Justice League: Der Snyder-Cut wird den missratenen DC-Blockbuster nicht retten

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21.11.2019 - 07:53 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Nicht nur die Fans fordern Zack Snyders ursprünglich geplante Version von Justice League. Sogar die Stars und Zack Snyder selbst schreien auf Twitter lauthals danach. Na und?

Alle wollen ihn, keiner kriegt ihn. Der sogenannte Zack Snyder-Cut ist quasi die Retoure der Kaffeemaschine, die von ihrem Hersteller aufgrund der abgelaufenen Garantie nicht mehr angenommen wird. Selbst Ben Affleck und Gal Gadot fordern jetzt die Veröffentlichung der "wahren Filmfassung" des ursprünglichen Regisseurs. Der kurzerhand gleich selbst auf Twitter seine Meinung beisteuerte.

Es ist schon seltsam, dass kaum jemand Justice League sehen wollte, gefühlt aber die halbe Welt pausenlos seit Jahren über ihn spricht. Ob Henry Cavills Schnurrbart, Aquamans "Sprechblasen" oder der ewige Mythos von Zack Snyder und seiner ach so viel besseren Originalversion. Dabei verdrängen die meisten, dass der Snyder-Cut, oder auch "Wie auch immer", unmöglich einen völlig uninteressanten Actionfilm retten kann, der längst vergessen sein sollte.

Realer Wahnsinn: Zack Snyder will den Zack Snyder-Cut

So ein Enthusiasmus kann bei aktuelleren Problemen tatsächlich etwas bewirken (wie etwa eine optische Neuausrichtung von Sonic). Warum hat der digitale Mob nicht diesen gezeigt, als Zack Snyder mitten in der Produktion seinen Regiestuhl räumen musste und sich medial für seinen Verbleib eingesetzt? Ob er wirklich aufgrund eines Familienunglücks freiwillig ging oder vor die Tür gesetzt wurde, bleibt bis heute unklar.

Jahre später erzeugen die endlosen Justice League-Petitionen und tausenden ReleaseTheSnyderCut-Hashtags, die der Regisseur in seiner Opfer-Rolle bloß forciert, nur noch ein peinlich-reaktionäres Echo, das einfach nicht verstummen mag.

Das Letzte, was die Welt jetzt braucht, ist ein Snyder-Cut von Justice League

Der Anlass ist zugegeben nicht von ungefähr: Als Warner mit Justice League Ende 2017 den Frontalangriff auf den großen Konkurrenten Marvel und dessen MCU startete, war die Folge ein Kollateralschaden. Die geschätzten 300 Millionen US-Dollar Budget flogen ohne großem Ertrag direkt zum Fenster raus und die Fans waren zu recht enttäuscht. So einen uninspirierten Superhelden-Kongress hat keiner kommen sehen.

Fest steht, dass keiner so richtig zufrieden war mit dem, was der kurzerhand eingesprungene Joss Whedon aus dem DC-Großprojekt geformt hat. Und sicherlich hätte Zack Snyder alles anders gemacht ...

Nur ist es nicht so, als ob der für das meisterhafte Watchmen einst noch so gefeierte Filmschaffende im DC-Universum nicht seine Chance erhalten hätte. Nach Man of Steel als auch Batman v Superman ist uns der Mann nämlich keinen Beweis mehr schuldig. Leider sind diese Beiträge alles andere als gelungene Comicverfilmungen. Viel mehr bereitet es einem Bauschmerzen, wie krampfhaft Zack Snyder versucht, seinen leeren Geschichten so etwas wie Poetik zu verleihen.

Vielleicht wäre ein erneuter feuchter Traum aller Freunde der Wackelkamera mit Snyder’schem Altmetall-Flair im Sepia-Gewand der befriedigendere Film geworden: Joss Whedons weniger anstrengende, aber dafür blutleere Variante ist nämlich schlichtweg langweilig und wirkt wie ein selbstironischer Abgesang auf seinen Avengers. Es ist und bleibt völlig egal.

Dank Justice League gibt es endlich gute DC-Filme

Warner hat sein DC-Universum längst umgekrempelt. Studio-Boss Kevin Tsujihara machte ja schon im März die Tinte trocken, als er bestätigte, dass das Universum "nicht so verbunden ist wie wir vor fünf Jahren dachten". Der Fokus liegt nun auf "individuellen Erfahrungen um die einzelnen Charaktere".

In der Praxis haben die neuen Filme irgendwie noch irgendetwas mit den vorherigen zu tun, erzählen jedoch nun ihre ganz eigenen Geschichten. Statt auf weitere zum Scheitern verurteilte Ensemble-Titel und Crossover-Events zu setzen, erinnern sich die Verantwortlichen so langsam wieder daran zurück, was ihre Helden im Individuellen eigentlich ausmacht.

Wer braucht schon einen Snyder-Cut, wenn es diesen Anblick gibt?

So gelang mit Aquaman vor einem Jahr prompt die Kehrtwende und gleich mal der erfolgreichste DC-Film überhaupt. Zwar sehen wir darin Jason Momoa aus Justice League, nur spielt diese Überschneidung keinerlei Rolle. Es ist so, als würde Warner sein eigenes Cinematic Universe zu Tode ignorieren, während die illustren Vigilanten weiter solo ihre Dreizacke und Capes schwingen dürfen. Und das plötzlich mit Erfolg.

Kohärent ist das natürlich nicht, doch es ist eine klare Marschroute nach vorn – Warner und DC blicken in die Zukunft und stellen sich neu auf. Da darf dann sogar ein so radikal nihilistischer Film wie Joker gedreht werden, der im früheren DCEU-Kosmos einen kompletten Fremdkörper dargestellt hätte und vermutlich so nie erschienen wäre - und dennoch jetzt eine Milliarde macht.

Dem Scheitern von Justice League sei Dank, macht Warner jetzt besondere Filme wie Joker

Da können wir uns nur fragen: Was soll jetzt noch ein Zack Snyder-Cut? Justice League ist längst Vergangenheit und sollte schleunigst abgehakt werden. Zumal es wirtschaftlich kaum nachvollziehbar wäre, noch mal jede Menge Geld in eine Millionen-Niete zu stecken (für viele entfernte Snyder-Szenen fehlen schließlich noch Effekte wie CGI oder eine Tonabmischung). Da ist es nur logisch, dass das Unternehmen mit dem berühmten Wasserturm offenbar nicht plant, Zack Snyders Version überhaupt anzurühren.

Wem Justice League nicht gefällt, der sollte sich damit abfinden

Wer jetzt noch weiter auf diese hofft, könnte auch genauso gut Disney dazu auffordern, das von Phil Lord und Chris Miller gedrehte Rohmaterial bei Solo zu bearbeiten und das Star Wars-Spin-off neu auszuwerten (dort gab es einen ähnliche Umstrukturierung wie bei Justice League).

Die Filmproduktion ist, und das ist auch völlig in Ordnung, letztendlich ein profitorientierter Prozess. Mit einem Hang zum Martialischen: Ohne Opfer kann kein Sieg errungen werden. Wenn dabei die Qualität auf der Strecke bleibt, ist das zwar bedauerlich, allerdings sollte ein Fan, vor allem aber ein Zack Snyder und seine Entourage, auch die Reife besitzen, dies zu akzeptieren.

Mit seinen ständigen Fotos und heiß machenden Teasern (meist auf der Social-Media-Plattform Vero) gießt der Ex-Regisseur nur heißes Öl ins Feuer. Genauso zeugen die Tweets der bei DC wohl ausgemusterteren Ben Affleck und Ray Fisher von kindsköpfiger Uneinsichtigkeit. Gerade Gal Gadot wandelt mit ihrer Beteiligung an der Twitter-Aktion auf dünnem Eis, ist sie mit dem 2020 startendem Wonder Woman 1984 noch voll im Rennen.

Klar: Laut Jason Momoa, der den Snyder Cut sogar gesehen hat, verpassen wir einen wirklich "kkkrrrraaaaassssssen" Film - doch der wird dadurch nicht weniger verzichtbar in einer ohnehin schon rasanten Zeit, in der ein Spinnen-Man und ein Sternenkrieg auf den nächsten folgt. Wer sich der Veränderung berufen fühlt, sollte diese in der Zukunft beanspruchen und nicht alten Kamellen hinterhertrauern.

Wollt ihr noch immer einen Zack Snyder-Cut für Justice League?

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