Das Turiner Pferd

A Torinói ló (2011), FR/DE/HU/CH
Laufzeit 146 Minuten, Drama, Kinostart 15.03.2012

admin edit edit group memberships sweep cache
7.9 Kritiker
12 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.9 Community
50 Bewertungen
23 Kommentare
Das Turiner Pferd - Bild 5241862
Keine News zu diesem Film verpassen!
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Béla Tarr, mit Erika Bók und János Derzsi

Im Kunstfilm Das Turiner Pferd des ungarischen Regisseurs Béla Tarr hausen ein Fuhrmann und seine Tochter unter widrigsten Bedingungen auf einem einsam gelegenen Bauernof. Zu reden haben beide schon lange nichts mehr und während draußen der furchtbare Sturm immer schlimmer wird, vollzieht sich ihr Leben im stillen Rhythmus aus schlafen, essen und arbeiten.

Hintergrund & Infos zu Das Turiner Pferd
Basis für Das Turiner Pferd ist laut Béla Tarr folgende Begebenheit: „Am 3. Januar 1889 tritt in Turin Friedrich Nietzsche durch die Tür des Hauses Via Carlo Alberto 6. Nicht allzu weit weg von ihm hat der Kutscher einer Pferdedroschke Ärger mit einem widerspenstigen Pferd. Trotz all seiner Ermahnungen weigert sich das Turiner Pferd, sich in Bewegung zu setzen, woraufhin der Kutscher die Geduld verliert und zur Peitsche greift. Nietzsche nähert sich dem entstehenden Gedränge und setzt dem brutalen Verhalten des Kutschers ein Ende, indem er schluchzend seine Arme um den Hals des Pferdes legt. Sein Vermieter bringt ihn anschließend nach Hause, und zwei Tage lang liegt er bewegungslos und stumm auf dem Sofa, ehe er berühmte letzte Worte spricht und noch weitere zehn Lebensjahre stumm und umnachtet unter der Obhut von Mutter und Schwestern verbringt. Was mit dem Pferd geschah, wissen wir nicht.“

Béla Tarr gilt nach Filmen wie Die werckmeisterschen Harmonien und Sátántangó als einer der letzten großen Kunstfilmer Europas. Der ungarische Regisseur hat auch Das Turiner Pferd in seiner unverwechselbaren Handschrift gedreht: mit langen Kameraeinstellungen, in Schwarzweiß und unter weitgehendem Verzicht auf Dialoge. Hierfür bekam er bei der Berlinale 2011 den Großen Preis der Jury.

  • Das Turiner Pferd - Bild 5022749
  • Das Turiner Pferd - Bild 6743769
  • Das Turiner Pferd - Bild 6743783
  • Das Turiner Pferd - Bild 6743797

Mehr Bilder (9) und Videos (1) zu Das Turiner Pferd


Cast & Crew


Kritiken (9) — Film: Das Turiner Pferd

alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ... alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ...

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Entweder lässt man sich mitnehmen in eine karge, aus Routinen zusammengesetzte Welt, die allmählich immer komplexer und weiter wird, weil sie dem Denken Räume eröffnet – oder man bleibt außen vor.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Christoph Egger: Neue Zürcher Zeitung Christoph Egger: Neue Zürcher Zeitung

Kommentar löschen
4.0Uninteressant

Wo der Wurm der Lächerlichkeit einmal drinsitzt, da hat der Tiefsinn immer schon verloren. Hier geschieht das Unheil bereits am ersten Tag, beim Essen, das auch künftig einzig aus dampfend heissen geschwellten Kartoffeln bestehen wird.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

A. Busche: der Freitag A. Busche: der Freitag

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

Vieles spricht dafür, dass „Das Turiner Pferd“ tatsächlich einen Schlusspunkt im filmischen Schaffen Béla Tarrs setzt. Er ist ein in jeder Hinsicht endgültiges Statement.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

H.P. Koll: film-dienst H.P. Koll: film-dienst

Kommentar löschen
9.0Herausragend

Das Turiner Pferd ist die Konsequenz eines auf das Notwendigste reduzierten Minimalismus, der allein durch seine visuelle Archaik vor jeder Banalität bewahrt wird. Die betörende Fotografie erschafft ihr eigenes Universum abseits platter Erklärungsmuster, sie ist konkret und zugleich visionär, voller Sinnbilder und absoluter Metaphern.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Scott Tobias: The Onion (A.V. Club) Scott Tobias: The Onion (A.V. Club)

Kommentar löschen
9.5Herausragend

Das Turiner Pferd ist von polierter Schönheit, die ehrfurchtgebietend ist, wie ein klares Fenster in eine weit entfernte Welt, das an Angeln baumelt und dann in den Abgrund herabstürzt.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Joe Neumaier: New York Daily News Joe Neumaier: New York Daily News

Kommentar löschen
6.0Ganz gut

Dieses stille Drama ist nicht für jeden geeignet. Dies könnte selbst für Fans des ungarischen Regisseurs Bela Tarr gelten, dessen sparsame und anturalistische Filme, nun ja, ermüdend sein können.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Peter Debruge: Variety Peter Debruge: Variety

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

Obwohl reif an metaphorischer Interpretierbarkeit, gibt das schlanke Setup - das Schicksal eines geschlagenen Pferdes - Arthouse-Publikum wenig zum Haftenbleiben und wird Kinobetreibern wie Festivalchefs vor die Willensprobe stellen, den Film in ihre Kalender einzutragen.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

A.O. Scott: New York Times A.O. Scott: New York Times

Kommentar löschen
9.5Herausragend

Das Turiner Pferd ist zu schön, um es als Tortur zu bezeichnen, aber es ist hinreichend intensiv und unnachgiebig, dass man, wenn der Film zu Ende ist, Ehrfurcht fühlt - und Erleichterung. Was wie ein Grund klingen könnte, dem Film fern zu bleiben, aber es ist genau das Gegenteil.

Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Andrew O'Hehir: Salon.com Andrew O'Hehir: Salon.com

Kommentar löschen
7.0Sehenswert

Ich verließ das Kino seltsam beschwingt - das Tageslicht zu sehen war so schön [...]! Tarrs Filme können anstrengend sein und auch quälend, aber sie sind nie langweilig. Sie zu sehen ist wie der Besuch eines fantastischen Kunstmuseums und eine eiskalte Dusche - beides zur selben Zeit genossen.

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Kommentare (14) — Film: Das Turiner Pferd

Kommentar schreiben
Sortierung

Jenny von T

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Was für ein adäquater Abgang: In seinem Frühwerk lässt Tarr die Familie untergehen, später das Individuum ("Kárhozat"), dann eine Dorfgemeinschaft ("Sátántangó") - und mit dem "Turiner Pferd" schließlich die Welt. Dabei gelingt ihm vielleicht nicht weniger als eine (Neu-)Definition des Begriffs "Kunstfilm": Mag sich dieser Tage auch beinahe alles "Kunst" schimpfen DÜRFEN, so beginnt sie für mich eigentlich erst dort, wo narrative Kohärenz überdrüssig wird und Kommunikation mit dem Rezipenten die Ebene des Wortes verlässt.
Waren Tarrs frühere Werke trotz kennzeichnend langsamer Inszenierung dennoch nie repetitiv, macht sich "Das Turiner Pferd" erstmals die Wiederholung (welche alles noch langsamer erscheinen lässt) als tragendes Stilmittel zu eigen: Anziehen, Wasser holen, Kartoffeln essen, "fertig". Kurioserweise liegt gerade hierin eine große Stärke des Films bedingt, da Abweichungen vom gewohnten Verlauf eine umso eindringlichere Bedrohlichkeit erwecken: Wenn Bauer und Tochter beim Essen plötzlich wie erstarrt den Blick zum Fenster wenden, gefriert einem geradezu das Blut in den Adern. Oder der Besuch des Nachbarn, welcher eine unheilvolle Verheißung geradezu versinnbildlicht - "Das Turiner Pferd" schöpft all seine Möglichkeiten aus und kreiert eine schauerliche Magie, die über zweieinhalb Stunden anhält. Indem man sich geradezu gezwungen sieht, auch auf winzige Details zu achten, wird man hierfür natürlich umso empfänglicher.
Der größte Trumpf Tarrs ist jedoch vermutlich, dass er trotz - oder gerade aufgrund?! - eigentlich entfremdender Schwarzweiß-Optik den Zuschauer in eine andere Zeit versetzt, ihm aber dennoch seine Figuren unglaublich nahebringt und damit die sich ihm erschließende Option beim Schopfe ergreift, gezielt und platziert dramatisch-erschütternde Momente ohne auch nur den Hauch von Rührseligkeit zu kreieren - Tristesse und Tragik in Stil und Inhalt bedingen sich beispiellos.
Es bringt ja alles nichts: Einen wie Tarr wird es nicht mehr geben. Wie viele Filmemacher sind bemüht, uns ein bisschen Mut, unsere klägliche Existenz auf dieser Erde ein bisschen angenehmer zu machen... Bei Tarr ist inmitten der Schönheit im Untergang die einzige Hoffnung die, dass das, was nach uns kommt - was immer es sein mag - vielleicht besser ist als das Jetzt.
Nietzsche hat seinerzeit passenderweise wirklich so einiges festgestellt, das auf diesen Film zutrifft - ich versuche es einmal hiermit:
"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden."

bedenklich? 9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Tyler__Durden

Antwort löschen

Schön gesagt. Obwohl das mit der "(Neu-)Definition" nicht ganz stimmt, also jetzt ganz allgemein. Da gabs davor schon Jeanne Dielman von der Ackerman mit welcher das Turiner Pferd, was die von dir beschriebenen Mittel der Kommunikation sowie die Strukturierung betrifft, starke Ähnlichkeiten hat. Dazu war Tarr ja schon seit jeher sehr beeinflusst von seinem Landsmann Miklós Jancsó und dem kürzlich verstorbenen Theodoros Angelopoulos was seine formellen Kompetenzen angeht. Aber natürlich ist das was Tarr hier macht, speziell in seiner unerbittlichen Konsequenz, schon sehr eigen.


Andre Jonas

Kommentar löschen

Ich muss einführend sagen, dass ich mich zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Reviews nicht zu einer Wertung in Punkten durchringen konnte – zu weit außerhalb meiner Bewertungskriterien liegt das, was »Das Turiner Pferd« in mir zurückgelassen hat. Dieser Text soll deshalb mehr eine Art Erfahrungsbericht eines Erstkontaktes mit Béla Tarr sein, der im Idealfall dem Einen oder Anderen den Film schmackhaft machen könnte.

Ich hatte etwa während des ersten Drittels des Films das Gefühl, einem Monolith gegenüber zu stehen: Einem gewaltigen Stein, den ich fragen wollte: Was soll mir das alles sagen? Warum sehe ich 10 Minuten lang einem Pferd zu, dass einen Wagen im Sturm zieht? Warum folge ich einer Frau beim Wasserholen und muss mir diesen Prozess noch mehrmals im Film in aller Ausführlichkeit zeigen lassen? Warum betrachte ich die beiden Hauptdarsteller in langen, ausführlichen und sich ebenso fast störrisch wiederholenden Passagen beim Essen von Kartoffeln?

Aber der Monolith gab mir keine Antwort, sondern schwieg mich weiter an. Alles, was ich tun konnte, war näher heranzutreten und die einzelnen Verwerfungen, die einzelnen Linien auf der Oberfläche des Steins genauer zu betrachten und nicht zu versuchen, zu »verstehen«, sondern mich gewissermaßen fallen zu lassen, mich dem Film hinzugeben und meine Sinne ihm auszuliefern.

Denn »Das Turiner Pferd« kann ich stilistisch als eine Art »stille Folter der Sinne« beschreiben und man benötigt eine gewisse Portion Masochismus, um die manchmal quälend langen Sequenzen, die fast vollständig wortlosen einhergehenden Betrachtungen des Alltags in einer abgeschiedenen Hütte des 19. Jahrhundert zu ertragen.

Der Film besteht fast ausschließlich aus langen, schnittlosen Sequenzen – mal sind es langsame Kamerafahrten, mal sind es fast Standbilder, wenn nichts im Raum sich regt. Und gerade bei letzteren kann man fühlen, wie der Film die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen beginnt. Wann sonst hat man, gerade heute, in einem Film die Möglichkeit, sozusagen in aller Ruhe die Details im Bild zu betrachten? Sich jedes Objekt anzusehen und nicht »fürchten« zu müssen, das nach einigen Sekunden schon der nächste Schnitt folgt, der nächste, eng daran angeknüpfte Abschnitt einer auf verdaubare Filmlänge zugeschnittenen Handlung oder das man gerade jetzt, in dieser Sekunde, irgendetwas wichtiges verpasst?

Wenn man sich nun also fallen, sich durch Ruhe, Wortkargheit und sich wiederholenden, scheinbar banale Handlungen in diesen gewissermaßen hypnotischen Zustand hinversetzen lässt, stößt man in »Das Turiner Pferd« auf eine tiefe Deprimiertheit, eine fast naturgewaltige Trostlosigkeit, mit der ich mich selten in einem Film konfrontiert sah. In diesem Sinne glich der Film für mich einem langsamen, aber vollkommen unaufhaltsamen Fall durch einen immer dunkleren und zuletzt ganz buchstäblich schwarzen, absolut lichtlosen Tunnel.

Ich kann nicht sagen, dass »Das Turiner Pferd« mich »begeistert« hätte, dass es mich »mitgerissen« hätte. Vielleicht würde »beeindrucken« noch am ehesten passen, aber auch dieses Wort impliziert gleichsam, dass der Film in irgendeiner Weise konkret an mich appelliert hätte. Doch genau das tat er nicht – er kümmerte sich nicht um mich und meine Seh- und Sinnfindungsgewohnheiten sondern ging stoisch seinen Weg in den Abgrund, ohne sich einmal nach mir umzuwenden. Es wird garantiert nicht der letzte Béla Tarr-Film für mich gewesen sein...

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

dumas

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Gefühlte sechs Tage Kargheit, Hoffnungslosigkeit, Düsternis, Melancholie, Eintönigkeit, Abgeschiedenheit, Zerfall, Schönheit. Ein Film von ungeheurer Wucht und Schwere, gleichermassen erdrückend und faszinierend, über das Ende der Welt am Ende der Welt. Der anhaltender Sturm zermürbt den Zuschauer stärker als die seltsam unbeteiligten Protagonisten, die Unwetter wie Publikum ignorieren und sich kompromisslos an ihrem festgeregelten Tagesablauf festhalten. Dennoch ist das Ende auch für sie unausweichlich, wenn schliesslich Stille einkehrt und die letzte Lampe erlischt. Kommunikation zwischen dem alten Vater mit dem lahmen Arm und der aufopfernden Tochter findet nur dann statt, wenn Unvorhergesehenes die alltägliche Eintönigkeit stört: Etwa wenn das müde Pferd den Dienst verweigert oder das Wasser auf geheimnisvolle Weise aus dem Brunnen verschwindet. Von einem Besucher erfahren wir, dass die nahe Stadt bereits vom Sturm weggefegt wurde, doch der Alte lässt sich davon nicht beeindrucken. Weitermachen, koste es was es wolle, bis zum Ende und darüber hinaus.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

DerDude_

Kommentar löschen
vorgemerkt

Und wieder ne 10er Vorhrsage. Bei wem ists noch so ?

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 9 Antworten

Smoover

Antwort löschen

von 10 auf 4 gedropt :D


FumerTue

Antwort löschen

bei mir von 7,0 auf 7,5 gestiegen :D


Tyler__Durden

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Nietzsche selbst hat mal in Götzen-Dämmerung geschrieben "Wir schätzen uns nicht mehr genug, wenn wir uns mitteilen. Unsere eigentlichen Erlebnisse sind ganz und gar nicht geschwätzig. Sie könnten sich selbst nicht mitteilen, wenn sie wollten. Das macht, es fehlt ihnen das Wort. Wofür wir Worte haben, darüber sind wir auch schon hinaus. In allem Reden liegt ein Gran Verachtung. Die Sprache, scheint es, ist nur für Durchschnittliches, Mittleres, Mitteilsames erfunden. Mit der Sprache vulgarisiert sich bereits der Sprechende."

Nun da ich euch, meine Mitmenschen, leider immer noch wertschätze, die Fähigkeit auch so schnell nicht verlieren werde und schlichtweg nicht in der Lage bin die Erfahrung welche mir Tarr mit diesem seinem letzten Filme auferlegte erfassen ja gar beschreiben kann - so schweige ich doch lieber. Lasse es in meinem Herzen und Verstand ruhen. Und hoffe ihr lesenden habt die nötige Ernsthaftigkeit in euch um in diesem Schweigen zu lesen wie viel mir diese Erfahrung bedeutet, ohne das ich dafür hier 5000 Wörter in Sätze und Intelligentes Gedankenfutter formen muss.

bedenklich? 22 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Nutella?!!

Antwort löschen

:)


Joshdeniro

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Der heimliche Star des Films ist die Pellkartoffel!

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

L-viz

Kommentar löschen

Vorhersage: 10? Das hatte ich auch noch nie. Dabei fühle ich mich eigentlich nicht angesprochen vom Klappentext.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

kaching3007

Antwort löschen

Das selbe hier. Schon komisch.


emp6

Antwort löschen

Bei mir ebenso.


VisitorQ

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Hui, der hat mich doch ziemlich beeindruckt. Nicht einfach aber nie anstrengend, faszinierend und wirklich sehr mitreißend. Besticht vor allem durch seine dichte Atmosphäre und seine tollen Bilder. Von mir gibt es eine klare Empfehlung.

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

VisitorQ

Antwort löschen

yo, ich hatte auch etwas angst aber ich fand den film dann doch sehr, sehr gut. Hätte ich nicht gedacht. :D


Anoirja

Antwort löschen

Dann solltest du dir auch unbedingt "Werckmeister harmóniák" ansehen. :)


Telebaum

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Jeder Tarr-Film ein neues Großereignis. Die alltäglichen Dinge eines jeden Menschenlebens, Aufstehen, Anziehen, Wasser holen, Essen, Trinken, Ausziehen, Schlafen gehen ... in wechselnden Variationen, d.h. wechselnde Einstellungen und Kameraperspektiven, doch die Handlungen bleiben die gleichen, jeden Tag aufs neue. Es sind die Dinge, die ein jeder von uns tut, Tag für Tag, auch wenn wir in dieser Welt – ein Steinhaus bei Turin, in dem ungarisch gesprochen wird – kaum unsere eigene erkennen können. Jeden Tag eine heiße Kartoffel, nichts außer Kartoffeln, Kartoffeln und Pálinka. Das einzige, das ich vermisste, ist der Gang zur Toilette.

Wie in „Sátántangó“ der ewige Regen, ist diesmal der pfeifende Orkan die Hauptfigur, erzählerisches Zentrum und zugleich das, was es zu überwinden gilt. Wenn der Sturm vorbei ist, bleibt nichts mehr zu sagen. Starre, Regungslosigkeit, Nahrungsverweigerung. Eine Schlusssequenz, die genausogut durch das 10-minütige Betrachten einer Fotografie zu ersetzen wäre.

Überhaupt diese Kontemplation, ja diese Meditation, wenn wir nahezu eine Minute lang auf eine einfache Holztür starren, auf ein Kleidungsstück - ganz unwillkürlich vertieft man sich in diese Strukturen, die man sonst nie wahrnimmt, nie wahrnehmen darf, in die Holzfasern, in die Falten im Stoff. Und dann dieser nichtssagende Himmel, dieser Staub, diese bedrückende Stimmung, die wir aus anderen Tarr-Filmen bereits kennen. Es ist diese Nachhaltigkeit der ewig langen Einstellungen, die diese Bilder so in unser Gehirn brennen, dass sie uns auch noch Tage später verfolgen.

Tarr gelingt etwas unglaubliches: das bereits von Godard propagierte "Ende der Geschichte, Ende des Kinos." Es braucht nicht ein „Weekend“, es bedarf diesmal sechs Tage, nicht nur für die Rücknahme der Schöpfung, wie Ripley1 treffend schreibt, sondern auch um das bewegte Bild zurückzunehmen. Im Zeitalter der Information, der Überinformation, der schnellen Schnitte und Schwenks, der immer rasenderen Bildabfolgen, schenkt uns Tarr das einfache, das unbewegte, das klare Bild zurück und gibt uns damit die Chance, zu verharren, die rasende Welt für zweieinhalbstunden anzuhalten und uns auf das Wesentliche im Leben zu besinnen – für manche sicher eine zu große Anstrengung. Doch für jene, die sich darauf einlassen können, mehr als ein Film, mehr als nur Kino – vielleicht ein Weg, die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen.

bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Ripley1

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Ein letzter Film. Die Rücknahme der Schöpfung in sechs Tagen.

Thematisch kann man Verbindungslinien ziehen zu Malicks "Tree of Life" und v. Triers "Melancholia". Aber wo Malick in mystischen Visionen endet und v. Trier in einem kosmischen Crash, der die depressive Grundhaltung seiner Protagonistin bestätigt, ist Tarrs Film viel reduzierter und damit auch offener. Formale Ähnlichkeiten gibt es eher zu Tarkowski oder den japanischen Minimalisten.

Es gibt nur zwei Hauptfiguren im Film, einen Kutscher und seine erwachsene Tochter, deren Lebensalltag bestimmt ist durch wortkarge Rituale und die Härte der Lebensbedingungen. Es gibt ein Haus mit einem Raum, ein Bett, einen Tisch, einen Herd, einen Brunnen und... - das ist vielleicht die dritte Hauptfigur -, ein Pferd. Zu essen gibt's nur Kartoffeln mit etwas Salz. Wenn diese Existenz verlischt, dann ist nicht viel zu verlieren. Der Brunnen versiegt, das Licht schwindet, Mensch und Tier erstarren.

Worin besteht das Drama? Es gibt eigentlich keines. Einmal kommt ein Nachbar und versucht mit einem langen Monolog zu erklären, warum die Welt zu Ende geht. Seine wirre Geschichte hat aber wohl nur für ihn selbst Gültigkeit. Das Ende der Welt ist im Grunde nicht durch eine Erzählung aufzulösen, es ist absolut. Wir sind wohl, glaube ich, in einem existenzialistischen Film. Wer aber das Ende akzeptiert - sei es das der Welt oder das Ende der individuellen Existenz (Wo liegt der Unterschied?), muss nicht in Hoffnungslosigkeit verfallen, er wird vielleicht sogar gestärkt. Das ist jedenfalls eine möglich Deutung.

Zufälligerweise habe ich in derselben Woche Spielbergs "War Horse" gesehen, quasi ein Gegenfilm zum Turiner Pferd. Beide Filme zeichnen sich aus durch eine exzellente Kameraarbeit und durch das Pferd als einem zentralen Motiv. Während Spielberg aber naiv und pathetisch die hohen Ideale von Freundschaft und Tapferkeit preist, sodass der Lebenskampf auch irgendwann belohnt wird, rekurriert das Turiner Pferd auf eine Anekdote über Friedrich Nietzsche, der einem geprügelten Pferd, das nicht mehr weitergehen will, schluchzend um den Hals fällt und danach in den Wahnsinn verfällt mit den Worten: "Mutter, ich bin dumm." Ein Pferd, das sich verweigert - Ist das ein transzendierendes Pferd? Die Anekdote (die zu Beginn des Films gelesen wird), endet mit dem Satz: "Was aus dem Pferd wurde, wissen wir nicht."

"This is the end...my beautiful friend...the end" (Jim Morrison)

bedenklich? 17 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Stefan Ishii

Kommentar löschen
Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Das Turiner Pferd" von Béla Tarr. Was kann ich über "Das Turiner Pferd" schreiben? Womit könnte ich diesem Film gerecht werden?

Ich könnte darüber sprechen, worum es geht. Ich könnte von dem faszinierenden Mikrokosmos eines Kutschers, seiner Tochter und seines Pferdes schreiben. Allerdings würde dies lediglich an der Oberfläche kratzen. Und tiefer zu gehen, würde zuviel vorwegnehmen! Also werde ich es garnicht erst versuchen...

Ich könnte von Trostlosigkeit, Lieblosigkeit und Monotonie sprechen. Ich könnte mich über die Musik von Mihály Vig auslassen, die so perfekt die zuvor genannten Empfindungen widerspiegelt. Allein schon die Szenen in denen die zwei Personen aus dem Fenster in die Orkan-umtoste Ödnis starren, haben mich stark berührt. Oder auch die Tatsache, dass es wäre der zweieinhalb Stunden lediglich eine einzige Mitgefühlsbekundung gibt (bezeichnenderweise gegenüber dem Pferd).

Ich könnte die wunderbaren Bilder von Kamaramann Fred Kelemen bejubeln, an denen ich mich niemals hätte satt sehen können - selbst wenn der Film noch 3 Stunden länger wäre. Bereits die zweite Szene des Filmes, die die Örtlichkeiten und Personen sowie deren Beziehungsgefüge näherbringt, ist wunderbar choreografiert und ist ein wunderbares Beispiel für die Erzählweise von "Das Turiner Pferd". Und auch wenn sich gewisse Szenen im Verlauf des Filmes wiederholen, so sind sie doch immer ein bisschen anders - sei es der Blickwinkel, der Schwerpunkt oder die Aussage.

Ich könnte über die Fragen sinnieren, die mir während des Betrachtens von "Das Turiner Pferd" in den Kopf kamen. Aber das wäre sicherlich nicht angebracht, da ja jeder Zuschauer seine eigenen Gedanken und persönlichen Reflektionen beim Schauen hat.

Ich könnte "Das Turiner Pferd" mit Michael Hanekes "Das weiße Band", mit Andrei Tarkovskys "Stalker", mit Paul Thomas Andersons "There Will Be Blood" oder mit Stanley Kubricks Filme vergleichen. Aber das wäre im höchsten Maße unfair gegenüber Béla Tarr.

Über all dies könnte ich sprechen... Aber eigentlich habe ich beim Schreiben dieses Kommentares das Gefühl, dass jedes Wort über einen Film in dem kaum gesprochen wird möglichweise zuviel ist. "Das Turiner Pferd" ist ein Film, den man einfach am besten selbst entdecken muß.

Bleibt noch die Frage, ob eine Bewertung von 10 Punkten wirklich angebracht ist. Ich weiss es nicht... Allerding hatte ich irgendwie mal wieder Lust, die Bestwertung zu vergeben. Damit ist "Das Turiner Pferd" erst der 24. Film, der dies bei mir geschafft hat (und erstaunlicherweise der erste Film seit langem, der nicht aus Südkorea kommt). Aber vielleicht ändert sich meine Bewertung, wenn ich "Das Turiner Pferd" ein zweites Mal gesehen habe. Das kann ich noch nicht beurteilen.

Schließlich muß ich noch meiner Trauer Ausdruck verleihen, dass "Das Turiner Pferd" der letzte Film von Béla Tarr gewesen sein soll. Ich habe diesen Regisseur doch gerade erst kennengelernt... Ich bin jedoch sehr froh wenigstens diesen Film gesehen zu haben. Ich war bei der letztjährigen Berlinale leider nicht in "Das Turiner Pferd" gegangen und hatte eigentlich nicht damit gerechnet, ihn in den deutschen Kinos wiederzufinden. Umso glücklicher bin ich jetzt!

„Mutter, ich bin dumm!“ - Vielleicht sagt dieser Satz mehr als all die Wörter zuvor!

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Effenberg

Kommentar löschen
Bewertung4.0Uninteressant

Ich würde gerne wissen, für welches Publikum das gemacht ist. Wirklich. Wer kann sich ernsthaft, mit vollem Wissen, was ihm da bevorsteht, künsterisch bestimmt ganz wertvolle, über zwei stündige, unfassbare Langeweile angzucken. Über zwei Stunden körnige, reizend vertonte Bewegungslosigkeit. Vielleicht, mit den Jahren, werde ich meinen Irrtum einsehen und Bela Tarr als das visionäre Genie verehren, dass er bestimmt ist. Bis dahin muss gesagt werden: Es ist nicht akzepabel, wenn sich ein Film solide 80 Minuten zu lang anfühlt. Nicht meine Vorstellung vom Kino ...
Zähneknirschend: Einer der visuell beeindruckensten Filme die ich je gesehen habe. Der Kameramann muss gekidnappt und gezwungen werden ein zackiges, archaisches Racheepos zu filmen ... am besten für Mel Gibson!! Und die Endszene ist fantastisch.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

dAJaro

Antwort löschen

Schon seinen Satantango gesehen? :)


Effenberg

Antwort löschen

Nah, dass lass ich besser sein ... allein schon wegen dem spitzbübischen Lächeln am Ende deines Kommentars. Mit Maestro Tarr bin ich fertig ... da bin ich nicht Cineast genug :).


Windom Earle

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Trostlos, langwierig, quälend, hoffnungslos. Konsequent, kompromisslos, episch, EINDRINGLICH. Sehenswert.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Prestigeww

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Das Turiner Pferd hatte doch auch etwas Biblisches, etwas Apokalyptisches, was sich am Ende auch zu bewahrheiten scheint. Das Turiner Pferd war so ein wenig die existentialistische Kunstfilm-Version von Bauer sucht Frau und wenngleich das Gegenteil von spannend, doch auch ungleich faszinierender und gruselig. Irgendetwas war in diesen Bildern, das von etwas ganz anderem sprach, das ich weder hören noch sehen und schon gar nicht in Worte fassen konnte.

bedenklich? 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben

Fans dieses Films mögen auch