Das Gespenst der Freiheit

Le Fantôme de la liberté (1974), IT/FR
Laufzeit 103 Minuten, FSK 16, Komödie, Kinostart 14.02.1975

7.2 Kritiker
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7.2 Community
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11 Kommentare
Das Gespenst der Freiheit - Bild 20205
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von Luis Buñuel, mit Adriana Asti und Julien Bertheau

Eine lose Sammlung grotesker Situationen: Ein kleines Mädchen ist verschwunden und auf dem Polizeirevier diktiert der Vater die Personenbeschreibung, während das Kind doch neben ihm steht. Ein Mann schießt wahllos von einem Hochhaus auf Passanten. Er wird schuldig gesprochen und darf als freier Mann das Gericht verlassen. Jede Kausalität ist aufgehoben, das Gespenst der Freiheit geht um.


Cast & Crew


Kommentare (11) — Film: Das Gespenst der Freiheit

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Le Samourai

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Luis im Wunderland. Der größte Surrealist der Filmgeschichte zieht in seinem vorletzten Werk noch einmal alle Register seines Könnens, wirft sämtliche filmischen und erzählerischen Konventionen über Bord und serviert uns einen absurden Stream of Consciousness, der einmal mehr auf einzigartige, höchst groteske Weise die gesellschaftlichen Konventionen entlarvt und die (scheinbare) Freiheit der Bourgeoisie in Frage stellt. Höchst unterhaltsam!

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Hagen Hagen

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Bewertung7.0Sehenswert

Absurd, grotesk und sehr unterhaltsam. Der Altmeister präsentiert das Ganze völlig entspannt und ohne jede "Was sind wir aber mutig/anders"-Attitüde.

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Trimalchio

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich drücke es mal mit den Worten des Lehrers in der Militärakademie aus:

"Also bei dem ewigen Raus und Rein hier verliert man ja völlig den Faden."

Nichstdestotrotz ist "Das Gespenst der Freiheit" ein extrem absurdes, groteskes, satirisches und gesellschaftskritisches Werk, das durch seinen ungewöhnlichen Aufbau mit der komplexen Episodenstruktur blendend unterhält und dazu noch gehörig verwirrt.

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rkuehne

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Bewertung6.0Ganz gut

Grotesk - etwas anderes fällt mir darauf nicht ein. Definitiv unterhaltsam in seiner absurdität und beeindruckend kreativ, aber leider mitunter auch mit Längen versehen.

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hoffman587

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Bewertung9.0Herausragend

Le Fantôme de la liberté

Buñuel, Buñuel! Mein Königreich, nein doch eher mein Herz für einen echten Luis Buñuel, dem großen Surrealisten. Dem großen Mann, dessen Filme bei mir stets zu gefallen wissen, ob nun andalusische Hunde oder auch der diskrete Charme der gewissen Bourgeoisie, so weiß auch hier eines Werk des Meisters zu gefallen und zwar "das Gespenst der Freiheit" aus dem Jahre 1974. Sein vorletzter Film.

Und gleich mit der Story beweist Buñuel wieder was er kann, eigentlich eine recht zusammenhanglose Sammlung von verschiedenen Storys, lose ineinander verwoben, aber genial. Alles wird ins vollkommene Absurde geführt, nichts ist normal, jedenfalls nicht im alltäglichen Kontext, doch eins bleibt das gleich ist, das Motiv die Freiheit. Unerreichbar scheint sie zu sein, jeder strebt nach ihr, doch kann man sie überhaupt erreichen?
Bei den Episoden hätten wir wirklich das Beste vom Besten, hier einmal ein paar Mönche die um Heiligenbildern pokern, da melden Eltern ihre verschwundene Tochter, obwohl die Tochter bei ihnen ist, oder ein Massenmörder wird als Held gefeiert und Polizeipräfekten als böse Grabschänder enttarnt, dann noch Panzer, die jagt auf Füchse machen. Alles in einen einzigen Film und am Ende bleibt nur die Frage, aber welche...

Wunderbar auch die groß angelegte Schauspielerriege, jeder hat seinen Part und so werden als Beispiel Michel Piccoli und Julien Bertheau zu Polizeipräfekten bzw. dem Präfekten, wer auch immer, und gleich noch dahinter Adriana Asti zu dessen Schwester. Oder auch Jean Rochefort zum Monsieur Legendre und Monica Vitti zur Madame Foucauld. Man könnte hierbei glatt den ganzen Cast auf und ab singen und nur so loben, wie ich finde. Was noch bleibt sind somit erstklassige Leistungen aller Beteiligten, alles wirkt an seinem Platz, perfekt besetzt eben.

Und Buñuel führt dazu seinen eigenen Film ad absurdum, und auch die bürgerlichen Konventionen, dann noch wie immer schön (heiß) satirisch angehaucht, mit Sarkasmus verziert, nichts ist normal, alles absurd, dabei noch recht provokant, nicht unbedingt für jedermann geeignet, aber hier noch überraschend lustig, wenn gleichzeitig natürlich auch gesellschaftskritisch wie sollte es anders, verspottet diese Konventionen, rechnet boshaft mit ihnen ab und das auch noch urkomisch. Und schließlich bleibt auch nicht die albtraumhafte Symbolik verborgen. Kurz gesagt: Brillant.
Die Kamera des weiteren genauso hervorragend, die Bilder wie der Film selbst irgendwie albtraumhaft, an sich von einer unbeschreiblichen Aura umgeben, die man so nur wirklich bei Buñuel bekommt, sie erzeugen eine grandios-surrealen Stimmung, die über die ganze Laufzeit hält und ja auch die Bilder an sich mögen durch ihre interessante, durchaus auch düstere Symbolik und anderen kleinen feinen Details.

Hier noch ein einziges Sammelsurium von verschiedenen und skurrilen Charakteren beziehungsweise seltsamen, wie bereits gesagt mögen es hier rauschende und Poker spielende Mönche sein, dies mehr als genial ineinander vereint, so gesagt einfach herrlich zu betrachten, aber eben andererseits auch auf die Figuren bezogen kritisch gemacht. Ein echtes Fest an grotesken Situationen und Figuren. Letztlich mag auch das Salz in der Suppe bei den Dialogen nicht fehlen, ich halte mich nun kurz, schon klar, exzellent geschrieben.

Schlussendlich bleibt für mich "Das Gespenst der Freiheit" einer meiner persönlichen bisher gesehenen (was eigentich wirklich nichts heißt) Lieblings-Buñuels (man sollte dabei noch unbedingt zählen wie oft ich seinen Namen bereits hier verwendete), ein meisterhafte Gesellschaftssatire zum Motiv der wahren Freiheit. Deshalb für mich wahrlich nur herausragend.

25 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten

Jack_Torrance

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"Das goldene Zeitalter" schon gesehen ? Auch eine Empfehlung !


hoffman587

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Schon vorgemerkt, obwohl ich sogar fast glaube ihn schon teilweise gesehen zu haben, aber bei surrealen Experimentalfilm ist das eh schwer zu sagen bzw. schwer sich zu erinnern;D


Joe Gillis

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Bewertung9.0Herausragend

Gleich zu Beginn des Films hat Luis Buñuel einen bemerkenswerten (und garantiert unsymbolischen) Kurzauftritt: als spanischer Mönch, der – zusammen mit anderen – unter dem Ruf »Es leben die Ketten!« vor ein revolutionäres Erschießungskommando tritt. Der Titel des Werks sei im übrigen eine Irreführung, so der Regisseur, denn in »Le fantôme de la liberté« gebe es weder ein Gespenst noch Freiheit. Ebensogut könnte man allerdings sagen: Es gibt nur Gespenster, und kaum ein Film ist so frei wie dieser. Mit der hochsympathischen Wurstigkeit des Klassikers, dem keiner mehr in die Parade fahren kann, verlacht der alte Surrealist die Logik, folgt er allein seiner kinematographischen Libido, assoziiert er pokernde Karmeliter mit doppelgängerischen Polizeipräfekten mit unverblümten Sadomasochisten mit paradoxen Pädagogen mit fuchsjagenden Panzerfahrern mit dezenten Amokläufern mit glotzenden Straußen… »Le fantôme de la liberté« ist eine pikareske Apotheose des Zufalls, des Augenblicks, der Absurdität, eine feixende Absage an alle Gläubigen, ganz egal ob sie Gott hörig sind oder der Aufklärung oder dem Dreiaktschema. PS: »J’en ai marre de la symétrie.«

16 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

Joe Gillis

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In der Tat! :)


Marti DiBergi

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"Hochsympathische Wurstigkeit" sollte auf dem Cover stehen :D


Squidward

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Bewertung2.0Ärgerlich

Noch zusammenhangsloser als "La voie lactée". Einige Episoden weisen schon so eine Art absurden Humor auf, aber so richtig lustig ist keine.

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jollyroger

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Bewertung9.0Herausragend

Ich denke bei Buñuel-Filmen am Anfang immer "Boah, ist der langweilig" nur um dann am Ende völlig fasziniert dazustehen.
Bin ich der Einzige, dem das so geht?

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alanger

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

lustig und düster, geheimnisvoll und überraschend, wie nur bunuel es kann.

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8martin

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Bewertung9.0Herausragend

Was 1974 als reine Provokation gemeint war, geht heute teilweise in die Abteilung Comedy. Unser Sehverhalten hat sich in den letzten 35 Jahren dermaßen gewandelt, dass manches als guter Gag durchgeht. Lediglich die blasphemischen Szenen kann man noch als solche aufrechterhalten. In teils überraschenden Episoden, die bisweilen als absurdes Theaterstück durchgehen und in denen eine Person aus der vorigen Szene den Handlungsfaden an die nächste weiterreicht, stellt Regisseur Bunuel seine Vorstellung von Freiheit dar, der sexuellen, der religiösen und der politischen Freiheit. Er operiert dabei mit der Umkehrung der Werte und spielt mit der Erwartung der Zuschauer. Die Freiheit wird von Zufällen und gesellschaftlichen Konventionen begrenzt, kann aber auch in Chaos und Lächerlichkeit enden. Außerdem gibt’s ein Wiedersehen mit vielen Prominenten, aus einer Zeit, da sie noch viel jugendlicher aussahen.

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patcharisma

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Wunderbar sarkastische Einfälle in absurden Geschichten mit der augenzwinkernden Handschrift des Meisters. Das Tollste sind nicht mal die Episoden selbst, sondern wie sie ineinander gewoben wurden. Der Einfall, dass eine Person, der man in der vorangegangen Geschichte kurz begenet gleich das Zepter für die folgende übernimmt, ist ein unglaublicher dramaturgischer Genialgriff. Buñuel gelang das, dass ihn von den sogenannt "grossen" Zeitgenossen weit abhob. Er tappte nicht in die Falle, die Gesellschaft durch brutale Gewaltszenen anzuklagen, wie das etwa Pasolini, Bertolucci oder Fassbinder in den 70er taten, sondern hinterfragte mit den Waffen des Surrealismus: Irgendwie sind seine Geschichten letztendlich stilvoll, tragend und mit einer ästhetisch ausgewogenen Gelassenheit gemacht.

Nach "Die Milchstrasse" und "Der diskrete Charme der Bourgoisie" ein toller Abschluss dieser Triologie.

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