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1933 - Kong erklimmt das Empire State Building

10.06.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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King Kong
© Warner
King Kong
King Kong war ein Affe zum Liebhaben. Er und Fay Wray wurden in Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsacks Film King Kong und die weiße Frau zu Ikonen.

Dass Jean Harlow (Der öffentliche Feind) die Rolle der blonden Schönheit nicht haben wollte, bereute sie später bestimmt. „Du wirst mit dem höchstgewachsenen, dunkelhaarigsten Hauptdarsteller in Hollywood arbeiten“, mit diesen Worten überzeugte Merian C. Cooper schließlich seine zweite Wahl Fay Wray, um die weibliche Hauptrolle in seinem Film zu spielen. The Beast, The Ape, King Ape oder Kong sollte der heißen, bevor er schließlich seinen eigentlichen Namen bekam: King Kong und die weiße Frau.

Von Lammfellen, Pappdinosauriern und Miniaturmodellen
Schon in der Produktion des ersten Filmes der Reihe wurde ein schier ungeheurer Aufwand betrieben. Das Fell ungeborener Lämmer wurde zu zahlreichen Affen-Modellen und Dinosaurier aus Pappmaché wurden herangekarrt, die eigentlich für das Filmprojekt namens Lost Island gedacht waren, das letztlich nicht realisiert werden konnte. Der Trickfilmpionier Willis H. O’Brien ließ sich sein Verfahren der Miniaturprojektion anwenden, bei der künstliche Szenenmodelle im Kleinformat zum Einsatz kamen.

Dazu gesellte sich das immens aufwendige Stop-Motion-Verfahren, das die Modelle von King Kong zum Leben erweckten. Und neben dem Visuellen gab es auch Innovationen auf der Ebene des Tons: So war King Kong und die weiße Frau der erste Film, in dem auch Dialogszenen mit Musik unterlegt wurden. Für den Score zeichnete Max Steiner verantwortlich, der später zahlreiche Oscarnominierungen mit den Kompositionen für Filme wie Casablanca oder Vom Winde verweht abräumte.

Ein Affe auf dem Empire State Building
Apropos: Vom Winde verweht war auch durch eine andere denkwürdige Parallele mit dem ersten King Kong-Film verbunden. Das Epos von Victor Fleming blieb unter Anderem für eine beeindruckende Szene im Gedächtnis, in der Atlanta in einem orange-roten Flammenmeer aufgeht. Nur den Wenigsten fiel auf, dass dabei auch das riesige hölzerne Tor von Skull Island dem Feuer zum Opfer fiel.

Nun, den gewaltsamen Verlust konnte King Kong und die weiße Frau verkraften. Die schädelförmige Insel Skull Island, Fay Wrays ohrenbetäubend hochfrequenter Schrei und natürlich in erster Linie der riesige schwarze Gorilla auf der Spitze des Empire State Building avancierten zu ikonischen Bildern, die jeder auf den ersten Blick einordnen kann.

Die Schere rückt King Kong zu Leibe
Schwieriger zu verkraften war da schon die Schnipselei, mit der sich diverse Zensoren an dem Filmmaterial zu schaffen machten. Bis heute gilt zum Beispiel eine Szene als verschollen, in der King Kong die ihn jagenden Männer in eine Schlucht wirft, wo sie von Spinnen gefressen werden. Während einer Testvorführung war das Publikum davon so schockiert, dass die Szene sofort geschnitten wurde und nur noch wenige Stills davon existieren.

Der Hays Code sorgte dafür, dass noch andere Sequenzen der Schere zum Opfer fielen. Das US-Publikum sollte lieber nicht sehen, wie der zottelige Affe Fay Wray die Kleider vom Leib pflückte und ihre Brüste kitzelte. Es sollte auch davon verschont bleiben, wie das Monstrum Menschen zertrampelte oder auf ihnen herumkaute. Ganze elf Minuten fehlten dem Original schließlich, als King Kong und die weiße Frau 1952 in die deutschen Kinos kam. Der Affe wirkte in der geschnittenen Fassung wesentlich sympathischer und so kam es, dass King Kong nicht in erster Linie als Monster wahrgenommen wurde: „Ungeachtet aller Trickeffekte ist King Kong und die weiße Frau zugleich ein anrührender Film, der die Geschichte des Monsters als tragische Liebesromanze erzählt“, so heißt es im Lexikon des Internationalen Films. Erst 1969 wurde die Originalfassung restauriert.

Ein Affe macht Weltkarriere
Der Erfolg von King Kong und die weiße Frau bescherte den Regisseuren Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack bis heute währenden Ruhm und dem Film diverse Fortsetzungen. Noch im selben Jahr kam King Kongs Sohn in die Kinos und in dem 1949er Panik um King Kong tauchte der schwarze Affe nicht einmal auf. Zuletzt wagte 2005 Peter Jackson ein Remake und drehte King Kong mit Andy Serkis im Motion Capturing-Anzug und Naomi Watts als schöne Blonde.

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 1933 bewegte:

Sechs Filmleute, die geboren sind
16. Januar 1933 – Susan Sontag, Kulturtheoretikerin und Regisseurin von Unguided Tours
13. Februar 1933 – Kim Novak, Madeleine/Judy aus Vertigo – Aus dem Reich der Toten
21. Februar 1933 – Bob Rafelson, Regisseur von Ein Mann sucht sich selbst
14. März 1933 – Michael Caine, Alfred Pennyworth aus The Dark Knight
09. April 1933 – Jean-Paul Belmondo, Krimineller aus Außer Atem
30. Juni 1933 – Lea Massari, die verschwundene Anna aus Die mit der Liebe spielen

Drei Filmleute, die gestorben sind
03. Januar 1933 – Jack Pickford, Stummfilmstar und Bruder von Mary Pickford
29. Juni 1933 – Roscoe ‘Fatty’ Arbuckle, Stummfilmstar und Mord-Verdächtiger
18. August 1933 – James Williamson, britischer Filmpionier, z.B. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Drei Ereignisse der Filmwelt
Das British Film Institute wird gegründet
06. Juni 1933 – Das weltweit erste Autokino wird in Camden, New Jersey eröffnet
Hedy Lamarr löst einen Schock aus, als sie im tschechischen Ehedrama Ekstase nackt zu sehen ist

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
30. Januar 1933 – Adolf Hitler übernimmt die Regierungsgewalt im Deutschen Reich
März 1933 – Franklin D. Roosevelt bringt den New Deal auf den Weg
10. Mai 1933 – Die Nationalsozialisten veranstalten im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ eine Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz

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