jacker

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jacker aus Braunschweig ist mittlerweile nach hannover gezogen. er freut sich über neue buddys hier bei mp, filmgeschmack gerne so verschieden wie möglich! das gibt feine diskussionen.. jacker ist 30 Jahre alt. Er hat sich auf moviepilot angemeldet und hat schon unglaubliche 1684 Filme bewertet und legendäre 1247 Kommentare geschrieben. jacker neigt zu Superlativen und überbordender Begeisterung, guckt Filme mit dem Herzen und erkennt meist dort Gutes, wo andere nur stänkern! Daraus folgen gnädige, oft zu hohe Bewertungen. 'Unrealistisch' ist ein Unwort, das nur von 'Logikloch' getoppt wird. Filme sollen ihn einlullen, mitnehmen, verzaubern und irgendwie - über Spannung, Trauer, Witz, Dramatik, Chaos, Wahnsinn - emotional berühren. Audiovisualität, Atmosphäre, Schauspiel, Inszenierung, Plot, Bildsprache, Score - alles wichtig. Genrepräferenzen gibt es nicht, nur gute und schlechte Filme - Mainstream, Indie, Arthaus, B- und Trash-Kino sind gern gesehen. Sonst liebt er Musik: lastfm.de/user/dj_jacker. Und legt welche auf: soundcloud.com/dj_jacker. Er bloggt auf weltamdraht.blogsport.de und twittert als @jackermonkey. Mehr


Grand Budapest Hotel
Grand Budapest Hotel

jacker 7.0 "Sehenswert"

Vieles was über GRAND BUDAPEST HOTEL gesagt wurde unterschreibe ich voll, manches muss ich auch ein wenig entkräften.

Ich unterschreibe, dass Wes Anderson hier seinen Stil auf eine absolut unnahbares Maß der Perfektion gebracht hat. Dass all die bunten, schrulligen und skurrilen Einfälle, Kulissen, Montagetechniken, Kamerawinkel, Modelle und Kostüme in ihrer strahlenden Existenz irgendwo zwischen Puppenhäuschen, YPS-Heft und absurdem Theater einlullen, begeistern und auch mitreißen. Dass GRAND BUDAPEST HOTEL eben ein toller Film ist.

Was ein wenig übertrieben (oder vielleicht für Anderson ein gänzlich falscher Ansatz ist), sind die ab und an aufkommenden Behauptungen, seine Figuren wären ihm völlig egal. Das ist nicht der Fall. Ganz sicher nicht. Anderson pflegt eine Art Filme zu machen, die die Figuren nun mal nicht nur über ihr Inneres, sondern auch über die elementare Integration in ihr Umfeld und die Interaktion mit diesem formt und gedeihen lässt. Und auch hier hat er wirklich in jedes Frame (und eben auch in jede Figur) viel Liebe einfließen lassen - das merkt man und das amüsiert über weite Strecken wirklich sehr.

Doch woher dieser Vorwurf kommt, das ist mir klar, denn das Fundament dieser Kritik teile ich ein wenig. Charmant, skurril, ulkig, abgedreht - die Liste der treffenden Beschreibungen könnte lang werden und doch (und das ist das einzige, wenn auch nicht gerade unwichtige Problem dieses Films), obwohl es konstant versucht sich seinen Platz in der Reihe zu erkämpfen, fehlt ein entscheidendes Adjektiv: berührend.

Nach dem Kinobesuch habe ich eine Weile gegrübelt, was ich da nun gesehen habe. Das Fazit ist wie folgt: Einen Film voller Ideenreichtum und spielerischer Freude, der mich zum Lachen gebracht und teilweise den starken Willen, wie ein begeistertes Kind, zu jubeln und applaudieren geweckt hat... und doch bei all diesem Lob eben EMOTIONAL unerwartet wenig abgeholt hat. Nicht auf die Art und Weise, wie MOONRISE KINGDOM es geschafft hat. Oder THE LIFE AQUATIC. Mich nicht dahinschmelzen und in den Bildern und Momenten verlieren lassen hat. Ich würde (und werde) diesen Film jederzeit wieder schauen und hoffen, dass auch diese Barriere bricht. Und sollte das nicht passieren, bleibt dennoch ein lockerer, audiovisuell beeindruckend kreativer Film, der eben "nur" eine Menge Spaß macht.

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ready2fall

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Die Figuren (passendes Wort) bleiben immer Mittel zum Zweck, mögen sie noch so viel von außen geformt werden, ich wundere mich wie man das anders empfinden kann. Ist aber ja auch nicht weiter schlimm, der Film kann ja trotzdem gefallen.


Chad

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Danke für den Kommentar und die Wortwahl! Diese Skurrilitäten in und mit den Charakteren empfand ich bisher sehr intensiv und wertvoll. Royal Tenenbaums, Life Aquatic und besonders Darjeeling Limited nehme ich hins. Empathie und Wertekommunikation als pure Offenbarung wahr. Grand Budapest Hotel ließ genau diese banale, allerdings letztlich, unabdingbare 'Berührung' missen.


Exiled
Exiled

jacker 7.0 "Sehenswert"

Wenn ein Hongkong-Actioner sich mit den Motiven des klassischen (sowie Italo-, also weniger klassischen) Western paart, auf dem Weg noch eine Schippe des mystischen Zaubers einschlägiger Martial-Arts Filme mitnimmt und zudem beschließt, seine Shootouts in einem grazil anmutenden Choreographie-Ballett zu inszenieren... dann muss wohl so etwas wie Johnnie To's EXILED herauskommen.

Alles beginnt ganz unscheinbar:
Ein Trupp zweier zwielichter Gestalten klopft an einer Tür: "Ist Wo da?". Die Antwort: "Hier gibt es keinen Wo!". "Dann warten wir.". Kurze Zeit später die nächsten Zwei. Gleiche Unterhaltung. Auch sie warten. Bereits in dieser Eröffnungsszene gelingt es To durch Bildsprache und musikalische Untermalung eine geradezu beklemmend dichte Atmosphäre zu schaffen - omnipräsent ist die finstere Ahnung, dass dies, obwohl es doch noch gar nicht recht angefangen hat, ein böses Ende nehmen wird. Plötzlich naht ein Wagen, ein Mann steigt aus, Blicke treffen sich, verharren, lösen sich. Kurze Zeit später der erste von einer Handvoll phänomenal inszenierter und choreografierter Shootouts - drei Mann im Dreieck (das kommt doch irgendwie bekannt vor), Kugeln fliegen, Licht spiegelt sich, die Zeit beschleunigt sich und steht still zugleich, wabernde Vorhänge vernebeln Sicht und Sinne.
Damn, kann dieser Johnnie To Action inszenieren!

Und auf einmal bricht das harte Action-Korsett völlig unerwartet, mit kindlicher Spielfreude auf: Ein Cop naht. Und die zwei vor der Tür verbliebenen Gangster demonstrieren eindrucksvoll und präzise (fast wie zwei Western-Helden) ihre Schießkünste mit der Waffe. Kein Revolver, sondern eine moderne Knarre - aber die Getränkedose fliegt durch die Luft, so wie einst der Blonde den Hut in der Luft hielt. Die zweite Leone-Referenz in den ersten zehn Minuten, die Frage was das wohl werden wird, stellt sich zurecht.

Und was wird es tatsächlich?

Ein völlig irrer Genremix aus HK-Actioner, Western, Buddy-Roadmovie und Charakterdrama. Die mänteltragenden glorreichen Sieben aus dem wilden Westen werden hier zu den glorreichen Fünf von Macau, sitzen zu träumerischen Mundharmonika-Klängen am Lagerfeuer, lassen den Whisky fließen (und spucken die Korken der Flaschen in die Gegend), rauben Goldtransporte aus und beschützen schlussendlich zwar kein Dorf, aber die Frau ihres früheren Mitstreiters - mit fragwürdigen Mitteln, aber aus den richtigen Gründen, wird für das Richtige gekämpft. Wie im Western halt.

Interessant und besonders, ist die Stilsicherheit mit der To hier Konträres verschmelzen lässt und vom Feeling her etwas völlig neues erschafft. Harte Schusswechsel, einschlagende Projektile, zerstäubte Blut-Fontänen, das will theoretisch so gar nicht mit lockeren Albernheiten am Lagerfeuer zusammen gehen - tut es aber. Und das macht EXILED irgendwie besonders und einzigartig. Zwar weiß man am Anfang noch nicht so recht, was man mit den Figuren und der reduzierten Atmosphäre anfangen soll, jedoch hat man die Fünf (oder Vier) gegen Ende so ins Herz geschlossen, dass der Film direkt danach schreit erneut geschaut zu werden.

Abgefahrenes Ding!

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pischti

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Hmmm, schwierig, aber ich finde Dein Beispiel mit "distanzierter Inszenierung" gar nicht mal so schlecht und unpassend! Es ist zum einen das, jedenfalls wirkt es manchmal auf mich so, etwas theatralische Schauspiel, die Art der Inszenierung, aber hauptsächlich das für meinen Geschmack zu oft benutzte Rachethema. Gesehen habe ich unter anderem noch "I saw the Devil". War "ganz gut", also 6 Punkte und der Darsteller aus "Olboy" war hier auch wieder richtig gut, aber wiegesagt, wieder Rache und wieder alles so asiatisch inszeniert :)


Schlopsi

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@jacker: Mir ging es EXAKT so mit Exiled, mit dem ich damals angefangen hatte. Drug War liegt schon bereit und wartet nur auf den richtigen Moment ;)
@pischti: :D Du könntest dich mal an Beast Stalker (HK) und/oder The Man from Nowhere (S. Korea) versuchen. Beide sind stark, letzterer ist im Vergleich halt koreanisch brutal, hat aber auch eine packende emotionale Ebene, was es gut aufwiegt. Bei dir würde ich aber eher zu Beast Stalker tendieren :)


Hook und das Geisterlicht
Hook und das Geisterlicht

jacker 8.0 "Ausgezeichnet"

PIXAR Kurzfilme #13 - HOOK UND DAS GEISTERLICHT

Da gelingt dem klapprig-verrosteten Abschleppwagen namens Hook (bzw. im Original Mater) ja etwas ganz unglaubliches:

Mich hat CARS (als einziger PIXAR-Langfilm überhaupt) nie auch nur einen Deut interessiert. Ich kannte natürlich den Trailer, konnte ihm aber nie etwas abgewinnen und mir sowieso nichts uninteressanteres als sprechende Autos vorstellen - PIXAR hin oder her.

Und nun hat dieser Kurzfilm - den ich mir nur der Vollständigkeit halber ansehen wollte, denn fünf Minuten kann man im Gegensatz zu zwei Stunden mal eben aufbringen - es tatsächlich geschafft, mir eine so immense Sympathie für die bunten Figuren auf vier Rädern nah zu bringen, dass CARS direkt auf die Watchlist gewandert ist.

Die Story ist simpel: Mater, der Abschleppwagen vom Schrottplatz ist ein Schelm, wie er im Buche steht. Er spielt Streiche, ärgert und haut seine Mitautos in die Pfanne wo er nur kann. Doch wir alle wissen: Sowas rächt sich früher oder später! Und das tut es hier auf sehr amüsante Art und Weise.

Es ist faszinierend, wie dieser Kurzfilm das schafft, was kein CRAS-Trailer erreicht: Die Autos vollkommen liebenswürdig, sympathisch und charmant wirken zu lassen. Sollte man unbedingt mal angucken, auch wenn bisher gar kein Interesse für CARS da war!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/16/pixar-kurzfilme-13-hook-und-das-geisterlicht-2006]

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Lifted
Lifted

jacker 7.0 "Sehenswert"

PIXAR Kurz­fil­me #12 – LIFTED

Es ist noch kein meis­ter vom Him­mel ge­fal­len!

Kein Mu­si­ker, der ein In­stru­ment lernt.
Kein Hand­wer­ker, der einen Tisch baut.
Und eben auch kein Alien, das beim Ent­füh­ren eines schla­fen­den Men­schen an den end­lo­sen Mög­lich­kei­ten der Tech­nik schier ver­zwei­felt.

Dabei könn­te es doch so ein­fach sein: Der arme Mensch liegt nichts­ah­nend in sei­nem Bett, das Haus al­lein auf wei­ter Flur, weit und breit kein po­ten­ti­el­ler Zeuge in Sicht. Es muss also nur der Trak­tor-​Strahl in gang ge­bracht wer­den, um den net­ten Her­ren leicht­fü­ßig aus dem Fens­ter hin­aus ins Raum­schiff zu be­för­dern.
Ein Un­ter­fan­gen, was sich mit allen Was­sern ge­wa­schen hat.

Wie der klei­ne Nach­wuchs-​Aus­ser­ir­di­sche mit Pau­ken und Trom­pe­ten schei­tert, zeigt uns der 2006er PIXAR-​Kurz­film LIF­TED: Un­end­li­che Wei­ten aus He­beln und Reg­lern, Be­schrif­tun­gen sind Wunsch­den­ken, dazu der schlecht ge­laun­te Aus­bil­der im Na­cken – kann das gut gehen?

Äu­ßerst ul­ki­ge fünf Mi­nu­ten!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/16/pixar-kurzfilme-12-lifted-2006]

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One Man Band
One Man Band

jacker 4.0 "Uninteressant"

PIXAR Kurzfilme #11 - ONE MAN BAND

Mal wieder einer der PIXAR-Shorties, die bei mir so gar nicht zünden wollen.

Die Idee mag ja noch ganz putzig sein: ein kleines Mädchen ist bereit eine Münze in den Topf eines Straßenmusikers zu werfen, welcher absolut sein Bestes gibt, um sie zu verdienen. Auf der anderen Seite des verlassenen Platzes erscheint jedoch noch ein zweiter Musiker, der dem Ersten den Verdienst wegschnappen will. Das Wettbuhlen beginnt - in ungeahntem Ausmaß.

Funktionieren tut das kleine Filmchen leider nicht, da die Macher hier nach dem reinen Prinzip der Maximal-Übertreibung arbeiten - ein Instrument reicht nicht, also spielt er zwei. Der andere dann vier. Der Erste antwortet mit Kopf, Fuß, Hand und Hüfte. Der Rivale steigt zum Ein-Mann-Orchester auf.
Und so weiter.

Das ist eher ermüdend als witzig, weil einfach viel zu viel und nur frontal. Wäre Musizieren der Weltuntergang, könnte ONE MAN BAND von Roland Emmerich sein. Auch optisch fehlt die sonst so putzige, warme Umsetzung der PIXAR Animateure.

Angeschaut und schnell wieder vergessen!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/16/pixar-kurzfilme-11-one-man-band-2005]

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Solveig

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Ich muss gestehen, dass es leider nur Ausnahmen sind, wenn mir ein Pixarfilm gefällt. I.d.R. finde ich sowohl die süßen ZU süß, die witzigen ZU sehr auf Witz komm rau getrimmt, sodass sie für mich einfach nur albern sind und manche leider nicht mehr als nett. Aber diesen hier mag ich auch unter allen Kurzfilmen, die ich gesehen habe, am allerwenigsten.


jacker

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@ eddy: check ich mal aus!
@ zimt: das ist das richtige Wort. Sowohl Kind, wie auch die Musik-Kasper!
@ Solveig: Bin auch nicht so der Riesen-PIXARfan.. Ich finde die Filme meistens ganz nett und würde sie auch irgendwann nochmal schauen. Von den Kurzfilmen gefällt mir aber bis jetzt maximal die Hälfte. Der schlimmste war REDS DREAM. Damals war zwar die Technik noch nicht so weit, aber verdammt, das rechtfertigt das ultra creepige Baby in dem Film auch nicht!!


Durst
Durst

jacker 8.0 "Ausgezeichnet"

Leise, langsam, verzaubernd, bizarr, wahnsinnig, blutig, dunkel, hell, verstörend, betörend, gruselig, spirituell, essentiell, rituell, gewalttätig, zart, liebevoll, nachdenklich, explosiv, schwebend, vereinnahmend, impulsiv, gefühlvoll, sehnsüchtig, gebrochen, verloren, tief, widersprüchlich, entspannt, gekonnt, neuartig, mutig, lethargisch, ewig, zeitlos, fließend, surreal, revolutionär, mystisch, fantastisch, hart, psychologisch, subtil, konsequent, bittersüß...

All dies und noch viel mehr ist DURST.

2009: /reset/Vampir-Genre
Alles auf null und anders wieder aufbauen.
Das tut Park Chan-Wook mit DURST (OT: BAKJWI).

Audiovisuell perfekt und immer wieder überraschend, erzählt er hier eine Vampir-Story der anderen Art. Von einem der zwischen Moral, Zwang und Impuls gefangen ist. Einem der lieben will, aber nicht darf und beschützen will, aber nicht mehr kann. Gesegnet und verflucht zugleich. Mal Horror, mal Mächen, mal Liebesfilm, mal Psychodrama - die Facetten scheinen endlos. Ein Film sowohl zum darin Verlieren, wie auch abgestoßen werden.

(Mal wieder) großes Kino aus Südkorea!

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jacker

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Muahaha.. Und da man dann ja DURSTig und HUNGERig ist muss man DAS GRO?E FRESSEN starten!


Frankie Dunn

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:D


(Kino)filme 1995 - Ranked

jacker hat eine neue Liste angelegt.

(Kino)filme 1996 - Ranked

jacker hat eine neue Liste angelegt.

Fahrraddiebe
Fahrraddiebe

jacker 8.0 "Ausgezeichnet"

Es beginnt positiv, locker und unscheinbar.
Es entwickelt sich zunehmend einnehmender.
Es endet niederschmetternd, bitter und hoffnungslos.

FAHRRADDIEBE ist ein Fenster in eine Zeit, die (zum Glück) aus unserer Generation keiner mehr nachempfinden kann. Ein Fenster, dass sich verdammt echt anfühlt. Europa ist zerstört, die Menschen haben nichts mehr, über die Runden zu kommen ist ein dauerhafter Kampf. Hunderte Männer hoffen auf eine einzige Stelle die frei wird um etwas zu verdienen. Es ist heute alles so unglaublich sicher - nicht mehr wirklich vorstellbar, dass man damals GAR NICHTS hatte, bzw. sein letztes Hemd (oder Laken) für ein wenig Geld, Nahrung oder Medizin lassen musste. Dass ein Fahrrad zur Ausübung eines Jobs über Existenz oder Niedergang entscheiden konnte.

FAHRRADDIEBE fotografiert das Nachkriegs-Rom zwar in vollkommener Schönheit, bekommt aber mit zunehmender Laufzeit einen bittersüßen Beigeschmack, der gegen Ende wahrhaft giftig wird. Ein integrer Mann, der ehrlich seinen Unterhalt verdienen will, um sich und seine Familie zu ernähren, der moralisch richtig handeln möchte, wird durch etwas, was uns heute nur noch als ein kleines Ärgerniss erscheint, hammerhart mit dem Rücken an die Wand gedrängt. Die Armut immer als überaus reale Bedrohung im Nacken! Und er geht daran, zumindest moralisch, beinahe zu Grunde. Verhält sich schlecht. Lässt seinen kleinen Sohn allein. Kann seine Aggressivität nicht mehr im Zaum halten. Das ist VERZWEIFLUNG. Und ein Einzelschicksal von vielen, dessen schreiende Ungerechtigkeit in diesem präzisen Drama mit Wucht ins Herz des Zuschauers trifft und den Wert der heutigen Sicherheit mal wieder bewusst vor Augen führt. Aber so ist die Welt:
Auch ungerecht.
Auch kalt.
Auch niederschmetternd.

Und FAHRRADDIEBE von VIttorio de Sica macht daraus nicht wie die meisten Vertreter des "frühen Films" einen Hehl, sondern ist daran interessiert ungeschönte Wirklichkeit auf die Leinwand zu bringen. Kino muss nicht heile Welt sein, Kino muss auch wachrütteln. Ein schöner, schmerzvoller und ganz sicher unheimlich wichtiger Film!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/16/fahrraddiebe-ladri-di-biciclette-1948]

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Bubo

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klingt doch sehr nach einem Film, den ich mir unbedingt auch ansehen will! Vorgemerkt, jetzt hab ich ja Zeit im Osterurlaub :) Danke, jacker!


jacker

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Bitte, bitte. Empfehle ich auch aus ganzem Herzen!


Tatort: Der Hammer
Tatort: Der Hammer

jacker 7.0 "Sehenswert"

Ananas Express
Ananas Express

jacker 8.0 "Ausgezeichnet"

Ich danke Gott (oder passender: allmighty Jah) für Marihuana..
Denn ohne Marihuana keine Kiffer..
Ohne Kiffer kein Kiffer-Humor..
Und ohne Kiffer-Humor kein PINEAPPLE EXPRESS!

"Red: Warum tust du das nicht einfach und chillst dich.
Dale: Ich chille. Bin voll am chillen!
Red: Du wirkst nicht chillig..
Dale: Ich chill mehr als du!
Red: Du chillst mehr als ich?
Dale: Yo!
Red: Guck was ich trage. Kimono, digga. Was trägst du?"

Diese völlig verplante, übertriebene, weltfremde, von verknarztem Allerlei aus Belanglosigkeiten getragene Story über einen der zur falschen Zeit am falschen Ort war, erspielt sich nach und nach immer mehr den Weg in mein Lieblingsfilm-Herz. Weil es anstatt sich abzunutzen jedes Mal mehr Spaß macht, Rogen und Francos Odyssee durch die vernebelten Straßen von L.A. beizuwohnen. Da sitzt einfach alles, sogar - und das ist in Anbetracht des Themas geradezu unglaublich - die deutsche Synchronisation, die es schafft ohne (weiter als die Figuren es eh schon sind) ins Lächerliche abzugleiten den Stoner-Slang und Verbal-Unfug der benebelten Hirne einzufangen.

"Matheson: Ich spiel hier den Tighten. Aber tief in mir hab ich ne Menge Gefühle! Und du hast jedes einzelne davon verletzt."

Man kann PINEAPPLE EXPRESS natürlich primär als Frontal-Komödie mit fragwürdigem Humor und Weltbild empfinden. Man kann jedoch auch etwas unter die Oberfläche schauen, denn wirklich groß wird der Film durch die kleinen, exakt beobachteten und umgesetzten Nuancen, die man schnell verpassen kann.

Das beginnt beim Aussahen von Dale.
Dieser völlig unpassende Anzug ist so typisch für einen Knarzer, der sich irgendwie versucht in die Regelwerke des "Normalen" einzugliedern, dabei aber jede Sekunde als "nicht von dieser Welt" zu erkennen ist. Dale passt so wenig in einen Anzug, wie ein Schwein in eine Tofu Fabrik.

Auch alles, was die zwei liebenswerten Freaks auf ihrer Flucht an verpeilt-idiotischen Dingen tun (zumindest bevor alles völlig over-the-top wird), ist präzise an die Sinnlosigkeit der Entscheidungen völlig knatterer Leute angelehnt. Wenn überhaupt mal von A nach B gedacht wird, bleiben die Zwei meistens irgendwo auf dem Weg in THC-verklebten, wirren Gedankenwindungen kleben: Den aufmüpfigen Red mit Tape-Band an den Stuhl fesseln, dabei (ganz wichtig) noch die Haare fixieren. So schnell es geht die Flucht ergreifen und dabei halt den Kumpel im Polizeiwagen vergessen. Große Pläne für die Lösung der Probleme schmieden, aber mit laufendem Radio im Auto (für 15h) einpennen und somit natürlich die Batterie über den Jordan schicken. Das Handy (anstatt es effektiv zu schrotten, da man Alien-Verschwörungs-Ortung vermutet) gegen einen Baum werfen, natürlich nicht treffen und es dann nicht wiederfinden.

Es lässt sich schwer in Worte fassen warum - aber Judd Apatow, Seth Rogen und Evan Goldbergh treffen skriptseitig eigentlich nonstop ins Schwarze. Warum tun Dale und Saul nonstop so völlig dumme Dinge? Die Antwort ist einfach:
Weil sie knatter sind!
Die Liste an Fails ist endlos, aber wer würde auch sein Leben vor schießenden Gangstern schützen, wenn er noch seiner Bubbe die Uhren umstellen muss?

"Dale (raucht das Ananas Express): Ist es wirklich so selten?
Saul: Das Seltenste... Es ist beinahe eine Schande es zu rauchen. Das ist wie ein Einhorn zu töten.. mit einer Bombe!"

Dazu noch das dauerhafte Geschwafel über Gott und die Welt, was genau GAR NICHTS transportiert, weil es einfach verkiffter Schwachsinn ist (den der Redende aber als ultra-philosophisch ansieht), die omnipräsente Homoerotik zwischen Dale und Saul (latent), Matheson und Budlofsky (weniger latent), Red und jedem (absolut nicht mehr latent), viel Skurrilität, Überdrehtheit und Wahnsinn und neben dem Dialogwitz auch noch beknackte Gags am laufenden Band.

Einfach ein köstlicher Film!

"Fuck the PO-LICE!"

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/14/ananas-express-2008]

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jacker

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Ich glaube die Diskussion hatten wir sogar schon mal. Jedem das seine, ich finde sowieso dass Humor mit das Subjektivste überhaupt ist. Und das hier ist definitiv auch zu nem gewissen Grad infantil. Kann verstehen dass man generell mit dem Rogen-Humor nicht grün wird. Trotzdem feier ich das!


Le Samourai

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Stimmt, das hatten wir echt schon mal :)


Dei Mudder sei Gesicht
Dei Mudder sei Gesicht

jacker 7.0 "Sehenswert"

Puh..

Ich habe jetzt sage und schreibe 7 (!!!) Mal versucht diesen Film zu schauen und es niemals bis zum Ende geschafft. Es wirkt geradezu verhext, da mein Zustand von vollkommen fit bis sehr müde und die Tageszeiten von 17.00 bis 2.00 Uhr nachts reichten - trotzdem bin ich jedes Mal eingeschlafen. Mal bereits nach zehn Minuten, mal erst nach 30. Aber weiter als bis 50 Min. Laufzeit hab ich es nie geschafft.
Sagt das etwas über den Film?
Oder über mich?

Nach Woody Allens ALICE ist das nun der zweite Film, welcher auf solch seltsame Weise "unschaubar" erscheint. Höchst seltsam, und das komische dabei ist, dass mir das Gesehene sogar ganz gut gefallen hat. Zumindest weitaus besser als AUSSER ATEM, was bis jetzt der einzige Godard ist den ich kenne (und nach dem ich für 2-3 Jahre erstmal keinen Bedarf nach mehr hatte). Die Ästhetik ist cool, der Protagonist zwar ein Stinkstiefel, aber auch irgendwie cool und das Setting irgendwie vielversprechend.

Vielleicht schaff ich es ja irgendwann mal :D

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jacker

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Schlaf ist der natürliche Feind des Films. Wo könnte man also besser über ihn sinnieren? ;)


Mesokosmos

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Ein Schutzreflex deines Unbewussten ... vllt spricht er genau etwas an, was du (bzw. ein Teil von dir) einfach nicht hören/sehen will/kann ... ist nur so ne (möchtegernfreudsche(?)) Theorie ;)


JCVD
JCVD

jacker 7.0 "Sehenswert"

Jean-Claude Van Damme ist eine Action Legende!

"- Du bist van Damme, du hast John Woo nach Amerika gebracht!
- Und wo bin ich jetzt?"

Gute Frage, wo ist er jetzt, der Karate Kämpfer, König des Spagat, Colonel William F. Guile, Frank Dux?
Ist er ein Star auf der großen Leinwand?
Headliner in den Class-A Action und Martial-Arts Produktionen?

Ganz sicher nicht.
Er hat einen Großteil seiner Karriere in den Tiefen des Direct-to-Video Mittelmaß verbracht. Den falschen vertraut, die falschen Entscheidungen getroffen, nie den Sprung nach oben geschafft.

Und so tut Jean-Claude 2008 etwas mutiges: Er spielt in JCVD sich selbst und stellt sich der bitteren Wahrheit über sich selbst als Person, über den Status seiner Karriere, über den Gehalt der Filme die er gedreht hat. Dabei macht der Film (also er) keinen Hehl aus seinen Eheproblemen (JCVD war 5 mal verheiratet), seinem Umgang mit Geld, seinem psychischen Zustand und seiner (hoffentlich hinter ihm liegenden) Kokainsucht.
Die Hose Bis zuden Knöcheln runterlassen, die Seele blank ziehen.
Boom.
Das sitzt.

Und da das Leben bekanntlich die besten Geschichten schreibt und JCVD große Teile von van Dammes Leben aufgreift, wächst dieser in seiner Selbst-Verkörperung schauspielerisch völlig über sich hinaus. Ein menschlicher, zerbrechlicher Action-Star, den man hier mit nie gekannter Emotionalität erleben darf. Das kommt überraschend, wie aus dem nichts, überzeugt, reißt mit,  beeindruckt.
Wahnsinn.

Dass die rahmengebende Bankraub-Geschichte ihre Längen und kleinen Hänger hat, fällt durch diesen Fokus kaum ins Gewicht. Was hier zählt ist JCVD, der sich von einer nie gekannten Seite zeigt. Einer Seite die erahnen lässt, dass hinter der Fassade aus Roundhouse Kicks und Coolness ein trotz aller Kampfkunst verletzlicher Mensch steckt, der trotz des Erfolgs einiges eingesteckt hat und nun ein Resümee zieht.

"Was habe ich für diese Welt getan? Nichts! Nichts habe ich für diese Welt getan!"

Doch Jean-Claude.
Ein paar tolle Filme hast du uns geschenkt!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/15/jcvd-2008]

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jacker

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Ich halt die Glubscher offen!


MaceWindu1998

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Klasse Kommentar!
Ganauso emotional wie der Film! ;)


Ghostbusters - Die Geisterjäger
Ghostbusters - Die Geisterjäger

jacker 8.0 "Ausgezeichnet"

"When there's something strange. In the Neighborhood. Who you gonna call..."

Alles an dieser Perle des 80er Kinos ist einfach nur unterhaltsam,  locker und liebenswürdig!

Allen voran der charismatische Vollzeit-Charmeur, Ideen-verwirklicher, durchs-Leben-wurschtler Peter Venkman und sein gesundes Ego, aber auch Messwert-Nerd und Emotions-Invalide Egon Spangler, Quietschkissen Janine mit der "kleinen" Brille, der grüne Slimer, die putzig in die Jahre gekommenen Effekte, die Naivität mit der die simple Story so überzeugend dargereicht wird - einfach alles.

"Back off, man, I'm a scientist"

Peter weiß was er will und wie er es bekommt. Die entscheidenden wissenschaftlichen Entdeckungen sind gemacht und nach dem Rausschmiss aus der Uni führen Charme, Überzeugungskraft und eine gesunde Portion Narzissmus den guten Venkman und seine Wissenschaftler-Kollegen Ray und Egon schnell an den Punkt, wo sie plötzlich einen neuen Handwerks-Zweig aus dem Boden gestampft haben:

Geisterjagd!

"Ray: Sir, what you have there is what we refer to as a focused, non-terminal, repeating phantasm, or a Class Five full roaming vapor. Real nasty one, too!"

Warum es Geister gibt und wie man sie technisch fängt ist für den Inhalt des Films natürlich völlig egal, das hindert jedoch die Autoren (nämlich Dan Aykroyd und Harold Ramis aka Ray und Egon) nicht daran, dem Zuschauer trotzdem ein phänomenales Unsinns-Potpourri aus jedem nur erdenklichen Wissenschafts- und Esoterik-Slang vorzusetzen: Materie-Umkehr, Proton refreshing rates, Particle reversal, ectoplasmisches geschleime...

"Janine: Do you believe in UFOs, astral projections, mental telepathy, ESP, clairvoyance, spirit photography, telekinetic movement, full trance mediums, the Loch Ness monster and the theory of Atlantis?
Winston: Ah, if there's a steady paycheck in it, I'll believe anything you say!"

Einfach herrlich, immer humorvoll und durchweg Zitat-würdig.

GHOSTBUSTERS stammt aus einer Zeit, in der Simplizität noch nicht verschrien war und deshalb auch Blockbuster aus ihrer geradlinigen Konsumierbarkeit noch keinen Hehl machen mussten. Dieser nicht vorhandene Zwang zur künstlichen Komplexität bescherte uns einige der tollsten und ehrlichsten Filmfiguren überhaupt. All die Charaktere hier sind eine Nummer für sich - simpel und effektiv geschrieben, gerade deshalb rund und in sich schlüssig. Das funktioniert, ähnlich wie anderen Klassikern der Epoche, auch 30 Jahre später gut. Durch die Nostalgie-Brille betrachtet sogar absolut großartig. Was hier an Dialogen von Stapel gelassen wird, steckt die meisten Frontal-Komödien mit links in die Tasche.

"Ray: Everything was fine with our system until the power grid was shut off by dickless here.
Walter Peck (gemeint mit Dickless): They caused an explosion!
Mayor: Is this true?
Peter Venkman: Yes it's true... This man has no dick."

Nonstop darf sich gekringelt werden, jede Zeile sitzt - da ist es auch egal, dass gegen Ende (wo es eigentlich spannend werden soll) geradezu jegliche Dynamik flöten geht - solange die Bande verbal fleißig ihren Senf dazu abgibt ist und bleibt die Welt in Ordnung!

"Dana (besessen): NOT DANA, JUST ZOOL!
Peter: You must have a lovely singing voice, Darling.
Dana: Come inside me.
Peter: Well it seems like you got at least two or three people in there already. "

Genialer Klassiker mit unendlichem Wiederschau-Potential!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/14/ghostbusters-1984]

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jacker

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Teil II mochte ich früher noch viel lieber, das lag aber einfach daran, dass ich den mal aus dem TV aufgenommen hatte und endlos oft geschaut hab, während ich Teil I letzte Woche erst zum 3. oder 4. Mal gesehen habe. Bin gespannt wie der zweite sich 15 jahre später schaut, ich erinnere mich an VIGO, an pinken Glibber und an.. pinken Glibber. Und die Freiheitsstatue. Damn, das war schon sowas wie ein Lieblingsfilm meiner Kindheit!


Andy Dufresne

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Der zweite ist im Prinzip genauso gut wie der erste. Ich habe den zweiten Teil nach Ewigkeiten mal wieder gesehen und konnte gar nicht fassen wie extrem ich mir den Arsch ablachen musste :) Hab dem glaub 9 oder sogar 9,5 gegeben und ihn kommentartechnisch abgefeiert wie Bolle :)


True Blood
True Blood

jacker 7.0 "Sehenswert"

(Kino)filme 1997 - Ranked

jacker hat eine neue Liste angelegt.

Thor 2: The Dark Kingdom
Thor 2: The Dark Kingdom

jacker 6.0 "Ganz gut"

Als einer von wenigen sah ich in THOR den stärksten Solo-Film der "MARVEL Cinematic Universe"-Phase I. Weil Chris Hemsworth unglaublich charismatisch (und dabei auch auf subtile Art ironisch gebrochen) spielte, weil Natalie und Stellan dabei waren, weil mich der Bruder-zwist voll mitgenommen hat - einfach weil ich THOR als tollen Blockbuster mit starkem Charme empfunden habe.

Von diesem Charme ist leider in THE DARK KINGDOM nicht mehr viel vorhanden. Da die Marvel-Solo-Filme allesamt inhaltlich nicht wesentlich besser oder schlechter, als die zeitversetzten Eskapaden der anderen AVENGERS-Mitstreiter sind, stehen und fallen sie mit Nuancen. Hier soll nun statt locker-leichter Atmosphäre und einem arroganten Thor, den es zu bremsen gilt, mal wieder alles dark und dangerous werden. Weil ja überall seit Neustem immer alles dark und dangerous sein muss. Das Universum in Gefahr und der gereifte, hochmoralische Thor muss das richten. Das leichte Augenzwinkern fehlt leider oft und sein zweites Abenteuer versinkt über lange Strecken in der Mittelmäßigkeit, da auf Skriptseite nicht viel Unterschied zum standardisierten BB-Kino besteht.

Heroische Handlungen, etwas Pathos, hölzern-knappe Dialoge, seltsame Entscheidungen - das alles kennt man. Auch storytechnisch hat sich nicht viel getan: Loki fühlt sich immernoch betrogen, Janes Herz ist immernoch gebrochen, Thor muss wieder das Universum retten.

Was den Film doch noch rettet, sind die recht gelungenen Visuals und das toll choreographierte Finale: Die "Nine Realms" stehen einmal alle 5000 Jahre in Reihe und Tore zwischen den Welten öffnen sich. Anstatt gängigen Pfaden zu folgen und wie so oft alles ganz doll, laut (und ermüdend) explodieren zu lassen, nutzen Regisseur Alan Taylor, sowie die unzähligen Autoren (Skript-Doktoren?) diese Welten-Portale kreativ aus, um Pro- und Antagonisten wild purzelnd durch die verschiedensten Kulissen zu schicken. Das macht Laune, ist hervorragend getimet, sieht stark aus (wenn CGI für irgendetwas wirklich taugt, dann die Erschaffung von fremden Universen) und überzeugt durch gelungene Einfälle.

Gerade noch die Kurve gekriegt, denn was davor kommt ist, wenn überhaupt, Superhelden-Kost von der Stange. Zwar versuchen die Macher den engstirnigen Ansatz ab und an durch Gags aufzulockern, doch so richtig zünden tun die leider selten.

Kann man gucken, muss man aber nicht.

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/10/thor-the-dark-kingdom-2013]

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Der Witte

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Ich sags dir - zieht man sich z.B. einmal nen Jochen Taubert oder Timo Rose oder Marcel Walz-Film rein, wird man allmählich vorsichtig mit dem Verteilen von unterdurchschnittlichen Bewertungen ;D


jacker

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sagt mir Alles nichts. ist vielleicht auch besser so. Normalerweise hab ich das ja auch so gehandhabt (unter 4p eher so für das was nachts auf tele 5 läuft) - aber irgendwie sind wir (die Filmwirtschaft) an nem Punkt angekommen, wo technisch solide Umsetzung mir nicht mehr reicht. Dafür gibt es zu viel, was alles zu wenig eigen ist. Vor nem Jahr oder zwei hätte ich diesen Film hier wahrscheinlich auch 7-8 P gegeben. Jetzt wären es eigentlich 5 aber für eine einzige, unfassbar witzige Szene mußte ich nen Bonus Punkt geben. Stichwort: Garderobe


Noah
Noah

jacker 2.0 "Ärgerlich"

Das biblische Zeitalter in computergenerierten Bildern:

Noah wandert durch eine karge, endlose CGI-Wüste.
Am Horizont düstere CGI-Städte, deren dunkle Türme sich hoch empor gen Himmel erstrecken.
Plötzlich eine CGI-Blüte aus dem Nichts.
Dann ein CGI-Wald.
Langwierig und mühsam beginnen Noah und eine Armee aus verkrüppelten CGI-Stein-Transformern ihre CGI-Arche aus CGI-Holz zu bauen.
Und das Wunder geschieht!
Zunächst kommen die kunterbunten CGI-Vögel aus aller Herren Länder geflogen.
Dann die glänzenden CGI-Schlangen gekrochen.
Zuletzt die gemütlichen CGI-Rinder und -Elche.
Und plötzlich die CGI-Sintflut.

So weit, so gut, all dies konnte man mehr oder weniger im Trailer zu NOAH bereits betrachten. Es soll also niemand behaupten es wäre nicht zu erwarten gewesen. Doch bei all der Zwiegespaltenheit in Bezug auf eben diese bereits bekannten Aufnahmen, existierte tief verankert von Bauchgefühl bis Hinterkopf im Vorfeld diese dauerpräsente Hoffnung. Dieser elementare Glauben in Darren Aronofsky und seine unfehlbaren Fähigkeiten als Filmemacher. Den mentalen Wortlaut zu zitieren, klänge in etwa so: "Das sieht zwar aus, wie ein 0815-Blockbuster von der Stange und mit Russell Crowe (nichts gegen ihn) sitzt auch ein typisches Blockbuster Zugpferd 'im Boot', aber das ist verdammt nochmal fuckin' Aronofsky und der wird irgendetwas um diese Effekthascherei herum kreieren, was NOAH meilenweit vom üblichen Einheitsbrei abheben kann. Atmosphärisch, psychologisch, audiovisuell, von allem ein bißchen - egal. Einfach irgendwas, das NOAH zu mehr macht." Und die Hoffnung stirbt zuletzt. Und nun ist sie in etwas über zwei Stunden Laufzeit elendig vor die Hunde gegangen.

Nichts in NOAH unterscheidet sich auch nur irgendwie von 80% der modernen Multimillionen $ Produktionen. Allem voran geht das elementarste aller Probleme: Die Hauptfigur Noah ist in seinen Beweggründen zwar gerade noch nachvollziehbar, hat aber ansonsten keinerlei Psychologie verpasst bekommen. Er hat eine Eigenschaft (nämlich den Willen des "Creators" umsetzen) und die erfüllt er - das muss reichen. Abseits von Crowes Charakter wird es geradezu ärgerlich: Emma Watson darf die Statistin im Dauer-Heulmodus mimen. Anthony Hopkins ist ebenso Statist, der wenige waise Reden schwingt und Beeren sucht. Logan Lerman spricht drei Sätze und guckt verloren in die Kamera. Jennifer Connelly wurde minimal gnädiger behandelt - sie bekommt als Frau an Noahs Seite immerhin ein einziges mal die Gelegenheit, so etwas wie einen Charakter zu zeigen. Ansonsten ist auch sie Statistin. Die Show soll Noah gehören. Der legt sich dafür umso mehr ins Zeug jedes Wort, jeden Blick, jeden Satz voller Inbrunst und maximal bedeutungsschwanger vorzutragen. Formatfüllende Close-Ups mit angestrengten Blicken untermauern die Last des Weltschicksals auf seinen Schultern. Der Pathos trieft, die Dia- und Monologe sind oft nah ander Grenze zu lächerlich und die Kluft zwischen leerem Inhalt und überbordender Darbietung könnte nicht weiter aufklaffen. Unterlegt ist das alles ununterbrochen von schwulstigem Hollywood-Scoring - das typische "Fühlen-sie-bitte-jetzt" Syndrom: Clint Mansels Musik untermalt nicht, sondern schleudert mit voller Wucht entgegen.
Fühlen-sie-gefälligst-(ob-sie-wollen-oder-nicht)!

Zeitweise, wenn gerade mal ein besonders intensives Schluchzen aus Emmas zarten Nasenlöchern ertönt, oder Connelly den Mut fasst, ihrem fanatisch-größenwahnsinnigen Mann nun endlich so richtig die Meinung zu seiner ausgeprägten Misanthropie zu geigen, kippt der Film sogar ins ungewollt komische, weil das Skript einfach zu banal ist. Es wirkt hölzern und lässt einfach keinen Blick unter die Oberfläche zu. Und glaubt mir: als großer Fan des Regisseurs tut diese Aussage weh, wie ein Stich ins Herz!

Aber die größte Enttäuschung an NOAH ist wohl, in welch universellem Maße der Meister des Audiovisuellen hier (trotz atemberaubender Kulissen) an der Kreation einer mitreißenden Atmosphäre scheitert. Es fehlt vor allem an visuellen Einfällen und guter Taktung. Wie tief (oder eben nicht) Aronofskys frühere fünf Werke in die Köpfe ihrer Figuren abtauchten ist sicher streitbar, dass sie von einem besonderen, sehr eigenen Stil geprägt und getragen wurden ist es nicht. NOAH lässt davon nichts erkennen. Der Film ist auf jeglicher psychologischen Ebene leer, egal ob es um Figuren-Konflikte oder Noahs aufkeimenden Hass auf die Menschen geht, nichts davon ist wirklich nachvollziehbar und trägt bis auf kurze Traum- oder Zeitraffer-Einschübe auch optisch wirklich nichts von Aronofskys sonst so intensiven Handschrift. Vielleicht soll das so sein, denn wann sind Fanatiker schon nachvollziehbar, doch gefallen mag es so gar nicht. Kurz gesagt: NOAH hat leider weder audiovisuell noch charakterpsychologisch irgendetwas bahnbrechendes zu bieten und taugt nicht mal als Popcorn-Kino, als tiefes Drama erst recht nicht.
Und das ist verdammt schade!

[http://weltamdraht.blogsport.de/2014/04/08/noah-2014]

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jacker

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In letzter Zeit geht mir das irgendwie häufig so, dass ich Filme viel mieser finde als alle anderen. Ich weiß nicht warum und finde es selber doof.
Die 08/15-Drehbuchentscheidungen gingen mir auf den Sack: Der Junge Noah soll gerade von seinem Vater in Form des Schlangenhaut Ritus die Verantwortung übertragen bekommen, im ALLERletzten Moment (die Fingerspitzen sind Millimeter entfernt) nahen plötzlich die Schergen von Kain. Der Vater sagt: "Versteck dich", der Junge rennt 3m weiter und steht voll sichtbar hinter einem Stein - die Bösen sehen ihn aber nicht. Und sowas gab es öfter. Vielleicht trifft die Formulierung: 08/15-Hollywood-"Mechanismen" es eher. Im großen Kontext meine ich auch die Gesamtdramaturgie.. Bau der Arche, Feinde kommen und belagern, dann der RIESEN-Kampf in dem die Steinfuzzis bis zum aller-aller-ALLERletzten Moment die Stellung halten, gerade so, dass sich noch alle "guten" in die Arche retten können. Usw. Wahrscheinlich komme ich auch einfach nicht damit klar, dass Aronofsky nen Monumental-Knall-Bumm-Weltuntergang-Fantasy-CGI-Tiere-und-noch-mehr-CGI-Steinriesen-Blockbuster gedreht hat.
Mir fehlte halt im Vergleich zu den anderen Aronofsky Streifen dieses krasse Abtauchen in das Wesen der Hauptfigur/en. Klar wurde Noah ein wenig als besessen dargestellt, aber ich empfand das als unglaublich flach. Sonst hat Aronofsky den Konflikt der Protagonisten auch nicht voll ausformuliert, aber über szenische und atmosphärische Klasse FÜHLbar gemacht. Das fehlte mir hier. Auch die Kulissen haben mir nichts gegeben. Vielleicht aber auch weil Monumentalfilme mir generell nichts geben? Einzig diese kurzen Traumflashs haben den bekannt düsteren Charme gehabt, das war aber viel zu wenig.
Auch [SPOILER] dass Aronofsky seine Figuren sonst konsequent in den Abgrund hat laufen lassen und hier eben Noah im letzten Moment zu seinem Humanismus zurückfinden lässt, also ein (eben typisches 08/15-BB) heile Welt Ende kredenzt, unterscheidet sich von seinem restlichen Werk. Mir hat an NOAH einfach gar nichts gepasst :/ Vielleicht war das auch ein Teil meine Schuld, ich habe ziemlich viel unangenehmes im Kopf mit mir herumgeschleppt als ich ins Kino bin, habe quasi direkt angefangen mich über das Kack-3D aufzuregen und zwischendurch echt Probleme gehabt überhaupt bei der Sache zu bleiben. Ein generelle Fantasy-Abneigung spielt auch noch mit rein. Ich wusste auch im Vorfeld nicht, dass es Steinriesen, etc. im Film gibt. Monumental/Historien- und Fantasyfilm in einem, das ist schon hart. Wenn noch jemand gesungen hätte wären die drei Genres die ich am uninteressantesten/nervigsten finde vereint. Zudem hat es mich extrem geärgert wie das Skript (und da ist es wirklich das Skript) ausser Crowe wirklich alle anderen Schauspieler unheimlich klein hält, oder in Emma Watson's Fall dreiviertel ihrer Screentime nur hysterisch rumheulen lässt :O
Vielleicht hätte ich den in besserer Tagesform ja sogar neutral mit tendenz nach unten gefunden (04-05P), aber so konnte ich wirklich gar nichts daraus ziehen, ausser Ärger..
Lässt sich nicht ändern!
Ich bin aber damit noch nicht durch, weil ich nicht akzeptieren will, dass Aronofsky nen miesen Film gedreht hat :( Auf BD werd ich den sicher nochmal schauen. Vielleicht wirkt die Optik ja auch viel toller wenn man nicht zu nah an ner Leinwand sitzt und sich über das 3D ärgert und ich revidiere dann und finde ihn nur inhaltlich doof, aber zumindest optisch dem oeuvre des Filmemachers würdig.
Ich muss noch sagen: Ich bin halt auch extremster (!!!) CGI-Kritiker, speziell bei der Animation von lebenden Dingen die es in echt gibt - hier also alle Tiere (es gibt nicht ein echtes Tier im Film, obwohl man insgesamt sicher tausende sieht). Und ich hasse es einfach, wenn Dinge animiert sind und man das so offen sieht. Keine Ahnung was mit Industrial Light & Magic los war, die haben ja in z.B. in AVENGERS weltklasse gerendert, aber hier sahen diese Tiere doch wirklich, wirklich mies aus!!
Ich fang schon wieder an zu ranten und wiederhole mich :O
over and out!


Cellmorbasg

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Hm, also ich denke hinter der Künstlichkeit und Verfremdung der Welt steht schon eine ausdrückliche Entscheidung dafür und ein Konzept. Ich fand das auch gar nicht schlecht, es hilft dabei diese Geschichte als entrückte Geschichte einer anderen Ebene zu begreifen. Und das lässt sich, so denke ich, auch ganz gut mit einem religiösen wie nicht-religiösen Blick auf die biblische Geschichte vereinbaren. Nur sind halt im Vergleich zu den grauen unwirklichen Landschaften, dem ebenso wirklichkeitsfremden grünen Berg und auch vielen Tieren die man im Laufe des Films sieht, gerade die Schlange und bspw. dieses Geschöpf was man auch relativ zu Beginn der Handlung sieht sehr befremdlich und aus meiner Sicht auch misslungen. Sie sehen nicht einfach ein bisschen künstlich aus und man erkennt sie daher als nicht von dieser Welt, sie wirken einfach lächerlich.


Gästebuch

Sonse

Mein Dashbaord ist total unübersichtlich. Da komme ich auch schon laaaaange nicht mehr mit. Bald könnte sich das jedoch etwas bessern, hoffe ich. Wir basteln daran gerade.

Sonse

Da siehste mal. Ich dachte wir wären sowieso schon... und so. :D Danke! Na klar!

Dady

Hey Hey,
hab deine Anfrage gerne angenommen und hoffe das du weiter so fleißig
Kommentare schreibst.
Also frohes schaffen und schöne Feiertage wünsch ich dir ;)

FrEAk0

Danke Jacker ;) Die Anfrage wird sehr gerne angenommen, dein Filmgeschmack gefällt mir sehr gut !

Wichtelpower !!!

FilmFreak2K13

Na dann, frohes Wichteln.^^
P.s: Voll das Creepy-Bild XD

Codebreaker

Vielen Dank für die Anfrage! Liebend gern angenommen. ;)

Freue mich schon bei dieser Aktion und auch in Zukunft allgemein von dir zu lesen! :)

ElmStreet84

Hi Jacker,
danke sehr für deine Anfrage. Nehme ich natürlich sehr gerne an, einem tollen MP User, der "Das Ding" mag kann ich schlecht was abschlagen! ;))

Auf eine tolle Freundschaft und regen Austausch!

Gruß, Nico

cj durden

Anfrage natürlich dankend angenommen :) mal sehen wie die Kommentare werden ^^

Bubo

Ein Glück, dass der werte Herr Dufresne ja niemals falsch liegt *hust* :D Freue mich sehr über Deine Anfrage, allein dein Profilbild mit dem "Mystery Man"...der lässt mir nämlich Hirn und Seele rauchen, seitdem ich Lost Highway gesehen habe! Wir lesen von einander!
Ganz herzlich, Deine Bubo

Ioosh698

Aloha :)
Ich schick dir mal 'ne Anfrage, da wir beide bei der Oster-Wichtelaktion mitmachen und ich deinen Kommentar natürlich nicht verpassen möchte ;)
LG
Ioosh


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