Paradies: Glaube
Paradies: Glaube (2012), AT/DE/FR Laufzeit 114 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 21.03.2013
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von Ulrich Seidl, mit Maria Hofstätter und Natalija Baranova
Im zweiten Teil von Ulrich Seidls Reihe, Paradies: Glaube, wird der Glaube von Maria Hofstätter auf eine harte Probe gestellt, als ihr Ehemann Nabil Saleh aus Ägypten auftaucht.
Anna Maria (Maria Hofstätter) hat nur eines im Leben, auf das sie sich immer verlassen kann: ihren Glauben. Die strenge Katholikin lebt diesen voll und ganz aus, indem sie mehrfach am Tag betet und das Haus voller Kruzifixe und Weihwasser hat. Ihren Urlaub verbringt die Österreicherin auch nicht wie die restlichen Menschen, sondern damit, von Haus zu Haus zu gehen und Österreich wieder vom Katholizismus zu überzeugen. Ihre gläubige Welt wird allerdings komplett auf den Kopf gestellt, als ihr über Jahre hinweg abwesender Ehemann Nabil (Nabil Saleh) zurückkehrt. Nabil ist Moslem und sitzt im Rollstuhl. Auch er lebt seine Religion aus, nimmt die Kruzifixe von der Wand und will seinen Status als Ehemann im Haus wiederherstellen. Mitten in Österreich entfacht ein Kleinkrieg um Ehe und Religion und Anna Maria sieht sich selbst in einem Zwiespalt zwischen körperlicher Nähe und ihrem Glauben.
Hintergrund & Infos zu Paradies: Glaube
Paradies: Glaube ist der zweite Teil der Paradies-Trilogie von Ulrich Seidl. Nachdem der erste Teil Paradies: Liebe schon mehrere Preise abgeräumt hat, startet auch Paradies: Glaube schnell durch. Der Film ergatterte bereits den Spezialpreis der Jury in Venedig und in Sevilla die Trophäe für das Beste Drehbuch. Der dritte und letzte Teil Paradies: Hoffnung startet noch im selben Jahr wie Paradies: Glaube und lief 2012 auf der 63. Berlinale. (LM)
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Cast & Crew
- Genre
- Drama
- Ort
- Österreich
- Handlung
- Christentum, Ehe, Glaube, Glaubenskrieg, Islam, Katholik, Kruzifix, Mann-Frau-Beziehung, Moslem, Religion, Weihwasser, Weltreligion
























Kritiken (11) — Film: Paradies: Glaube
Christoph Egger: Neue Zürcher Zeitung Christoph Egger: Neue Zürcher Zeitung
Kommentar löschenDie Masturbation mit dem Gekreuzigten [...] ist in Paradies: Glaube die einzige menschlich berührende Szene in einem eiskalten Film.
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Christian von mehrfilm.de: Mehrfilm.de
Kommentar löschenSie peitscht, sie kriecht, sie blutet, sie duldet, … für ihre Liebe zu Jesus Christus überschreitet Anna Maria die geläufigen katholischen Glaubensrituale jede Woche aufs Absurdeste. Für ihre Hingabe kann der Bußgürtel gar nicht eng und das Ave-Maria nicht lang genug sein. (..) Seidls zweiter Teil seiner Trilogie ist Dank der herausragenden Hauptdarstellerin Maria Hofstätter und einigen glänzend besetzten (typischen Seidl-)Nebenfiguren eine zwar grandios gespielte aber doch schlimm zugespitzte Tour de Force. In quälend langen Einstellungen robbt sich beispielsweise der querschnittsgelähmte Nabil Saleh durch die Kellerflure, während Seidl im nächsten Moment auf ein Glaubensgemeinschafts-Beisammensein im Nebenraum schneidet. Mehr “Szenen einer Ehe” denn Glaubenskrieg, mehr gesellschaftliche Horror-Groteske denn ernsthafte Auseinandersetzung mit den Auswüchsen des religiösen Fundamentalismus.
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Cristina Nord: taz Cristina Nord: taz
Kommentar löschenSo virtuos [Paradies: Glaube] im Einzelnen inszeniert ist, so bleibt doch ein leises Unbehagen. Seidl und die Koautorin Veronika Franz neigen zu groben Strichen, wenn sie den religiösen Wahn, die Leugnung der Sexualität, die daraus resultierenden Zwangshandlungen und das zwischenmenschliche Unvermögen zur Anschauung bringen.
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Jörg Schöning
Kommentar löschenParadies: Glaube [...] ist der schwächste Teil der Paradies-Trilogie. Zu nebulös gezeichnet und schwer nachvollziehbar ist die Vorgeschichte des Paars. Etwas angejahrt wirken nicht nur die Episoden rund um die 'Wandermuttergottes' [...].
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Andreas Fischer: Radio Köln Andreas Fischer: Radio Köln
Kommentar löschenSeidl dekonstruiert in seinem gruseligen Horrorfilm Paradies: Glaube mit psychologischer Raffinesse den Glauben als selbstgewählte Abhängigkeit. Halt im Leben bietet Gott in diesem Film jedenfalls nicht.
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Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de
Kommentar löschenSeidl hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und geht auch hier extrem vor. Abgesehen davon, dass niemand weiß, welche höhere religiöse Macht es gibt oder nicht gibt, zeigt Seidl in Paradies: Glaube, dramaturgisch-filmisch einleuchtend wie eh und je, dass in keiner Hinsicht und auf keinem Gebiet Fanatismus zu etwas Gutem führt.
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Stefan Benz: Echo - Online Stefan Benz: Echo - Online
Kommentar löschenUlrich Seidl inszeniert diesen religionskritischen Ehekrieg der Kulturen als einzige Quälerei. „Paradies: Glaube“ [...] beschwört den unentrinnbaren Alltag, das Gebet als Gefängnis, das Leben als Leibesverachtung. Es ist der einsame Höhepunkt der Trilogie, der 2012 bei den Filmfestspielen von Venedig nicht nur für einen Blasphemie-Skandal sorgte, sondern auch den Spezialpreis der Jury errang.
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Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung
Kommentar löschenDeutlich mitgetragen von einer hervorragenden wie leidensbereiten Maria Hofstätter zeigt Seidl in Paradies: Glaube die schmerzhafte Suche nach Glück, Erfüllung und vor allem nach der Liebe in überwiegend streng durchkomponierten Einstellungen.
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Walli Müller: br-online, NDR Walli Müller: br-online, NDR
Kommentar löschenEin Spielfilm, der wie ein Dokumentarfilm aussieht. Man glaubt Regisseur Seidl ohne weiteres, dass es diese Frau gibt. Aber wirklich kennen lernen möchte man sie eigentlich nicht…
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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschenUlrich Seidl porträtiert in dem zweiten Teil seiner "Paradies"-Trilogie eine vom Leben enttäuschte und verbitterte Frau, die ihre letzte Zuflucht in der totalen Askese sucht. Sie ist wie ihre Schwester Teresa, der Heldin aus dem ersten Teil "Paradies: Liebe" um die 50, - mit ihren erzkonservativen, überholten Vorstellungen und Neurosen allerdings auch eine ziemliche Schreckschraube. Maria Hofstätter meistert diesen undankbaren Part mit Bravour. Mehrere Monate hat sie sich auf diese Rolle vorbereitet und ist derart organisch mit der strengen Spröden verwachsen, dass man sie für eine Figur aus einem Dokumentarfilm halten könnte.
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Filmering: Filmering.at
Kommentar löschenParadies: Glaube ist ein sehr facettenreicher Film, der einen Blick auf die religiösen Strukturen unserer Gesellschaft wirft und geschickt hinterfragt inwiefern diese Strukturen dem Menschen eine Hilfe beim Finden seines persönlichen Seelenheils bieten können - bzw. ob es dieses Seelenheil überhaupt geben kann. Ulrich Seidl provoziert, eckt an und sorgt gerade dadurch dafür, dass man zwingend über das Gezeigte nachdenken und diskutieren möchte. Insgesamt ein sehr beeindruckender Film mit großem Nachhall.
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Kommentare (10) — Film: Paradies: Glaube
Ann36 Mon, 13 May 2013 18:41:38 -0000
Kommentar löschenMir ist der Sinn dieses Films nicht klar, was will Seidl denn damit für eine Aussage machen? Dass religiöser Fanatismus schlecht ist, weil eine Bekloppte mit einer Maria-Statue von Tür zur Tür geht? Soll das wirklich eine Kritik gegen religiösen Fanatismus sein? Wohl kaum, dafür ist der Film zu oberflächlich. Von einer ernsthaften Kritik erwarte ich, dass Hintergründe und Zusammenhänge gezeigt werden, die mir vielleicht noch nicht klar sind, etwas Neues, ein anderer Blickwinkel. Das passiert in diesem Film nicht.
im Gegenteil es wird genau das Klischee gezeigt, was der Zuschauer auch erwartet.
Also soll dieser Film einfach ein psychologisches Porträt einer verstörten Seele sein? Dann scheitert der Film auch darin. Die Figur ist sowas von "überbelichtet", daraus kommt nur ein weißes Blatt Papier, da ist nichts zu erkennen. Wir erfahren nichts ihr, von ihren Motiven und Gefühlen. 80 Minuten lang (danach habe ich den Kinosaal verlassen) bleibt sie völlig starr in ihrer religiösen bekloppten, kleinen Welt. Keine weitere Gefühlsregungen, keinerlei Ambivalenz. Für den Zuschauer bleibt sie eine Fremde, eine Spinnerin (ein Klischee), die man belächeln oder bemitleiden kann. Mitgefühl oder Verständnis wurden zumindest bei mir nicht geweckt. Nicht nur sie sondern alle Figuren (zumindest in den 80 Min. die ich gesehen habe) sind extrem überzeichnet.
Was will mir dieser Film also mit auf dem Weg geben? Soll er mich dazu bringen, mich besser zu fühlen, weil ich ja nicht zu diesen bedauernswerten Leutchen gehöre? Viele haben im Kino immer wieder laut gelacht, als sie die Protagonistin bei ihren absurden Handlungen beobachtet haben. Es kam mir so "von oben herab" vor, so wie :Guck dir mal diese Spinnerin an und wie toll und aufgeklärt wir doch sind!
Ich empfinde das so, als hätte Seidl in diesem Film eine Mauer zwischen seinen Zuschauern und seinen Figuren hochgezogen. Aber hey, wir sind ja soooo toll!
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3undzwanzig Mon, 13 May 2013 17:07:43 -0000
Kommentar löschenZerrbild des Glaubens für Menschen, die sich in ihren Vorurteilen bestärken wollen.
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a_krueger Tue, 07 May 2013 22:16:32 -0000
Kommentar löschenMein Gott und Rene Rupnik ist auch noch dabei.
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baser Sat, 30 Mar 2013 15:33:25 -0000
Kommentar löschenEin Film, dessen Thesen sich zu einem Teil aus der Religionskritik Friedrich Nietzsches zu speisen scheinen. Trotz der psychologischen Präzision und der akuraten und passenden Bildkomposition aber ein Film, der mich kalt gelassen hat. Vielleicht liegt es daran, dass Seidl sein Fokus hier zu sehr auf eine Einzelperson richtet und nur an dieser seine Thesen erprobt. Wenn diese -wie bei mir- keine Identifikation und innere Beschäftigung auslöst hat der Film -subjektiv- verloren.
Auf "Paradies: Hoffung" bin ich trotzdem gespannt.
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boxcarsboxcars Sat, 30 Mar 2013 22:12:12 -0000
Antwort löschenWelche Religionskritik von Nietzsche? ‘Gott ist tot’? Oder welche? (‘Darf nicht sagen, ich will gute Er-innerungen haben’)
baser Sat, 30 Mar 2013 22:45:12 -0000
Antwort löschenIch dachte vor allem an seine Thesen, das Christentum hätte mittels des Begriffs der "Sünde" zu einer perversen Umwertung der Werte bis hin zu Selbstgeißelung und zu Fanatismus geführt etc.
War allerdings eher eine unterbewusste Assoziation, da meine Beschäftigung mit Nietzsche schon ein paar Jahre zurückliegt.
statist Tue, 26 Mar 2013 22:42:34 -0000
Kommentar löschenEs ist die Geschichte einer glücklich-unglücklich Verliebten. Ihr angebetetes Objekt - und genau in dieser Definition, der Objekthaftigkeit, liegt der Schlüssel des Unglücks - ist der Herr Jesus. Wenn Maria Hofstätter zu ihrem Wandkruzifix liebevolle Worte sagt, gleicht das einem Offenbarungsakt. Da spricht eine mit einer ehrlichen, tiefen Sehnsucht, die nicht weiß, wohin. Und sich den Kanal der Jesus-Liebe sucht.
Soweit, so gut. Solang es im reinlichen Vororthäuschen geschieht. Selbst ein auf den Knien ausgeführter Rutschtrip durch die ganze Wohnung, mit dem Rosenkranz in der Hand, hat zunächst eher etwas Liebevoll-Aufopferndes denn Verurteilungswürdiges oder Abnormes. Aber die Gläubige ist auch Mensch. Das heisst, sie sucht andere Menschen und will andere teilhaben lassen an ihrer Welt. Oder ihrem Weltkonstrukt. Mit der Stärke der mittransportierten Wandermuttergottes betritt sie die Wohnungen verdutzter im Leben Umherirrender oder Streitsüchtiger. Alles nur, damit die Gläubige sich selbst einen Schutzmantel weben kann, frei nach dem Motto: "Wenn Du nur schön in meinen Kategorien denkst, wird alles gut werden." Zum Schreien komisch ihr Besuch bei einem liebenswert-erheiternden Messie, der mit seiner Umständlichkeit die Betrituale von Jahrtausenden in Frage stellt. Bis zu einem gewissen Punkt gleicht der Film einem liebevoll dargestellten Porträt einer etwas schrulligen, aber mit ihrem Glauben anscheinend glücklichen Frau. Dass sie sich vor ihrem Herrn Jesus selbst auspeitsch und später sogar mit dem Kruzifix im wahrsten Sinne des Wortes schläft, bedeutet nur eine folgerichtige Konsequenz ihrer ganz auf das Objekt Jesus ausgerichteten Lebensweise. Die Erniedrigung vor dem Höchsten bereitet Lust.
Der entscheidende Punkt tritt ein mit dem Wiedererscheinen des verschollen geglaubten Ehemanns. Dieser straft ihren Glauben mit Lächerlichkeit, da sie ihm eiskalt begegnet. Als Prüfung von Gottes Seite sieht die Gläubige nur das Überstehen der männlichen Anwesenheit, nicht die Auseinandersetzung mit dessen Körper, mit dessen Schicksal, schlicht: mit dessen Gefühlen. Was folgt, ist ein gnadenloser Kampf beider Verhärteter um die jeweilige Existenzberechtigung.
Nach dieser partnerschaftlichen Tour-de-force steht am Ende des Films eine klare Erkenntnis: Einen nur privat durchgeführten Glauben kann es nicht geben. So schön dieser auch wäre (und wie oft dieser auch immer wieder gefordert wird in der öffentlichen Diskussion) - der Glaube muss den Aussendruck der Welt (deren Teil er letztlich auch ist) nicht nur aushalten, sondern sogar suchen, da er sonst zu reinem Selbstzweck verkommt und Liebe nicht mehr hinterfragt, sondern nur noch ausgeführt wird. Diese harte, wichtige und reinigende Erkenntnis fordert Ulrich Seidl vom Zuschauer gnadenlos ab. Damit ist "Paradies:Glaube" ein Meilenstein in der filmischen Auseinandersetzung mit Religion in unserer Zeit.
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Ben Kenobi Wed, 27 Mar 2013 02:04:54 -0000
Antwort löschenGratulation. Tolle Kritik!
mattxl Mon, 25 Mar 2013 09:14:08 -0000
Kommentar löschenAnna Marias Welt ist wohlgeordnet. In zumeist streng symmetrisch komponierten Bildern, die sich immer mehr der Photographie annähern, führt uns Seidl vor, wie sich diese Ordnung noch in der Wohnungseinrichtung widerspiegelt. Nichts könnte Anna Maria irritieren. Hier ist alles am rechten Fleck. Auch ideologisch: Kommt es doch einmal zu Irritationen/Schicksalsschlägen, weiß sie dies immer schon als "Prüfung Gottes" zu verbuchen. Ist jemand nicht ihrer Ansicht, so liegt es halt daran, dass er in "Sünde" lebt. Gott straft, prüft und belohnt - der Mensch büßt und lobpreist. Das reicht, um sich eine komplett hermetische Weltsicht zu basteln. Freunde? Nun ja: Es gibt das diesen Herz-Jesu-Bibelkreis - lauter Anna-Maria-Klone, nicht wirklich Instrumente, die diesen Kosmos der Einsamkeit aufbrechen könnten.
Bemerkenswerter Weise zieht es die Frau mit der hermetischen Weltsicht nun aber eben in diese verabscheute Welt. Sie verlässt die Wohnung und zwingt nichtsahnenden Mitmenschen Debatten über die "Muttergottes" auf. Bewaffnet ist sie mit einem Segens-Spray, das immer zum Einsatz kommt, wann immer die Worte nicht mehr reichen. Es ist fast als ob sie mit dem "Segen" Domestos versprühen würde: Keimfrei soll sie sein, die Schöpfung des Herrn.
Bei aller Tragik: Diese immer wieder eingestreuten Bekehrungsdialoge z.B. über das 6. Gebot oder das Gepräch mit Herrn Rupnik sind von einer so abgründigen Komik, dass sich im Kino der letzten Jahre kaum Vergleichbares finden düfte. "Paradies: Glaube" braucht diese Szenen. Es ist, als ob Seidl dem Zuschauer nun auch einmal für ein paar Minuten die Möglichkeit gibt, seine Beklemmung herauszulachen.
Dieses gelegentliche Herauslachen ist bitter notwendig: Denn Anna Marias Welt gerät aus den Fugen, und, typisch Seidl: Der Film entwickelt ein Verzweifungscrescendo, dass den Zuschauer fassungslos zurücklässt. Im normalen Leben würde wohl jeder halbwegs normale Mensch einen religiösen Zombie wie Anna Maria meiden. Seidl hat es geschafft, dass uns ihr Schicksal interessiert, ja bewegt. Das muss man erst mal hinbekommen....
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Markbln Mon, 25 Mar 2013 10:00:56 -0000
Antwort löschenGenau was dir so gefällt, hat mich im Laufe des Films immer mehr enttäuscht. Ich fand das Ergebnis in seinen besten Momenten sehr überzeugend, aber letzlich zu eindimensional und exzessiv. Mich bewegte die figur irgendwann gar nicht mehr. Allein durch die ungeheure Leistung (wiedermal) von Maria Hofstätter ist der Film nicht in die völlige Überzeichnung abgerutscht. Ich finde aber auch gar nicht, dass es zu allererst um das Thema Glaube, Religion geht, dass leider wieder einmal als Aufhänger und Provo (das Plakat ist so billig) genutzt wird, um eigentlich eine vewirrte, isolierte Seele zu zeigen. Seidls Blick ist aber diesmal zu verächtlich.
mattxl Mon, 25 Mar 2013 10:35:42 -0000
Antwort löschenMaria Hofstätter ist wirklich großartig, sollte unbedingt noch mal erwähnt werden! Ich bin mir nicht sicher, ob der Vorwurf der Überzeichnung zutrifft, befürchte eher: Anna Maria gibt es unentdeckt 1000fach wirklich. - Und ich denke schon, dass es um "Glaube" geht: Seidl knöpft sich in seiner Trilogie die Trias "Glaube, Liebe, Hoffnung" aus dem 1. Korintherbrief des Paulus vor. Und er guckt 3 x, was aus diesen für das Christentum zentralen "Gottesgaben" im Spätkapitalismus geworden ist. Er malt sozusagen die "Verfallsstufen" dieser "Gottesgaben". Das ist schon "Glaube" - aber eben einer der von Wahn oder Infantilität kaum mehr zu unterscheiden ist.
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Markbln Mon, 25 Mar 2013 10:46:25 -0000
Antwort löschenIch finde seine erste Beschäftigung mit dem Thema in "Jesus, du weißt" sowohl ehrlicher als auch relevanter.
mattxl Mon, 25 Mar 2013 13:56:17 -0000
Antwort löschen"Jesus, du weißt" hat wg. seines Doku-Charakters vielleicht eine unmittelbarere Wucht. Dafür gibt es hier Szenen, die sich zumindest in mein Hirn auf ewig einbrennen werden. Die Sequenz mit dem Messi, Herrn Rupnik, z.B.: Wie da zwei völlig Vereinsamte miteinander kommunizieren, auf der Suche nach dem rechten Platz für die "Mutter Gottes" in all dem Müll: Das ist so grotesk, böse und tragisch - das gehört für mich schon in ein "Best of Seidl".
alter.native Sat, 23 Mar 2013 10:30:59 -0000
Kommentar löschenBei vielen Seidel Filmen nimmt der Zuschauer in seinem Kinosessel die Position des Voyeurs ein, der sich an der sehr extrem dargestellten Rolle der/des jeweiligen Extremisten, religiösen Fanatikers oder ähnlich Veranlagtem weiden kann. Er kann sich dann auf die Schenkel klopfen und denken: "Das hab ich doch schon immer gewusst, ein Glück, dass das in meinem Leben alles anders ist!"
Aber er könnte sich auch in diesem Film wieder einlassen auf das bis an die Schmerzgrenze (auch des Zuschauers) gehende Spiel der Hauptdarsteller, die wirklich Authentizität vermitteln, und die wunderbar fotografierten Bilder von stiller Tristesse.
Und ein bisschen Seidel steckt ja in jedem Leben!
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VisitorQ Thu, 21 Mar 2013 20:00:27 -0000
Kommentar löschenich hatte ganz schön Bammel. Nicht was den Film betrifft, ich mag Seidl nämlich. Aber ich war mit einer Freundin drin und die ist nicht sonderlich Filmbewandert. Seidl sagt ihr erst recht nichts. Deshalb hatte ich arge Bedenken was sie von dem Film halten würde. Aber sie fand ihn interessant und mal "total anders" . Based. :D
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christian.witte.1987 Thu, 21 Mar 2013 20:15:12 -0000
Antwort löschenKann es sein, dass ihr die Beiden wart, die vor mir im PASSAGE heute saßen?^^
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VisitorQ Thu, 21 Mar 2013 20:39:26 -0000
Antwort löschenIch habe gelesen wann Du den Beitrag geschrieben hast und dachte "hey, das könnte der hinter uns gewesen sein" :D haha. Sehr cool. ♥
christian.witte.1987 Thu, 21 Mar 2013 20:46:23 -0000
Antwort löschenSchau an^^ Mensch Mensch, wie klein die Welt (und die Möglichkeiten, diesen Film in Hamburg zu sehen) doch ist :D
christian.witte.1987 Thu, 21 Mar 2013 17:25:04 -0000
Kommentar löschenWieder ma good stuff von Seidl! Ein roher Kampf um Weltbilder und (religiöse) Objekte, mit zunehmender Fieshaftigkeit und verzweifelter Realitätsentfremdung, in unbarmherzigen Stillleben erzählt. Ausgefüllt durch die Eigenmacht Maria Hofstätter und ihren Filmehegatten Nabil Saleh, deren brenzlige Beziehung in sadistische Machtspiele und psychische Konfrontationen mündet. Räumt schön auf in der Traumwelt des Glaubens, der Film, aber mit an schönstem: der Cameo-Auftritt von Seidls "Busenfreund" Herr Rupnik!
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VisitorQ Thu, 21 Mar 2013 20:01:10 -0000
Antwort löschendas war der Busenfreund? Ich habe ihn nicht erkannt. haha. danke.
christian.witte.1987 Thu, 21 Mar 2013 20:12:26 -0000
Antwort löschenBidde^^ Is aber unfassbar gealtert, der Mann - finde ich...das Szenenfoto auf moviepilot hierzu (http://www.moviepilot.de/movies/paradies-glaube/images/8091034) verwirrt mich aber ein bissl - im Film war er doch nich noch untenrum nackt, oder?
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VisitorQ Thu, 21 Mar 2013 20:40:27 -0000
Antwort löschener war definitiv nicht nacht.
VisitorQ Thu, 21 Mar 2013 20:40:39 -0000
Antwort löschen*nackt
loveissuicide Thu, 21 Feb 2013 20:53:02 -0000
Kommentar löschenDer erste Teil der Trilogie hat mich noch recht kalt gelassen, aber Paradies: Glaube hat ich dann wirklich erwischt. Die Thematik spricht mich einfach mehr an und Maria Hofstätter spielt ihre Rolle der extremst gottesfürchtigen Anna-Maria zum Niederknien! Irrationale Glaubenskonstrukte sind mir schon seit längerem ein wahrer Dorn im Auge, und auch, wenn Seidl die Handlungen in diesem Film oft sehr überspitzt darstellt, so merkt man doch, dass hinter allem die Realität auszumachen ist. Ihre Scheinheiligkeit fällt der Fanatikerin gar nicht auf, Nächstenliebe ist ihr fremd, helfen will sie nur, wenn sie dabei gleichzeitig missionieren kann. Paradies: Glaube ist ein sehr religionskritischer Film, der jedoch trotz seiner Übertreibungen niemals plakativ ist. Kompliment, Herr Seidl, Sie haben mitten ins Schwarze damit getroffen.
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