Liebe 1962

L'eclisse (1962), IT/FR
Laufzeit 118 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 19.10.1962

admin edit edit group memberships sweep cache
7.7 Kritiker
9 Bewertungen
Skala 0 bis 10
8.0 Community
93 Bewertungen
6 Kommentare
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Michelangelo Antonioni, mit Alain Delon und Monica Vitti

Die junge Vittoria verlässt ihren Freund Riccardo nach einer langen Nacht im Streit. Vittoria sehnt sich nach wahrer Liebe. Als sie ihre Mutter an der römischen Börse besucht, begegnet Vittoria dem attraktiven Spekulanten Piero. Langsam kommen sie sich näher. Aber sind beide fähig, das Wagnis der Liebe einzugehen?


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Liebe 1962

Lukas Foerster: taz / cargo / perlentaucher...

Kommentar löschen
8.5Ausgezeichnet

Denn rückwirkend verdeutlicht Liebe 1962 die dem europäischen Autorenfilm der sechziger Jahre inhärente Spannung. Antonioni, Resnais und ihre Mitstreiter versuchten, das Projekt eines neuen Kinos mit den technischen Vorgaben der klassischen Filmform durchzuführen.

Kritik im Original 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Kommentare (5) — Film: Liebe 1962

Kommentar schreiben
Sortierung

hollygolightly1

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Nach dem enttäuschenden "Le choc" geht meine Reise durch Alain Delons Filmografie mit "L’eclisse" weiter. Der sich als große Überraschung herausstellt! Woher hätte ich wissen sollen, auf welch grandiosen Film ich stoßen würde? Und Delon ist bei weitem nicht der einzige Grund für die herausragende Qualität. Auch wenn er natürlich wieder einmal unwiderstehlich aussieht und toll spielt. Neben ihm glänzt Monica Vitti als unglücklich umherschweifende Vittoria.
Ich bin mir nicht sicher, ob "L’eclisse" noch als Film bezeichnet werden kann. Mir scheint, er geht über diese Stufe hinaus. Er besitzt wenig Handlung, wenig Ausstattung. Seine Stärke liegt in der Bildsprache, welche die Gefühle der Charaktere und die trübe Atmosphäre vermittelt. In dem, was der Zuschauer erfährt, versteht, einsieht, erkennt. Auf diese Weise ist der Film unglaublich effektiv. Eine ehrliche Studie über eine hoffnungslose Liebe. Man hat nicht den Eindruck, manipuliert zu werden, sondern an Erkenntnis zu gewinnen. Dass Kommunikation oft an Kleinigkeiten scheitert, ist uns bewusst. Aber machen wir uns weiter Gedanken darum? Wirklich intensiv? Würden wir wirklich erkennen wollen, dass das Problem im Prinzip eine Divergenz zwischen der Wirklichkeit und unserem Selbstbild ist? Ich glaube nicht, dass viele Leute im Alltag die Lust und Zeit haben, sich über solche Sachen den Kopf zu zerbrechen. Umso schöner ist es, wenn es Filme gibt, die uns an essentielle Lebensaspekte erinnern, die wir zu ignorieren versuchen, ohne uns dessen eventuell bewusst zu werden. In "L’eclisse" herrscht tiefe Kontaktlosigkeit, eine unangenehme Stimmung, ein Hindernis. Der Film analysiert menschliche Beziehungen, die Psyche der einzelnen Charaktere. Ein Liebesfilm? Weitaus mehr. "Liebe" gilt in dem Fall als Ideal, sie funktioniert nicht wirklich. "Richtige" Liebe ist möglich, bleibt aber tragischerweise unerreichbar. Dabei hat alles in dem Film eine Bedeutung. Auf Details wurde sorgfältig geachtet. Traurige Schönheit.
So leer. So trostlos. Ein trister, pessimistischer Film, der wahrscheinlich nicht für jeden geeignet ist. Wer aber auf der Suche nach einem anspruchsvollen Film ist und sich nach einem melancholischen, leidvollen Erlebnis sehnt, wird "L’eclisse" ganz sicher etwas abgewinnen können. Ich persönlich finde diesen Film sogar noch besser als Antonionis vorherigen Film "La Notte".

bedenklich? 8 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Le Samourai

Antwort löschen

Für mich der beste Liebesfilm der Welt.


Tyler__Durden

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Positionieren um in Relation zu bringen und Sinn zu erforschen/Darauffolgendes destabilisieren durch Versperren und Verschieben von Perspektiven. Diese zwei Tätigkeiten Antonionis kann man auf die mise-en-scene des Films sowie als auch auf die Wahrnehmung des Zuschauers setzten. Einem Film von Antnioni beizuwohnen heißt es nämlich seine Sinne zu schärfen. Seine Blicke zu durchdenken. Und dadurch sein Kino zu erkennen. L'Eclisse besteht darauf das man als Zuschauer weiß was es heißt mit Gesten, Kompositionen und Abstraktionen im Bilde zu erzählen. Welcher Wirkung sie dienen. Ständig lösen sich hier die Charaktere in der, ihrer existentiellen Verlangen verneinenden oder jedenfalls stark problematisierenden, Architektur auf, tauchen aus ihr auf, verkleinern neben ihnen und, wie der Titel doppeldeutig in Assoziation bringt, bedecken sich wie der Mond die Sonne. Eklipse. Dabei scheint das thematisieren des Verfalles der eigentlich offenen menschlichen Beziehungen sowie die ehrlichen Verkündigung der eigenen Gefühle in einer rasend schnell explodierenden Moderne mehr als Rahmen zu dienen in welcher Antonioni seine toten Ästhetik in Bild formt. Ihm geht es genauso sehr um das betrachten seines Themas wie um das Thema selbst, ist es doch erst sein Blick welcher den Wert in ihr Preis gibt. Sein Blick welchen wir sehen und welcher er uns, so signalisiert er, nicht als ein abgeschottetes Gedankengut darstellt sondern als eine offene, freie aber klar gestaltete Verarbeitung präsentiert. Mehr ein abtauchen in die Leere, in die Abstinenz welche diese dissoziale Gesellschaft kreiert. Deshalb brauch der Film seine "Hauptcharaktere" die letzten zehn Minuten auch nicht ist es doch das Gefühl, die Stimmung welche Zentral war und welche uns bis zum letzten ausblenden auch begleitet. Sowie verfolgt.

bedenklich? 13 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 13 Antworten

Tyler__Durden

Antwort löschen

Na dann los, worauf wartest du denn noch? Hast ja sonst nichts zu tun. :P


BigDi

Antwort löschen

Habe ja auch zu viel Geld, momentan und sonst ja auch. :D


Jack_Torrance

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Monica, ich habe mich in dich verliebt ! Du bist hier eine traurige und vom Leben enttäuschte Gestalt, aber ich liebe dich trotzdem. Deine Gesichtszüge sind von Trauer und Einsamkeit erfüllt, trotzdem warf ich dir in jeder Szene eine Kusshand zu.

Alain, du beeindruckst mich aufs neueste. Kein Overacting, keine Sentimentalitäten, schnörkelloses Method Acting. Respekt !

Michelangelo, sie haben es wieder einmal geschafft. Ihre schockiereneden Beobachtungen treffen mich ins Mark.
Keine Liebe, keine Hoffnung zeichnet ihren Film aus, aber wenn sie es so brilliant darstellen, dann neige ich zum kinematographischen Masochismus !

bedenklich? 12 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Le Samourai

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

L'ECLISSE ist einer dieser besonderen Filme, die einen nach der ersten Sichtung bereits nicht mehr los lassen und direkt nach einer zweiten schreien. Glasklare Bilder erzählen mit beachtlicher Intensität und Ruhe die zugleich schöne und deprimierende Geschichte von Trennung, Glück, Unglück, Verlust, Hoffnung. Monica Vitti ist zauberhaft schön, Alain Delon überzeugend impulsiv. Der vielleicht ehrlichste und in letzter Konsequenz beste Liebesfilm aller Zeiten.
Ein Meisterwerk des (italienischen) Autorenkinos aus einer längst vergangenen goldenen Zeit; ein so faszinierend-magisches Filmerlebnis wird es einfach nie wieder geben...

bedenklich? 20 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Oceanic6

Antwort löschen

Vielen Dank für den Tipp, hätte ich ohne dich wohl nie entdeckt ;)


Prestigeww

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein junges Pärchen beim ersten Date, es läuft eher mäßig. Alain Delon gibt sich kühl, Monica Vitti spielt die spröde Blonde. Sie kommen an einer breiten Kreuzung an und müssen die Straße auf einem Zebrastreifen überqueren. Als sie sich in Bewegung setzen, flüstert er ihr zu: "Sobald wir drüben sind, küsse ich dich!".

Da sage noch mal einer, dass man(n) von Filmen nichts lernen kann!

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben

Fans dieses Films mögen auch