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Wo bleibt eigentlich...

Anime-Verfilmungen in der Produktionshölle

06.02.2014 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Callan McAuliffe & Samuel L. Jackson (Kite)
© Distant Horizons
Callan McAuliffe & Samuel L. Jackson (Kite)
Wir warten auf Afro Samurai. Wir warten auf Hellsing. Wir warten auf Ghost in the Shell. Und mitnichten meinen wir die Animes. Es sind die Live-Action-Adaptionen unserer Lieblinge, die uns versprochen wurden. Aber wo bleiben die eigentlich?

Die Live-Action-Adaption Kite – Engel der Rache steht bereit. Dieses Jahr startet der Film im Kino. Fans des umstrittenen Animes Kite – Angel of Revenge wissen nicht, ob sie weinen oder apathisch kichern sollen. Warum spielt Samuel L. Jackson ausgerechnet in diesem Film mit und warum hören wir nichts mehr von dem Realfilm zu Afro Samurai, den er noch 2006 so vollmundig auf der Comic-Con ankündigte (Quelle: AnimeNetwork)? Wenn wir bedenken, dass Kite urplötzlich aus dem Boden schießt, drängt sich einem eine weitere Frage auf: Verhält sich das Ausmaß der Berichterstattung exponentiell zur Wahrscheinlichkeit der tatsächlichen Umsetzung einer Realfilmadaption?

Viele Anime-Verfilmungen wurden uns versprochen, vor Jahren schon. Trotzdem versauern die meisten davon in der Produktionshölle. Je weiter wir uns aus Japan entfernen, desto holpriger wird die Produktionslage. Da liest der geneigte Fan schonmal etwas von James Cameron und Battle Angel Alita oder Ghost in the Shell von Steven Spielberg. Das Projekt Akira wurde viermal eingefroren. Irgendwo geistert noch der Titel Cowboy Bebop durch die Weiten des Netzes.

Moviepilot gibt euch einen kurzen historischen Abriss über die Geschichte der Live-Action-Adaptionen außerhalb Japans. Außerdem informieren wir euch über den Stand der Dinge und geben euch einen Ausblick auf die Zukunft. Was gibt es schon? Was ist geplant? Was ist bestätigt? Doch zuvor wagen wir einen Blick auf die Anfänge.

Das erste Mal
Japan als Querverwertungsinstanz ist wesentlich agiler als beispielsweise Deutschland oder auch die USA. Erfolgreiche Mangas werden ziemlich zügig von einer Anime-Serie oder entsprechenden Filmen begleitet. Und wenn sich das Franchise bewährt hat, wird auch gerne über eine Live-Action-Variante gesprochen. Auf diese Art und Weise entstehen in Japan bis heute zahlreiche Realserien und –filme, welche ihren Ursprung in Mangas oder Animes haben. Ende der Siebziger erkennen auch die Franzosen das Potential von Animes. 1979 schnuppert Frankreich als erstes Land außerhalb Asiens Anime-Luft und produziert Lady Oscar, welcher auf der gleichnamigen Serie Lady Oscar – Die Rose von Versailles beruht. Der Film ist ein kommerzieller Misserfolg, wenngleich eher die Besetzung bemängelt wird, denn die Inszenierung. Aber auch Japans direkte Nachbarn wollen ein Stück von dem Kuchen abhaben. Es folgen zwei unlizenzierte Dragon Ball-Verfilmungen aus Taiwan und Südkorea. Anfang der Neunziger zeichnet sich noch kein Trend ab, aber die Science Fiction-lastigen Stoffe vieler Animes wirken wie gemacht für den amerikanischen Heimvideomarkt. 1991 liefern die USA ihren ersten Versuch einer Live-Action-Anime-Verfilmung ab. The Guyver präsentiert dem Zuschauer ein ziemlich trashiges Sci-Fi-Filmchen um einen Alien-Kampfanzug. Die Vorlage hierfür bildete die Serie Guyver – The Bioboosted Armor. Als Quasi-Bonus gibt es Mark Hamill zu bestaunen. Der Film zieht eine Fortsetzung namens Guyver: Dark Hero nach sich.

Hollywood im neuen Jahrtausend
Knapp vor dem neuen Jahrtausend weist der Kassenhit Matrix bereits viele optische und inhaltliche Referenzen zum Anime Ghost in the Shell auf (siehe hier). Eine wirkliche Adaption von Animes findet aber nach wie vor vorwiegend in Japan statt. Dabei schwankt die Inszenierung zwischen quietschbunt und überdreht, bis hin zu etwas solideren Verfilmungen wie Gantz – Spiel um dein Leben oder Death Note, welche sich ihren Weg bis nach Europa bahnen. Das Thema Anime lässt Lana Wachowski und Andy Wachowski auch nach der Matrix-Trilogie nicht los. 2008 bringen die Geschwister mit dem Effektfeuerwerk Speed Racer die Adaption der gleichnamigen Kinderserie ins Kino. Mit einem Minus von knapp 26 Millionen US-Dollar (Quelle: Box Office Mojo) scheitern sie gnadenlos. Elemente, die in einem Anime funktionieren, wirken in der Realfilm-Umsetzung irgendwie befremdlich. Der Film wurde in Deutschland gedreht. Das erklärt auch das Auftauchen von Benno Fürmann. Dass eine Over-the-top-Inszenierung Kassengift sein könnte, scheint nirgends durchgedrungen zu sein. Nur ein Jahr später, 2009, wird der Film Dragonball Evolution veröffentlicht. Was der Film genau gekostet hat, lässt sich nicht ermitteln. Die IMDB schätzt das Budget auf ca. 45 Millionen US-Dollar. Weltweit spielt der Film ca. 57 Millionen US-Dollar ein. Von einem Erfolg kann also auch in diesem Fall nicht geredet werden. Der ehrliche Trailer fasst die Probleme eigentlich gekonnt zusammen. Beliebte Charaktere fehlen, die Story wird komplett über den Haufen geschmissen und die Effekte werden der Vorlage nicht gerecht. Auch das Statement des Schöpfers Akira Toriyama, Fans sollten deN Film als ein neues Dragon Ball ansehen (Quelle: Kanzenshuu), fruchtet nicht.

Nur weil die Kulleraugen der meisten Anime-Charaktere maßgeblich durch den amerikanischen Disney-Konzern beeinflusst sind, ist es trotzdem befremdlich, plötzlich auch amerikansiche Schauspieler in den Rollen der eigenen Helden zu erblicken. Die Sehgewohnheiten spielen uns hier einen Streich. Denn da, wo wir es bei japanischen Produktion gewohnt sind, dass die Darsteller ein ausladendes Spiel und eine überbordende Mimik an den Tag legen, verwundert uns das Grimassieren und seltsam gestellte Spiel einer Christina Ricci in Speed Racer oder eines Justin Chatwin in Dragon Ball: Evolution einfach nur. Vielleicht haben die Verantwortlichen der kommenden Produktionen aus der Vergangenheit gelernt. Apropos kommende Produktionen: Wo bleiben die eigentlich?

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