Müll, der ewig lebt

Warum halten sich die B-Franchises im Kino?

21.09.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Milla Jovovich sagt zum fünften Mal in Resident Evil den Mutanten den Kampf an
© Constantin
Milla Jovovich sagt zum fünften Mal in Resident Evil den Mutanten den Kampf an
Wie kommt es, dass B-Franchises wie Resident Evil, Underword oder die Fast and Furious-Filme immer noch im Kino präsent sind? Den Kritikern zufolge werden die Filme von Sequel zu Sequel schlechter und trotzdem ist noch kein Ende in sicht.

Seit gestern läuft das Sequel Resident Evil 5: Retribution im Kino und abgesehen von der bewiesenen Tatsache, dass das aktuelle Filmgeschehen ausschließlich von Franchise-Filmen dominiert wird, verbindet den mittlerweile fünften Resident Evil Teil ein weiteres Merkmal mit ähnlichen B-Movies wie Underworld-3 oder The Fast and the Furious. Obwohl die Filme durch die Bank durchwachsen sind und sowohl die Masse der Filmfans sowie die Mehrheit der Kritiker nur in den wenigsten Fällen positiv über eine weitere Fortsetzung der Reihen spricht, halten sich diese B-Franchises scheinbar ewig im Kino. Bisher durften wir jeweils fünf Resident Evil-Ausflüge sowie Fast and Furious-Filme auf der Leinwand erleben und auch die Underworld-Reihe kommt auf stolze vier Kinoveröffentlichungen. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Bauanleitung & Grundgerüst
Schon im Ursprung besagter Filmreihen findet sich die erste Besonderheit. Mit Ausnahme von Reisdent Evil, der immerhin das Videospiel als etablierte Marke vorzuweisen hat, sind die anderen Film wie aus dem Nichts aufgetaucht und trotzdem erfolgreich eingeschlagen. Obwohl damals vermutlich niemand damit gerechnet hatte, dass zehn Jahre später aus den kleinen Projekten kostenintensive Blockbuster werden würden, haben sich die Drahtzieher hinter den Filmen sehr wohl ihre Gedanken gemacht. Die Kinostarts wurden so gewählt, dass kaum ernstzunehmende Konkurrenz im Box-Office Kampf bevorstand und letzten Endes landete die Mehrheit der insgesamt 14 Spielfilme der genannten Franchises regelmäßig auf einem der vorderen Plätze der Kino-Charts.

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Zudem beschränken sich die Grundbausteine der jeweiligen Filme auf ein sehr einfaches Konzept. Während sowohl bei Underworld wie auch bei Resident Evil eine attraktive weibliche Hauptfigur im Mittelpunkt steht und der Kampf gegen Fantasy-Kreaturen (Werwölfe, Vampire, Zombies und Mutanten) auf der Tagesordnung steht, bietet Fast and Furious eine kleine variierende Gruppe von immer wieder auftauchenden Gesichtern, die sich alle auf den Nenner Autos und Action einigen können. Abgesehen von den Hauptfiguren, bestehen die Ensembles dieser Reihen allerdings ausschließlich aus Stereotypen und auch die Geschichten setzten sich aus herkömmlichen Elementen sowie konventioneller Dramaturgie zusammen. Allerdings wird von einem B-Movie nicht sonderlich mehr erwartetet, als dass die Klischees stimmen. Viel wichtiger ist die Präsentation des Geschehens.

Optische Reize & Familieprojekte
Die Filme sind in erster Linie sehr auf optische Reize ausgelegt. Hierbei ist egal ob die diversen Outfits von Kate Beckinsale (Total Recall) oder Milla Jovovich (Das fünfte Element) ein männliches Publikum ansprechen oder Action in Form von furiosen Autorennen oder spektakulären Auseinandersetzungen mit diversen Endgegnern zelebriert wird. Dabei ist vor allem wichtig, dass sich nach und nach ein wiedererkennbarer Look entwickelt. In Underworld prägen düstere und kalte Bilder das Szenario, während knallige Farben und viel Sonnenschein in der Fast and Furious-Reihe durchgängig zu sehen ist. Resident Evil hingegen hat rein visuell die bisher stärkste Entwicklung durchgemacht. Wo am Anfang versucht wurde, die beängstigende Atmosphäre in einem kleinen Kammerspiel auf die Leinwand zu bannen, haben sich später große Wüstenaufnahmen breit gemacht, bis schließlich aktuell ein steriles Weiß die Szenarien dominiert.

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Diese vorherrschenden Schauwerte werden zunehmend spektakulärer in Szene gesetzt und natürlich auch entsprechend beworben. Die Poster sind als reißerischer Blickfang designt und die Trailer verlocken mit vielversprechenden Bildern sowie kurzweiliger und Mainstream-tauglicher Unterhaltung. Dazu kommen halbwegs bekannte Gesichter und ganz fleißige Mimen wie beispielsweise Michelle Rodriguez (Machete), die sogar zwischen Resident Evil und Fast and Furious hin und her springt. Und auch darüber hinaus bleiben die Projekte in Familienhand. Sowohl Regisseur Len Wiseman (Stirb langsam 4.0) sowie Paul W.S. Anderson (Die drei Musketiere) sind jeweils gemeinsam mit ihrer besseren Hälfte in die Underworld/Resident Evil-Filme involviert und auch die Fast and Furious-Reihe hat mit Vin Diesel (xXx – Triple X) und Paul Walker (Running Scared – Renn oder stirb) zwei Aushängeschilder gefunden.

Generalüberholung & dem Trend entsprechend
Trotzdem bleibt nach wie vor die Frage, warum sich diese einfachen Konzepte selbst nach dem fünften Mal immer noch behaupten können. Reichlich verkaufte Tickets katapultierten den aktuellen Resident Evil-Film auf Platz eins der US-amerikanischen Kino-Charts und der gerade gedrehte Fast & Furious 6 beweist einmal mehr, dass es nicht nur konsequent weiter geht, sondern auch das Interesse stetig ansteigt. Dabei waren die drei angesprochenen Filmreihen nicht immer so überzeugend obenauf. Das Schlüsselwort heißt in diesem Fall Generalüberholung.

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Nachdem der angestaubten Vehikel-Reihe bereits mit The Fast and the Furious: Tokyo Drift frischer Wind eingehaucht werden sollte, brauchte es noch zwei weitere Filme, bis schließlich Fast & Furious Five mit einer Neuorientierung Richtung Heist-Movie überzeugend konnte. Auch bei Underworld versuchten die Macher mit dem Prequel Underworld: Aufstand der Lykaner neue Akzente zu setzen und das Resident Evil-Franchise erfährt seit Resident Evil: Extinction beziehungsweise der erneuten Regieübernhame durch Paul W.S. Anderson mit Resident Evil: Afterlife ebenfalls eine rundum Erneuerung – wenn auch nur aus visueller Sicht. Darüber hinaus genügt es, dem Trend zu folgen und deswegen konnten wir bereits drei Filme der Franchises in 3D bestaunen. Außerdem sind die Drehbücher so konstruiert, dass Vorkenntnisse nicht zwangsläufig notwendig sind und ein Cliffhanger am Ende nur noch eine obligatorische Zutat ist.

A neverending story
Selbst wenn in den obigen Absätzen nur ein Bruchteil der Komponenten angesprochen wurde, die den Erfolg von B-Franchises beeinflussen, lässt sich trotzdem resümieren, dass im Grunde nicht viel nötig ist, um eine erfolgreiche Filmreihe aufzubauen. Neben einer attraktiven Hauptdarstellerin, sind natürlich Waffen, übernatürlich Wesen und Autos sowie eine konventionelle Story notwendig. Des Weiteren darf nicht vergessen werden, gelegentlich das Szenario zu wechseln und natürlich sollte ein Wiedererkennungswert vorhanden sein. Dazu wird eine stetig wachsende Fanbase aufgebaut und dieser anschließend nie das Gefühl gegeben, wirklich alles über ihre Heldinnen und Helden erfahren zu haben – selbst wenn das aufgrund der einfachen Story im Endeffekt egal ist.

Ist die Invasion der B-Franchises auf ihren Höhepunkt angelangt oder werden wir noch viele weitere Filme der Marke Resident Evil und Konsorten ertragen müssen?

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