Kinder des Olymp

Les Enfants du Paradis

FR · 1945 · Laufzeit 176 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart

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von Marcel Carné, mit Pierre Renoir und Gaston Modot

Vier höchst unterschiedliche Männer begehren eine Frau und versuchen vergeblich ihr Hez zu gewinnen. Kinder des Olymp entstand aus der Feder des Dichters Jacques Prévert im von Nazis besetzten Frankreich.

Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Milieu der Gaukler, Gauner, Pantomimen und Komödianten leben der anarchistische Gauner Lacenaire (Marcel Herrand), der Pantomime Deburau (Jean-Louis Barrault), der Schauspieler Lemaître (Pierre Brasseur) sowie der Adlige de Monteray (Louis Salou). Jeder der vier hat seine eigene Vorstellung von der Liebe, und jeder der Darsteller gibt auch eine ganz eigene schauspielerische Vorstellung. Alle vier lieben die schöne Garance (Arletty), die sie alle enttäuscht, aus Paris verschwindet und sie zwingt, ihre enttäuschte Leidenschaft in andere Richtungen zu lenken. Nach Jahren kehrt die schöne Dame in die Stadt zurück, alte Wunden brechen auf und reißen die gereiften Charaktere zurück in einen Strudel aus Eifersucht, Herzschmerz und Melancholie.

Hitnergrund & Infos zu Kinder des Olymp
Die Produktionsbedingungen, unter denen Kinder des Olymp entstand, würden selbst mehr als genug Stoff für einen Film liefern: Die Dreharbeiten begannen 1943, als Frankreich noch von den Nazis besetzt war. Viele der Statisten waren Widerstandkämpfer, die förmlich zwischen den Dreharbeiten, Sabotageaktionen und Verstecken pendelten. Einer der Hauptdarsteller kehrte eines Tages nicht ans Set zurück, da er verdächtigt wurde, mit den Nazis zusammenzuarbeiten, und wurde nie mehr gesehen.

Auch die beiden jüdischen Mitarbeiter Alexandre Trauner (Setdesign) und Joseph Kosma (Komponist) arbeiteten heimlich am Film mit. Anders sah es mit dem ursprünglichen Darsteller des Jéricho Robert Le Vigan aus: Als 1944 Paris von den Besatzern befreit wurde, flüchtete Vigan, denn er arbeitete zur Überraschung der Crew als Kollaborateur mit den Nazis zusammen und wurde von der Resistance in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Da nur wenige Szenen mit ihm bereits abgedreht waren, wurde er durch Pierre Renoir ersetzt. Nach der Premiere des Films musste auch Hauptdarstellering Arletty aufgrund ihrer Affäre mit einem deutschen Offizier als Kollaborateurin eine Haftstrafe verbüßen.

Im von den Nazis besetzten Frankreich durfte kein Film länger als 90 Minuten dauern, sodass die zwei Teile von Kinder des Olymp unter falschem Namen und illegal als zwei Filme ausgewiesen wurden, während die Produzenten gezwungen waren, das Filmmaterial zu verstecken. Gerade die Massenszenen und das opulente Bühnenbild lassen nicht einmal ansatzweise erahnen, mit welchen Schwierigkeiten die Produktion zu kämpfen hatte: Teilweise wurden als Requisiten gedachte Nahrungsmittel aus lauter Hunger aufgegessen, bevor sie in den Szenen Verwendung fanden. Es ist überaus erstaunlich, dass das dreistündige Ergebnis derart homogen ausgefallen ist.

Drehbuchautor Jacques Prévert war ursprünglich Dichter. Zwar spielt Kinder des Olymp im Paris der 1820er und 1830er, Marxist Prévert arbeitete aber viele Verweise auf die Situation im besetzten Frankreich in sein Drehbuch ein. Wären die Nazis bei der Premiere des Films noch immer Besatzungsmacht gewesen, hätte die Filmemacher wohl kein glückliches Schicksal erwartet. Mit dem Regisseur Marcel Carné hatte Prévert zuvor schon bei vier Filmen zusammengearbeitet.

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