Erde

Zemlya (1930), RU Laufzeit 78 Minuten, FSK 6, Drama

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Kritiker
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7.5
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von Aleksandr Dovzhenko, mit Stepan Shkurat und Semyon Svashenko

Im reichen Kosmos der Filminnovatoren des frühen sowjetrussischen Kinos nimmt der ukrainische Regisseur Alexander Dowschenko eine Sonderstellung ein als eigenwilliger Filmpoet. Seine Filme, die meist in Kiew und Odessa gedreht wurden, kamen oft zensiert in die sowjetischen Kinos oder wurden ganz zurückgezogen. In “Erde” hat ein ukrainisches Dorfkollektiv einen Traktor angeschafft. Als der junge Traktorist Wassily es wagt, die Grenzsteine umzupflügen, die bis dahin die Felder der Großgrundbesitzer markierten, wird er von einem Kulaken erschossen. Der Film entstand im historischen Kontext des ersten Fünf-Jahres-Plans und musste um vier Szenen gekürzt werden, die der Prüderie der stalinistischen Zensur zum Opfer fielen.


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Kommentare (2) — Film: Erde


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Mimuschka

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Bewertung9.0Herausragend

heute hab ich mir überlegt, dass ich in der kommenden zeit für ein paar filme keine eigenen worte schreibe, sondern die betreffenden passagen aus dem großartigen buch "film als subversive kunst" von amos vogel abschreibe. aber nicht, um seine texte dann als "meine kommentare" zu vereinnahmen, sondern vielmehr, um auf ein paar eher unbekanntere, in der versenkung verschwundene filme aufmerksam zu machen, wofür mir dann diese vorgehensweise am erfolgversprechendsten erschien. den anfang macht nun "zemlya" ein klassiker des sogenannten "revolutionsfilms":

" von heute aus betrachtet tritt aleksandr dovzhenko als eins der bedeutendsten talente des russischen films hervor, als der mann, der ihn aus der erstarrung von propaganda und intellektualismus auf die ebene bildlicher poesie führte. die auflösung des wirklichkeitsgetreuen raum-zeit-bezugs ereignet sich bei ihm - nicht anders als im fortgeschrittenen film der gegenwart - als eine notwendigkeit der poetischen kunst.
[...]
die handlung ist äußerst dürftig und ideologisch abgesichert, aber die bedeutung des films liegt anderswo: in seinem preisgesang auf die einheit von mensch und natur, auf die freuden und schrecken des daseins, in seiner überwältigenden folge lyrischer und ausnahmslos überlebensgroßer bilder.
[...]
was den stil betrifft, ist der film spektakulär wegen der originalität, mit der er herkömmliche erzählungen durch poetische kontinuität ersetzt. er ist umrahmt von lyrischen bildern von himmel und erde und vom reichtum der früchte der natur. er umschreibt den aufenthalt des menschen in einem pantheistischen universum auf fruchtbarkeit, leben und tod. eine folge von leidenschaftserfüllten episoden - die stärker sind als die handlung - nimmt die anliegen des heutigen und des avantgardefilms vorweg durch die art, in der daseinszustände erforscht werden.
[...]
eine dauernde spannung wird aufrechterhalten durch die anhäufung verwandter bilder zu wiederholten höhepunkten; mehrere szenen sehen aus wie standfotos, sind aber von darstellern in einer haltung gewichtiger unbeweglichkeit gestellt. über die ganze strecke ist zeit bis aufs äußerste komprimiert. dekor, ereignisse, beweggründe sind reduziert auf eine epische, sehr moderne einfachheit. die wirkliche bedeutung des films beruht nicht so sehr auf dem gehalt als auf der untergrabung vereinbarter formen; er ist ein meisterwerk des modernen films, um dreißig jahre seiner zeit voraus."

(amos vogel: film als subversive kunst - kino wider die tabus, 1997)

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Mimuschka

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hab das ja bei den folgenden kommentaren so geHANDhabt, da ich es prinzipiell natürlich auch besser finde noch eine kleine persönliche note ein"fließen" zu lassen. dass so viele das buch haben bezweifel ich aber trotzdem ;-)


Anoirja

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Ich habe ja auch nur von denen geredet, die solch abseitiger Filmkunst zugeneigt sind. Ich bezweifele halt, dass von denen das Buch viele nicht haben. Ich bin schon überrascht gewesen, bei wem überall das Buch im Schrank stand. ;)


Ich_mache_Seife

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Was für ein großartiger Beitrag aus der Ära des Stummfilms. Außer bei Malick konnte ich noch nie beobachten, dass Natur in dieser höchst poetischen Weise als Stilmittel verwendet wird. Ein einprägendes, voller Symbolik und Metaphern strotzendes, mit einer Unzahl von höchst erinnerungswürdigen Szenen bereichertes filmisches Werk. Da sind diese Momente in einem Film, welche sich uneingeschränkt in das Gedächtnis des Zuschauers brennen - erlebt man solche wird einem bewusst etwas absolut Großartiges gesehen zu haben. Und ich kann behaupten hier einige solcher Augenblicke genossen zu haben. Für mich ein fast schon unfassbares Filmpoem, obwohl - so sei gestanden - ich historisch mit dieser Zeit und den Begebenheiten nur mäßig bewandert bin. Unbedingt einen Blick wert.

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