneke schon auf ein sicheres Pferd gesetzt. Da konnte ja nur was gutes bei rumkommen.

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