Bombay

Bumbai (1995), IN
Laufzeit 141 Minuten, FSK 12, Drama, Thriller, Musikfilm

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von Mani Ratnam, mit Arvind Swamy und Manisha Koirala

Shekhar ist Hindu und Shaila Muslimin. Konventionen verbieten ihnen eine Heirat. Die Flucht in die anonyme Großstadt Bombay ist ihre einzige Hoffnung. Hier bekommen sie Zwillinge und führen ein glückliches Familienleben. Doch es kommt zu Unruhen zwischen Hindus und Moslems. Tausende Menschenleben werden vernichtet, Familien zerstört. Inmitten des Chaos werden Shekhar und Shaila von ihren Kindern getrennt, die nun auf sich allein gestellt sind, in einer Stadt im Ausnahmezustand, wo religiöse Zugehörigkeit über Leben und Tod entscheiden kann. Mani Ratnam schuf mit “Bombay” ein gesellschaftskritisches Meisterwerk, ein Plädoyer für den Frieden zwischen den Religionen.


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Bewertung7.0Sehenswert

Also eines vorweg ich mag Bollywood-Film nicht !
Das bedeutet ich mag keine Bollywood- Filme wie sie etwa immer auf RTL laufen, mit halbnackten Mädchen, peinlich langweilig inszenierten Tanzszenen, muskelbepackten Typen, Kitsch und Friede-Freude-Eierkuchen-Getue.
Aber dieser Film hier ist ein Meisterwerk des indischen Films.
Die Story des Films ist für das oberflächlich gewordene Indien-Kino ungewöhnlich politisch und befasst sich mit Themen über die Indien lieber schweigen will.
Der Konflikt mit zwischen Hindi und Muslimen wird aus einer absolut neutralen Haltung heraus erzählt.
Der Film beginnt recht harmlos, mit einer Liebesgeschichte, doch schnell wird im Film klar dass unter der fröhlichen Fassade etwas brodelt.
Der Konflikt der Religionen steigert sich in dem Film immer wieder ein Stück mehr bis es zu einem Dilemma kommt und ein Krieg ausbricht.
Die Darsteller machen ihre Sache sehr gut, die Emotionen fühlen sich authentisch an und das obwohl man Hauptsächlich Laien-Darsteller genommen hat.
Die technische Inszenierung des Filmes ist ein weiter Pluspunkt, es werden innovative Kameraperspektiven gebraucht wie man sie als letztes in "Tamz der Teufel" gesehen hat, die Dramatik wird einmal mit Handkamera verstärkt ein anderes mal mit einem Kamerablickwinkel welcher das geschehen beinahe Oscar reif in Szene setzt.
Was noch eine interessante Entdeckung ist, ist dass viele Charaktere im Film so ganz und gar nicht Bollywood-Klischee-Helden ala "Sha Ruk Khan" entsprechen wollen. Der Hautcharakter zum Bsp. ist ein nicht gerade schlanker Mann, der einen absolut durchschnittlichen Eindruck hinterlässt, trotzdem kann er überzeugen weil er realistisch dargestellt ist.
Zu dem musikalischen Aspekt im Film kann man nur sagen dass er rundum gelungen ist.
Die Tanzeinlagen sind ziemlich spärlich gesät (was mich freut)...und wenn mal getanzt wird ist die Musik traditionell indisch und nicht popig und oberflählich wie die "Hits" aus den neueren "westlicheren" Bollywoodfilmen.
Der Film wird fast durchgehend von Musik begleitet, diese wird aber nicht in Form von tanz oder poppigen trallala-Liedern präsentiert sondern ist zurückhaltend und verstärkt die Dramatik und die Emotionen im Film immens.
Desweiteren sind die Texte in der "Voice-Over-Musik" tlw. lyrisch, voller Poesie und nicht dumm.
Die Musik so in einem Film einzusetzen ist absolut Old-School, aber gerade das macht sie umso reizvoller...den Hollywood und Co. hat solche filmischen Kleinigkeiten leider schon längst vergessen.
Was auf jeden Fall erwähnt werden muss ist dass der Film nicht jeden anspricht der sich zwangsläufig als Bollywood-Fan bezeichnet, es geht nämlich unverhältnismäßig "hart" zu.
Es werden Menschen erdolcht, zertrampelt, verbrannt und erschossen...das Gesicht des Krieges wird oft einer Härte gezeigt welche für Bolly-Nivea ziemlich aua.
Das alles findet zwar in einem Maße statt welches den Film gerade noch eine FSK 12 Einstufung bringt...aber einem Fan von "Sha Ruk Khan" und Co. wohl eher stark missfallen wird.
Was aber den Film wirklich so absolut mitreisend macht ist seine emotionale Kraft.
Er ist traurig, erschütternd, romantisch, herzlich und vor allem zutiefst bewegend.
Er ist ein wichtiger Film der in Indien aber nur sehr wenige Zuschauer hatte.
Diese Tatsache ist bedauerlich und macht den Film doch umso wertvoller. Er ist ein ein Plädoyer für den Frieden zwischen den Religionen...welcher wohl nie eintreten wird.
Ganz klar, alles in allem eine absolute Empfehlung für Freunde des anspruchsvollen, gesellschaftskritischen Films und für Leute die sich gerne mit Fremden Kulturen beschäftigen bzw. deren Problemen.

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BaltiCineManiac

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Die Annahme, dass alle kommerziell ausgerichteten indischen Filme mit den typischen Musical-Einlagen und Masala-Film-Elementen Bollywood zuzurechnen sind, ist falsch. Indien hat 24 Hauptsprachen und aus diesem Grund auch annähernd so viele Filmindustrien. Bollywood ist nur eine davon, eben für Hindi-Filme. Bei dem hier handelt es sich aber um tamilisches Kino aus Südindien, das allgemein hin nach dem Entstehungsort [K]odambakkan, einem Distrikt der Metropole Chennai (ehemals Madras), als Kollywood bezeichnet wird. Auch das den Film in Indien nur wenige Menschen gesehen haben stimmt nicht, denn er war der zehnterfolgreichste Film des Jahres 1995 und wird in Abwägung mit den Produktionskosten auf boxofficeindia.com als Semi Hit deklariert, was nicht verwundert, denn er widmet sich den 1992/1993 das ganze Land erschütternden Religionsunruhen. Ansonsten trifft deine Bewertung aber vollkommen zu. ;)


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