Europa

Europa (1991), CH/DE/DK/FR/SE Laufzeit 112 Minuten, FSK 16, Drama, Thriller, Kinostart 21.07.2005

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7.0
Kritiker
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7.3
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14 Kommentare
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von Lars von Trier, mit Jean-Marc Barr und Barbara Sukowa

Hypnosegleich erzählt Lars von Trier dem Zuschauer die Geschichte des jungen amerikanischen Idealisten Leo Kessler (gespielt von Jean-Marc Barr), der sich 1945 nach Deutschland begibt, um dem zerstörten Heimatland seines Vaters in der Not zu helfen. Kurz nach seiner Ankunft besorgt sein Onkel ihm einen Job bei der Zentropa Eisenbahngesellschaft, wodurch sich Leos Leben fortan nahezu ausschließlich in Zugwagons abspielt. Mit ihnen bereist er das ruinierte Nachkriegsdeutschland und verliebt sich in Katharina, die Tochter des Zentropa-Chefs (Barbara Sukowa). Auf der Reise verstrickt er sich immer tiefer in ein gefährliches und undurchschaubares Netz aus Alliierten und unbeirrt weiterkämpfenden Alt-Nazis (die “Werwölfe”), und wird am Ende von beiden Seiten doch nur benutzt.

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Kritiken (2) — Film: Europa

filmeverstehen

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10.0Lieblingsfilm

"Europa. Ein hypnotisches Trauma, das unvergessen bleibt. Europa. Eine Innovation technischer und dramaturgischer Natur. Was kann dieser Film: Alles! Was zeigt dieser Film: Eine Illusion, eine aufgeladene Illusion und traumatische Welt. Das Verhältnis von Fiktion und Wahrheit, die Diskrepanz ist ad absurdum geführt. Es gibt nur ein Europa nach dem Krieg in Deutschland 1945. Da will doch niemand sein, also konstruieren wir uns eine hyperinszenierte Fiktion, völlig verdreht. Beispielsweise: Ein Zug fährt aus der Lagerhalle heraus, gezogen von Kindern und Armen, eine offenbarende Reise, es fließen Tränen, eine melodramatische Musik setzt ein, Close Up von Kesslers Gesicht, der Mond im Hintergrund ist überproportional. Ein inszenierter Kitsch. Doch diesem Kitsch kann man sich nicht entziehen. Count to Ten. [...]"

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Kubrick_obscura: CinemaForever

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8.0Ausgezeichnet

Lars von Triers formalistischster Film bevor er mit "Geister" seinen Stil komplett geändert hat. Der Film brilliert durch die Lebendigkeit seiner visuellen Gestaltung. Triers erstes Meisterwerk!

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Kommentare (10) — Film: Europa


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markus.rittner

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Bewertung3.5Schwach

Der erste richtige Reinfall von Lars von Trier, Handwerklich interessant aber sonst eher langweilig!

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markus.rittner

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Tja wie soll ichs sagen, ein typischer von Trier, ist das experimentelle oder schockierende!


Geralt von Riva

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Und du findest diesen Film nicht experimentell? Schau dir alleine mal die formale Ebene an.
Die Handlung ist ja wohl auch mehr als grandios und herausragend erdacht.


vPidschv

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Bewertung10.0Herausragend

Mit dem Voice-Over von Max von Sydow hypnotisiert Lars von Trier den Zuschauer und versetzt ihn in die Lage des amerikanischen Protagonisten, der ins Deutschland zu Beginn der Nachkriegszeit reist. Zunächst pazifistischer Idealist, der den Deutschen nach dem Leid durch den Krieg helfen will, merkt dieser jedoch bald, dass er seine Ideale nach und nach abwerfen muss und immer stärker zwischen zwei Fronten gerät.
Dabei werden aber nicht nur die Nazis als die Bösen dargestellt, denn auch die anderen Deutschen sind nach wie vor von dem Krieg geschädigt und unterliegen auf absurd zynisch-karrikative Weise ihrem Ordnungsfetisch. Selbst die Alliierten werden nicht allzu sympathisch dargestellt, da auch sie den jungen Amerikaner nur für ihre Zwecke missbrauchen wollen und generell der radikal-genaue Vorgang der Entnazifizierung als fraglich dargestellt wird. Im Endeffekt geht der Protagonist in einem Europa, genauer gesagt in Deutschland (als am stärksten verantwortliches und betroffenes Land) unter, das von dem Krieg dermaßen geschädigt ist, dass es gar nicht mehr möglich zu sein scheint, irgendetwas moralisch zu ergründen und der Krieg und Wahnsinn daher indirekt weitergehen muss.
Hervorgehoben wird der Film durch experimentelle Kamerafahrten, Charakteren, die mit Leinwandprojektionen agieren und einer generellen schwarz/weiß-Optik, bei der durch den stellenweisen Farbeinsatz, welcher sich teils nur auf eine einzelne Person bezieht, während die restlichen Figuren und der Background schwarz-weiß bleibt, besondere Momente herausstechen. Hinzu kommen noch das bereits erwähnte ungewöhnliche Voice-Over sowie eine Charakterzeichnung, die Anspielungen an den Film Noir erlaubt, was bei solch einem Setting und Inhalt den zynisch-bösen Unterton eines Triers noch verstärkt.
Kombiniert man also diese inhaltliche Studie über den Weltkrieg, Deutschland, die Nazis und der menschlichen Geschichte bzw. Natur zum einen mit der technischen Brillianz eines frühen Trier zum anderen, entsteht der absolut geniale Film "Europa", bei dem auch ich das meiner Meinung nach viel zu oft benutzte Wort Meisterwerk eindeutig für angebracht halte.

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KilianPai

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Franz Kafka lässt Grüßen!
Hier zeigt Lars von Trier, dass er nicht auf Dogma-Realismus und Kameragewackel angewiesen ist um wirklich großartige Filme zu produzieren. "Europa" atmet zu jeder Sekunde den erdrückenden Geist vom "Process" oder dem "Schloß" und hat einen dermaßen intelligenten, originellen und vor allem 100%ig sinnvollen Einsatz von Stilmitteln, dass es fast unheimlich wird.
Hier werden Wechsel zwischen Farbe und S/W vollzogen, bizarre Einstellungen und Schnitte benutzt und alle Register des originellen Erzählens gezogen. Die in der Nachkriegszeit angesiedelte Story und ihre Figuren werden immer wieder abstrahiert und in bildgewaltigen Metaphern in Szene gesetzt.
Einer der bedeutungsschwangersten Filme überhaupt, der mich wirklich zu jeder Zeit bei der Stange gehalten hat, woran wahrscheinlich auch die brutalst unkonventionelle Atmosphäre Schuld ist. Verwirrend und seltsam, immer ein Stückchen weiter als erwartet.
"Europa" schöpft sein unglaublich großes Potential auch voll aus, Bravo Lars von Trier!

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Markbln

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Bewertung7.0Sehenswert

Formal ist das immer noch ein Fest für Cineasten, geniale Rückprojektionen, Montagen und Schnitte, wenn auch manchmal ein bisschen zu viel des Guten. Besser auch nicht zu sehr auf die dünne Story achten. Jean-Marc Barr ist mir inzwischen auch etwas zu debil in seiner Mimik, aber da ist ja noch die Sukova. Interessant ebenfalls von Triers eigene Darstellung als korrumpierter Jude. Stilistisch bleibt es meiner Meinung nach bis heute eins der besten Werke von Herrn Trier.

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baser

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein visuell wuchtiger, suggestiver Film über ein von verschiedenen Interessenlagen zerissenes Nachkriegsdeutschland und gleichzeitig der Versuch, die Frage um Schuld und Verstrickung während des Dritten Reiches und deren Nachwirkungen aufzuarbeiten. Stellenweise fühlte ich mich von der Erzählweise her an die Traumlogik erinnert, die auch die Werke von Franz Kafka beherrscht. Um dem komplexen Thema optisch gerecht zu werden verwendet Lars von Trier eine aufwändige Montagetechnik, die ganz im Gegensatz zur späteren "Dogma95" Optik steht und erschafft alles in allem ein unheimlich düsteres und beklemmendes Werk.

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Geralt von Riva

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Sehr fein geschrieben.


baser

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Danke!


JackoXL

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Filme von Lars Von Trier sind bei mir immer wie russisches Roulette. Manchmal knallt es, manchmal macht es nur "klick" und es passiert gar nichts. Bei "Europa" hat es geknallt.
Von Trier schickt den Zuschauer auf eine düstere Reise durch das blutjunge Nachkriegsdeutschland 1945. Ein Land, in dem offiziell Frieden herrscht, das praktisch immer noch mit den Nachbeben des 2. Weltkriegs zu kämpfen hat. Man erlebt diese Reise mit einem Blick über die Schulter von Leopold Kessler (Jean-Luc Barr), einem Amerikaner deutscher Abstammung, der als Zugschaffner in diesem zerstörten Land anheuert. Obwohl Von Trier mit "Europa" keine surreale Geschichte erzählt, wirkt es zum Teil so. Seine Inszenierung ist grandios, verstörend und visuell fantastisch. Als wenn man ein Ticket für eine Rundfahrt durch einen realen, trotzdem merkwürdig abstrakten Albtraum erworben hat. Über weite Strecken in schwarz-weiß gehalten, wechselt Von Trier an geschickt gewählten Momenten zu Farbbildern, berauscht gelegentlich durch tolle Hintergrundmontagen, stehts in wahnsinnig mitreißende Bilder eingefangen und mit dementsprechender Musik hinterlegt. "Europa" ist ungemein fesselndes Arthousekino, großartig gespielt, sehr stilsicher und thematisch hoch interessant. Wenn ich nur wüsste, dass der olle Lars immer so eine Kugel in der Kammer hätte, ich wäre Fan. So drücke ich immer wieder den Abzug und höre trotzdem noch ab und zu "klick".

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BigDi

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Bewertung9.0Herausragend

"At the count of ten, you'll be in Europa."
Waren es in "The Element of Crime" und "Epidemic" noch Filmfiguren, die der Hypnose unterzogen wurden, ist es in "Europa" der Zuschauer selbst, der hypnotisiert werden soll, um eine Reise ins Nachkriegsdeutschland zu unternehmen, in der Gestalt eines Mannes, der an positive Veränderungen in diesem Land glaubt.
"Aber ich dachte, der Krieg wäre zu Ende?"
Natürlich ist er das nicht und zwischen gesprengten Fabriken und von Kindeshand verübten Attentaten kann selbst die stilsicherste Noir-Romantik darüber hinwegtäuschen, dass man in dieser Welt nur Fehler machen kann und dass jeder Schritt tiefer ins Europa nicht rückgängig gemacht werden kann.
"Europa" ist definitiv der Höhepunkt der gleichnamigen Trilogie und ein perfekter Abschluss dieser, nicht zuletzt weil er die Verzweiflung und Fatalität von "The Element of Crime" mit dem absurden Humor von "Epidemic" vereint und, wie zweiterer, der Frage nachzugehen versucht, wie weit man gehen kann und soll - hier in einer scheinbar irreparabel zerbrochenen Umgebung.
Es gibt nur eine Entscheidung, zwischen einer Pistole am Kopf eines zu wichtigen Menschen und dem formaltreuen Wahnsinn der Vorgesetzten, um beiden ein Schnippchen schlagen zu können, und als würde er an seine zukünftige "Amerika"-Trilogie anknüpfen wollen, lässt von Trier Vorurteil und falschen Eindruck in ein Finale fließen, welches Inferno und Apokalypse und der letzte Beleg dafür, dass es Zeiten gibt, in denen man nur Fehler machen kann.

Ein düsteres, überraschend komisches, hilflos verzweifeltes, fatalistisches und bildgewaltiges Meisterwerk, aus dessen durchkomponierten Bildern des Untergangs von Trier später in die Wildheit von Dogma floh, ohne die Dämonen der falschen Eindrücke hinter sich lassen zu können.
Zu seinem Schmerz und zu unserer Freude.
Denn Doppelbödigkeit wirkt immer noch nur dann am besten, wenn sie einem durch einen falschen Schritt selbst die Beine bricht.
So heftig, dass es nicht vergessen werden kann.

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BigDi

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Danke - und keine Sorge, er ist wirklich super, vor allem dieses Finale, hach...^^


JimiHendrix

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okelyi dokely.


eXonic

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Mit Europa schuf von Trier den konventionellsten, erfolgreichsten und besten Film seiner Europa-Trilogie.
Gleich zu Beginn wird der Zuschauer von Max von Sydows Stimme erstaunlich wirkungsvoll hypnotisiert, sodass man über die gesamte Spielfilmlänge von einem soghaften und anziehenden Gefühl fast gelähmt ist und der Blick nicht vom Bildschirm weichen will. Doch nicht nur das ist dafür verantwortlich, sondern auch brilliante Schauspieler in Form von Jean-Marc Barr und Barbara Sukowa liefern außerordentliche Leistungen ab. Nicht zu vergessen ist auch hier wieder die visuelle Brillanz mit der Lars von Trier auffährt. Unglaublich kompliziert muss es gewesen sein, mehrere Filmrollen übereinanderzulegen. Die Mühe hat sich allerdings gelohnt und so entstanden unglaublich effektvolle Bilder, die eine Mixtur aus Farb- und schwarz/weiß-Film ergaben. Von Trier hat mit dieser Technik versucht Hitchcocks und auch Welles Hintergrundprojektionen auf eine abstraktere Weise einzusetzen – was er auch geschafft hat, auf eine unglaublich schöne Art. Den Kreis schließt dann der wilde und rasante Score, der eine perfekte Symbiose mit der großen, alten Lokomotive, in der sich einige Szenen abspielen, bildet und auch die äußerst komplizierten Kamerafahrten, wie z.B. eine unglaublich tolle Aufnahme von einem Zimmer, rückwärts durchs Fenster fahrend bis ins Innere eines Eisenbahnwaggons.

Mit der Europa Trilogie verarbeitet Lars von Trier auch so manche persönliche Angst, von denen er unzählige hat. Um diese loszuwerden, macht er am liebsten Filme darüber. Fast alle wichtigen Themen, die uns in den drei Teilen der Trilogie in die Quere kommen beunruhigen ihn irgendwie. Dazu zählt die Hypnose, seine Angst vor Epidemien und sogar Deutschland gehört dazu.

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dbeutner

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ein formal perfekter Film, der durch viele Elemente (die Off-Stimme, die verschiedenen Sprachen, die grandiosen Schauspieler, ...) und nicht zuletzt durch die überbordende Komik (die "Prüfungsszene" zum Schlafwagenschaffner!) in einer großen Tragödie einen unglaublich eigenen Stil entwickelt.

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Iwan Goratschin

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Bewertung4.0Uninteressant

Ich habe den Film vor vielen Jahren gesehen, habe aber noch in Erinnerung, dass mich eine Szene begeistert hat - der Rest vom Film aber belanglos war.

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