Caché

Caché (2005), AT/DE/FR/IT Laufzeit 119 Minuten, FSK 12, Drama, Thriller, Kinostart 26.01.2006

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7.2
Kritiker
37 Bewertungen
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6.8
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von Michael Haneke, mit Daniel Auteuil und Juliette Binoche

In Michels Hanekes Caché wird eine Familie mit geheimnisvollen Videobändern terrorisiert und so gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Eigentlich ist auf diesen Bildern nichts Kompromittierendes zu sehen: Ein Auto wird geparkt, eine Tür fällt ins Schloss. Stille. Doch gerade diese Stille macht die Filmaufnahmen so bedrohlich: Was will der Fremde, der Georges Laurents (Daniel Auteuil) Leben und das seiner Familie mit beunruhigender Geduld dokumentiert und ihm in Form von Videobändern zukommen lässt? Noch dazu zusammen mit naiv-grotesken Zeichnungen, die den Horrorphantasien eines Kindes entsprungen zu sein scheinen?

Georges ist Moderator einer erfolgreichen Literaturtalkshow im Fernsehen, und deshalb vermutet seine Frau Anne (Juliette Binoche) zunächst einen verrückten Fan hinter den rätselhaften Filmaufnahmen. Die Polizei sieht keinen Grund zu handeln, solange nichts wirklich Bedrohliches geschehen ist. Doch das Gefühl der Beklemmung wird immer stärker und bringt Georges’ und Annes bürgerlich-intellektuelles Leben zwischen Literatursendungen, Vernissagen und Abendeinladungen allmählich aus dem Gleichgewicht.

Hintergrund & Infos zu Caché
Caché spielt im Kern auf das Massaker von Paris 1961 an, bei dem die französische Polizei ca. 200 Algerier ermordete, die in Paris friedlich gegen eine Ausgangssperre für Algerier während des Algerienkrieges protestierten. Die Berichterstattung über Massaker wurde in französischen Medien gezielt unterdrückt und blieb auch danach für Jahrzehnte ein Tabuthema.

Verantwortlich für das Massaker war vor allem der damlige Pariser Polizeichef Maurice Papon, der zwar 1999 für seine Beihilfe zur Deportation der französischen Juden während der deutschen Besetzung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit veruteilt, allerding nie für das Massaker an den Algeriern belangt wurde. (ST)

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Cast & Crew


Kritiken (9) — Film: Caché

SoulReaver: CinemaForever

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8.0Ausgezeichnet

[...] Die Aufblende ist dabei von symptomatischer Natur in Bezug auf den weiteren Verlauf von »Caché«. Oberflächlich siegt die kalte Distanz der Inszenierung im bourgeoisen Umfeld, unter dieser unterkühlten Schale spielt sich jedoch in allen Beteiligten ein unerbittlicher Kampf gegen die erdrückende Angst der gegenwärtige Lage und ein Kampf gegen die einholenden Handlungen der Vergangenheit ab, tief vergraben im zerschundenden Herzen der Verdrängung. Michael Haneke entzieht dem Zuschauer mit unaufgeregter und präziser Subtilität das Gefühl der wohlbehüteten Sicherheit. Die Gewalt wird durch ihren mentalen Charakter intensiviert, jede Szene wartet auf ihren persönlichen Zerfall, Schuld, scheiternde Kommunikation, menschliche Überforderung und die gravierende Manipulation durch den Unbekannten verschmelzen. Haneke fordert sein Publikum erneut, Erwiderungen sind hier nicht von Nöten und sobald die letzten Sekunden verstrichen sind, aktiviert sich der wahre Film im Kopf des Zuschauers.

Kritik im Original 18 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

SoulReaver

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Mach's noch einmal, Jax. Fantastischer Film. :)


jeffcostello

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Bin ganz bei jacko, einmal gesehen, nicht wirklich verarbeiten können, nicht wirklich verstanden und mittlerwiele richtig Lust den nochmal zu sehen und auch hoffentlich besser zu begreifen/aufzunehmen.


Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de

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9.5Herausragend

Man muss Michael Haneke nicht mögen, aber das Letzte, was man ihm vorwerfen kann ist, dass sich seine Filme nicht entwickeln, sondern stattdessen stehenbleiben. Konsequent trägt Haneke den Zuschauer immer wieder auf die nächste Ebene und zieht auf diese Weise die Schlinge um die Hälse seiner Figuren immer weiter zu: bis sie schließlich ersticken. Weil der Regisseur es so will? Oder weil die Charaktere selber gar nicht anders können, als an sich selber zu zerbrechen?

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Ulrich Behrens

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10.0Herausragend

Alles verborgen, alles offenbar. Alles möglich. Aber beliebig sind Michael Hanekes Filme nun keineswegs. Im Gegenteil. Der Regisseur, der mit „Die Klavierspielerin”, „Wolfzeit”, „Code: unbekannt” und „Funny Games” seine ihm eigene Art des Filmens, der Kreation von Bildern, für uns alle sichtbar macht, hat klare Botschaften. Aber nicht die üblichen. Und auch „Caché” ist weniger ein Film mit Botschaften als die Frage nach uns, wie wir uns zu einer solchen Geschichte und ihren Figuren verhalten, zu ihrem Handeln und Nicht-Handeln, zu ihren Gedanken und ihren Gefühlen.

Die Art des Geschichtenerzählens bei Haneke zwingt den Betrachter zu einem sehr genauen Hinschauen, manchmal auch Wegschauen und der Frage danach, warum wir einmal hin- und dann wieder wegschauen. In „Funny Games”, einer filmischen Gewaltorgie, scheint er dies besonders drastisch vorgeführt zu haben. In Caché ist es meinem Gefühl nach nicht weniger drastisch und drangsalierend, gerade weil hier die Geschichte von einer…

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Hausmeister: Nerdtalk.de

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9.0Herausragend

„Caché“ ist ein durch und durch französischer Film, der seinen Sendeplatz später einmal bei ARTE finden wird. Ein Film, der nicht jedermann schmecken wird, zeigt er doch die gesamte Handlung ohne wirklich offensichtliche Spannung, Verfolgungsszenen und Shoot-Outs, sondern mit viel Unspektakulärem und noch mehr Ruhe. Doch gerade durch diesen Mix aus Alltäglichem gewinnt der Film seine sehr bedrückende Stimmung. Wer ein filmisches Kammerspiel ohne glamouröse Bombast-Effekte und Suspense erwartet, in dem die Auswirkungen der Video-Botschaften auf Familie Laurent realistisch dokumentiert werden, dem dürfte dieser Film sehr liegen. Mir stockte zumindest an einigen Stellen ganz schön der Atem.

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Andi Shiva

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wie recht du doch hattest. Morgen, 00:00 auf SW3.BW. Wie ärgerlich, dabei hab ich mir den Film erst letzte Woche, aufgrund eurer positiven Kritik, ausgeliehen & fand ihn ganz gut, auch wenn er gelegentlich sehr langatmig rüberkommt. Daniel war auch wieder Top. Ah Französische Filme&Frauen habens mir einfach angetan, verdammt ;-)


Kubrick_obscura: CinemaForever

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8.0Ausgezeichnet

Hanekes bisher subtilster Film. Berechtigter Regie-Preis aus Cannes.

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HG Rodek: Die Welt, Berliner Morgenpost HG Rodek: Die Welt, Berliner Morgenpost

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7.0Sehenswert

Im Grunde sind wir alle potentielle Georges', Tag für Tag von unzähligen Kameras eingefangen, ohne blassen Schimmer, wer die Aufnahmen macht und wie sie verwendet werden. Jeder Versuch in einer Großstadt, die Mabuses hinter diesen 1000 Augen ausfindig zu machen, wäre zum Scheitern verurteilt. So ist es nur konsequent, daß Haneke seinen Film dermaßen vertrackt konstruiert hat, daß man stundenlang über das Rätsel des Urhebers disputieren kann. Es könnte dieser sein oder jener - oder einfach das Auge eines mahnenden Gottes.

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Gerhard Midding: Berliner Zeitung, epd Film,... Gerhard Midding: Berliner Zeitung, epd Film,...

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9.0Herausragend

Hanekes Kamerastil gewinnt seine Nachdrücklichkeit aus der nüchternen, präzisen Beobachtung, nicht aus der Subjektivität oder emphatischen Ausrichtung auf die Figuren. Seine Plansequenzen bieten den Darstellern keinen Rahmen, in dem sie sich entfalten könnten. Sie arbeiten vielmehr mit der Geometrie (es überrascht nicht, dass Haneke seine Einstellungen an Storyboards entwirft) und dem Verstreichen der Zeit, dem Zusammenhang zwischen Ereignis und Konsequenz.

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Julia Teichmann: film-dienst Julia Teichmann: film-dienst

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8.0Ausgezeichnet

CACHÉ ist ein Film, der weh tut. Michael Haneke zerstört eine wesentliche Säule der modernen Gesellschaft: Die Kernfamilie. Jeder ist am Ende für sich allein; Familie, Gemeinschaft, Liebe sind nicht mehr als eine dienliche Einbildung. Der Burggedanke verkommt von der Hilfskonstruktion zur hilflosen Illusion. Und Haneke macht klar: Das ist ein Exempel.

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Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten

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7.5Sehenswert

Mit chirurgischer Präzision und ganz unaufgeregt seziert Haneke den Alltag einer Familie, die hinter der schillernden Fassade längst keine mehr ist, und legt die subtile Brutalität derer offen, die sich für besonders zivilisiert halten. Kunstvoll nutzt er den Kontrast zwischen brillanten Filmbildern, die das Sichtbare zeigen, und grobkörnigen Videobotschaften, die das Unsichtbare zu Tage fördern.

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Kommentare (52) — Film: Caché


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Louis Cyphre

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Bewertung6.5Ganz gut

Zu "Caché" fällt mir nichts ein. Ich bin fast eingeschlafen. Nur Juliette Binoche, in die ich ja unglücklich verliebt bin ("Drei Farben - Blau", so eine schöne Frau!), hat meine Augen offen gehalten. Daniel Auteuil hat auch großartig agiert, dass können sie halt, die Franzosen! Ansonsten hat sich mir der Film nicht erschlossen, was er denn eigentlich will. Die Suizidszene hat aber stark abgeherrscht - solche Momente beherrscht auch nur der Haneke.
Filmtechnisch schon super, an mir aber komplett vorbeigelaufen.

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Punsha

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Bewertung7.0Sehenswert

Wie gerne würde ich Michael Haneke hassen, seine kühle, beobachtende Distanz, seine Unmenschlichkeit, sein scheinbar einseitiges Interesse in das wohlhabende, intellektuelle Bürgertum und ihre gepflegten Bücherregale, ihre Pianos auf Parkettböden und ihre anregenden Diskussionen mit dem Glas Rotwein zur Rechten. Doch zu herausfordernd sind seine Filme, zu hart und zu genau trifft einen der Vorschlaghammer. Von links, von rechts, von vorn, von hinten kommt er angerauscht und immer dann, wenn man es gerade am wenigsten erwartet; angeekelt verzieht man das Gesicht, schockiert schlägt das Herz schneller, wenn sich menschliche Abgründe auftun und nicht zuletzt entfaltet "Caché" auch noch ungeahnte Spannung. In einem idyllisch-ruhigen Stadtviertel von Paris wird eine Kleinfamilie mit Videotapes terrorisiert, die nun wiederum fieberhaft nach dem Sender sucht. Wer Haneke kennt, der ahnt, dass das Drehbuch jedoch nicht auf einen gewöhnlichen Whodunit hinausläuft. Nein, der Österreicher interessiert sich kaum für den möglichen Täter, sondern vielmehr für die Opfer und das, was das seltsame Videomaterial mit ihnen macht. Verhältnismäßig geradezu zahm löst Haneke die Idylle auf und bringt verborgene Erinnerungen, alte Wunden, Ehekrisen und andere Probleme zum Vorschein, die im Angesicht der Angst neu aufkeimen. Ja, Emotionen gibt es diesmal reichlich, zumeist jedoch nicht in belebten Kreisen. Hinter den verschlossenen Türen im Schein der Anonymität dürfen exzessiv die Tränen fließen, während die Kamera still und heimlich zuschaut. "Caché" ist ungewohnt subtiles, tragisches Haneke-Kino, das beinahe schonend mit seinem Publikum umgeht, es lediglich mit nackten Bildern zu terrorisieren versucht. Vielen Dank, das ist sehr rücksichtsvoll.

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Cameron

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Also, eins kann ich beim besten Willen nicht verstehen: wie man "caché" als langweilig empfinden kann, und auch seinen Status als "kontroversen" Film verstehe ich nicht.
Denn zumindest die ersten ca. zwei Drittel sind ein Musterbeispiel dafür, wie mithilfe einer formalen Unafgeregtheit allerhöchste Erregung und Anspannung beim Zuschauer hervorgerufen werden kann und sollten doch auch "Mainstream-Schauer" vom Sitz reissen. Auch wenn es Haneke letztendlich nicht um das geht: Selten war ein Film spannender und bedrückender und beängstigender. Und ja: Auch die langen Einstellungen, bei denen GAR nichts passiert, sind beängstigend. Und auch der Ausschnitt aus den Nachrichten ist beängstigend. Diese Szene ist sowieso grandios; der Sohn fehlt, oh Gott, und die Nachrichten im Hintergrund, denen wir, trotz dem Gespräch im Vordergrund, zuzuhören versuchen, verstärken die unangenehme Atmosphäre.
Gut, dann, zum Schluss, wird das Tempo herausgenommen, entgegen allen Konventionen. Hier kann ich vielleicht nachvollziehen, wenn sich bei Einigen ein Gefühl der Leere - wozu das Ganze, wenn keine echte Auflösung (obwohl doch die letzte Szene schon etwas Aufklärung bietet(!?)? - einstellt. Doch macht der Film diesen Tempowechsel (etwa ab dem Moment, wenn der Sohn wiederauftaucht) mit der psychologischen Tragweite wett; wir werden, sind wir aufmerksam, komplett "hineingezogen" in die Frage der Schuld, dem Umgang damit, etc.

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Cameron

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eine sehr interessante Spekulation über den Urheber der Videos gibt es hier: http://mubi.com/topics/unhidden-camera-the-real-sender-of-the-tapes


_Garfield

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Keine Ahnung weshalb, aber mir läuft es immer wieder eiskalt den Rücken runter, wenn ich an die Möglichkeit denke, Haneke könnte die Tapes verschickt haben.


headmusic

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Bewertung6.5Ganz gut

Ich mag die Filmsprache von Michael Haneke eigentlich sehr aber dieser ist mir eine Spur zu subtil geraten.

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Silv1

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Bewertung7.5Sehenswert

Cache ist ein typischer Haneke geworden: Spröde, unaufgeregt und erbamungslos realistisch. Nein, Haneke ist nicht meine Lieblingsregisseur. Seine Filme sind mir zu kalt und Arthouse mässig. Trotzdem habe ich grössten Respekt für seine konsequente Art Filme zu drehen. Er schert sich einen Dreck darum was gerade Mode ist und bringt seine eigenen Sichtweisen mitein. Seine Filme lassen viel Platz für Interpretationen. Damit beachtet er einen wesentlichen Teil des anspruchsvollen Filmemachens.

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JackoXL

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Michael Haneke zerlegt den Schutzpanzer des Wohlstands und der augenscheinlich familiären Geschlossenheit durch bedrohliches Unbehagen. Das überträgt sich blitzschnell auf den Zuschauer, der sich zwangsläufig, gerade durch Hanekes knochentrockenen Stil, in die Lage der Protagonisten hineinfühlen kann. Wie erschreckend ist es, dass ein Unbekannter, ohne ersichtliches Motiv, dich verfolgt? Nicht nur verfolgt, dich beobachtet, dich studiert und es dich dann auch noch wissen lässt?
Ein Stoff mit zeitlicher Brisanz, dass Thema Stalking ist allgegenwärtig und noch nicht so lange öffentlich behandelt, doch das ist gar nicht mal Hanekes Grundgedanke, denn "Caché" nutzt es nur als Triebfeder. Obwohl es lange so scheint und nach konventionellen Strickmustern nur logisch wäre, es dreht sich nicht darum, wer und warum den Stein ins Rollen bringt, es geht um die Auswirkungen. Er zeigt eindringlich und sehr realitätsorientiert, wie eine Welt aus den Fugen gerät, in der eigentlich schon vorher nichts so schön und beschaulich war, wie es den Anschein machte. Ein Ehepaar wird zermürbt, mit lange nicht angesprochenen Konflikten konfrontiert und muss dadurch feststellen, wie sehr sie sich doch entfremded haben. Der Schein weicht der Realität, all die nie ausgesprochenen Vorwürfe treten zutage. Was gerne sehr grob und unverkennbar aufgetischt wird, geschieht bei "Caché", trotz seiner Deutlichkeit, angenehem-unangenehm durchdacht, direkt-indirekt und fordert durchaus, ohne zu quälen.
Die zweite wichtige Substanz von "Caché" ist seine geschichtliche Essenz, bei der Haneke auf das Polizeimassaker von 1961 zurückgreift. Das wird direkt erwähnt, spielt aber im ersten Moment keine große Geige. Doch es ist nicht zufällig. Georges' Vergangenheit, der Grund für alle Ereignisse, ist dadurch entscheidend beeinflusst und was dieses verursachte, zieht seine Kreise durch die gesamte Geschichte. Haneke scheint damit eine Art Statement abgeben zu wollen, was bei genauerer Betrachtung viel bedeutender ist, als zunächst vermutet. Er greift damit fast politische, aber auf jeden Fall gesellschaftliche Themen auf, die die reine Stalkinghandlung fast überschatten.
"Caché" hinterlässt bewusste Fragezeichen, die im ersten Moment abschrecken mögen, doch insgesamt sehr geschickt sind. Er zeigt damit auf, wo die Leichen im Keller liegen, wie sehr Wunden schmerzen, wenn sie nach jahrzehntelanger Verdrängung wieder aufgerissen werden, und wie sich der Vergangenheit gestellt werden muss, obwohl sie eigentlich schon begraben war. So sehr es erst verwundern mag, wie konsequent sich Haneke gewissen Erwartungen verweigert, so sehr wirkt sein Film nach. Subtil, intelligent und mutig, schwierig aber großartig.

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JackoXL

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Ok, es war für mich zwangsläufig, das kann wohl auch anders wirken, akzeptiert. ;)


frink

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gut! ;)


MrDepad

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Mit "Caché" liefert Michael Haneke erneut filmisches Unwohlsein ab.
Das Ehepaar Laurent bekommt mysteriöse Videobänder zugeschickt, auf denen stundenlange Außenaufnahmen ihres Hauses zu sehen sind, meist starr aus einer Position gefilmt. Was zuerst wie ein makabrer Scherz abgehandelt wird, bringt vor allem in Georges Laurent nach und nach Dinge zum Vorschein, die er längst verdrängt geglaubt hatte.
Haneke inszeniert seinen Film wie man es von ihm kennt fast schon schmerzhaft realistisch. Obwohl auf den Videobändern selbst nichts schlimmes, ja sogar völlig harmloses zu sehen ist, verdichtet sich die Atmosphäre sehr früh und man rechnet stets mit dem Schlimmsten. Dieses Spiel mit dem Unbekannten ist es, was den Film einerseits so gut macht. Das meiste spielt sich nur im Kopf des Zuschauers ab, Haneke bietet zwar Anhaltspunkte, doch einen Großteil bekommt man zur eigenen Interpretation überlassen. Dazu kommt, dass der Film komplett ohne Musikuntermalung auskommt, was den realistischen Stil durchwegs unterstreicht. Die Grundprämisse des Films ist zunächst ähnlich wie die des grandiosen "Lost Highway" von David Lynch, doch während Lynch uns mit seinem Film in einen surrealen Psycho-Mindfuck führt, setzt Haneke ganz andere Schwerpunkte. Er nutzt die Stimmungen und Konsequenzen, die von den Videobändern ausgehen, um tief in das Familieninnere der Laurents vorzustoßen, welche beide übrigens absolut ausgezeichnet von Daniel Auteuil und Juliette Binoche gespielt werden. Nach und nach verdichtet sich die Atmosphäre immer stärker, doch Haneke wäre nicht Haneke, wenn er den nicht Film auf seine eigene, konsequente Weise enden lassen würde, wodurch wir als Zuschauer mal wieder diejenigen sind, die sich am Ende fast noch allein gelassener fühlen, als die Figuren des Films.
"Caché" ist Michael Haneke in Reinkultur. Ein durchwegs unangenehmer Film, der seinen unterschwelligen "Horror" subtil unter der Oberfläche und innen in seinen Figuren verbirgt und sich durch den fast schon schmerzhaften Realismus klar von gewöhnlichen Filmen abhebt. Ein ausgezeichneter Film, auf den man sich einlassen muss, von dem man dann aber umso mehr gefesselt wird.

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Audreyfan

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Bewertung6.0Ganz gut

Ich will "Caché" irgendetwas vorwerfen. Der Zuschauer muss sich doch einfühlen, der muss doch mitfühlen, und wo bleibt denn hier das Neue, der Sinn, die Moral? Ist es denn wirklich nötig, minutenlang dasselbe Bild zu zeigen und dazu zwei hölzern sprechen zu lassen? Was sollen die letzten beiden Szenen? Wo ist denn die Lösung? 
Spulen wir nochmal zurück und fangen von vorne an.
"Caché". Eine Familie wird mit Videobändern, anonymen Anrufen und Postkarten terrorisiert. Auf den Postkarten immer dasselbe: ein blutender Kopf. Im Video auch immer dasselbe: die Ansicht ihres Hauses. Als dann einmal ein Flur zu sehen ist, drängt sich George der Verdacht auf, dass vielleicht einer, den seine Eltern adoptieren wollten und den er aus Neid vergraulte, der Täter ist. 
Auf dem Video nur das Haus, auf den Karten dasselbe Bild. Könnte es denn nicht jemand anders sein? Vielleicht wirklich nur ein verrückter Fan? Wieso sollte es ausgerechnet dieser Mann sein? Vielleicht hätten 'normale' Menschen etwas anderes getan, aber George geht zu dieser Wohnung. Warum tut er das? Er weiß weder, wer der Mann ist, noch hat er den kleinsten Beweis. Aber er will den Täter finden. Irgendjemand MUSS es ja sein, es kann doch nicht angehen, dass er es nicht weiß, dass das alles im Unklaren bleibt. Er steigert sich in den Gedanken so herein, dass dieser Mann der Täter ist, sodass es zu gar keinem richtigen Gespräch zwischen den beiden kommt. Er will nicht, dass die genauen Umstände erklärt werden und auch keine andere Lösung, nein, nein, es ist so! George ist ein Mensch, den die Gesellschaft nur zu häufig hervorbringt. Ein Uns-geht-es-gut-Mensch, einer der nichts zu erzählen hat, weil nichts passiert, weil nichts passieren soll, ich habe eine Arbeit und eine Frau und einen Sohn und uns geht es gut und es läuft gut und es wird immer gut laufen. Und wehe dem, der diesen scheinheiligen Frieden stört! Ein Egoist, einer der es nicht ertragen kann, wenn er Unrecht hat, der sich deswegen in einen simplen Gedanken reinsteigern kann. Das muss doch alles einen Sinn haben, eine Lösung und diese Lösung muss ich finden, nur ich darf sie finden. Und den Frieden wiederherstellen. Damit es uns gut geht. Es geht uns gut. Er steigert sich in den Gedanken rein, bringt damit seine gesamte Familie und sein Leben durcheinander und auch das von Majid. Dieser hatte ihn vielleicht schon vergessen, genauso wie George ihn vergessen hatte und nun wird das alles wieder aufgewirbelt und Majid wird beschuldigt und beschimpft und wieder kriegt er anstatt Liebe nur Hass zu spüren. Ist das das Tröpfchen, das sein Fass zum Überlaufen bringt? Ich denke schon. Die Schuld für sein Unglück, für das alles, liegt für ihn bei George. Und deshalb soll George >dabei sein< Und das reißt sie alle in einen noch tieferen Strudel der Verzweiflung, der verzweifelten Lösungssuche und der Angst vor der Lösung. Nach und nach erkennt man die seelischen Krater und die blank liegenden Nerven. Und es drängt sich mir die Frage auf: Hat George jetzt Schuld? Wäre er nicht bei Majid aufgetaucht, was wäre dann gewesen? Oder hätte er ihm nicht das angetan...ja, darf man denn jemanden für seine Boshaftigkeit in der Kindheit verantwortlich machen? Wir sind ja schließlich alle keine Kinder mehr. Und reagiert Majid so nicht über, wenn das wirklich der Grund ist? Obwohl George reagiert ja schon über...Reagieren alle über? Oder reagieren sie normal? Und wer war denn jetzt der Täter? Ich hätte gerne eine Lösung, aber die krieg ich eh nicht, also lassen wir das...
Ich will "Caché" irgendetwas vorwerfen, aber wenn hier etwas anders wäre, dann wäre es nicht mehr "Caché"...obwohl der Film an sich, wie man an meiner Punktezahl erkennen kann, nicht der Tollste ist, nein eigentlich kann ich "Caché" nur vorwerfen mir nichts gegeben zu haben, außer vielleicht....nein, "Caché" hat mir nichts gegeben. Punkt. Und sind in anderen Filmen die Bilder, die Musik, die Schnitte blendend, so ist sind es hier die ruhigen Bilder und die vollkommene Stille, die uns blenden und die uns dazu verleiten, hier etwas rein zu interpretieren, weil...weil auch wir eine Lösung suchen, weil wir vielleicht doch so sind wie George und auf das alles vielleicht ein wenig über reagieren. Und dieses Spiegelvorhalten ist dann schlussendlich das einzige Überragende und das reicht mir nicht. 

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frink

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Bewertung5.0Geht so

Haneke war in seinen etwas früheren Werken ein wahrer Meister der Distanz. Er präsentiert seine Filme stehts so unterkühlt und steril, dass sie mich auch dementsprechend kalt lassen. Ich finde keinen Zugang zu der Handlung und insbesondere zu den handelnden Personen. Es fällt mir immer wieder ungeheuer schwer Empathie für seine Figuren zu empfinden. Die Dialoge sind oft nur schwer nachvollziehbar. Dabei ist ist hier die Ausgangsposition durchaus interessant, erinnert mich (natürlich) etwas an Lost Highway.
Aber irgendwie wirft Haneke mir bei Caché dann doch immer wieder kleine Handlungsbrocken vor, die mich kurz vor der Kapitulation wieder gedanklich zurück in den Film ziehen und Interesse wieder aufflammen lassen. Seltsam halbgar, dieser „Caché“...

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mikadoapache

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Bewertung7.5Sehenswert

tendiere auch dazu, cache is hanekes bester - hier passt vieles zusammen, womit ich in seinen anderen filmen arge probleme habe - der in cache gewählte themenkomplex zur backgroundstory ist für hanekes stilmittel durchaus von vorteil : keine liebenswerten charaktere und für die zusammenhänge werden dem zuschauer bestenfalls unscheinbare andeutungen oder verstörende hinweise geliefert

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Ichundso

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Bewertung6.0Ganz gut

Dann also mein dritter Haneke und es ist wie bei Wes Andersons Moonrise Kingdom. Das erste Mal habe ich den Eindruck, dass der Regisseur sich einem Thema widmet, dass seinem etwas ermüdenden Stil gerecht wird und das macht Caché wohl zum besten (was heißt: für mich am wenigsten nervenden) Michael Haneke-Film, den ich bis jetzt gesehen habe.
Ohne zu viel verraten zu wollen, geht es wohl um den Spuk der Vergangenheit in unseren Köpfen. Der genaue Plot, den Haneke dafür entworfen hat, wurde hier von ein paar Leuten kritisiert, ich persönlich halte es für einen intelligenten Schachzug, dass die Gefahr aus einer Vergangenheit kommt, für die sich der Hauptcharakter eigentlich überhaupt nicht mehr verantwortlich fühlt, weil sie eben doch so weit zurückliegt und er so wenig mit dem Menschen zu tun hat, der er damals war. Genau das macht die Situation so unangenehm, so unberechenbar. Wie soll man Reue für etwas zeigen, dass man als Kind getan und an das man jahrelang nicht gedacht hat? Dieses Thema erforscht Haneke in seinem unvorhersehbaren und hin und wieder überraschend wendigen Plot und erstmals scheint es mir, als wäre seine Art, die kältesten Filme der Welt zu drehen, tatsächlich dem Thema des Films angemessen.

Gleichzeitig scheitert der Film aber an eben der Machart. Caché hätte beispielsweise noch um einiges besser sein können, wenn Haneke sich nur einmal erbarmt hätte, seine Charaktere in einem Licht zu zeigen, das über die bloße Beobachtung ihrer Handlungen hinausgeht. Es scheint, als würde er einfach nur alles mit seiner Kamera verfolgen und zeigen, nüchtern, kommentarlos. Diese extreme Sterilität ist wohl das, was einige an ihm schätzen, ich kann es nicht ausstehen. Das Medium Film bietet so unendlich viele Möglichkeiten für interessante Kamera- und Schnitt-Techniken, Einsatz von Musik und Hintergrundgeräuschen, man kann, wenn man will, unglaublich viel in einem einzigen Shot aussagen, aber Haneke will nicht. Selbst das wiederholte Motiv der in dem Film eingebundenen Videoaufnahme (das Orson Welles schon 1941 deutlich besser verwendete), wirkt auf mich eher wie die ultimative Simplifizierung der Darstellung eines Videos und nicht wie etwas, das eine Relevanz für den Inhalt hätte und über das es sich lohnen würde, nachzudenken, obwohl damit anscheinend einige doch ihren Spaß haben.
Haneke weigert sich störrisch, auch nur zu versuchen, irgendetwas Neues zum Medium Film beizutragen und zeigt einfach alles, so wie es passiert, was in "Liebe" vielleicht seinen Reiz hat, in Caché aber jeglichen Zugang zu der Geschichte, der über bloßes Zugucken und "Aha, aha"-Denken hinausgeht, unmöglich macht. Und um damit irgendwelche Freude zu haben, ist der Film entschieden zu langweilig.

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Jenny von T

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Ich halte dich auch ganz sicher nicht für einen einfältigen Multiplex-Zuschauer, keine Sorge. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass du um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Haneke bemüht bist, hätte ich sowieso gar nicht erst geantwortet. Allerdings weiß ich nicht, ob man sich seinen Filmen allein mit gutem Willen nähern kann, wenn sie auf anderem Weg nicht zünden. Wenn ich einmal daran zurückdenke, wie es bei mir war: Ich bin überhaupt erst sehr spät zu Arthouse-Filmen gekommen, aber als es soweit war, war Haneke eigentlich sogar einer meiner allerersten Begegnungen in diesem Bereich - und ich muss sagen, dass seine Filme von Anfang an eine große Anziehung auf mich ausgeübt haben, obwohl meine cineastische Vorbildung noch sehr zu wünschen übrig ließ. Klar, ein Film wie CACHÉ ist auch für mich im Laufe der Zeit noch weiter gewachsen, aber, wie gesagt, diese Faszination und das unterbewusste Wissen darum, dass da "mehr" ist, war von vorneherein da. Ich sah Haneke nie als reines Kopfkino, ganz im Gegenteil fühle ich bei ihm eine enorme atmosphärische Aufgeladenheit bedingt durch ungelöste, innere Konflikte, wo du Langeweile empfindest. Ich sehe das also nicht nur, ich spüre das richtig. Für mich wird es greifbar. Aber das zu erklären ist wirklich sehr müßig - das ist genau, wie mir zum Beispiel für immer der Zauber von Wes Anderson oder der "Groove" von Tarantino verborgen bleiben wird. Diese Dinge zwischen den Zeilen kommen beim einen an und beim anderen eben nicht, und wenn man Haneke nicht mag, muss das weiß Gott nicht bedeuten, dass man "zu blöd" für seine Filme ist. Zu verstehen, rein kopfmäßig, gibt es nämlich sogar wirklich nicht allzu viel, da Haneke sich ja auch gerade strikt dagegen verweigert, dem Zuschauer Antworten zu präsentieren.
Das ist jetzt keineswegs von oben herab gemeint, aber du bist noch sehr jung. Ich weiß nicht, vielleicht hat es auch mit Lebenserfahrung zu tun, der es bedarf, um Haneke zu entschlüsseln - gerade auch, was zum Beispiel einen Film wie AMOUR angeht. Mit 19 war bei mir nicht einmal das grundsätzliche Interesse für diese Art von Kunst vorhanden. Ein Ansatz wäre also vielleicht, Haneke mal ein Jahr oder so komplett ruhen zu lassen und es dann noch einmal zu versuchen. Oder es ist eben wirklich so, dass er einer dieser Entweder-Oder-Regisseure ist.
Für die netten Worte am Ende bedanke ich mich, ich kann das auch nur zurückgeben. :-)


Ichundso

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Vielleicht treibe ich meine Kunstkino-Bildung erstmal mit ein bisschen Bergman voran und komme, wie du vorgeschlagen hast, irgendwann später nochmal auf Haneke zurück. Filme, Regisseure entdecken ist auf jeden Fall eine wunderbare Sache, sonst würde ich das alles ja auch nicht machen. Mit Wes Anderson und Tarantino geht es mir übrigens sehr ähnlich wie dir, wohl eine der seltenen Angelegenheiten, bei denen wir einer Meinung sind. :)


uncut123

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Bewertung6.0Ganz gut

es ist halt eine sehr ruhige erzählweise aber doch gut und intressant gemacht das man nicht umschalten tut...

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MrKatsumi

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Bewertung7.0Sehenswert

Also ich weiß ehrlich gesagt nicht wirklich, was man an diesem Film nicht verstehen kann. Ehrlich gesagt braucht man überhaupt nicht extra nochmal sagen, wer denn nun die Unruhe gestiftet hat. Außerdem ist es egal. Selbst wenn die Person fiktiv wäre und nichts mit der Handlung zutun hat.. Der Film soll einfach nur zeigen, was passieren kann. Wie leicht es ist, Leute mit geregelten Lebensverhältnissen aus der Bahn zu werfen und damit zwischenmenschliche Schwingungen ins unermessliche auszuloten.
ATMOSPHÄRISCH fand ich das ganze Intermezzo.

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Andri1995

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Bewertung9.0Herausragend

hat was von lost highway

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littledrummerboy01

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Bewertung6.5Ganz gut

Ich glaube die größte Errungenschaft des Films ist, dass man als Zuschauer irgendwann der Kamera nicht mehr glaubt. Ist das jetzt Filmhandlung oder ein zugeschicktes Video oder beides? Wer filmt eigentlich gerade? Mir drängten sich diese Fragen beim Zusehen jedoch so sehr auf, dass das eigentliche Drama um verdrängte Erinnerungen darüber in den Hintergrund trat und ich deshalb auch die Handlung als etwas unfertig empfinde. Es geht irgendwie um Dinge, die man in der Vergangenheit getan hat, und die einen einholen, nebenbei geht es auch noch um eine zerfallende Familie, die wohl einfach zerfällt, weil alles gut läuft und es nichts neues gibt - bis der Psychoterror anfängt. Visuell und auch schauspielerisch ist das alles gut umgesetzt, doch bin ich mir nicht sicher, ob Haneke sich sicher ist, wovon er eigentlich erzählt. Letzten Endes lässt mich der Film trotz einer tollen, beklemmenden Atmosphäre doch recht unberührt und unbeeindruckt zurück, denn er hat während des Anschauens mehr Erwartungen geweckt, als er erfüllen konnte. Schade eigentlich.

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r3sortiane

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Bewertung7.0Sehenswert

"Ich wollte wissen wie es ist, wenn man jemanden auf dem Gewissen hat."
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Inhalt
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Eine Familie - Vater, Mutter, Sohn. Ein Video von einem Fremden: Die Filmaufnahme des Wohnhauses der Drei. Eine schaurige Zeichnung. Weitere Videos, stets releativ dezent und doch in ihrem beobachtenden Wesen furchterregend. Ein aufkeimendes Gefühl der Bedrohung. Streitigkeiten und sich zuspitzende Kommunikation. Deutlicher werdende Botschaften des Fremden. Ein heimlicher Verdacht. Lügen und Eskalation. Die bedrückende Reminiszenz einer beschämenden Kindheitsepisode.
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Wertung
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"Caché" beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit versteckten oder kaschierten, längst vergessenen oder verdrängten Erinnerungen. Eine keineswegs neue Filmidee, kennen wir doch genug prickelnd-schaurige cineastische Beispiele, in denen eine vergangene kriminelle, bösartige oder schändliche Tat vom Täter geheim gehalten werden und bis in die Gegenwart verborgen bleiben konnte. "Caché" jedoch, weicht in einem wichtigen Punkt von solcherlei Filmen ab [[SPOILER-GEFAHR]]: Es handelt sich weder um eine kriminelle, noch um eine wahrhaft bösartige Tat. Zudem kann man auch nicht unbedingt von einem wirklich destruktiven Täter sprechen. [[SPOILER-ENDE]] "Caché" zeigt, wie unvorhersehbar, weitreichend und letztlich katastrophal die Folgen solcher Handlungen sein können. Des Weiteren überzeugt "Caché" darin, die individuelle Macht der Scham, der Reue und des schlechten Gewissens und die resultierenden vertuschenden Abwehrmechanismen darzustellen. Und noch viel wichtiger: Das was als infantiler, individueller und lokaler Mechanismus funktioniert, lässt sich eins zu eins auf das adulte, gesellschaftliche und globale Geschehen übertragen.
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Fazit
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"Caché" erinnert ein wenig an "Das Fest", sowie an "Das weiße Band" und "Der Gott des Gemetzels". Ein sehr ruhiger, im Wesentlichen erlebnisarmer und zugleich atmosphärisch dichter Film, der bei mir ein starkes Gefühl der Anspannung, Skepsis, Befürchtung und Brenzligkeit hervorzurufen wusste. Dezente und doch schaurige Zuspitzungen. Obwohl wenige, doch sehr packende, ins Mark gehende Schockmomente. Viel reine Beobachtung, die den Zuschauer einerseits involviert, zugleich aber "nur" von den ausgezeichneten, authentischen Schauspielern und der provozierten Anspannung lebt. Teilweise ein wenig unrealistisch unlogische bzw. inkonsequente Lösungsversuche der Filmfiguren. Ich verbleibe mit dem Gefühl, dass der Film die geschickt in mir hervorgerufene angespannte Erwartung über die gesamte Filmdauer hinweg nicht angemessen zu rechtfertigen vermochte. Wieder einmal ist es erst die nachträgliche Auseinandersetzung und Interpretation, die dem Gesehenen einen bleibenden und bedeutenden Eindruck verleiht.

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natedb

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

(Spoilergefahr)
Gekonnt inszeniert Haneke in leisen Tönen einen Thriller, in welchem der Protagonist mit einem äußerst unerfreulichen Kapitel seiner Kindheit konfrontiert wird. Gerade Kinder sind oft zu äußerst gemeinen, bösen Dingen fähig, ohne sich deren Konsequenzen bewusst zu sein: den Folgen die ihre Handlungen nach sich ziehen und wie sich diese auf das Leben anderer und letztendlich auch auf das eigene auswirken können.
In "Caché" lässt Haneke viele Fragen noch offen im Raum stehen oder deutet die Antworten nur an. Doch ich wage zu interpretieren, dass die Folgen des Protagonisten (sehr gut verkörpert von Daniel Auteuil) weiter reichen, als er ahnte. Urplötzlich wird nicht nur er, sondern auch seine Familie in Mitleidenschaft für sein vergangenes Handeln gezogen.
Haneke inszeniert schlicht und verlässt sich vollkommen auf seine Darsteller, die den Film tragen sollen. Und das gelingt ihnen! Durch sie und das großartig konstruierte Drehbuch verdichtet sich die Atmosphäre auf eine Art und Weise, dass die Spannung trotz des sehr langsamen Tempos des Films stetig steigt.
Ein großartiger Thriller der etwas anderen Art.

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GRAND

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Bewertung7.0Sehenswert

hab ehrlich gesagt am Ende nicht alles verstanden bzw. bin mir nicht sicher...
hatte also der Sohn dieses Algeriers die Videos gedreht und geschickt ?
und sollte die Szene am Ende darauf hindeuten dass er an dem Sohn des Franzosen für seinen Vater rächen will ?

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deinvaddah

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Was wirklich passiert sehen wir dann im zweiten teil. :)))


GRAND

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es gibt doch gar keinen zweiten Teil :)


Sepf

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Bewertung4.5Uninteressant

Wie so oft möchte ich den Figuren in Haneke-Werken einfach nur ins Gesicht schlagen. Der frischgebacken Cannes-Champion schafft es regelmäßig in mir diese gewisse Wut zu erzeugen. Dabei bin ich mir nicht mal selber im Klaren, ob das jetzt ein positives oder negatives Kriterium darstellt.
Bei CACHÉ soll es sich ja um einen Mysterythriller handeln. Die Frage "Wer steckt hinter den Videobotschaften?" beinhaltet auf alle Fälle schon mal Ersteres, doch das ist mir zu billig. Die LOST HIGHWAY ähnelnde Grundidee (obwohl die Gemeinsamkeiten doch arg begrenzt sind) zieht hier bei mir einfach nicht. LYNCH kann seine Werke mit ungelösten Fragen zuschütten - und es macht Spaß. HANEKE verzichtet auf diese Extreme - und es macht keinen Spaß. Die Dialoge sind vorhersehbar, wirken trotzdem hölzern. CACHÉ scheint vieles zu beginnen und nichts zu Ende zu bringen. Anstatt zumindest eine Frage zu klären oder die Verbindung zu knüpfen auf die man den ganzen Film lang sehnsüchtig wartet, haut HANEKE gegen Ende noch zwei Langaufnahmen raus. Erstere ist eine ziemlich öde Traumsequenz, die keinen weiter bringt. Zweitere ist zugleich die Schlussszene, die ebenfalls keinen weiter bringt. Ich erspare mir und euch etwaige Interpretationsansätze.
Am Ende bleibt wohl doch nur wieder ein einziges Kriterium ausschlaggebend: Mich hat der Film einfach nicht angesprochen. CACHÉ ist träge, konnte mich nie wirklich fesseln. Klar besser als FUNNY GAMES U.S. und klar schlechter als DAS WEIßE BAND - so würde ich meine bescheidenen Eindrücke resümieren.

Fazit: Der Bayer würde sagen: Das ist kein Fisch, das ist kein Fleisch. Sry, Michael.

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Markbln

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Caché ist totaler Murks und vor allem eins: ekelhaft selbstgerecht.


Sepf

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Warum bin ich auf "selbstgerecht" nicht gekommen? ;) Stimmt.


lassiesinger

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Meisterhaft.

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